Freitag, 17. September 2010

Oskar Pastior alias Otto Stein

die verlegenheitspause ist irgendwo im gedicht an einer nicht näher bezeichneten stelle angebracht sie bleibt unauffällig und steht in keinem verhältnis zum aufwand ... (Zitat aus Oskar Pastior: Gedichtgedichte / Höricht / Fleischeslust; Wilhelm Heyne Verlag, München 1982)

Wo ist sie, diese Pause? Vielleicht wird der eine oder andere sie nie finden. Auch wenn der Aufwand sich kaum lohnt, sie zu suchen, wird so mancher herauswollen aus seiner Verlegenheit, sich unwillkürlich sehnen nach dieser Verlegenheitspause.

Wo ist sie, diese Pause? Vielleicht wird der eine oder andere sie nie finden. Wenn der Aufwand sich kaum lohnt, macht es doch keinen Sinn, feste Pfade zu verlassen, nur wegen einer flüchtigen Verlegenheitspause.

Versuche den Gedankenlabyrinthen eines Sprachakrobaten zu folgen, und du bist unausweichlich verloren. So werden sich dieser Tage viele vorkommen, die der ergreifenden Entstehungsgeschichte von Herta Müllers Atemschaukel mit emotionaler Aufnahmebereitschaft begegnet sind. Das klingt so brutal, was da heute auf der ersten Seite der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG unter dem Titel "Der verstrickte Gefährte - Herta Müllers Freund Oskar Pastior war der Securitate verpflichtet" steht.

Die Fahnder sind mit ihrer Wiesenthal-Konsequenz auch dem homosexuellen Dichter aus Siebenbürgen auf die Schliche gekommen. Man ist geneigt sich unwillkürlich zu fragen: Wer hat denn in diesem Land nicht geschnüffelt? Und mit dieser Frage sollte man auf jeden Fall auch Differenzierungen Raum geben. Es ist bestimmt nicht dasselbe, ob einer sich mehr oder nur aus Angst - ich bin überzeugt, dass man auch das "nur" gelten lassen kann - zu einer unauffälligen Mitarbeit, die in keinem verhältnis zum aufwand stand, überreden oder einschüchtern ließ oder ob er das dreckige Geschäft über Jahre, mit schlimmen Folgen für seine bespitzelten Subjekte betrieben hat.

Prof. h. c. Dr Stefan Sienerth, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, und Prof. h. c. Dr Peter Motzan, stellvertretender Direktor des gleichen Instituts, haben sauber recherchiert. Das kann man auch vom Leiter des Berliner Literaturhauses, Ernest Wichner, der die Oskar-Pastior-Werkausgabe verantwortet, sagen. Er hat unabhängig von den beiden Wissenschaftlern in Bukarest nachgeforscht. Oskar Pastior wird nicht entlastet. Aber seine Schuld ist eher symbolisch, zwar verwerflich, doch nicht in letzter Konsequenz einer gesellschaftlichen Ächtung auszusetzen.

Im Vergleich zu Gruia, Voicu und anderen Profispitzeln bleibt Otto Stein ein zwar bedauerlicher, aber Gott sei Dank eher harmloser Securitate-Fall. Er sollte nach Anweisungen der Securitate die Schriftsteller Paul Schuster und Dieter Schlesak bespitzeln. Ob er das dann aber auch wirklich tat, war den Akten nicht zu entnehmen. Oskar Pastior wurde von 1961 bis 1968 als Securitateinformant geführt. Er ist 2006 in Deutschland gestorben.

Wie auch immer, für Häme seitens Typen wie Voicu, Gruia, Sorin, Matei, Mayer und wie sie alle in ihren Masken hießen, scheint im Fall Oskar Pastior - Otto Stein noch kein Anlass zu bestehen.

also das differenz am trivial / besteht aus einem obsolet / das widersteht im regelfall (Zitat aus wollflauschmantel - Oskar Pastior: Villanella & Pantum, Gedichte; Carl Hanser Verlag, München, Wien 2000)

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