Donnerstag, 31. Januar 2019

Januar 2019 - Giarmata in den Medien


Steuerformulare veröffentlicht
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 11.01.2019
Die Gemeindeverwaltung hat die Formulare zur Steuererklärung veröffentlicht.
+ + + Formulare, Formulare, Formulare. Es ist wie bei uns in Deutschland. Die Kunst liegt im richtigen Ausfüllen und im möglichen Weglassen. + + +

Nachwuchs aus Giarmata
aus ProSport.ro, Timișoara & Temeswar, 14.01.2019
Der Temeswarer Fußballzweitligist Ripensia Timișoara hat die Vorbereitungen für die Rückrunde aufgenommen. Zu den Winterneuzugängen gehört auch der von Millenium Giarmata gekommene Torwart Alexandru Ciută im zarten Alter von 18 Jahren.
+ + + Das spricht für die seit Jahren gute Arbeit im Nachwuchsbereich von Millenium. + + +

Litens Automotive Eastern Europe sucht Mitarbeiter
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 25.01.2019
Die in Giarmata angesiedelte Niederlassung der Firma Litens Automotive Eastern Europe stellt Rollen für Spannvorrichtungen von Übertragungsriemen her. Die Firma sucht Mitarbeiter für die Produktion und hat zu diesem Zweck ein ausführliches Anforderungsprofil und entsprechende Vergütungen und Sozialleistungen veröffentlicht. Gearbeitet wird im Zweischichtbetrieb und der Einstellungs-Bruttolohn beträgt 2796 Lei – das sind ca. 595 Euro. Dazu kommen noch eine Prämie für das Erreichen der Produktionsziele in Höhe von 540 Lei brutto und Sonderzahlungen an Ostern und Weihnachten. Auch ein 13. Monatslohn wird geboten sowie eine Essenszulage von 15 Lei. Interessant ist ein „Abonnement für eine komplette medizinische Betreuung“ bei einer Privatklinik in Temeswar.
+ + + Leider befindet sich der Lei seit einiger Zeit gegenüber dem Euro in einem sorgniserregenden Abwärtstrend. + + +

Erste Gemeinderatssitzung in diesem Jahr
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 25.01.2019
Der Gemeinderat tagt auch heuer wie in den zurückliegenden Jahren im Kulturheim von Giarmata. Die erste Sitzung im Jahr 2019 ist für den 30. Januar einberufen. 86 Punkte stehen auf der Tagesordnung. Ja, sechsundachzig! Bei vielen dieser Tagesordnungspunkte handelt es sich um die Vergabe von Bauplätzen nach dem Gesetz 15/2003 an Bauwillige im Alter von 18 bis 35 Jahren. Innerhalb eines Jahres muß das vergebene Grundstück bebaut werden, sonst geht es zurück an die Gemeinde. Das Grundstück wird laut Art. 1 Abs. (2) eigentlich von der Gemeinde auf Lebenszeit der darauf gebauten Imobilie zum Nullpreis verpachtet. Nach Art. 8 kann der Bauherr nach der Fertigstellung des Hauses das Grundstück aber von der Gemeinde erwerben.
+ + + Ein Jahr kann kurz sein. Das zeigt die weitaus größere Anzahl von Tagesordnungspunkten, die sich mit der Rücknahme bereits vergebener Bauparzellen befassen. + + +

Vorbereitungsspiel
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 26.01.2019
Centrul Național de Pregătire Timișoara - CS Millenium Giarmata  3:3 (2:2)
Torschütze: Șimăndan (Min.10), Gîdea (Min. 21) und Firca (Min. 81) für die Junioren aus Temeswar sowie Rosenblum (Min. 28) und Darius Buzdugan (Min.37 & Min. 55) für Millenium.
Aufstellung CS Millenium: CiutăSporin, Cochințu, Covăsală, Negrei, Rosenblum, Stupu, Buzdugan, Popan, Beloescu, Ochea. Zum Einsatz kamen noch Narița, Olteanu, Corlățeanu, Ferțu und Sevici.

