Freitag, 29. April 2011

Ein fulminanter Auftakt

Das war ein wahrlich fulminanter Auftakt. Die Ingolstädter Konzertreihe OrgelMatinee um Zwölf ist an Pfingstmontag (25. April) in ihr 22. Jahr gestartet. Der Kulturreferent der Donaustadt, Gabriel Engert, nennt diese Sonntagskonzerte in seinem Grußwort im Programmheft , diesmal mit konkreter Kunst von Schülern des Gnadenthal-Gymnasiums illustriert, "Kultur an historischer Stätte im Geiste des weltumspannenden, universalen Anspruchs, der vom einzigartigen Deckengemälde des Cosmas Damian Asam ausgeht". Und sie wird genossen, diese Kultur. Die Kirche war wieder mal voll. Ich fand nur noch einen Stehplatz, obwohl ich 10 Minuten vor Konzertbeginn die Kirche betrat.

Es ging dann pünktlich um 12:00 auch mit einem Allegro moderato los. Oben auf der Empore, den Blicken der Konzertbesucher entzogen, spielten das AsamCollegium, ein Ensemble mit dauernd wechselnder Besetzung, das allerdings auf einem Fundament des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt ruht, das Konzert Nr. 5 F-Dur für Orgel und Orchester von František Xaver Brixi (1732 - 1741). Der Prager Kapellmeister komponierte in einem Stil, der zwischen Barock und Klassik angesiedelt werden kann. Seine böhmische Melodieverliebtheit ist auch in diesem Stück, das sich noch aus den Sätzen Adagio und Allegro assai zusammensetzt, herauszuhören. Schöne Musik. Das Zusammenspiel zwischen Evi Weichenrieder an der Orgel (im zweiten Stück am Cembalo) und dem Kammerorchester klappte vorzüglich. Hier agierten hervorragend eingspielte Musiker. Wer das Ingolstädter Konzertleben kennt, hat auch nichts anderes erwartet.

Dann gings in die Vollen. Die Musiker stiegen von der Empore und postierten sich vor dem Altar -in Solistenstellung Hans Jürgen Huber (Foto: links) und sein langjähriger Partner Harald Eckert. Zu den Orchestern, in denen H. J. Huber schon als Gastmusiker auftrat, zählen so namhafte wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Münchner Philharmoniker oder Teatro alla Scala Mailand. Harald Eckert unterrichtet an der Musikschule in Eichstätt und ist Leiter der dortigen Stadtkapelle. Und sie legten los: virtuos und gefühlvoll, strahlend und weich, mit allem was an Trompetenkunst aufzubieten ist.

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Concerto C-Dur für zwei Trompeten, Streicher und Basso continuo RV 537 - komponiert von Antonio Vivaldi (1678 - 1741). Dem Kopfsatz Allegro (Video) folgte ein Grave - es gibt auch Editionen, wo dieser Mittelsatz mit Largo überschrieben ist -, das für seine Schönheit viel zu kurz ausgefallen ist. Als wollte der Komponist ein mögliches Versinken der Kirchenbesucher - immerhin "galt die Trompete als Symbolinstrument der höchsten Ehre Gottes" (Programmheft) -   in Melancholie (oder gar Schlummer?) verhindern, geht dieser Satz schon nach rund einer Minute in ein wieder forteilendes Allegro über. Auch das wurde von den zwei Trompetern mit verblüffender Sicherheit bewältigt. Dass sich H. J. Huber dann in der erklatschten Zugabe nach einem Gicks bei einem folgenden Ton einen Kunstschleifer nach oben erlaubte, entsprach voll seinem Temperament und weniger dem gegebenen Anlass, kam aber beim Konzertpublikum gut an, denn der folgende Applaus wollte nicht enden.

Alles in allem war das ein sehr gelungener Auftakt in eine Konzertreihe, die auch heuer viel verspricht. Am nächsten Sonntag, dem 1. Mai, geht es weiter mit Georg Staudacher an der Orgel und dem Cembalo, Theona Gubba-Cheidze und Alexander Konjaev (Violine) und dem AsamCollegium. Sie spielen Werke von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) und Antonio Vivaldi - wie üblich um Punkt 12:00 Uhr in der Asamkirche Maria de Victoria zu Ingolstadt.

(Foto & Video: Anton Potche)

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