Freitag, 30. November 2018

November 2018 - Giarmata in den Medien


Wieder ein Nachbarschaftsderby
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 02.11.2018
Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 11. Spieltag
CS Millenium Giarmata - ACS Dumbrăvița  1:1 (1:0)
Torschütze: Marius Călin (Min. 41) für die Gastgeber und Telescu (Min. 51) für die Gäste.
Aufstellung CS Millenium: Sergiu Narița - Sinisa Sporin, Robert Covăsală, Raul Cochințu, Sergiu Gavrilă  Michel Rosenblum, Mircea Stupu, Darius Buzdugan, Marius CălinBogdan Ferțu, George Beloescu.
Tabellenplatz: 11  CS Millenium Giarmata  14
+ + + Die Dumbrăvițaer sind heuer in die dritte Liga aufgestiegen und liegen auf dem zweiten Tabellenplatz. Es scheint, die haben es auf einen Durchmarsch abgesehen. +++

Toreflut
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 04.11.2018
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 12. Spieltag
ASO Deta II - Millenium II Giarmata  4:6
Unirea Cerneteaz  - spielfrei
Tabelle: 4  Millenium II Giarmata  18
              7  Unirea Cerneteaz  15

Niederlage in Galda de Jos
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 10.11.2018
Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 12. Spieltag
ACS Industria Galda - CS Millenium Giarmata  2:0 (2:0)
Torschütze: Alexandru Cioară (Min. 18 und 45)
Aufstellung CS Millenium: TrifonSporin, Buzdugan, Cochințu, Covăsală, Gavriluță, Olteanu, Rosenblum, Ferțu, Gavrilă, Beloescu.
Tabellenplatz: 11  CS Millenium Giarmata  14

Derbysieg mit vielen Toren
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 11.11.2018
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 13. Spieltag
Millenium II Giarmata - Unirea Cerneteaz  5:3
Tabelle: 4  Millenium II Giarmata  21
              8  Unirea Cerneteaz  15

Rentnerball in Giarmata
aus ZiuadeVest.ro, Timişoara / Temeswar; 12.11.2018
300 Senioren waren am 11. November zum Ball der Rentner gekommen. Die Veranstaltung fand in der Sporthalle statt und die Organisatoren aus dem Rathaus hatten nicht mit prominenten Gästen gespart: Pera Todorovici und Die Trommler, Nelu Ungurușan, Denisa Rolnic aus dem Kreis Sălaj, eine Gruppe Tenöre von der Oper in Temeswar, Iuliana Crăescu vom Nationaltheater Temeswar, das Ensemble Sânziene Bănățene aus Giarmata mit den Sängerinnen und Sängern Cristian Spoeală, Iulia Popa, Maria Florea, Alex Felciuc, Anamaria Matase, Anamaria Ardelean und Alin Raiciu. Die Folkloregruppe wird geleitet von Maria Petchescu, Veronica Kretten und Rusalin Hoarcă, Direktor des Kulturheims Giarmata. Es gab eine Tombola mit „großen Preisen“ und ein Tanzwettbewerb für die Senioren. Die Gewinner dürfen sich über „ein romantisches Essen“ im Temeswarer Restaurant Lloyd freuen. Alle Anwesenden durften sich der servierten kalten und warmen Speisen sowie der Torten und des kredenzten Weines und Schnapses erfreuen. Und doch blieb der Höhepunkt des Abends dem Bürgermeister höchstpersönlich vorbehalten. „Über eine Stunde lang, sang Virgil Bunescu auf höchstem Niveau unvergessliche Volks- und Unterhaltungslieder“, schreibt die Zeitung.
+ + + Wirklich scheen! Sin  uf’s Johr in Rumänien vleicht Kommunalwahle? Päsidentschaftswahle sin, des waaß ich. Awwer de Giarmataer „Edil“ werd doch net zum Schluss … + + +

Schon wieder ohne Punkte
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 16.11.2018
Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 13. Spieltag
CS Millenium Giarmata - Gloria Lunca Teuz Cermei  1:2
Torschütze:
Aufstellung CS Millenium:
Tabellenplatz: 12  CS Millenium Giarmata  14
+ + + Es geht langsam aber sicher in den Keller. +++

Heimniederlage für die Handballer
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 20.11.2018
Männerhandball - Kreismeisterschaft
AS Leu Giarmata – CSM Lugoj  37:40 (17:22)

