Sonntag, 18. Juli 2010

Unser südosteuropäisches Erbgut

In Bukarest wurde letzte Woche der Professor für Zivilrecht Gheorghe Stancu verhaftet. Er soll 50.000 Euro Bestechungsgelder von Studenten der Fakultät für Recht aus der südrumänischen Stadt Caransebeş/Karansebesch angenommen und ihnen dafür das Bestehen des Staatsexamens garantiert haben.

Ohne bisher konkrete Beweise zu besitzen, vermutet die Staatsanwaltschaft landesweit weitere Fälle. Die Universität Hyperion mit Sitz in Bukarest, die Arbeitsstätte des Professors, hat Fakultäten in mehreren Städten des Landes. Auch die Direktorin der Karansebescher Fakultät Nicoleta Gumă wurde verhaftet und weil es in einem Bestechungsfall ja immer auch einen Bieter geben muss, hat man auch den Studenten Eugen Tacotă eingelocht.

Ein ehemaliger Lehrer des Lenau Lyzeums in Timişoara/Temeswar hat mir mal erzählt, so gut wie es ihm zu Ceauşescus Zeiten in Rumänien ging, gehe es ihm heute in Deutschland im Lehramt nicht. Damals waren die Banater Schwaben aber noch nicht alle ausgewandert. Sie lebten als Eigenversorger in ihren Dörfern  bedeutend besser als die von den Lebensmittelrationalisierungen viel stärker betroffenen Stadtmenschen. Wen wunderts da, dass es für ein gutes Suppenhuhn schon mal eine bessere Note bei Mathematik, Deutsch, Chemie, Physik usw. für den Lenauschüler vom Dorf gab.

Lupul îşi schimbă părul dar năravul ba. - Der Wolf wechselt das Fell aber nicht die Gewohnheit oder die Katze lässt das Mausen nicht. Ich kenne heute noch Landsleute - und nicht wenige -, die beim kleinsten Problem, sofort nach einem Bekannten suchen, der irgendwo irgendetwas zu sagen hat oder irgendjemand kennt, der das Problem auf irgendwelchen krummen Wegen lösen könnte, wenngleich der kurze und einfache Weg zu einem Handwerker, einer Behörde etc. der einfachere, effizientere und sogar billigere wäre. Das ist nun mal unser südosteuropäisches Erbgut.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen