Freitag, 14. Januar 2011

Seppi und Peppi und die Zukunft

Das war ein verdammt ungemütlicher Tag heute, dieser 13. Januar 2011: Regen, Wind, unfreundlich. Peppi und Seppi hatten sich am Nachmittag in ihrem trostlosen Bahnhofscafé verabredet - als würde es kein anderes Lokal auf dieser Welt geben.

- Und wie ist es gelaufen?
- Na ja.
- Erzähl.
- Um 12.30 Uhr ist der letzte Motorblock aus der Dichtprüfanlage Bayer gelaufen. IO. Ich habe als Letzter meinen Namen mit einem blauen Stift auf den Block geschrieben. W.I. hatte Tränen in den Augen und die Sprache war ihm abhandengekommen. (Es gab noch verwässerte Blicke aus nachdenklichen Gesichtern.) Ich habe versucht, ihn mit der Erkenntnis zu trösten, dass wir heute einerseits zwar eine Arbeit und - für einige einen liebgewonnenen - Arbeitsplatz verlieren, aber andererseits auch zu den ersten Zeugen einer technischen Revolution gehören, die des Menschen individuelles Reisebedürfnis unabhängig von endlichen Energieressourcen befriedigen soll. Wir haben heute den Beginn des Endes der Verbrennungsmotore miterlebt. Ein geschichtsträchtiger Augenblick. Niemand von uns muss die Firma verlassen. Auf jeden - fast auf jeden - wartet schon ab Montag eine neue Aufgabe.
- Das hast du deinem Kumpel gesagt?
- Ja.
- Als Trost?
- Ja.
- Und den Vogel?
- Hat er mir nicht gezeigt.

Der Regen will und will nicht aufhören. Dieser Kaffee schmeckt heute einfach nur schal. So ist es nun mal an manchen Tagen.

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