Vorbereitungsspiel
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 30.01.2019
ACS Poli Timișoara - CS Millenium Giarmata  1:0 (0:0)
Torschütze: Dorin Codrea (Min. 80)
Aufstellung CS Millenium: Nariţa (Min. 70, Ciută) – Sporin, Cochinţu (Min. 46, Olteanu), Covăsală, Negrei, Stupu, Ferţu (Min. 46, Popan), Rosemblum, Marius Călin (Min. 10, Buzdugan), Ochea (Min. 58, Leucă), Beloescu (Min. 55, Sevici).
+ + + ACS Poli belegt den letzten Platz in der zweiten Liga. + + +

Tradition in Giarmata
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Januar  2019
Das in Giarmata längst zur Tradition gewordene Festival der Weihnachtslieder und Winterbräuche wurde auch im vergangenen Dezember abgehalten. Auch diesmal standen auswärtige Künstler auf der Bühne: die Ensembles V. Dugoševic aus Cučevo / Serbien, Mugurașii aus der Republik Moldau, Dobașii aus Vadu Izei / Maramureș und Stejarul aus Cajvana / Suceava. Natürlich waren auch die Musikanten, Sänger/innen und Tänzer/innen des bekannten Giarmataer Ensembles Sânziene Bănățene mit von der Partie. Als Volksmusiksängerinnen und -sänger konnten gefallen: Stana Stepanescu, Beatrice Bădeanu, Paul Ananie, Grigore Gherman, Răzvan Năstăsescu und Ciprian Pop. Die Moderation oblag Felicia Stoian.
+ + + Das Blatt enthält auch neun Farbfotos von dem Kulturprogramm. Eine sehr farbenfrohe Veranstaltung! + + +

Montag, 21. Januar 2019

Um ein Schrebergartenbuch amüsant zu finden, muss man keinen Schrebergarten haben

Wladimir Kaminer: Mein Leben im Schrebergarten; (Mit Zeichnungen von Vitali Konstantinov); Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2007; ISBN 978-3-442-54270-3; Taschenbuch, 224 Seiten; € 7,95 (D), € 8,20 (A)

Nun hat man ja schon von ihm gehört: Wladimir Kaminer, ein in Berlin mit Frau und zwei Kindern lebender Russe, der deutsche Bücher schreibt und damit die (zumindest zeitgenössische) deutsche Literatur bereichert. Und das vor allem mit seinem hinterfotzigen, aber den Anvisierten immer mit spürbarer Sympathie zugeneigten Humor.

Mein Leben im Schrebergarten ist eines dieser Kaminer-Bücher. Echt verschroben und trotzdem sehr lebensnah. Du liest oft einen ganz normalen Satz, der auch in einem ernsten, meditativen Text Platz hätte, und beginnst vor dich hinzukichern. Man hat bei ihm, Kaminer, einen Text vor sich, der stilistisch eingeordnet „der Romanform in manchem überlegen ist“, wie in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG mal zu lesen war.

Wie wahr! Kaminers Leben im Schrebergarten  beginnt in der Parzelle 118 mit der Ankündigung: „Die Russen kommen“. Frau Pflaume war die bisherige Besitzerin und nach dem Tod ihres Mannes ergab sich die Gelegenheit für die Familie Kaminer, Schrebergartenbesitzer oder –pächter (das geht nicht so genau aus dem Text hervor) zu werden. Der erste Eindruck des Gartens war überwältigend: „Auf einer relativ kleinen Fläche von zweihundertvierzehn Quadratmetern hatten hier zwei Menschen versucht, das Paradies im Maßstab 1:1.000.000 auf Erden zu errichten, und das mit Erfolg.“

Schrebergarten heißt aber mehr als Grillen. Seine Pflege kann nämlich Unerträgliche Schmerzen im ganzen Körper hervorrufen. Kaminers lakonische Ironie bleibt nicht nur an den anderen Schrebergärtlern hängen, sondern richtet sich oft gegen die eigenen Schrullen, die oft auch im Reich der Fantasie reüssieren: „Ich nahm mir vor, irgendwo im Internet dieses Kleingartenschwachsinngesetz zu finden, es zu studieren, zur nächsten Vollversammlung zu gehen und ein Gesetz vorzuschlagen, wonach jeder in seinem Garten pflanzen darf, was er will, wann er will und wo er will.“ Also so ist das?

