Freitag, 26. Juli 2013

Open Air mit der Audi Bläserphilharmonie

Der DONAUKURIER aus Ingolstadt titelte am vergangenen Samstag: Klassisches Sommervergnügen. Gemeint war das Open-Air-Konzert der Audi Bläserphilharmonie im Klenzepark. Das war aber nur der Auftakt zu einem anscheinend sogar vom Sommergott herbeigesehnten Wochenende mit unzähligen Freilichtkonzerten in ganz Deutschland und auch in der Region Ingolstadt. Die Kulturseiten des DONAUKURIER vom Montag (22. Juli 2013) waren ausschließlich den Festivals vom Wochenende gewidmet: Konzert im Klenzepark mit dem Georgischen Kammerorchester (Samstag), Taktraumfestival (Hip-Hop, Rock, Pop, Electro u.a.) auf dem Paradeplatz in Ingolstadt, Kulturtage in Eichstätt, Ballett in Kehlheim, Open Air in Pförring und, und, und.

Diese Freilichtveranstaltungen dienen so gut wie immer einem doppelten Zweck: einem musikalischen und einem gesellschaftlichen. Musik genießen ist das Eine und Bekannte treffen das Andere. Dass es dabei nicht so vornehm zugeht wie in konzertbestuhlten Sälen, wird als Konsens auch von Klassikfans akzeptiert. Das funktioniert schon darum ziemlich reibungslos, weil die Musik über riesige Lautsprecher verstärkt wird. Also kommt schon was rüber, auch bei Pianostellen. Natürlich versuchen die Orchester, ihr musikalisches Können auf höchstem Niveau unters Publikum zu bringen. Schließlich sind bei Freilichtveranstaltungen immer auch Leute dabei, die der gerade zum Tragen kommenden Gattung nicht unbedingt verfallen sind: Rockfans im Klenzepark oder Klassikfans auf dem Paradeplatz.

„Über 18.000 Besucher genießen im Klenzepark Klassik unter freiem Himmel und ein fulminantes Feuerwerk“, schätzt der Lokalreporter Karlheinz Heimisch in einem extra dem gesellschaftlichen Aspekt dieser Veranstaltungen gewidmeten Artikel und bezieht sich auf zwei Abende. Am Freitag hat er sich auch mit Franz Xaver Licklederer unterhalten. Der 86-Jährige hat ihm erzählt, dass er selber 48 Jahre lang in der Audi Bläserphilharmonie gespielt hat. Ob er ihm auch erzählt hat, dass er noch vor drei Jahren an gleicher Stelle in einem anspruchsvollen Programm das Flügelhorn geblasen und sogar am Klavier gespielt hat, weiß ich nicht. Klar ist aber, dass man ein solches Musikantenleben – Xari, wie ihn seine Musikerkollegen noch immer nennen, war Gründungsmitglied dieses Orchesters und einer der ersten Mitarbeiter im Audi-Stammwerk in Ingolstadt – nie ad acta legen kann, auch wenn man nicht mehr aktiv musiziert.

„Die Musik gefällt mir“, wird Xari zitiert. Da wird ihm die Mehrheit der ca. 8000 Besucher des Freitagskonzertes bestimmt zustimmen. Eine Charakteristik der Open-Air-Konzerte ist der Ohrwurm. Die Orchesterleiter wissen allzu gut, was in ein auf Sommerurlaub eingestimmtes Ohr passt. Christian Lombardi ist auch diesbezüglich ein erfahrener Mann. Er spielte mit den Audianern ein zwar anspruchsvolles, aber auch mit vielen Nachsummmelodien bespicktes Programm. Wer kennt nicht den ersten Satz von Beethovens 5. Symphonie (dieses Türklopfthema), oder die Ouvertüre von Rossinis Barbier von Sevilla, die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Baptist Strauß (dem Junior), den berühmten Ohrwurm aus Bizets Carmen usw. Und Bernsteins hatte er gleich zwei im Programm: Leonard & Elmer.

Die Audi Bläserphilharmonie hat auch bei diesem Open Air im Klenzepark (im Rahmen der von Audi ausgerichteten Sommerkonzerte) den Geschmack des Publikums getroffen. Zu der unterhaltsamen und qualitativ guten Bläsermusik passte hervorragend ein bestens aufgelegter und informierter Moderator; Michael Atzinger von BR Klassik, sowie ein fulminantes Feuerwerk. Mehr kann man sich an einem herrlichen Sommerabend an der Donau eigentlich gar nicht wünschen.

Anton Potche

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