Dienstag, 31. Juli 2018

Juli 2018 - Giarmata in den Medien


Die Arbeiten am Bahnübergang haben begonnen
aus ZiuadeVest.ro, Timişoara / Temeswar; 08.07.2018
Mit zwei Wochen Verspätung haben die Arbeiten am Bahnübergang auf der Kreisstraße bei Giarmata begonnen. Starker Regen hat die Arbeiten verzögert. Jetzt soll aber alles gut werden. Kreisratsvorsitzender Călin Dobra hat auch eine schnelle Trassenerweiterung auf dem gesamten Zubringer zur A1 angekündigt: „In einer relativ kurzen Zeit werden wir eine vierspurige Straße zwischen der Temeswarer Ringstraße und der Autobahn haben, alles mit EU-Geldern finanziert.“
+ + + Relativ ist in Rumänien ein sehr relativer Begriff. + + +

Schwere Regenfälle
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 09.07.2018
Schwere und anhaltende Regenfälle haben auch zu Überschwemmungen in Giarmata geführt. Die Feuerwehr des Inspektorats für Notfallsituationen „Banat“ des Kreises Temesch (ISU Banat) wurde gerufen, um zwei überflutete Höfe freizupumpen.

Beginn der Vorbereitungen
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 18.07.2018
 Fußball - C4 (Liga III – Serie IV)
CS Millenium Giarmata ist in die Vorbereitungen für die neue Saison gestartet. Beim ersten von Trainer Răzvan Leucă geleiteten Training im Nicu-Moraru-Stadion waren folgende Spieler anwesend: Nariţa, CiutăSporin, Cochinţu, Andreici, Popan, Stupu, Olteanu, Ştefănescu, Domşa, Dorobanţu, Rosenblum, Beloescu, Ferţu, Florin Călin, Şandru, Gavrilă, Ciubotariu, Buga und Viorel Mihai. Einige Leistungsträger haben den Verein verlassen und werden höherklassig spielen: Alexandru Cherecheş bei ASU Politehnica,  Codrea bei ACS Poli und  Andrei Rus bei Petrolul Ploiești. Es gibt noch Abwanderungswillige, die aber noch keine neuen Vereine gefunden haben. Leucă sagte zur jetzigen Situation: „Auch wenn wir die letzte Meisterschaft auf dem 13. Platz abgeschlossen haben, bin ich froh, dass drei junge Spieler in die 2. Liga wechseln konnten, und ich hoffe, dass auch in Zukunft Spieler von uns in höhere Ligen aufsteigen werden.“
+ + + Das ist eine gesunde Trainereinstellung. + + +

Gemeinderatssitzung am 31. Juli 2018
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 25.07.2018
Fünf Tagesordnungspunkte sind zu bewältigen. Drei beinhalten Grundstücksprobleme, ein Punkt dreht sich um das Gemeindebuget für den dritten Trimester und beim letzten Tagesordnungspunkt soll ein Regelwerk für die Benutzung der Spielplätze in der Gemeinde besprochen und vielleicht auch genehmigt werden. Vier Themen wurden von Bürgermeister Virgil Bunescu eingebracht und ein Punkt von Vizebürgermeister Claudiu Mihălceanu (Spielplatzordnung).

Umweltverträgliches Spielplatz
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 25.07.2018
Die Gemeinde Giarmata hat bei den Umweltbehörden die Pläne für einen Kinderspielplatz neben dem Sitz der Polizei im Ort eingereicht. Interessierte Bürger können die Unterlagen sowohl bei der Agenţia pentru Protecţia Mediului – Agentur für Umweltschutz (APM) in Timișoara als auch im Giarmataer Rathaus einsehen und eventuelle Beschwerden einlegen.

