Donnerstag, 4. Juli 2013

Lucian Binder-Catana stellt aus - Bilder einer Vernissage

Künstler brauchen Freunde. Und Lucian Binder-Catana hat Freunde. Viele Freunde. Sie waren zur Vernissage seiner Ausstellung Ideogramme, Malerei + Zeichnungen in die Harderbastei zu Ingolstadt gekommen. Ausstellungseröffnungen gehören zu den gesellschaftlichen Ereignissen einer Stadt. Man sah auch hier so manches bekannte Gesicht aus dem öffentlichen Leben.

Und diese Gesichter begegneten wiederum Gesichtern. Meist verzerrten, grimassenhaften Gesichtern. Gesichter gemalt von Lucian Binder-Catana. Die Körper, zu denen diese Gesichter gehören sind nicht weniger schrullig, verbogen, verzerrt. Vor Schmerz? Vor Übermut? Wer kann das schon so genau wissen? Nur der Künstler selber. Es war seine Hand, die diese oft kreaturhaften Gestalten geschaffen hat, und es war sein Blick, der sie eingefangen hat. Irgendwann. „Ich versuche Momente zu konservieren“, erklärt der Maler seine Kunst.

Und diese Kunst ist der wahre Gegensatz zu Konsum und Lifestile, erläuterte Dr. Isabella Kreim in ihrer kurzen, aber sehr sachbezogenen Einführungsrede. Das Thema dieser Bilder ist augenscheinlich Gesellschaftskritik. Ihr Schöpfer arbeitet in der Werbebranche, wo Glanz und Glimmer dominieren. Und wenn er diese Welt verlässt, trifft er auf den Alltag mit all seinen Problemen. Dieser Kontrast wiederum gebiert Kunst. Kunst, die zum Verweilen anregt, auch zum Nachfragen und vor allem zum Diskutieren. Auch die Maltechnik wirft Fragen auf. Gut, wer nicht ganz kunstfremd durchs Leben geht, hat schon mal von Acryl auf Leinwand, Öl auf Leinwand und auch Tusche auf Papier gehört oder gelesen. Aber dieses angebräunte Papier? Auch dafür gibt’s eine Erklärung. Frau Dr. Kreim hat erzählt, dass Lucian Binder-Catana in seinem Leben in Rumänien oft nur schwer genießbaren Kaffee vorgesetzt bekam. Und den Satz hat er zum Einbräunen seines Zeichenpapiers benutzt. Eine Gepflogenheit, die er bis heute beibehalten hat.

Oh, ja. Da kamen Erinnerungen auf. Nicht bei Frau Kreim, aber bei mir. Cafea de năut – Kichererbsenkaffee (auch mazărea berbecilor – Schafbockerbse genannt) oder cafea de cicoare – Zichorienbrühe. Verrauchte Kneipen in der alten Bastion aus der Türkenzeit. Und verbotene Liebschaften. Jugendzeit. Grandios. Was Kunst und ihre Interpretation mit Menschen alles anstellen kann. Danke Lucian Binder-Catana! Danke Frau Dr. Isabella Kreim!

Künstler brauchen Freunde. Lucian Binder-Catana hat Freunde. Künstler brauchen aber auch Käufer. Lucian Binder-Catana hat auch Käufer. Die Gespräche über Kunst und Gesellschaft hatten kaum begonnen und schon wurden die ersten roten Punkte auf Bilderrahmen geklebt. Verkauft. Und es waren wahrlich nicht die billigsten der zwischen 350 und 1500 Euro liegenden Bilder.

Die Ausstellung kann bis zum 10. Juli 2013 besucht werden.

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