Mittwoch, 4. November 2015

Die musikalisch lustige Welt eines kleinen „großen“ Bob Ross

Bob Ross: Pfiffe & Applaus – Ein humorvoller Führer durch die Welt der klassischen Musik; Aufgeschrieben von Diana Faust; mit Karikaturen von Carlo Günther; Langen Müller in der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München, 2006; ISBN 978-3-7844-3066-9; 158 Seiten; 14,99 € (bei Amazon).

Bob Ross (1942 – 1995) am Fernseher beim Malen zuzuschauen ist ein Genuss. Bob Ross (*1954) am Fernseher oder live beim Musizieren zuzuhören und zuzuschauen ist ein doppelter Genuss. Aber auch ihm beim Erzählen zu lauschen, ist nicht minder ein Vergnügen. Dazu gesellt sich das Lesen. Zwar nicht von dem lebenden Bob Ross allein zu Papier gebracht, Diana Faust hat sich um die Niederschrift gekümmert, aber exklusiv von ihm erzählt: Begebenheiten aus dem Musikerleben des nicht übergroßen Schotten Bob Ross, seines Zeichens Hornist bei den Münchner Philharmonikern und Leiter des ebenso berühmten Bläserensembles Blechschaden.

An der Oberfläche ermöglicht dieses Buch eine einzige Gaudilektüre. Ulk. Klamauk. Derbe Witze. In der Tiefe aber gewährt es Einblicke in einen Musikbetrieb, der dem Konzertbesucher weitgehend verborgen bleibt. Da deuten schon die einleitenden Worte zu diesem Buch die zwei grundverschiedenen Sichtweisen auf das Musikerleben – wir bleiben immer bei der Créme de la Créme – an: die des Orchestermusikers und die des Dirigenten. Zwei Sätze Zum Einstimmen wurden für dieses Buch von Zubin Mehta verfasst. Und einer lautet so: Pfiffe und Applaus ist eine Buch, das 100-prozentig aus der Sicht eines erstklassigen Orchestermusikers geschrieben ist – es könnte genauso lustig sein, der Sicht eines Dirigenten zu folgen, aber das wäre eine andere Geschichte.“ Klar, eine solche Sicht gibt es auch in Buchform und sie ist wirklich nicht langweilig, die Stenographische Umarmung des Sergiu Celibidache, derselbe, von dem Bob Ross in seinen Pfiffe[n] & Applaus schreibt: „Beispielsweise wird viel über Celibidache berichtet, weil ich 17 Jahre lang bei den Münchner Philharmonikern unter seiner Leitung gespielt habe. Wir fingen 1979 gleichzeitig in München an, darum habe ich alle seine Eskapaden am eigenen Leib zu spüren bekommen.“ Eine spannende Beziehung, wohl war. Aber auch eine lustige. Zumindest so, wie Bob Ross sie hier zum Besten gibt.

Dann sind in diesem Buch aber auch die Sätze aus der Tiefe. Keine Analysen. Nur einfache Feststellungen. Aber nachdenklich machende. Sehr nachdenkliche, wenn es etwa heißt: „Unter Musikern gibt es außergewöhnlich viele Scheidungen, sogar Selbstmorde sowie Alkohol- und Betablocker-Abhängigkeiten.“

Auch kleine Seitenhiebe auf die Politik hat Bob Ross parat – natürlich in seinem unverwechselbaren, selbstironischen Stil. Zum ewigen Thema der Etatkürzungen, meint der Schotte, „dass man [ihn, Bob Ross A.d.R.] nicht mehr kürzen kann“, da er „zumindest sonntags, 1,55 Meter groß“ sei.

Das ist wahrlich nicht groß. Umso größer ist aber seine Musizier- und Erzählkunst. 2014 wurde der von ihm gegründete Blechschaden 30 Jahre alt. Man kann den Entertainer Bob Ross mit seinen phänomenalen Bläsern auf verschiedenen Kanälen immer wieder hören und sehen. 

Bob Ross - Ehrendirigent der 
Blaskapelle 
Mailing-Feldkirchen
Ingolstadt
Aber auch als Dirigent von Amateurorchestern ist sich der kleine große Schotte nicht zu schade. Und wenn er dann samstags in einer Fußgängerzone mit einer Blaskapelle musiziert, lädt er die amüsierten Zuhörer und Zuschauer auch schon mal ein, doch seine Heimat Schottland zu besuchen, denn dort liege an Wochenenden die Temperatur konstant bei 30º C: am Freitag 10º, am Samstag 10º und am Sonntag 10º.
Anton Potche


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