Fußball - Testspielniederlage
aus PressAlert.ro, Timişoara / Temeswar; 25.07.2018
Millenium Giarmata hat ein Testspiel auf dem Nicu-Mararu-Stadion gegen Ripensia Timișoara mit 1:3 nach einer 1:0 Führung zur Pause verloren. Für die Giarmataer hat Beloescu getroffen, die Tore für Ripensia erziehlten Adrian Popa, der Senegalese Gueye Mansour und Marian Anghelina.
Millenium hat das Spiel mit folgender Aufstellung begonnen: NariţaRosenblum, Cochintu, Olteanu, BugaStupu, FerţuStănilă, Popan, M. CălinBeloescu.
Nach der Pause schickte Trainer Răzvan Leucă noch CiutăDorobanţu, Ivan, Gînju, F. Călin, Şandru und Viorel Mihai aufs Spielfeld.
+ + + Ripensia spielt in der zweiten rumänischen Fußballliga und scheint an alte glorreiche Zeiten anzuknüpfen. Der Verein aus der Ciarda Roșie war viermal rumänischer Meister und zweimal Pokalsieger. + + +

Interview mit Rusalin Hoarcă
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Juli 2018

Rusalin Hoarcă
Fotoquelle: FOAIA de GIARMATA
Rusalin Hoarcă ist der Kulturheimdirektor von Giarmata. Er wird in dieser Ausgabe von Gheorghe Miron interviewt und erzählt von den erfolgreichsten Kulturveranstaltungen in der Gemeinde. Dazu gehört die Ruga, das Kirchweihfest, das immer am 8. und 9. September stattfindet. Es ist schon Tradition, dass am ersten Festtag folkloristische Veranstaltungen auf dem Programm stehen und am zweiten Tag Unterhaltungsmusik für die Jugend geboten wird. Der Kulturmanager sagte unter anderem auch: „Hier lebten viele deutsche Bürger, aber die sind nach den Ereignissen von 1989 nach Deutschland gegangen und an ihre Stelle sind Menschen aus dem ganzen Land gekommen. Wir haben eine heterogene Bevölkerung aus allen Ecken Rumäniens. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und es ist uns gelungen, die Menschen durch unsere Kulturtätigkeit, Folklore aus dem Hügelland, der Ebene und dem Gebirge, zu einen.“
+ + + Forr die zrickgewannerte Schwowe sin des doch gude Aussichte. So kännt Giarmata net norr multiregional sondern aah multinational werre, so wie’s noh’m Kriech jo aah war. Un wer waaß? Wann Rumänien e sächsische Präsident hot, noo kännt Giarmata doch aah mol e schwowische Richter, asso Birgermaaster, krien. Ich muss mei Fraa mol frooe, was es vun der Sach halt. Weil zu alt wär ich jo noch net. Merr breicht jo norr zrickgehn ... Odder? + + +

Montag, 23. Juli 2018

Două vapoare romane de patrulă în drum spre Marea Neagră

În urmă cu 2000 de ani Rinul și Dunărea erau granițe naturale între Imperiul Roman și triburile germane. De-a lungul acestor fluvii se ridică și azi impozante cetăți romane și arheologii se bucură în continuare de vestigi romane găsite în aceste regiuni istorice.
Bărci romane de patrulă
din Muzeul Chelților
și Romanilor

O descoperire senzațională s-a făcut în urmă cu 30 de ani în satul Oberstimm, aproape de Ingolstadt, unde exista deja din timpul împăratului roman Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus (10 î. d. Ch. - 54 d. Ch.) un castel de apărare. În apropierea pârâului Brautlach au fost găsite două bărci de patrulă de acum 2000 de ani. Trebuie menționat că atunci Dunărea avea und alt curs ca în zilele noastre. Curgea, ramificată în multe brațe, printr-o zonă păduroasă și mlăștinoasă în sudul orașului Ingolstadt - care pe atunci nici nu exista. Cele două bărci au fost găsite într-o stare foarte bună și sunt expuse în Muzeul Chelților și Romanilor din orășelul învecinat Manching.


