Mittwoch, 10. Dezember 2014

„Solemnis“ hat ein besseres Publikum verdient

Die Adventszeit ist da und mit ihr unzählige Veranstaltungen, meistens Konzerte in allen denkbaren Besetzungen und Stilrichtungen: Haus-, Bläser- und Chormusik. Man versucht in dieser Zeit auch schon mal was Neues. Das muss nicht unbedingt direkt mit der Musik zu tun haben, kann deren Botschaft aber durch die äußeren Umstände angenehm verstärken oder auch unangenehm einschränken. Man muss halt den Mut zum Experimentieren aufbringen.

Der in Ingolstadt tätige Kulturverein Rumänischer Freundeskreis Ingolstadt e.V. hat den aus Bukarest angereisten Chor der Kirche Delea Nouă ins Ingolstädter Restaurant Kronstadt zu einem Konzert eingeladen. Ein für einen Kirchenchor ungewöhnlicher Ort, zumal es ja um mehr als ein Geburtstagsständchen ging – das nach getaner Arbeit auch dargebracht wurde -, und zwar um ein Adventskonzert. Da erwartet man natürlich eine Ruhe und Einkehr ermöglichende Atmosphäre. Wenn die dann auch noch mit einer Darbietung auf hohem künstlerischem Niveau einhergeht, hat ein solches Konzert seinen Zweck erfüllt.

Alexandru Mija dirigiert Solemnis
Foto: Anton Potche
Der Bukarester Chor unter der Leitung von Alexandru Mija hat wirklich hervorragend agiert, um den Ansprüchen eines als „magisch“ angekündigten „Adventskonzerts“ gerecht zu werden. Sollemnis (lat.) – solemn (rum.) – ehrwürdig – festlich – majestätisch – grandios – ernst – tiefgründig – heilig – großartig. All das lag in dem musikalischen und äußeren Erscheinungsbild des gemischten Kirchenchores Solemnis. Eine beeindruckende Stimmenausgewogenheit, ein reiches Repertoire mit Lieder verschiedener Völker, ein Dirigat mit „magischen Händen“ und nicht zuletzt überzeugende Soloeinlagen – alles beste Voraussetzungen für ein gelungenes Adventskonzert, wenn…

Ja wenn die Bedienung nicht ihrer Arbeit hätte nachkommen müssen (oder wollen), man nicht das Klirren von Besteck gehört hätte, das Erzählen von Restaurantgästen nicht so wichtig gewesen wäre, nicht Menschen aus anderen Räumen durch den „Konzertraum“ auf die Toilette geeilt wären, ein künstlicher Brunnen sein Plätschern nicht einstellen wollte und, und, und. Schade, wirklich schade, denn Solemnis hat ein besseres Publikum verdient. (Man kann es nicht oft genug wiederholen: Dieser Auftritt war als Adventskonzert plakatiert und im Internet angekündigt!)

So gesehen, war dieses Experiment eines Adventskonzertes in einem Restaurant nur bedingt gelungen. Aber man kann ja daraus lernen und auch andere Abläufe in einem solchen Umfeld ausprobieren. Es würde schon was bringen, wenn man das Ausschenken für die Zeit des Konzertes einstellen würde. Gut, dass es immer wieder Menschen gibt, die mit ihren wichtigen Neuigkeiten (oder im besten Fall Meinungen zu dem Geschehen vor Ort) nicht an sich halten können, erlebt man immer wieder, ob im Theater, bei Lesungen oder im Konzert. Trotzdem sollte man als Organisator nichts unversucht lassen, um kulturellen Botschafter­n – denn nicht mehr und nicht weniger sind Musikgruppen wie Solemnis – einen ehrwürdigen Auftritt zu ermöglichen.
 Anton Potche

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