Montag, 4. August 2014

Konkrete Kunst in Ingolstadt

Bei konkreter Kunst wird oft die Nase gerümpft, wie bei abstrakter auch. Ich will nicht verschweigen, dass auch meine Nase schon das ein oder andere Mal leichte Rümpfbewegungen absolviert hat. Leugnen sollte ich dabei aber auch nicht, dass meine Skepsis bei einer sachkundigen Museumsführung auch schon in ehrliche Bewunderung umgeschlagen ist. Also machen die verschiedenen Veranstaltungen, die Museen anbieten, durchaus Sinn, auch wenn nicht alle Besucher sie als Gewinn verbuchen wollen oder können.

Das ist in Ingolstadts reicher Museumslandschaft nicht anders als andernorts. Das Museum für Konkrete Kunst beherbergt zurzeit gleich zwei Ausstellungen: eckig rund und bunt – Eine Ausstellung für die ganze Familie sowie Millimeterarbeit. Hartmut Böhm nimmt Maß, beide zu sehen bis zum 19. Oktober 2014. Begleitet werden die Ausstellungen von einem Programm, das sich sehen lassen kann. Sage und schreibe 24 Veranstaltungen sind im MKK Ingolstadt bis zum 19. Oktober vorgesehen.

Sonntags?Kunst! hieß die Veranstaltung am 27. Juli 2014. Von 11 bis 17 Uhr waren Führungen und Familienworkshops vorgesehen. Man erfuhr aus sachkundigem Munde, wie Arbeiten eines Hartmut Böhm (*1938), Erich Hauser (1930 – 2004), Max Cole (*1937), Hermann Glöckner (1898 – 1987) oder Erwin Heerich (1922 – 2004) überhaupt entstanden sind, eventuell auch etwas über die Beweggründe ihrer Entstehung, auch Interessantes aus den Biographien der Künstler und vieles mehr. In der Ausstellung eckig rund und bunt sind Arbeiten von mehr als 20 Künstlern zu sehen und, „damit auch die kleinen Museumsbesucher in den vollen Kunstgenuss kommen, werden die Werke in Augenhöhe der Kinder präsentiert“. (Programm-Faltblatt). Dass bei diesen Kunsterlebnissen auch mal ein Erwachsener ins Grübeln kommen kann, ist spätestens bei dem ausgestellten Werk von Christian Frosch (*1968) nachvollziehbar: „Bin ich vielleicht auch ein Künstler? So etwas ist mir doch auch schon widerfahren, nur habe ich es nicht als Kunst wahrgenommen.“ Der Künstler aus München hat nämlich die getrocknete Farbe auf einem Farbeimerdeckel als Kunst deklariert. Ja, warum denn nicht? Man muss etwas nur als solche erkennen.

So kann ein Museumstag wirklich abwechslungs- und erkenntnisreich sein. Überhaupt wenn er auch noch von guter (in diesem Fall von sehr guter) Musik eingeläutet wird. Die Organisatoren hatten das Ingolstädter Saxophonquartett 4phones für ein einstündiges Konzert im Freien, im Schatten altehrwürdiger Platanen und eingerahmt von Plastiken, die man allesamt der konkreten Kunst zurechnen kann, verpflichtet. Die Zuhörer saßen übrigens auf Kunstsitzgelegenheiten, die Teil einer weiteren, also dritten, Ausstellung im MKK sind: Donau-Rundweg – Donau Loop (25.07 - 07.09.2014). Als sehr gelungener Kunstgriff erwies sich auch der Auftritt von 4phones, denn sowohl das Repertoire als auch die niveauvolle Darbietung der Musikerin und ihrer drei Kollegen ließen das kunstsinnige oder nur neugierige Publikum (zur zweiten Kategorie zähle ich mich auch gerne) voll auf seine (Musik)Rechnung kommen. Dynamisch eindrucksvoll - obwohl man in der Nähe einer viel befahrenen Straße musizierte -, harmonisch ausgewogen, technisch stellenweise sogar virtuos und schon nach dem ersten Stück mit einem direkten Draht zum Publikum durch eine kurze Anmoderation der Stücke. Damit waren die wahrlich besten Voraussetzungen für einen ereignisreichen Museumstag geschaffen und als es am Nachmittag gewitterte, waren längst alle Liebhaber und Neugierige drinnen bei den ausgestellten Werken.
Anton Potche

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