Hauslieferung
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 20.11.2018
Zwei junge Temeswarer haben die Firma CutiaTa.ro gegründet und wollen den Bürgern verschiedene Waren nach Hause liefern. Die Bestellungen kann man auf der Firmenhomepage www.cutiata.ro abgeben. Das junge Unternehmen hat 1500 Produkte im Angebot. Beliefert werden neben Temeswar auch die umliegenden Ortschaften der Banater Hauptstadt. Giarmata gehört dazu.
+ + + Ich würde sagen: Alles was Amazon Konkurrenz macht, ist positiv. In diesem Sinne: Glück auf!  + + +

Gemeinderatssitzung
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 22.11.2018
Für den 27 November ist eine Gemeinderatssitzung anberaumt. Acht der 16 Tagesordnungspunkte beinhalten die Übertragung von Grundstücken aus Staatsbesitz in Gemeindeeigentum. Alle betroffenen Grundstücke liegen in Cerneteaz. Es handelt sich immerhin um eine Gesamtfläche von 11.343 m². Ferner sollen die Kompetenzbereiche der Giarmataer Polizei festgelegt werden. Die Gemeinde will das Anwesen in der Strada Bătrână, Nr. 216, mit einem Grundstück von 3945 m² erwerben. In dem Gebäude sind Birou- und Geschäftsräume sowie eine Mechanikwerkstatt untergebracht. Auf der Tagesordnung stehen noch Schulprobleme und gesetzliche Bestimmungen für die Landwirtschaft.

Fast ein Dutzend
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 25.11.2018
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 15. Spieltag
Millenium II Giarmata – Olimpia Răuți  10:0
Petroman - Unirea Cerneteaz  4:1
Tabelle: 4  Millenium II Giarmata  24
              9  Unirea Cerneteaz  15

Giarmataer Handballjuniorinnen IV starten in der Kreisphase der Nationalmeisterschaft
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 25.11.2018
Frauenhandball – Juniorinnen IV
Wie in den vergangenen Jahren tragen die Juniorinnen ihre Nationalmeisterschaft (campionatul național) im Turniermodus aus. Die Qualifizierungen in die Endrunde gehen über die Kreisphase und Regionalphase. Die Kreisphase wurde in Hatzfeld / Jimbolia eröffnet. Acht Mannschaften waren am Start. Die Juniorinnen von Giarmata haben wie folgt gespielt:
AS Leu Giarmata – Phönix Buziaș  15:1 (7:1)
AS Leu Giarmata – H.C. Jimbolia  18:15 (11:7)
+ + + Hai Giarmata! + + +

Heimsieg zum Abschluss der Hinrunde
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 30.11.2018
Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 15. Spieltag
Răzvan Leucă
Foto: SportTim.ro
CS Millenium Giarmata - CSM Lugoj  4:0 (1:0)
Torschützen: Popan (Min. 29), Sporin (Min. 50), Beloescu (Min. 65) und Rosenblum (Min. 74)
Aufstellung CS Millenium: Sergiu NarițaSinisa Sporin, Darius Buzdugan, Mircea Stupu, Robert Covăsală, Raul Cochințu, Michel Rosenblum, Bogdan Ferțu, Marius Călin, Narcis Popan, George Beloescu.
Trainer Răzvan Leucă meinte, dass dieses Spiel für seine Mannschaft „lebenswichtig“ war.
Tabellenplatz: 11  CS Millenium Giarmata  17
+ + +Millenium hat in dieser Hinrunde bei 15 ausgetragenen Spielen fünf gewonnen, zweimal unentschieden gespielt und acht Spiele verloren. Torverhältnis 22:27. Das letzte Heimspiel wurde von 25 Zuschauern verfolgt. Es war kalt und windig. +++


Alles dreht sich um den Rentnerball
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; November 2018
Foto: FOAIA de GIARMATA
Bürgermeister Virgil Bunescu hat dem Journalisten ins Notizbuch diktiert: „Es ist uns gelungen einen großen Ball für die Hunderte von Senioren aus Giarmata zu organisieren. Ich bin von Beruf Ingenieur, und die Ingenieure wägen alle Varianten ab, damit ihnen ein Projekt gelingt. So war es mit diesem großen Ball. Ich habe Verstand un Herz eingesetzt, um die Senioren zu befriedigen. Ich hatte die Idee, habe die materiellen und logistischen Möglichkeiten abgewogen und habe an ein abwechslungsreiches Kulturprogramm gedacht. Ohne zu übertreiben, alles sind meine Ideen. Der Rentnerball wendet sich an das Gemüt der Menschen. Der Kapitalismus generiert nur materiellen Gewinn, aber der Bürger benötigt auch emotionalen und seelischen Profit, der ihm im Alltag zugute kommt.“
+ + + Keine Frage, der Mann hat ein gesundes Selbstbewustsein. + + +

