Sonntag, 4. Juli 2010

Warum ich jetzt wählen gehe

"Wir sind alles erwachsene Leute und wissen von den möglichen Folgen des Rauchens." Das sagt Ralf Oberhofer, der Pächter eines Ingolstädter Cafés. Und ich möchte das auch nicht in Frage stellen, was er da sagt, nur hat das leider mit Toleranz bei den Rauchern nichts zu tun. Deren Wissen über die Gesundheitsgefährdung des Rauchens, verflüchtigt sich allzuoft mit ihrem Zigarettenrauch in einer Intoleranzwolke.

Von wo ich das weiß? Ich war selber ein leidenschaftlicher Raucher. Und gelassen habe ich die Glimmstängel nicht erst, als ich bemerkte, wie sehr ich andere Menschen mit meinem kalten Rauch belästige - dass ich ihnen einen gesundheitlichen Schaden zufügen könnte, hat mich sowieso nicht interessiert -, sondern erst nachdem ich mir den Ekel angeraucht hatte.

Erst diese Woche stand ich in der Gruppe einiger Arbeitskollegen, alle Nichtraucher, als sich ein Raucher zu uns gesellte. Sofort folgten die Suchtbewegungen: Griff nach der Schachtel, Griff nach dem Zünder, eine kleine Flamme, der genüssliche Zug ... und raus mit der Rauchwolke in unsere Mitte. Auch die Bemerkungen eines Kollegen, dass ab dem kommenden Montag endlich Schluss mit dem Gestank in den Kneipen und öffentlichen Räumen aller Art sei, hielt ihn von seinem Ziehen und Paffen nicht ab. Dabei gibt es in der Firma ein klares Rauchverbot. Mehr noch, die Unternehmensleitung hat eine Stange Geld ausgegeben, um den armen Rauchern entgegenzukommen, und ihnen Raucherräume eingerichtet. Geraucht wird weiterhin versteckt - wie die Kinder, wenn sie die Strafe der Eltern fürchten.

Leider gibt es so Viele, die gegen eine Verschärfung oder besser gesagt eine vernünftige Rückführung zum für kurze Zeit in Bayern geltenden Rauchverbot sind. Ob aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen oder nur aus Ignoranz der medizinischen Kenntnisse, ist eigentlich irrelevant. Schlimm ist, dass sie sich mit Leuten solidarisieren, denen unser aller Gesundheit im wahrsten Sinne des Wortes am Arsch vorbeigeht.

Bei aller Sympathie für die Unterlage dieses Schriftzuges muss ich sagen, das geht wohl ein bisschen zu weit. Seit zwei Wochen muss ich jeden Tag dieses Wahlplakat passieren und jedesmal spüre ich, wie meine Fahrkonzentration schlagartig nachlässt. Sogar mein alter Drahtesel scheint zu bocken. Wenn das Schild nicht bald verschwindet, haut's mich eines Tages noch hin. So eine Gemeinheit. Schon darum gehe ich jetzt abstimmen. Und zwar mit JA!

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