Freitag, 23. Juli 2010

Ein neues Stadion für den FC Ingolstadt 04

04 sagt es aus: Der FC Ingolstadt ist gerade mal sechs Jahre alt, also reif für die erste Klasse - Schulklasse nicht Spielklasse. Aber das kann ja noch kommen. Es hat lange gedauert bis die zwei Ingolstädter Fußballmannschaften MTV und ESV 2004 fusionsreif waren. Es war die Armut der Clubs und das Geld des Mitbegründers der Zeitarbeitsfirma Tuja, Peter Jackwerth, die schließlich zur Neugründung führten. Noch nie war etwas rentabler als das Geschäft mit der Armut.

Dass es so schnell aufwärts bis in die 2. Bundesliga ging, ist auch dem Interesse von Audi, oder besser gesagt einiger Leute von Audi, zu verdanken. Schließlich und endlich braucht man ja auch als pensionierter Vorstand eine sinnvolle Beschäftigung. Und da kommt einem so ein lebendiges Spielzeug wie eine Fußballmannschaft gerade recht. Das gilt natürlich auch für VIP-Logen-geile Stadtväter. Haben sie doch für die nicht billige Infrastruktur auf und um das Gelände der ehemaligen, längst stillgelegten und jetzt allmählich vor sich  hin rostenden Bayern-Oil-Raffinerie gesorgt. Und von den 25 Millionen Euro für den Stadionbau kommen satte 20 Millionen aus dem Stadtsäckel als langfristiges Darlehen. Die restlichen fünf Millionen zahlt Audi für die Namensrechte.

Jetzt ist die Arena fertig. Panem et circenses. Wenn der Ball fliegt, sind alle Zeitarbeitshungerlöhne, Ergänzungstarifverträge und was es in unserem globalisierten Zeitalter an Präkarierstandarts so alles gibt, vergessen. Morgen wird das Stadion mit einem großen Fest eröffnet.

Ab 13 Uhr gibt es einen eintrittsfreien Familiennachmittag. Im Stadion beginnt das Programm um 15.30 Uhr, für 16.30 Uhr ist die offizielle Eröffnung anberaumt, um 16.45 Uhr spielt eine FC-Bayern-All-Stars-Mannschaft gegen eine Ingolstädter Promi-Truppe und um 18.30 Uhr beginnt ein Blitzturnier mit den Mannschaften FC Ingolstadt 04, FC Augsburg und VfL Wolfsburg.

Das Turnier wird vom TV-Sender Sport 1 ab 18.15 Uhr live übertragen (135 Minuten).

Bleibt zu hoffen, dass mit dem neuen Stadion auch das Interesse der Ingolstädter an "ihrer" Mannschaft steigt. 15.000 Plätze wollen gefüllt werden. Bisher ist das kaum gelungen. Ob der angeblich schon wieder boomende Zeitarbeitsmarkt und die rentablen Arbeitfremdvergaben so mancher Firmen an Billigproduzenten im In- und Ausland auch einen Zuschauerboom auslösen werden, bleibt abzuwarten. Das Turnier ist auf jeden Fall nicht mehr eintrittsfrei. Das Volk muss für Spiele und Brot zahlen.

(Foto: Anton Potche) 

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