Montag, 19. November 2018

Ein Konzert voller Überraschungen

Johanna und Siegfried Jung als Gastsolisten beim 
Ingolstädter Kammerorchester

Und das soll ein Amateurorchester sein? Chapeau, Chapeau! Ich meine das Ingolstädter Kammerorchester. Ein Klangkörper der auch höheren klassischen und modernen Ansprüchen gerecht wird. Rein musikalisch natürlich. Die 35 bis 40 Streicher werden nach Bedarf von Bläsern und Perkussionisten unterstützt, so dass schnell aus dem Kammerorchester ein kleines Symphonieorchester entsteht, das sich dadurch aus einer umfangreicheren Musikliteratur bedienen kann.

All das war an diesem Konzertabend, 17. November 2018, auf der Bühne des für Ingolstädter Verhältnisse mit seinem großen Angebot an Musikveranstaltungen aller Genres gut besuchten Festsaales im Stadttheater zu beobachten. Zwei Konzertteile bedeuten oft zwei musikalische Welten. So auch hier. Im ersten Teil dirigierte Kathrin Schiele-Kiehn die Symphonie Nr. 1 in g-Moll von Ètienne Nicolas Méhul (1763 -1817). Der Franzose hat 40 Opern und sechs Symphonien komponiert. Seine erste hat den klassischen Aufbau. Die vier Sätze sind dreimal mit den entsprechenden Tempi und einmal mit dem Typ des Satzes überschrieben: Allegro, Andante, Menuetto, Finale: Allegro agitato. Ein ansprechendes und gleichsam anspruchsvolles Werk. Das Ingolstädter Kammerorchester klang in allen vier Sätzen sehr ausgewogen, mit gut geschliffenen schwierigen Passagen und mit sehr sicheren Übergängen. Man spürte regelrecht die viele Probenarbeit, die in dieses Stück investiert wurde. Die Dirigentin Kathrin Schiele-Kiehn strahlte auch bei kniffligen Stellen absolute Ruhe aus, was sich spürbar auf das Orchester übertrug. Es hat sich auch diesmal als positiver Höreffekt ausgezahlt, den Kopfsatz nicht so schnell anzugehen, um den Themen überhaupt eine Wirkungschance zu geben. Im Andante spürte man, dass die Musiker das Aufeinenderhören verinnerlicht haben. Das körperlich ruhige Dirigat wirkte auch hier. Wunderschön das Aufsteigen des Themas aus dem Nichts. Der mit Menuetto gekennzeichnete dritte Satz beginnt mit einem flimmernden Fingerzupfen, dem die Bläser mit schnellen Läufen Paroli bieten. Da schien das ganze Auditorium den Atem anzuhalten. Nein, das war kein Streicher gegen Bläser sondern ein herrlicher Dialog im ¾ Takt. Beim letzten Satz wird in Kritiken oft Rossini ins Spiel gebracht. Von Epigonentum kann aber schon wegen des Altersunterschieds der zwei Komponisten nicht die Rede sein. Da war der Franzose Méhul halt etwas seiner Zeit voraus. Wie dieser Zeitvorsprung musikalisch umsetzbar ist, hat Kathrin Schiele-Kiehn an diesem Abend mit dem Ingolstädter Kammerorchester in überzeugender Manier vorgemacht. Insofern war das alles ein angenehmer erster Konzertteil, aber noch keine Überraschung.

