Sonntag, 16. Mai 2010

Also doch die Anderen!

Das wird schwer. Am 1. Juni will Traian Băsescu die von ihm angekündigten Kürzungen der Gehälter, Renten und des Arbeitslosengeldes der rumänischen Staatsbeschäftigten bewerkstelligen. Geht nicht, sagen die Kritiker und gesetzeskundigen Betroffenen. Dazu müssen mindestens drei Gesetze geändert werden, sonst könnten Millionen von Klagen beim Verfassungsgericht eingereicht werden und der Staat würde in den meisten Fällen den Kürzeren ziehen.

So viele werden es schon nicht sein. Der Straßenkehrer aus Bukarest wird wohl kaum den Weg zum Verfassungsgericht einschlagen. Ihm bleibt nur das Schimpfen und Darben. Interessanter wird es bei den Damen und Herren aus den höheren Verwaltungsebenen der Gerichte, Ministerien und allen nur denkbaren Behörden, die es in Rumänien gibt. Diese Menschen sind mit einer Rundumversorgung verwöhnt, wie wir sie gerne unseren Bankern und Managern aus den Konzernen anlasten. Ja, vielleicht noch schlimmer. Und das in einem der ärmsten Länder der EU - zum Glück noch kein Euro-Land. Die erwähnten Damen und Herren haben erst kurz vor der Sparinitiative des Präsidenten ohne zu murren eine "Ferienprämie" von sage und schreibe 32,66% in Anspruch genommen. Das hat den Staatshaushalt mit immerhin 71,76 Millionen Euro belastet, weiß ROMÂNIA LIBERĂ zu berichten.

Und sie sind zahlreich, die gut bezahlten Posten im rumänischen Staatsapparat. Ja, mehr noch, sie sind oft doppelt und sogar dreifach besetzt. Wie das geht? Ganz einfach: nach jedem Regierungswechsel werden Posten mit der politischen Klientel neu besetzt und die Geschassten bleiben im verlängerten Krankenurlaub. Der organisatorischen Fantasie sind hier natürlich keine Grenzen gesetzt. In den letzten zwei Jahren wurden über 5.000 Chefs von verschiedenen lokalen Institutionen ausgewechselt, nach rumänischer Methode also verdoppelt, weil sie der verkehrten Partei angehörten. Zur Zeit sind die Gerichte diesbezüglich mit mehr als 1000 Prozessen beschäftigt.

Das erinnert mich alles an zwei vor Jahren in die Welt posaunten Restrukturierungsprozesse in der deutschen Automobilindustrie: Lean Management und Lean Production oder so ähnlich hieß das damals. Das mit der schlanken Produktion hat wirklich einwandfrei funktioniert, nur mit dem Management war das so eine Sache. Da wurden viele Kinder neu getauft.

Wen wundert's, wenn das in Rumänien anders laufen sollte. Die unteren Schichten werden die Zeche für die verschwenderischen Oberschichten zahlen müssen. Das will der IWF so. Und das will die EU so. Sonst gibt es keine neuen Kredite mehr für das Leben in Saus und Braus einerseits und bittere Armut andererseits. So sehen es die armen "reichen Betroffenen". Immer die Anderen sind schuld. Diese Mentalität der Rumänen ist nichts Neues.

Wenn es einen positiven Punkt in dieser rumänischen Krisengeschichte gibt, dann kann man ihn aus einer Stellungnahme Traian Băsescus herauslesen: "Es wäre ungerecht, wenn jemand den IWF beschuldigen würde. Es ist ein Programm der rumänischen Regierung. Sollte es ein Fehlschlag werden, wird nicht der IWF verantwortlich sein, sondern die Institutionen des Staates, vom Präsidenten zur Regierung. Oder, in erster Reihe die Regierung."

Also doch die Anderen!

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