Zwischendurch gibt es dann sogar einen kulturhistorischen Ausflug in die Schrebergartenentstehungsgeschichte, der in Notizen zum Schrebergartenroman mündet und sogar die poetischen Hirnzellen des Autors aktiviert. Das Gedicht Ode an eine Hummel und eine Raupe oder Schnecke wird wohl in Zukunft in keiner deutschen Poesieblumenlese fehlen. Also da bin ich mir ganz sicher. Wie auch der Rhabarber aus keinem   anständigen Schrebergarten fehlen darf. So auch in der Schrebergartenkolonie „Glückliche Hütten“, die vor der Wende in „Glückliche Hütten I“ und „Glückliche Hütten II“ aufgeteilt war. Und das aus dem einfachen Grund, weil sie von der Berliner Mauer getrennt waren, was dazu geführt hatte – wie Frau Beere den neuen Nachbarn erzählte -, dass „die Bewohner der >Glücklichen Hütten I< damals keine Leitern im Garten besitzen durften, die höher waren als ein Meter zwanzig, und wegen der Fluchtgefahr auch nicht zu tief graben durften“.

Der Sinn des Lebens. Ja, worin mag der wohl liegen? Kaminer als Leser philosophischer Schriften. „Garten-Philosophie“ nennt er das. Und die führte schnell zu der erleuchtenden Erkenntnis: „Erst nachdem ich ein paar Titel aus dem Regal geholt hatte, wurde mir klar, dass es hier um eine andere Sphäre menschlichen Schaffens ging.“

Philosophie kann auch Folgen haben. Das Alter Ego Kaminers – wer könnte hier schon Fiktion und Realität auseinanderhalten - berauschte sich an Henry Thoreaus Leben in den Wäldern und zog um in den Schrebergarten. So einfach geht das.

Mein Leben im Schrebergarten heißt nicht nur das Buch, sondern auch ein Kapitel, und man sollte es lesen, um eine Antwort auf die spannende Frage zu bekommen, wer es wohl länger in der freien Natur, falls man einen Schrebergarten unmittelbar an einer Bahnlinie überhaupt dazu zählen kann, ausgehalten hat. Was ein Hummelrap ist, sollte man sich ebenfalls nicht entgehen lassen. Seine Entstehungsgeschichte und er selber, der Rap, sind hier in diesem Werk verewigt.

Günther Grass ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Aber nicht weil sein Namensvetter ohne h im Vornamen Nobelpreisträger, sondern er Mitglied in der „Glücklichen Hütte“ war. Er stammte „wie die meisten Ur-Berliner eigentlich aus Görlitz und gab sich gern nach außen als Arschloch, war aber in seinem Inneren ein netter, hilfsbereiter, sentimentaler und etwas verklemmter Frührentner mit einer komplizierten Biographie und einem gebrochenen Herzen“.

Trotz solcher sympathischer Nachbarn hieß es auch mal, den geliebten Schrebergarten zu verlassen. Der Weg aus der Berliner Schrebergartenidylle führte die Kaminers auf eine „volkstümliche Erkundungsreise zu [des Autors?] Schwiegermutter, die auf der nördlichen Seite der gewaltigen kaukasischen Gebirgskette in einem großen Schrebergarten wohnt“. Kaminer wird hier zum echten Anthroposophen. Lustig. Auch wenn’s oder gerade weil es an eine Welt so weit entfernt von unseren deutschen Alltagsvorstellungen erinnert. Auf eine Frage nach eventuellen Geschenken für die lieben Verwandten traf die Antwort aus dem „kaukasischen Garten“ schneller als erwartet in Berlin ein: „Georgij Ivanowitsch wünschte sich einen neuen Motor für seinen Betonmischer und Munition für zwei deutsche Maschinengewehre“.

Der Autor serviert dem Leser auch noch andere gegensätzliche, aber immer mit einer Brise Humor gesalzene Erlebnisse aus dem heimischen Schrebergarten, wie auch aus Moskau und von Ibiza. Nein, es fehlt wahrlich nicht an Kontrasten in diesem Buch. Wohin mit den vielen Äpfeln? Das ist wahrscheinlich eine schrebergartenspezifische Frage. Ihr werden in diesem Buch eineinhalb Kapitel gewidmet.  Und sogar der Tod kommt zu seinem Recht. Lulu ist tot. Das Meerschweinchen. Aber auch die vielen Fruchtfliegen. Der Herbst geht zur neige. Der Winter steht vor der Tür. Und die „alljährliche Vollversammlung der Kleingartenkolonie – ein Spiegel unserer Gesellschaft“ beendet wieder mal ein Schrebergärtner/innen-Jahr.