Die sollte sich im zweiten Teil schön langsam andeuten, um schlussendlich zur Wirkung zu kommen. Suite for Strings stand auf dem Programm. John Rutter (*1945) hat sie geschrieben und vier Titelthemen behandelt: A-Roving, I have a bonnet trimmed with blue, O waly waly und Dashing away. Keine Frage. Das ist Ohrwurmmusik. Die Melodien entfalten sich mit dem ersten Ton und du hast immer den Eindruck, das habe ich doch schon einmal gehört. Nur das „wo“ bleibt meistens nebulös. Ist das Klassik oder Moderne? Wurscht, völlig Wurscht. Nur Musik, die man sich unendlich wünscht. Welch tiefgehende Entspannung, wenn bei O waly waly die erste Geige zu schweben beginnt, hoch über dem aufschauenden Orchester – aber ohne jedwede Überheblichkeit. Ein ganz junger Mann, der hier bei den Ingolstädtern am ersten Pult sitzt.


Johanna (Harfe) und Siegfried Jung (Tuba) mit dem
Ingolstädter Kammerorchester

Collage: Anton Potche

Den folgenden Konzertpunkt könnte man mit „Rückkehr in die Heimat“ bezeichnen. Auf dem Programm stand das von Willi März (*1967) komponierte Divertimento für Harfe, Tuba und Orchester. Ingolstadts Konzertbühnen haben in ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte quer durch alle Genres schon viel gesehen und gehört – aber das noch nicht: Harfe und Tuba gemeinsam als Soloinstrumente. An der Harfe spielte Johanna Jung, eine geborene Ingolstädterin, die in der Donaustadt auch ihre ersten musikalischen Gehversuche wagte, um danach, wie in diesem Geschäft fast schon üblich, in die Fremde gelockt oder getrieben – aus welcher Sicht man es eben sehen will – zu werden. Ihr Weg führte sie zu bekannten Professoren und namhaften Musikwettbewerben, in große Orchester und zum Schluss ans Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck, um dort die Stelle der Solo-Harfenistin zu übernehmen. Dass es sich bei diesem Konzert um eine „Heimkehr“ handelte, zeigten schon die Umarmungen, die man vor dem Konzert im Foyer des Festsaales beobachten konnte. Johanna war aber nicht allein gekommen. Sie hatte ihren Ehemann dabei, den ebenso umtriebigen wie virtuosen Tubisten Siegfried Jung vom Orchester des Nationaltheaters Mannheim. Gekommen war von München auch der Komponist Willi März, handelte es sich bei seinem Divertimento doch um eine Uraufführung. Es gibt zwar schon eine CD-Einspielung, aber bis dato keine Liveaufführung. Dass es gar nicht so einfach war, zwei Instrumente mit so unterschiedlichen Timbres auf Solistenebene zusammenzubringen, und das auch noch mit einem Ehepaar, wo man doch wisse, „wie schwierig es manchmal schon sein kann, wenn Mann & Frau in einem Auto unterwegs sind“, erzählte der Komponist dem amüsierten Publikum. Mit dem Spaß war es allerdings vorbei, als Kathrin Schiele-Kiehn den Dirigentenstab hob und das Orchester dem Aufruf der Tuba zum Mitmachen folgte. Was Willi März hier für Johanna & Siegfried Jung sowie großes Orchester, also mit Blasinstrumenten und Schlagzeug, geschrieben hat, ist alles andere als leichte Kost, vor allem für die Protagonisten. Die Zuhörer dürfen sich dabei ruhig zurücklehnen und schöne Musik, mit ansprechenden Harmonien und reicher Themenvielfalt, genießen. Toccatina giocosa, Paesaggio und Zwiefacher bilden den Inhalt dieses Musikwerkes. Wie wunderschön diese Musik ist, wie melodiös und vor allem leise die Tuba klingen kann und wie sie von der Harfe regelrecht umsponnen wird – wie in einem märchenhaften Liebesgarn -, das war in diesem Konzert allerdings nicht immer klar zu erkennen. Zumindest dort wo ich saß, kam die Harfe nicht zu der ihr zugeschriebenen Entfaltung, wie das in der CD-Einspielung mit dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim vortrefflich gelungen ist. (Paesaggio – Works for Tuba and Orchestra kann über Amazon, eBay und andere Anbieter online bestellt werden.) Eine Überraschung war dieser Auftritt in Ingolstadt aber allemal. Das zeigte der anhaltende Applaus nach dieser Aufführung.

