Sonntag, 6. Juni 2010

Wenn die Georgier spielen

Wenn die Georgier spielen ist immer Feiertag, Feiertag für die Musik. Denn alles was diese Musiker aus ihren Instrumenten zaubern, birgt die seltsame Kraft in sich, Menschen zu bezaubern, sie für die Dauer eines Stückes in jeweils ureigene Vorstellungswelten zu entführen. Manchmal sind diese Stücke viel zu kurz. Heute zum Beispiel zeigte die Münsteruhr gerade mal 12 Uhr 35 Minuten und ich war schon auf dem Heimweg aus der "Orgelmatinee um Zwölf".

Das AsamCollegium spielte. In der Regel sind das Musiker des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt und des Münchner Kammerorchesters, ergänzt mit den jeweils nötigen Aushilfskräften. Nicht dass sie es heute wegen dem schönen Wetter besonders eilig gehabt hätten. Nein, Konzerte von Händel und Albinoni sind manchmal nicht länger.

Um so größer war daher der klangliche Genuss. Wie könnte es mit zwei georgischen Solisten auch anders sein? Nodar Ivania (*1943, Tiflis) spielte Georg Friedrich Händels (1685 - 1759) Concerto h-Moll für Viola und Orchester HWV deest. Drei kurze Sätze - Allegro moderato, Andante ma non troppo, Allegro molto. Aber was für Sätze? Leicht, beschwingt, lieblich und vor allem nicht übertrieben schnell im Schlusssatz. Und noch ein Fragezeichen. Im Programmheft wird an der Originalität dieses Händel-Werkes gezweifelt: "Sollte das Opus vielleicht aus der Feder des Bearbeiters Jean Casadesus geflossen sein?" Ist doch Wurscht! Es ist und bleibt ein wunderschönes Stück, besonders wenn es von den richtigen Musikern gespielt wird. Wie heute eben.

Der zweite Georgier im Solistenbunde war Georgi Kobulaschwili (*1961, Tiflis). Er spielte das Concerto C-Dur für Oboe, Streicher und basso continuo op. 9/5 von Tomaso Albinoni (1671 - 1751). Wenn man die Augen schloss, tat sich die Frage auf: Spielen hier nur Streicher oder nur Bläser? Wie kann man Klangfarben zu einer solchen Eintracht bringen? Ich hab' mir ein paarmal gedacht - natürlich bei offenen Augen -, wenn er jetzt nicht nach Luft schnappt, fällt er um. Denkste! Da waren Körper und Instrument schlicht und einfach eins. Un an diesem brillanten Ton - der steckt mir noch immer in den Ohren - war von einer Asphyxieangst kein Bruchteil einer Sekunde etwas zu spüren. Was für ein großartiger Musiker. In Ingolstadt und Umgebung übrigens sehr beliebt.





Und weil diese zwei Stücke ihren Komponisten viel, viel zu kurz geraten sind und die zwei Musiker ihr treues und dankbares Publikum lieben und schätzen, gab es noch eine (natürlich auch viel zu kurze) Zugabe. Ach was? Man kann es ohne zu übertreiben behaupten: Zusammen klangen Viola und Oboe noch schöner als jeweils allein. Nodar Ivania und Georgi Kobulaschwili schenkten uns noch ein bezauberndes Miniaturstück von Mozart, ohne Orchesterbegleitung. So ist das nun mal, wenn die Georgier spielen.

(Foto: Anton Potche)

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