Prof. dr. Boris Dreyer
Două universități din orașele germane Trier și respevctiv Erlangen, au construit acum două ambarcații exact după modul de construcție al celor două bărci militare găsite la Oberstimm. Doi ani au lucrat studenții din Erlangen la barca lor, care poartă numele Fredericiana Alexandrina Navis sau scurt F.A.N. Profesorul pentru istorie veche, Boris Dreyer, care conduce proiectul la această universitate, a declarat într-un interviu cu postul de televiziune INTV: „Am avut și constructori profesioniști, fiindcă constructorul roman de ambarcații ar juca și azi în liga superioară a constructorilor de ambarcații. Nu este ușor să construiești cu această metodă de nut și pană.“

În drum spre Marea Neagră
La 21 iulie cele două ambarcații „romane“ au fost lăsate la apă în Ingolstadt. Ele vor parcurge pe Dunăre drumul până în Delta Dunării. Cam pe la mijlocul lui august vor ajunge la Tulcea. Oamenii de știință încearcă să colecteze astfel noi informații despre modul de construcție și materialul folosit de constructorii de bărci de acum 2000 de ani, dar și despre modalitățile de navigație pe un drum fluvial atât de lung și periculos.

Anton Delagiarmata

Montag, 16. Juli 2018

Kein Vergleich und trotzdem …


Natürlich gibt es gar keinen Vergleich zwischen der 1821 in Jahrmarkt / Banat / Rumänien errichteten Wälter-Orgel und der 1986 von Georg Jann erbauten Orgel in der Ingolstädter Kirche Maria de Victoria. Und trotzdem fiel mir Erstere ein, als ich kürzlich einem Händel-Konzert auf der Jann-Orgel beiwohnte. Und diese Erinnerung war besonders ausgeprägt als drei der Eight Pieces for a Musical Clock sowie das Orgelsolo Largo e staccato – Adagio aus Concerto F-Dur für Orgel und Orchester HWV 295 von der Empore der Ingolstädter Asamkirche erklangen.

Es war die Klarheit dieser nicht von Harmonien überlasteten Melodien, die mich an den Klang der Jahrmarkter Orgel denken ließ … und alles was damit an reichen Erinnerungen, die einem ja bekanntlich niemand mehr nehmen kann, zusammenhängt. Dabei dachte ich nicht an die Orgelmusik, die ich als Kind und Jugendlicher sporadisch – ich war nie ein standfester Christ – in einem Gottesdienst oder einer Hochzeit hörte, sondern an die CD-Einspielung, die der verdienstvolle Organist und Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz im Jahre 1990, als die letzten Deutschen und damit die fast letzten Katholiken (es gibt noch wenige rumänische und ungarische katholische Seelen) auf gepackten Koffern saßen, um ihr Heil in Deutschland zu suchen, vorgenommen hat.

Auch da sind einfache Melodien zu hören … und der Klang von anno dazumal. Auch er bleibt neben dem Klang der Blasmusik für mich Erinnerung. Und so wie es mir beim Besuch eines Live-Kirchenkonzertes geht, könnte es vielen meiner Banater Landsleute gehen: Sie könnten sich an den auf CD verewigten Klang ihrer Kirchenorgel erinnern und mehr noch, sich ihre Töne wieder anhören. Auf der Doppel-CD Banater Orgeln hat Dr. Franz Metz den Klang der Kirchenorgeln aus Kirchen folgender Ortschaften festgehalten: Jahrmarkt, Orzydorf, Alexanderhausen, Perjamosch-Altdorf, Perjamosch-Haulik, Großsanktnikolaus, Altbeschenowa Großsanktnikolaus / Ratzsanktpeter, Orawitza, Reschitza, Arad – Synagoge und Temeswar - Notre Dame (CD 1) sowie Gertjanosch, Lenauheim, Lovrin, Billed, Guttenbrunn, Fibisch, Lippa, Neudorf und Traunau (CD 2).