Johanna Jung in der Heimat
Foto: Ewald Streitmatter
Und es sollte der Überraschungen noch nicht genug sein. Das folgende Stück ermöglichte es der Harfensolistin, die bezaubernden Saitenklänge ihres Instrumentes besser zur Geltung kommen zu lassen. Marcel Georges Lucien Grandjany (1891 – 1975), auch er Franzose, hat Aria in Classic Style komponiert. Er war selbst Harfenist, Musiklehrer und Dichter. Harfenmusik hat ja immer etwas Weihnachtliches an sich. Sie passt hervorragend in die Adventszeit. Einen Vorgeschmack auf die kommenden Wochen konnte auch diese Interpretation vermitteln. Wie die Harfentöne die sachte dahinziehenden Streicherwolken umperlten! Ja, das war ergreifend. So ergreifend, dass der Dirigentin sogar der Taktstock entglitt, was aber bestimmt so manchem Zuschauer entgangen sein dürfte, denn sie dirigierte mit gleicher Hingabe, mit präzisem, aber nicht übertriebenem Gestus weiter.

Als letztes Konzertstück stand dann an diesem Abend, dem die größte Überraschung noch bevorstehen sollte, Ionel Dumitrus (1915 – 1997) Rumänischer Tanz Nr. 2 für Tuba und Orchester in einer Bearbeitung von Willi März auf dem Programm. Das von dem virtuosen Tubazungenkünstler Siegfried Jung vorgelegte Tempo war dann doch für den einen oder anderen Musiker im Orchester etwas zu schnell. Ein Trompeter verpasste dabei sogar den Schlussakkord und genehmigte sich einen Soloabschluss, was aber dem gelungenen Gesamteindruck dieses Abends keinen Abbruch tun sollte. Im Gegenteil, live ist live und kein Selbsterlebnisgefühl kann von einer noch so perfekten Konserveneinspielung überboten werden. Von diesem Konzert wird man noch länger in Ingolstadt reden. Dessen bin ich mir sicher.

Genauso wie über die letzte Überraschung dieses Abends. Und die ist wahrlich keine unbedingt erfreuliche. Eine Sprecherin des Orchesters gab bekannt, dass Kathrin Schiele-Kiehn zum letzten Mal am Dirigentenpult stand. Sie war seit dem Gründungsjahr 1964 die erste Dirigentin, die dem Orchester vorstand. Vorher hatten vier Dirigenten den Taktstock weitergereicht. Diese Ankündigung wirkte lähmend aufs Publikum. Das Bedauern war greifbar. Angegebene Gründe sind wie in solchen Fällen immer persönlicher Natur. Als Außenstehender kann man nur die Tatsachen in Kauf nehmen und sowohl Orchester als auch Dirigentin für die Zukunft alles Gute wünschen.

Kathrin Schiele-Kiehn, Johanna
und Siegfried Jung (v.r.)

Foto: Ewald Streitmatter
Um sich aber dann doch noch zumindest beschwingt, wenn auch nicht unbedingt heiter auf den Heimweg machen zu können, spielten Siegfried Jung und das Ingolstädter Kammerorchester noch einmal für das dankbare Publikum den rasanten Schluss des Rumänischen Tanzes Nr. 2. Und diesmal ganz ohne Trompetensoloschluss.

Anton Potche


Montag, 12. November 2018

Seppi und Peppi unterhalten sich über die BGI


Seppi und Peppi sitzen in ihrem Bahnhofscafé.

- Die Stadtratsfraktion der BGI war bei einer Klausurtagung.
- Ist das diese Bürgergemeinschaft Ingolstadt?
- Ja.
- Die sollen ja dem Lösel gut Feuer unter den Arsch machen.
- Ja, was man so hört und liest. Und das könnte sich noch verschärfen. Du weißt ja, wie das ist nach so einer Klausur. Das gibt frischen Wind in die Segel.
- Hängt wohl auch vom Tagungsort ab.
- Na klar. Sie haben in Beilngries getagt.
- Oh, Touristenort im Altmühltal.
- Klar. Und sie bereiten sich schon für die Kommunalwahl in zwei Jahren vor. Wird wohl ’ne heiße Kiste.
- Für so eine Klausur brauchst du doch auch einen entsprechenden Tagungsraum.
- Unbedingt. Die Tagungsinfrastruktur muss da schon stimmen. Mit Erholungs- und Übernachtungsmöglichkeiten, einem guten Restaurant etc., etc.
- Und das alles bietet Beilngries?
- Na klar.  Ist ja ein staatlich anerkannter Erholungsort. Kann man sogar bei Wikipedia lesen.
- Ist ja auch nicht gerade klein, so eine Stadtratsfraktion. Wie viele Stadträte haben die denn überhaupt?
- Vier.
- Vier? Und das ist die ganze Fraktion?
- Ja. Soviel solltest du schon auch von Politik verstehen.
- Versteh ich auch. Was ich nicht verstehe, ist aber, warum die für ihre Klausur bis Beilngries gefahren sind. Das hätten sie doch auch bei einem daheim im Wohnzimmer mit integrierter Essecke machen können.
- Hm, ja, so wäre es auch gegangen.
- Noch einen Kaffee?
- Ja, bitte.

