Montag, 19. Dezember 2016

Aus Giarmata / Jahrmarkt stammendes Opfer der antikommunistischen Revolution

Im Jahre 1989 war in Rumänien die Weihnachtszeit Revolutionszeit. Mit vielen Toten im ganzen Land. Und danach mit vielen Dossiers bei den Gerichten. Über die Art und das Resultat ihrer Aufarbeitung wird bis heute gestritten. Der Temeswarer Ingenieur  Marius Mioc (*1968) stand in Temeswar auf den Barrikaden. Er gehörte zu den Demonstranten, die am 16. Dezember 1989 vor dem Haus des Priesters László Tökés den Funken an die Lunte der antikommunistischen Revolution in Temeswar und einige Tage später in ganz Rumänien gelegt hatten. Noch am gleichen Tag wurde er verhaftet und eine Woche später, nach dem Sturz Ceaușescus, wieder freigelassen. Die Ereignisse von damals und besonders ihre umstrittene Aufarbeitung haben ihn bis heute nicht losgelassen. Ein beredtes Zeugnis dafür sind seine 13 verfassten Bücher und seine Mitarbeit an weiteren fünf Anthologien zum Thema der antikommunistischen Revolution in Rumänien. Sehr bemerkenswert ist sein Blog, wo er sich detailliert mit den Gerichtsakten der Revolution befasst.

Im Dossier 97/P/1990 hat Staatsanwalt Dan Voinea Reste von Akten gesammelt, die nach Meinung Miocs von einer gewissen „Oberflächlichkeit, mit der das Kapitel Timișoara“ behandelt wurde, zeugen. Wie auch immer, sie enthalten auch den Hinweis auf ein aus Giarmata / Jahrmarkt stammendes Todesopfer der Revolution. Nachdem Ceaușescu am 17. Dezember 1989 hochrangige Militärs aus den Innen- und dem Verteidigungsministerien zur Beruhigung der Lage nach Timișoara / Temeswar geschickt hatte, eskalierte die Situation in der Begastadt. Um 19:00 wurde der Befehl Radu cel Frumos Radu der Schöne ausgegeben und Kriegsmunition an die Militärs verteilt. Das Resultat war verheerend. Zwischen der Decebal-Brücke und dem Trajansplatz (Piața Traian) krachten die ersten Gewehrsalven und es gab 34 tote und verletzte Demonstranten.

Revolution in Temeswar
Fotoquelle: OpiniaTimișoarei.ro
Auch auf anderen Plätzen und an wichtigen Gebäuden wurde das Feuer auf die Demonstranten (unter ihnen laut Dossier auch viele Vandalen) eröffnet. In der ganzen Stadt stieg die Zahl der Verletzten und Toten. An der Oper waren an diesem Abend 14 Opfer, zu beklagen. Unter ihnen war auch Opre Gogu aus Giarmata. Im  forensischen Bericht Nr. 1003/31/89 wird die Todesursache mit Kopfschuss (plagă împușcată cranio-cerebrală) angegeben.

Ob das zuletzt in Giarmata / Jahrmarkt wohnende (ultimul domiciliu în com Giarmata, jud. Timiș) Opfer der rumänischen Revolution auf einem der zwei Gemeindefriedhöfe seine letzte Ruhestätte gefunden hat, wird auf dem Blog nicht vermerkt.
Anton Potche

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