Donnerstag, 27. Januar 2011

Musiktalent und Musikwissenschaft

Ist von den Rumänen die Rede, dann wird oft auch ihre Musikalität ins Spiel gebracht, wobei nicht immer klar ist, ob damit nicht vielleicht die Zigeunermusik gemeint ist. Ich habe heute noch im Ohr, wie ein gewesener Musikkollege, der viel mit rumänischen Tanzkapellen als Schlagzeuger in Siebenbürgen unterwegs war, voller Bewunderung von der Harmoniekunst und dem mörderischen Rhythmus dieser Musikanten, die nie Noten lasen, sprach. "Ţine aproape, măi băiete" (Bleib dran, Junge), soll der Kapellmeister seinem jungen sächsischen Schlagzeuger zugerufen haben.

Die brilliante Technik der rumänischen Bläser lässt auch heute noch so manchen "gelernten" Blasmusiker aus deutschen Landen vor Neid erblassen und anerkennend ausrufen: "Da will man ja sein Instrument wegschmeißen." Ich habe das sinngemäß öfter schon in Musikantenkreisen gehört. Es ist zweifellos die größte Anerkennung, die diesen nativen Bläsern - ob Taraf (Volksmusikorchester) oder Blaskapelle - aus den rumänischen Landen unsererseits entgegenschlägt.

Diese Anerkennung funktioniert aber auch in der entgegengesetzten Richtung, ja schlägt sich auch hier in aufrichtiger Bewunderung nieder. Laurenţiu Darie ist einer der 33 Musiker, die eine Einladung für das YouTube Symphony Orchestra bekommen haben. Der 33-jährige Fagottist aus Rumänien hat den Bewerbungsvorgaben zufolge seine eingespielten Stücke in das Videoportal gestellt und wurde genommen. Dirigiert wird das Orchester von Michael Tilson Thomas, musikalischer Direktor der San Francisco Symphony. Das Orchester spielt am 20 März in Sydney und wird angeblich von YouTube live übertragen.

Dieser Laurenţiu Darie ist ein Weltreisender in Sachen Musik. Und eben darum ist seine Meinung über die Musik in Deutschland aller Ehren wert. Der Mann hat sein Musikstudium in München begonnen, nachdem er schon als Mitglied der Bukarester Philharmonie, Rumäniens Spitzenorchester, sein tägliches Brot verdient hatte. Und was er zum Wechsel nach München jetzt der rumänischen Tageszeitung ROMÂNIA LIBERĂ sagte, kann wohl ehrlicher nicht sein: "Ich kam wie eine Diva aus Rumänien und glaubte den Gipfel erklommen zu haben, um dann festzustellen, dass dieser sehr weit entfernt war und ich mich ungefähr in der Nullzone befand. Das Niveau der deutschen Musiker ist gigantisch. Bei ihnen ist die Musik Wissenschaft. Bei uns stützt sich alles auf Talent." Sein Lehrmeister in München war Marco Postinghel vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Was bleibt uns da mehr, als Danke zu sagen und einfach mal zuzuhören: Laurenţiu Darie

Un was dieser rumänische Musiker unter "Nullzone" versteht, kann man sich hier anschauen und -hören: Philharmonie George Enescu (Bukarest)

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