Freitag, 16. April 2010

Als ob sie es geahnt hätten

Vor einer Woche titelte DIE ZEIT (8. April 2010): Ein Schöner Freund - Sterben für Afghanisten? Wer kann das von unseren Soldaten verlangen, wenn sich Kabuls Präsident vom Westen absetzt? Das war nach dem Karfreitag mit drei toten deutschen Soldaten in Afghanisten. Nur drei von 5350 mag der eine oder andere gedacht haben und wiedermal zur Tagesordnung übergegangen sein. Es wird schon seinen Sinn haben, dieses Opferbringen am Hindukusch. Wir Deutschen sind loyale Partner, im Guten wie im Bösen.

Der Autor des erwähnten ZEIT-Artikels macht es sich allerdings nicht so einfach. Um in einem fremden Land Krieg führen zu dürfen, muss es schon "um existenzielle Gefahren gehen, der internationale Frieden muss bedroht sein, zuallererst die eigene Sicherheit", schreibt Matthias Nass. "Und auch dann sucht verantwortungsvolle Politik noch nach anderen Auswegen."

Irgendwie rückt dieser verdammte und vermeidbare Krieg immer näher. Heute sind weitere vier Bundeswehrsoldaten einem Talibanangriff zum Opfer gefallen. Zwei von ihnen dienten in Ingolstadt im Gebirgspionierbataillon 8. Ihre Heimatgarnison hat die Flagge auf Halbmast gehisst. Ihnen hilft es nichts, so geehrt zu werden. Und auch die tieftraurigen Gesichter der deutschen Politikerkaste, die am unsinnigen Einsatz in einer uns total fremden Welt weiter festhält, kann den Angehörigen der Gefallenen kaum Trost bringen.


Unsere Soldaten brauchen jetzt ein neues Mandat, meint SPD-Chef Sigmar Gabriel. "Dann würde mit Sicherheit die Abstimmung anders verlaufen", zitiert ihn das HAMBURGER ABENDBLATT. Der Mann verlangt nach einem Kriegsmandat für die Bundeswehr. Wann hat denn schon mal eine reguläre Armee einen Krieg gegen Untergrundkämpfer gewonnen? Und was heißt das schon, die Abstimmung, würde "anders verlaufen"? Bei einer Ablehnung im Bundestag - würde dann das jetzige Mandat seine Gültigkeit behalten?

Das jetzige Mandat, erst einige Wochen alt, ist nach den Karsai-Äußerungen und den immer effektiveren Angriffen der Taliban ein reines Besatzungsdokument. Wer mit bewaffnetem Personal in einem fremden Land steht, wird immer von einem Teil der Bevölkerung als feindliche Besatzungsmacht empfunden, ganz gleich wie gutgemeint und friedlich diese Präsents ist. Das sollte man in Berlin endlich erkennen. Wenn man sich dann auch noch eingestehen könnte, dass man in einem Guerillakrieg gegen Leute, die schon mit dem Gewehr in der Wiege groß wurden, nur eine erbärmliche Greenhorn-Rolle spielen kann, dann wäre ein großer Schritt in Richtung Abzug getan, noch vor 2011 und schon längst vor 2015.

Die letzte Forsa-Umfrage zu Afghanisten sagt, dass bereits 62 Prozent der Deutschen den Abzug der Bundeswehr fordern. Bei der letzten TED-Umfrage des DONAUKURIER aus Ingolstadt forderten das 67,15 Prozent der beteiligten Leser. Als hätten sie es geahnt, was da am folgenden Wochenende auf sie zukommt: die Fratze dieses schmutzigen Krieges in Afghanisten. Und sie werden ihre Machtlosigkeit ob des wachsenden "Gefühls von Vergeblichkeit, das den Tod der Soldaten noch tragischer, noch unerträglicher erscheinen lässt" (Matthias Nass), zum wiederholten Male spüren.

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