So schön dieser Herbst. Was kann da sinnvoller als ein Wochenende im Altmühltal sein.

Dienstag, 6. November 2018

Ingolstädter Jazzförderpreis verliehen

Den Ingolstädter Jazzförderpreis gibt es seit 1994. Seine Vergabe läutet traditionsgemäß die Ingolstädter Jazztage ein, die zurzeit bis zum 16. November über zahlreiche Ingolstädter Bühnen gehen. Heuer hat Carsten Fuss diesen mit 5000 Euro dotierten Preis bekommen.

Der 25-jährige Musiker wurde 1993 in Ingolstadt in einer Musikerfamilie mit musikalischer Verwurzelung in Siebenbürgen geboren. Sein Großvater leitete dort im Dorf Großscheuern eine Blaskapelle und sein Vater studierte in Klausenburg klassische Posaune. Diesen Weg beschritt auch der Filius. Seine ersten musikalischen Gehversuche unternahm Carsten Fuss im Alter von sechs Jahren am Klavier, um sich dann unter der Anleitung seines Vaters der Posaune zuzuwenden. Nach dem Abitur am Ingolstädter Katharinen-Gymnasiums studierte er im Hauptfach klassische Posaune bei Prof. Wolfram Arndt an der Musikhochschule München.

Obwohl er während seines Studiums in vielen symphonischen Orchestern spielte, blieb er seinen Ingolstädter Landsleuten vor allem als begeisterter Jazzposaunist in Erinnerung. Hier hatte einer seine große Leidenschaft entdeckt und frönte ihr, wann immer Studiums- und nachher Arbeitszeit (zurzeit 2. Posaunist im Philharmonischen Orchester des Landestheaters Coburg) es ihm ermöglichten. Das Resultat dieser Liebe zum Jazz war und ist noch immer in höchstem Maße erfreulich. Vor vier Jahren gründete sein damaliger Studienfreund Roman Sladek (auch Posaune) eine Big Band, die bereits zu den bekanntesten Musikgruppen Deutschlands gehört. Ihren sehr guten Ruf erspielte sie sich mit einer gelungenen Melange aus elektronischen Soundeffekten und orchestralem Bigbandsound.

Carsten Fuss war von Anfang an dabei. Und dass seine Freunde von der Jazzrausch Bigband mit ihm den musikalischen Rahmen der diesjährigen Verleihung des Ingolstädter Jazzförderpreises gestalten werden, war natürlich eine Selbstverständlichkeit. Was die MusikerInnen um Roman Sladek im Ingolstädter „Kulturzentrum neun“ am 27. Oktober darboten, klang stellenweise wie Musik von einem anderen Stern. Man hatte oft das Gefühl, in einem Science-Fiction-Film zu sein, nicht als Zuschauer, sondern akustisch und  lichteffektmäßig mittendrin in einer imaginären Handlung. Bemerkenswert diese Ausbalanciertheit zwischen Rhythmusabteilung, elektronischen Klangelementen und gleichsam dynamischen wie virtuosen Bläsersätzen.

Das Techno-Jazz-Orchester hat seinen eigenen Komponisten, sozusagen einen Hauskomponisten: Leonhard Kuhn, ein studierter Mathematiker (das war übrigens Celibidache auch), der weiß, was Präzision und geometrische Formen bedeuten. Diese in richtige Relation zu Tönen gebracht, ergeben Stücke wie Punkt und Linie zur Fläche oder Bruckners Breakdown.

Dieser Auftakt zu den diesjährigen Ingolstädter Jazztagen war bereits ein künstlerischer Glanzpunkt. Carsten Fuss und seine Freunde haben die Messlatte für das Festival in der Stadt an der Donau sehr hochgelegt. Da ist es nur konsequent, wenn heuer in Ingolstadt Musiker wie Gregory Porter oder Jan Garbarek auftreten.
Anton Potche