Dr. Franz Metz wäre nicht der akribische Wissenschaftler und Forscher, für den man ihn hält, würde nicht auch dieser Produktion ein informatives und sehr ansehnlich gestaltetes Booklet beigefügt sein. Farbfotos der hier erklingenden Orgeln bereichern die Vitas der Instrumente, die auch unsere Lebensläufe im Banat von der sprichwörtlichen „Wiege bis zur Bahre“ begleitet haben.

Auf der Orgel in Jahrmarkt hat Dr. Franz Metz vier kurze Stücke vom Deutschböhmen Johann Baptist Peyer (um 1678 – 1733) eingespielt. Mit den Händel-Miniaturen, die ich im eingangs erwähnten Konzert gehört habe, haben diese Peyer-Kompositionen die Kürze gemeinsam. Ob die zwei Komponisten von der Existenz des jeweils anderen wussten, ist mir nicht bekannt. Möglich ist es allerdings, denn Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) war mit seinem Engagement in England schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit. Also wäre es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass zumindest Peyer von Händel oder vielleicht sogar etwas von seiner Musik gehört hatte.

Sicher ist allerdings, dass die Aufnahmen aus der Jahrmarkter und so manchen anderen Kirchen aus dem Banat, zu Recht als historisch betrachtet werden können, während die sonntäglichen Orgel- und Orchesterkonzerte in Ingolstadt reale Gegenwart und hoffentlich auch Zukunft sind. Und wenn sie den einen oder anderen Konzertbesucher zu musikalischen Erinnerungen in stillen Hirn- und Herzkämmerchen anregen, werden sie auch weiterhin ihren Zweck erfüllen, ebenso wie die Doppel-CD von Dr. Franz Metz, die man zum Preis von 16,50 € plus Versand über die Homepage http://www.edition-musik-suedost.de/ erwerben kann.

Anton Potche

Montag, 9. Juli 2018

Eine deutsche Sage

Deutschland, einig Vaterland,
Am westlichen Karpatenrand
Schmachtet im Geschichtebann
Ein winzig kleines Siedlerland.

Einfach, schlicht heißt es Banat,
Niemand hat je danach gefragt,
Bis der Herr die Toten im Massengrab
Zur ersten Weihnachtsfeier bat.

Ein gebrechlicher deutscher Mann
Steht traurig am Wegesrand
Mit einem Bündel in der Hand,
Den Blick nach Westen gewandt.

Einig Vaterland, stellst du ihm die Frag’,
Was er bei dir im Westen mag,
Dann lausche seiner deutschen Sag’:
Die Toten walten im Banat.


[Im Reisebus durch die neuen Bundesländer, 1990]
Anton Potche

Gelesen von Silke Kronenberger beim
 HOG-Treffen der Frateliaer 
in Reichertshofen am 4. Juni 1995


Video auf YouTube

Mittwoch, 4. Juli 2018

Eine literarische Bekanntschaft mit Spuren in die Heimat


Catalin Dorian Florescu: Zaira, Roman; Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München, 2009, 5. Auflage 2015; ISBN 978-3-423-13829-1; 479 Seiten; 9,90 EUR

Ich hätte viel versäumt, wenn ich diesen Roman nicht gelesen hätte. Vor allem wäre mir die Welt in Strehaia, das Städtchen im rumänischen Landkreis Mehedinți, mit ihrem Zweiklassendasein - fast hätte ich gesagt Charme – unbekannt geblieben. Und diese Menschen auf dem Gutshof sowie ihre Dienerschaft, Charaktere, als wären sie George Călinescus Enigma Otiliei entstiegen, hätten nie Einzug in mein ganz persönliches Literaturpersonal gehalten.

