Montag, 14. September 2026

Eine große Johann Strauß Gala

Von wegen groß. Fällt der Name Johann Strauß (1925 - 1899), dann denkt man sofort an die Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker, ein großes Orchester, eines der besten der Welt, mit einem von Jahr zu Jahr wechselnden Dirigenten, mit bezaubernden Balletteinlagen und das alles vor einem am jeweils ersten Tag eines neuen Jahres weltweit gefesselten Millionenpublikum.

Aber siehe da, es geht auch eine Nummer kleiner. Vorgestern im Festsaal des Stadttheaters Ingolstadt. Vor einem Säulenpanorama nahmen die Orchestermitglieder ihre Plätze ein: eine Flötistin, ein Klarinettist, ein Pianist und sieben Streicher. So sieht eine Miniaturbesetzung des Gala Sinfonie Orchesters Prag aus. Dazu gesellten sich im Laufe der Musik-Tanz- und Gesangsaufführung ein Sänger, vier Sängerinnen sowie vier Tänzerinnen und zwei Tänzer des Johann Strauß Balletts, auch aus Prag.

Und man soll es nicht glauben: Eine opulente Klangfülle beherrschte sofort den Festsaal. Unsterbliche Melodien des Walzerkönigs und seiner komponierenden Zeitgenossen [u.a. Carl Zeller (1842 - 1898), Carl Millöcker (1842 - 1899), Franz Lehar (1870 - 1948)] ließen das Publikum – meist Damen und Herren ab 60 – in Walzer- Polka- Mazurka- und Marschseligkeit schwelgen. Schuld waren die saubere Interpretation des Orchesters und die fabelhaften Stimmen der vier Sopranistinnen – Jana Hruby fungierte auch als Moderatorin - und des wie ein Hahn im Korb agierenden Tenors Mila Wilden, aber auch die Ohrwurmqualität der zu Gehör gebrachten Melodien aus den Operetten Die Fledermaus, Der Zigeunerbaron, Eine Nacht in Venedig und vielen anderen Kompositionen mit Alleinstellungsmerkmal (mit und ohne Gesang), die den Instrumentalisten viel Gefühl und vor allem Virtuosität abverlangten. Konzertmeister Dmitrij Vecer brillierte auf seiner Geige.

Die Musiker aus Prag hatten in ihrem Gepäck auch ein farbenfrohes und anekdotenreiches Programmheft (DIN A4, mit kleinen Druckfehlern, 5 €), in dem man lesen kann, dass mit dem Walzer An der schönen blauen Donau dem Walzerkönig bis zu der Uraufführung dieses Stückes (1867) der „bis dahin größte Wurf seines Lebens“ gelungen war. Eduard Hanslik (1825 – 1904), laut WIKIPEDIA „einer der einflussreichsten Musikkritiker seiner Zeit“, hat diesen Walzer „ein patriotisches Volkslied ohne Worte“ genannt. Wie wahr die von diesem Werk transportierte Farbenpracht der Donau schon immer war, übermittelt uns in diesem Heft „eine statistische Untersuchung aus dem Jahre 1935“. Dort heißt es nämlich, „dass die Donau bei Wien 6 Tage im Jahr braun, 55 lehmgelb, 38 schmutziggrün, 49 Tage hellgrün, 47 Tage grasgrün, 24 stahlgrün, 109 smaragdgrün, 37 dunkelgrün ist – nur in der Musik des Walzerkönigs bleibt sie ewig blau.“


Das war am Samstagnachmittag (ab 15:30 Uhr) eine sehr gelungene, fröhliche und qualitätsvolle Galaaufführung im Festsaal des in seiner Gesamtheit leider nicht mehr brauchbaren Stadttheaters Ingolstadt. So mancher Zuschauer wird sich dabei gedacht haben, dass es für ihn vielleicht die letzte Vorstellung in diesem glas- und betonlastigen sowie geschichtsträchtigen Hämer-Bau war.
Anton Potche 

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