Donnerstag, 21. März 2013

Peter Fihn – ein donauschwäbischer Komponist aus Gajdobra


In Robert Rohrs Standardwerk zur Musik der Donauschwaben Unser klingendes Erbe (drei Bände) kann man nachlesen, dass im Jahre 1928 Peter Kleiner im Batschka-Dorf Gajdobra eine Musikkapelle gegründet hat, deren Leitung er bereits ein Jahr später an Peter Fihn (1908 - 1998) übergab. Der erst 21 Jahre alte Mann hatte bereits das Stankovic-Konservatorium in Belgrad absolviert und in der Regimentsmusik der königlichen Garde seinen Militärdienst geleistet. Er leitete die Blaskapelle seines Geburtsortes bis 1943.

Die Diskriminierungsmaßnahmen des Tito-Regimes in Jugoslawien haben auch Peter Fihn getroffen. Er ließ sich daher nach dem Krieg in Österreich nieder, wo er eine Tanzkapelle leitete. Im Jahre 1953 zog der Musiker weiter nach Deutschland und ließ sich in Mittelstadt nieder. Hier dirigierte er 30 Jahre lang die Schwäbische Blaskapelle. 

Peter Fihn war ein leidenschaftlicher und vielseitiger Musiker. Er spielte Klarinette, Saxophon und Violine. Seine großen Verdienste erwarb er sich allerdings als Komponist und Dirigent. Über 100 Kompositionen nannte er sein Eigen. Viele dieser Walzer, Polkas und Märsche sind auf den sieben Schallplatten, die er mit der Blaskapelle aus Mittelstadt – die Kapelle spielte unter verschiedenen Namen – eingespielt hat.

Titel wie Happy Party (Moderne Ouvertüre), Im Rhythmus der Zeit (Konzertmusik), Festliche Prélude oder Festliche Intrade deuten auf die Vielseitigkeit des schwäbischen Komponisten mit den donauschwäbischen Wurzeln hin. Viele seiner Stücke sind auch heute noch in den Repertoires der Blaskapellen zu finden. Dem Juventas-Marsch bin ich bei einigen Blaskapellen begegnet. Vor Jahren fand ich auf einer CD des Preetzer Blasorchesters (Schleswig-Holstein) den Schwentine-Walzer. Ja, und so manches Stück hat schon zu Lebzeiten Peter Fihns die Grenzen Deutschlands überschritten. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Uschi-Polka, die im Banat der 1970er Jahre gespielt wurde.

Es kann gar nicht anders sein, dass ein so beherzter und unermüdlicher Musiker sich in seinem langen Leben auch so mancher Auszeichnung erfreuen durfte. Das goldene Verdienstkreuz des Bundesverbandes der Blasmusik, Verdienstnadel und Bundesfördermedaille in Gold des deutschen Volksmusikerbundes und Ehrennadel des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes sind nur einige seiner Auszeichnungen. 1992 erhielt er aus den Händen von Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz und auf Wikipedia wird Frau von Weizsäcker mit der Aussage zitiert: „Die von ihm komponierten Märsche, Walzer und Polkas machten deutsches Brauchtum auch in Texas bekannt und beliebt ...“.

Wir wissen nicht, ob Peter Fihn in seinen letzten Tagen seines Lebens gedanklich noch einmal in Gajdobra weilte. Aber wir können mit Gewissheit behaupten, dass er im Laufe seines langen, arbeitsreichen Lebens oft an seine erste Heimat gedacht hat. Musikstücke wie Die alte Heimat, Batschka, Mein Heimatdorf, Donauschwabenmarschlied, Heimatglocken oder Batschka o Heimat deuten darauf hin.

Die Siebenbürger-Banater Blaskapelle Ingolstadt (Ltg.: Hermann Mattes) hat den beliebten Walzer Waldzauber  in ihrem Repertoire.

Anton Potche

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