Mittwoch, 2. Juni 2010

Hausgemachte Probleme

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hat eine Studie vorgelegt, nach der in Deutschland im Jahre 2030 ein Fachkräftemangel von 5,2 Millionen Personen bestehen wird. Dabei handle es sich weniger um ein konjunkturelles Problem als vielmehr um ein strukturelles. Bei den Großbetrieben komme dieser Fachkräftemangel mit einiger Verspätung an.

Wir erleben zur Zeit in Deutschland, besonders in der Automobilindustrie, eine Erosion handwerklicher und technischer Fähigkeiten. Wo Arbeiter, die heute Werkstücke mit Tolleranzen im Mikrobereich herstellen, ab morgen nur noch angelieferte Fertigteile kommissionieren oder irgendwo an einem Endprodukt anschrauben, einhängen oder ankleben, sollte sich niemand wundern, wenn technologisch verarmte Unternehmen zu reinen Montageschuppen mutieren. Die Rendite wird allerdings auch mittelfristig noch stimmen. Ob sie aber auch langfristig auf immerwährendem Rekordkurs gehalten werden kann, ist fraglich, denn irgendwann werden alle Zulieferer - viele von ihnen im fernen Asien - die Fertigungskompetenzen besitzen und dementsprechend auch die Preise diktieren.

Wer glaubt, mit je geringeren Fertigungstiefen die Zukunft gewinnen zu können, hat den Sinn von Nachhaltigkeit noch nicht verinnerlicht und den Gleichstellungswert  von Theorie (Entwicklung) und Praxis (Produktion) nicht erkannt. Für unser Land kann eine solche Haltung in den nächsten Jahrzehnten verheerende Folgen haben. Und das sind dann hausgemachte und keineswegs von heute auf morgen zu lösende Probleme.

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