Als Fazit dieser Buchbesprechung soll Herr Krauses Blick in die Zukunft (aus dem Kapitel Deutschland aus Porzellan) wiedergegeben werden: „ Die kulturelle Rückständigkeit lässt sich durch den Fortschritt nicht bekämpfen. Selbst wenn morgen fremde Planeten erobert und besiedelt werden müssen, hätte man spätestens in einem Jahr den ersten Schützenverein auf dem Mars und irgendwelche traditionsbewussten Bayern oder Niedersachsen, die mit Holzgewehren und Schnapsflaschen von Krater zu Krater marschieren.“ Und natürlich Schrebergärten anlegen!

Zu diesem, Schluss wird jeder kommen, der dieses Buch des Wladimir Kaminer, Mein Leben im Schrebergarten, liest. Das meint hier einer, der nie einen Schrebergarten hatte und auch keinen haben wird.

Anton Potche

Montag, 14. Januar 2019

Wachgesungene Erinnerungen

Es war kurz vor Weihnachten und wir, meine Frau und ich, hatten die Wahl: ein Weihnachtskonzert der Audi Bläserphilharmonie in der Ingolstädter Pius Kirche oder eine Aufführung im Stadttheater Ingolstadt. Mein Herz plädierte eindeutig für das Konzert in der Kirche, aber meine Neugierde behielt letztendlich die Oberhand. Und wir entschieden uns für die Musik im Theater. Denn um Musik ging es auch hier. Nur nicht um konzertante Weihnachtsmusik sondern um einen Gesellschaftsumbruch einleitende Unterhaltungsmusik. Und ein Adventssingen hatten wir schon besucht, also fiel unsere Entscheidung umso leichter. Zumal es sich in der Inszenierung im Kleinen Haus des Ingolstädter Theaters auch noch um eine Zeit handelte, die wir zwei nur vom Hören, von Bildern und Dokumentarfilmsequenzen kannten.

Umso erstaunter war ich dann, als ich feststellen musste, dass seit der Uraufführung von Achtundsechzig – Eine musikalische Gemengenlage, staunend belauscht von Tobias Hofmann am 6. Dezember 2018 schnell fünf Aufführungen (der Saal hat nur etwas über 100 Sitzplätze) ausverkauft waren. Das muss wohl so etwas wie ein Bunter Abend sein, wie wir ihn vom Deutschen Staatstheater Temeswar kannten. Auch das waren in den 1970er und 1980er stets gut besuchte Aufführungen. Als es dann der Rechtfertigungen zur Genüge reichte, um so einem Bunten Abend am Ingolstädter Haus beizuwohnen, waren wie erwähnt alle Karten weg. Doch dann tauchte auf der Homepage des Theaters unerwartet eine Zusatzvorstellung am 20. Dezember auf und ich bestellte sofort zwei Karten. (Der Ingolstädter Intendant Knut Weber sagte kürzlich in einem Zeitungsinterview: „Mehr können wir nicht spielen.“)

Das muss ich jetzt wohl nicht mehr erwähnen: Der Abend war natürlich ausverkauft. Und das erweckte meine ersten Erinnerungen an meine Zeit im Banat schon beim Betreten des Kleinen Hauses. Schlangestehen. Die Eintrittskarten enthielten den Hinweis auf freie Platzwahl. Wer zuerst kommt … Sie wissen schon. Obwohl wir uns zeitig auf den Weg gemacht hatten, waren bereits ca. 50 Besucher vor uns. Also standen wir ungefähr 20 Minuten in der Theaterbesucherschlange, bis dann die Tür zum Einlass geöffnet wurde. Aber alles gut. Wir fanden einen guten Platz. Schon in der Schlange dachte ich mir, was wollen diese Leute alle hier? Die wissen doch, wie es damals war. Darauf deutete das geschätzte Alter der großen Mehrheit hin. Wir aber, meine Angetraute und ich, lebten 1968 in unserem beschaulichen Jahrmarkt: meine Frau noch als kleines, zartes Schulmädchen in Uniform und ich als Pubertierender auf dem Sprung in die große, fremde Kreishauptstadt Temeswar.

