Mittwoch, 26. Oktober 2011

Ein Tagesausflug zu den Büchern - Teil 3

Wenn die Technik versagt

Wie lautete doch der Rat des Sprechers auf der Info-CD? Man erstelle sich am besten einen auf die eigenen Interessen zugeschnittenen Besucherplan. Also? Nichts wie hin zum rumänischen Stand.

Eine Buchpräsentation stand auf dem Programm: Konstruktionen des Judenbildes - Rumänische und ostmitteleuropäische Stereotypen des Antisemitismus von Andrei Oişteanu. Das Buch ist 2002 im Bukarester Humanitas Verlag erschienen. Larisa Schippel, zurzeit Professorin für Transkulturelle Kommunikation am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien, hat es ins Deutsche übersetzt und so vor einem Jahr sein Erscheinen im Berliner Verlag für wissenschaftliche Literatur Frank & Timme ermöglicht. 

Neben dem Autor und der Übersetzerin war auch der aus dem Banat stammende Schriftsteller, Exherausgeber und Übersetzer Gerhard Csejka zugegen. Er hatte die undankbare Aufgabe übernommen, Oişteanus Ausführungen ins Deutsche zu übertragen - für die Anwesenden, die des Deutschen nicht mächtig sind. Gerade von diesen haben aber einige die Veranstaltung vorzeitig verlassen, weil sie von seiner Übersetzung kaum etwas mitbekamen. Die Lautsprecheranlage machte dauernd Mätzchen und der Übersetzer schien dadurch mehr frustriert als motiviert zu sein. Man wurde den Eindruck nicht los, für Gerhard Csejka sei die ganze Veranstaltung eine lästige Pflichterfüllung. 

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Zum Glück konnte Andrei Oişteanu sich klar und deutlich verständlich machen. und was er zu sagen hatte, war wirklich interessant und informativ, wenn auch nicht gerade schmeichelhaft  für die rumänische Gesellschaft. Wo in Europa ist das aber auch anders, wenn es um Fremdenfeindlichkeit geht?

Aufschlussreiche Diskussion

Das zeigte besonders die dem Vortrag gefolgte Diskussion. Es gibt auch unter den Rumänen immer noch Menschen, die mit den hanebüchensten Vorurteilen gegen die Juden durch die Gegend laufen, ob zu Hause oder hier in Deutschland. Stereotypien setzen sich eben in Köpfen fest und scheinen bei einigen eine lebenslange Halbwertszeit zu besitzen. Sogar die Machtergreifung der Kommunisten in Rumänien soll etwas mit den Juden zu tun gehabt haben. Also bitte, meine Herren! Ob Leonte Răutu (1910 - 1993) ein Jude war oder nicht, ist bestimmt nicht geschichtstragend. Und dass er Andrei Oişteanus Onkel war, ist nur eine jener vielen schicksalhaften Fügungen des 20. Jahrhunderts. Dass der Neffe über die Biografie seines Onkels nicht unbedingt glücklich war und ist, zeigt sein beruflicher Werdegang, wenngleich sein Œvre keine direkte Auseinandersetzung mit dem rumänischen Kommunismus aufzuweisen hat.

Es war schon bemerkenswert, wie Oişteanu diese Angriffe auf sein Buch und (indirekt) seine Person parierte. Er war durch sein fundiertes Fachwissen den Diskussionsteilnehmern aus dem Publikum weit überlegen. Das ist auch insofern nicht verwunderlich, wenn man das Themenspektrum, das dieser Mann abdeckt, betrachtet: Geschichte, Ethnologie, Kulturanthropologie, Judaistik, Religionsgeschichte.

So durften die Ausharrenden einer Veranstaltung beiwohnen, mit der die Rumänen sich in Frankfurt sehen lassen konnten - bis auf die Tontechnik. In ihrer Sprache würde es wohl heißen:
O prezenţă lăudabilă la Târgul de Carte de la Frankfurt pe Main.

Video: Anton Potche

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