Natürlich würde die Welt nicht untergehen, wenn ich Zaira nicht zu meinen literarischen Bekanntschaften zählen könnte. Aber ich hätte ohne ihre Bekanntschaft auch nichts erfahren von ihren so unterschiedlichen Liebhabern, gescheiterten Ehen und Fast-Ehen, ihrem Leben in drei Gesellschaftsordnungen, Monarchie, Kommunismus und Amerika, ihrer Begabung, Puppen Leben einzuhauchen, und nicht zuletzt von ihrer im Geiste immer wiederkehrenden Heimkehr auf das Gut und die Dörfer ihrer Kindheit.

Man könnte beim Lesen oft innehalten, über den einen oder anderen Vorfall nachdenken, sich den einen oder anderen Abschnitt wieder zu Gemüte führen, aber man tut es kaum, will nur lesen, weiterlesen, will wissen, wie es weitergeht mit Zaira, ihren Angehörigen und Bekannten. Und man würde sich kaum Gedanken über die spannende Frage nach dem Verhältnis zwischen Realität und Fiktion machen, wenn man als Leser, besonders aus Rumänien kommender, sich nicht dauernd beim Vergleichen der Romaninhalte mit der eigenen Biografie ertappen würde. Man würde dieses Buch ohne seine jeweils ureigenen Erinnerungen ganz anders lesen, oberflächlicher, voyeuristischer, und man würde sich gar nicht fragen, warum das eine oder andere so ist. Es würde einem dabei auch gar nicht einfallen, Sätzen wie den folgenden eine Schlüsselstellung im Zugang zum Kern dieses hier literarisch so grandios bearbeiteten Stoffes zuzuschreiben: „[...] nichts erlischt, es verkriecht sich nur in die hinterste Ecke der Gedanken. Es verblasst, aber es vergeht nicht. Es ist immer da, bereit, sich im ungünstigsten Augenblick zu melden. Bereit, uns klarzumachen, wie wenig wir eben dieses Leben genutzt haben.“


Stünde es mir überhaupt zu, den Sinn eines Exkurses in die Meeresbiologie mit Plankton, Fluoreszensmikroskopie und Floraminiferen anzuzweifeln, verschluckte ich nicht regelrecht jedes Wort, jeden Satz, jede Zeile, jeden Abschnitt, jedes Kapitel, jedes dieser vier Teile von Zaira? Nein, eindeutig nein, denn ich käme meinem Recht zu kritisieren nicht nach und würde der Hoffnung des Autors, aufmerksam gelesen und nach Lesergeschmack kritisiert zu werden, keine Rechnung tragen, was einer Abwertung seiner Kunst gleich käme. Im selben Atemzug läge es aber auch nahe, alle Höhepunkte und alle sowohl geerdeten als auch verschrobenen Figuren dieses Romans hervorzuheben oder auch nur ihre gefühlte Überflüssigkeit, wie etwa bei dem amerikanischen Streuner Donovan, anzusprechen. Und das würde den Rahmen einer Buchbesprechung – ganz wichtig: eines Lesers und nicht professionellen Kritikers aus dem Feuilleton – eindeutig sprengen.

Nie hätte ich gedacht, dass dieses Buch so enden könnte, die ganzen 478 Seiten lang nicht. Viel lieber hätte ich ein klares Happyend akzeptiert. Aber wäre das angebracht gewesen? Nach all diesen immer wiederkehrenden Umkehrungen nach Timișoara, Bukarest, bis nach Strehaia wäre das alles anderes als logisch. Ich hätte entgegen meiner Lesegewohnheiten schon früher das Buch aus der Hand legen können. Ja, wäre da nicht dieser Anfang gewesen: „Ich hätte nicht hier gesessen und auf jene Haustür gegenüber gestarrt, an der ich nicht klingle.“