Dann ging es los. Schon das Bühnenbild deutete den Umbruch an. Rechts aus Sicht der Zuschauer: Tisch, drei Stühle, Harmonium, Vater, Mutter, Sohn mit Scheitel und anständigem Anzug, wenn auch farblich von dem des Vaters heller und kariert gehalten. Sie saßen vor dem menschengroßen in der Einbaumöbel integrierten Fernseher. Grau mit quadratischem Bildschirm. Darin parodierte musikalische Volkstümelei – wie schön diese Wirtschaftswunderzeit. Der Vater mit der Flasche, der Sohn teilnahmslos, die Mutter mit dem Tischdecken und –abräumen beschäftigt. Gut in Szene gesetztes Spießertum. Diese handlungsarme Szene bekam erst mal ihre Entfaltungszeit.

Danach begann sich Leben hinter dem langsam zur Seite gleitenden Vorhang zu rühren. Und wie. Einer der zwei singenden Chronisten hatte auf eine der links stehenden Schultafel mit weißer Kreide Rock ’n Roll geschrieben. Auf einer improvisierten Bühne - man sah noch die Räder des Anhängers – rockten zwei Gittaristen, ein Kayboarder und ein Schlagzeuger. Und die Gammler tanzten dazu. Lange Haare, Aufmüpfigkeit ausstrahlend und immer frecher, sich bis zur Kommunennacktheit im Rausch des Rock ’n Roll, der dann irgendwann in reinen Rock mündete, steigernd. Musik, die ohne Drogen nur schwer auskommt. Bilder, die nach Vergleichen lechzten. Also ganz hinter dem Mond lebten wir doch nicht. Wir ließen uns doch damals im Banat auch die Haare etwas länger wachsen – Malagambafrisuren nannten wir das, dachte ich, aber meine Frau widersprach, Malagamba nannte man die glattgestriegelten Scheitelfrisuren in den ’50gern, behauptet sie - und die Mädchen trugen Minijup (aus dem rumänischen „minijupă“). Und sammelten Nick und Martin in der Hinteren Reihe nicht schon damals LPs mit englischer Musik und kannten sich aus in den ausländischen Hitlisten? 

So ging das 90 Minuten lang vorwärts in eine neue Zeit. Bis sogar der am Anfang so missmutige Spießersohn mitmachte. Es gab öfter Szenenapplaus - nicht verwunderlich bei hervorragenden schauspielerischen und musikalischen Leistungen. Die Darsteller agierten auf hohem stimmlichem Niveau. Ausgedacht hat sich dieses kurzweilige Singspiel Tobias Hofmann. Er zeichnet auch für die Regie und die musikalische Leitung  und spielt selbst am Schlagzeug. Als Darsteller werden im Programmheft Andrea Frohn, Renate Knollmann, Jan Gebauer, Ralf Lichtenberg, Peter Reisser und Richard Putzinger genannt. Sekundiert wird Tobias Hofmann von Dieter Holesch (Gitarre), Ludwig Leininger (Bass) und Josef Reißle (Keyboard).

Das Bühnenbild und die Kostümation (Katrin Busching) hätten für ein Foto zu einer Besprechung dieser Aufführung schon einiges hergegeben. Aber leider ist es auch hier wie immer öfter in unserem Alltag: „Wir machen darauf aufmerksam, dass Ton- und/oder Bildaufnahmen unserer Aufführungen durch jede Art elektronischer Geräte strikt untersagt sind. Zuwiderhandlungen sind nach dem Urheberrechtsgesetz strafbar!“ (Programmblatt). Was sagte doch Theaterregisseur Claus Peymann über die in allen Lebensbereichen grassierende Einschränkungs- und Zwangsauflagenwelle: „Alles wird verboten in diesem neuen, modernen Biedermeier.“ Da lob ich mir doch die Achtundsechziger!
Anton Potche

Montag, 7. Januar 2019

em liviu sei zeigefinger

stichlerei im johrmarker dialekt

endlich werd der europäisch union
de garaus gemach
de liviu aus rumänien 
hot die kommission ingeklaat



die kommissare wolle 'ne
nemmi stehle losse
des awwer soll geger 
die rumänische gsetzer verstoße

uf der schanz, 2019
berns toni