Montag, 21. Juni 2010

Teamgeist

Kollektives Leiden im Gedränge titelte der DONAUKURIER in seiner Stadtausgabe INGOLSTÄDTER ZEITUNG. Public Viewing, zu Deutsch - gemeinsames Glotzen, war auf dem Ingolstädter Rathausplatz wie vielerorts in deutschen Landen am Freitag um 13:30 Uhr angesagt. Es gab eine serbische Watsche und für mich einen Umweg auf dem Nachhauseweg aus der Frühschicht.

Am Arbeitsplatz hatte dieses Public-Viewing-Event, zu Deutsch - gemeinsames Glotzereignis, eine Vor- und eine Hauptgeschichte und wird heute eine Nachgeschichte erfahren.

Vorgeschichte: Einige Kollegen wurden mit nahendem Freitagsspiel der Deutschen gegen die Serben immer nervöser. Bis sich einer ein Herz fasste und den Meister fragte, ob wir nicht anderthalb oder zwei Stunden früher die Arbeit einstellen und das Fußballgucken aufnehmen könnten. Der Chef, ein alter Haudegen, der seine Pappenheimer kennt und genau weiß, wie gut es um den von der Firma immer so innbrünstig beschworenen Teamgeist, zu Deutsch - Mannschaftsgeist, bestellt ist, gab zu verstehen, dass er bereit wäre mit dem Abteilungsleiter darüber zu sprechen, wenn alle - also 100% - das wollten. Natürlich waren sofort einige voller Leidenschaft dagegen, weil sie das nicht interssiere, wie sie voller Überzeugung und Vorfreude auf das absehbare Scheitern der anderen lauthals und gestenreich betonten.

Hauptgeschichte: Der Meister ließ einige Clevere, die sich schon lange klammheimlich für diesen Tag früher freiverlangt hatten, ziehen und die anderen blieben frustriert zurück. Selber schuld! Es lag nicht am Meister, sondern am Teamgeist.

Nachgeschichte: Die standhaften Fußballabstinenzler werden heute Nachmittag in der Spätschicht voller Schadenfreude höhnen: Hat wohl nichts gebracht, euer Mitfiebern. Währet Ihr lieber hier geblieben und hättet euch zwei Stunden Zeitguthaben gespart. 

Und ab sofort werden die Fußballbegeisterten - besonders die diesmal Zukurzgekommenen - auf Revanche sinnen. Irgendwann wird sich die Chance ergeben. Das ist in einer Mannschaft mit gelebtem Teamgeist - wie eben in meinem Arbeitsteam - nur eine Zeitfrage. Kollektives Leiden gibt es da nicht.

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