Und dann, fast ganz zum Schluss, wusste ich, wie Unrecht ich C.D. Florescu getan hätte, wenn ich den Sinn dieser Donovan-Romanexistenz nicht im letzten Moment nicht doch noch erkannt hätte. Auch wenn sein Abgang von der Romanbühne nur zu Zairas Heimreise überleitet: „Ich knipste das Licht aus und ließ ihn schlafen. Am nächsten Morgen war er schon weg, als ich aufstand, aber er hatte einen Brief auf den Küchentisch gelegt, der für mich abgegeben worden war. [...] Zwei Wochen später bestieg ich das Flugzeug, das mich nach Wien bringen sollte. Von dort aus flog ich weiter nach Timişoara. Das Rollfeld war von Kühen belagert, sie hoben faul die Köpfe und senkten sie wieder, sie waren an alle Arten von Rückkehrern gewöhnt.“

Wie würde es mir gehen nach 35 Jahren Abwesenheit? Wäre ich bereits Teil dieses Romans, wenn ich jetzt die Zügel streifen ließe und meine von Heimweh vernebelten Blicke zu dem vom Regen klitschnassen Walmendingerhorn aufrichten würde? Zum Träumen natürlich. Oder würde mir bei all diesen Enttäuschungen Zairas die Lust auf meine Vergangenheit vergehen?

Nun liegt das Buch geschlossen vor mir. Zaira. Und ich hätte es wahrscheinlich nie gelesen, wenn ich nicht auf ein Interview mit Cătălin Dorian Florescu in der Temeswarer Literaturzeitschrift ORIZONT vom 23. März 2007 gestoßen wäre. Das Gespräch drehte sich vorwiegend um den Roman Der blinde Masseur und erst zum Schluss fragte Robert Şerban nach Florescus damaliger Neuerscheinung Zaira. Er bekam auch dazu eine aufschlussreiche Antwort und erfuhr unter anderem, dass Zaira eine 70 Jahre alte Frau ist und „jetzt in Timişoara lebt, zusammen mit dem Mann, den sie seit ihrer Jugend liebte, ihn aber verlassen hatte.“ Ohne dieses Interview und besonders diesen Satz wäre der Roman Zaira auch für mich  wie wahrscheinlich für die meisten Leser mit einem großen Fragezeichen ausgegangen.

Weitere 19 Seiten später in der gleichen Zeitschrift unterhält Eugen Brumaru sich mit Traian Dorgoşan, dem Dichter und „König der Temeswarer Boheme“. Schon zu Beginn des Gesprächs stellte Brumaru die Frage: „Wie fühlst du dich in deiner neuen Rolle als literarische Figur?“ Darauf antwortete Dorgoşan: „Lass es gut sein, ich habe auch davon gehört ... Es handelt sich wirklich um den Roman eines jungen und talentierten rumänischen Schriftstellers, der in der Schweiz lebt, Cătălin Dorian Florescu. Aber ich bin dort in seinem Buch nur eine unwichtige, episodenhafte Gestalt. Seine Inspiration zu dem Roman kam – hier liegt die Verbindung – von meiner Frau Zaira. Von dem Mahlerischen und Reichtum ihrer Biografie.“

Interessant ist diese Aussage allemal, den Anstrich des Sensationellen bekam sie für mich - als gebürtigen Jahrmarkter - aber erst bei der weiteren Äußerung Traian Dorgoşans: „Mit dem Prosator Cătălin Dorian Florescu verbrachte ich in den vergangenen Jahren einen herrlichen Abend im Restaurant Boema, neben der Buchhandlung Emil Cioran. Damals rezitierte ich ihm ein Sonett, Beim Tode meines Schweines, das ich geschrieben hatte, als ich etwa 15 Jahre alt war, nachdem ich - es geschah zu Hause bei meiner Mutter in Giarmata - der traditionellen Schweineschlacht vor den Winterfeiertagen beiwohnte.“

Und so ist der Faden von Zaira zu mir gesponnen. Wie dünn er auch sein mag, kann er für mich persönlich nie reißen, heißt er doch Jahrmarkt – Giarmata. Mit der winterlichen Schweineschlacht inklusive.

Geschrieben in Mittelberg im Walsertal
Anton Potche