Donnerstag, 29. September 2011

So schnell kann's gehen

Wie lange ist das jetzt her, dass die Bochumer ihre Arbeitsplätze bei Nokia verloren haben? Wir erinnern uns noch alle an die aufgebrachte Stimmung in Nordrhein Westfalen, als Jürgen Rüttgers (CDU) sich sogar zu der Bemerkung hinreißen lies, die Rumänen wären faul. Das war bei einer Wahlveranstaltung in Duisburg, am 26. August 2009, also kaum zwei Jahre her. Laut dem HAMBURGER ABENDBLATT vom 5. September 2009 waren das seine Worte: "Und im Unterschied zu den Arbeitnehmern im Ruhrgebiet kommen die in Rumänien nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und sie wissen nicht, was sie tun."

Rüttgers hat sich damals entschuldigt und ist längst aus der ersten Reihe der deutschen Politik verschwunden. Und man kann es kaum glauben: Auch Nokia wird noch heuer aus Rumänien verschwinden. Das finnische Unternehmen hat seinen Abzug angekündigt, aus Kostengründen. Die Produktion von Handys und die Absatzmärkte wären in Asien eben günstiger, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Konzerns.

Nachdem Nokia mit Microsoft eine Partnerschaft eingegangen war, kündigten die Finnen schon im April dieses Jahres den Abbau von weltweit 6000 Arbeitsplätzen an. Nur war nie so richtig klar, wen es erwischen wird. Jetzt wissen die 2200 Beschäftigten der Fabrik in Jucu bei Cluj-Napoca (Klausenburg), dass sie ihre Arbeitsplätze verlieren werden.

Was soll's? Heuschrecken ziehen weiter, wenn die Landschaft kahl ist. Die Rumänen haben den Finnen 2007 eine Fläche von 90 Hektar in einem erschlossenen Gewerbepark "cu titlu gratuit", also unentgeltlich überlassen. Nokia hat zwar 60 Millionen Euro in die neue Fabrik investiert, aber bei den rumänischen Löhnen anscheinend in kurzer Zeit so viel Gewinn gemacht, dass ein Weiterziehen in billigere Standorte gemäß der Nokia-Unternehmensphilosophie des Shareholder Value geboten scheint.

Mir allerdings scheint es bemerkenswert, dass rumänische Politiker ziemlich selbstkritisch - wenn auch aus Sicht der  Opposition - mit dem Weiterflug der Finnen, von dem auch ca. 1000 Arbeitnehmer in diversen Zulieferfirmen betroffen sind, umgehen. Aurelia Cristea, stellvertretende Vorsitzende der Clujer PSD (Sozialdemokratische Partei), findet klare Worte: " Die exzessive Bürokratie, Steuern, Taxen und Extrataxen (versteckte Zahlungen, die man von Investoren fordert), fehlende politische Zuverlässigkeit der Regierung Boc haben ein unternehmerfeindliches Umfeld geschaffen."

Arbeiter in Asien werden nicht beschimpft. Hoffentlich ergeht es ihnen besser als ihren Kollegen in Deutschland und Rumänien. Irgendwann wird ja auch die gefräßigste Heuschrecke voll sein. Immerhin, ich hatte vor Bochum kein Nokia-Handy und habe auch nach Jucu keins.

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