Die Musiker aus Prag hatten in ihrem Gepäck auch ein farbenfrohes und anekdotenreiches Programmheft (DIN A4, mit kleinen Druckfehlern, 5 €), in dem man lesen kann, dass mit dem Walzer An der schönen blauen Donau dem Walzerkönig bis zu der Uraufführung dieses Stückes (1867) der „bis dahin größte Wurf seines Lebens“ gelungen war. Eduard Hanslik (1825 – 1904), laut WIKIPEDIA „einer der einflussreichsten Musikkritiker seiner Zeit“, hat diesen Walzer „ein patriotisches Volkslied ohne Worte“ genannt. Wie wahr die von diesem Werk transportierte Farbenpracht der Donau schon immer war, übermittelt uns in diesem Heft „eine statistische Untersuchung aus dem Jahre 1935“. Dort heißt es nämlich, „dass die Donau bei Wien 6 Tage im Jahr braun, 55 lehmgelb, 38 schmutziggrün, 49 Tage hellgrün, 47 Tage grasgrün, 24 stahlgrün, 109 smaragdgrün, 37 dunkelgrün ist – nur in der Musik des Walzerkönigs bleibt sie ewig blau.“
Montag, 14. September 2026
Eine große Johann Strauß Gala
Von wegen groß. Fällt der Name
Johann Strauß (1925 - 1899), dann denkt man sofort an
die Neujahrskonzerte der Wiener
Philharmoniker,
ein großes Orchester, eines der besten der Welt, mit einem von Jahr
zu Jahr wechselnden Dirigenten, mit bezaubernden Balletteinlagen und
das alles vor einem am jeweils ersten Tag eines neuen Jahres weltweit
gefesselten Millionenpublikum.
Aber siehe da, es geht auch eine
Nummer kleiner. Vorgestern im Festsaal des Stadttheaters Ingolstadt.
Vor einem Säulenpanorama nahmen die Orchestermitglieder ihre Plätze
ein: eine Flötistin, ein Klarinettist, ein Pianist und sieben
Streicher. So sieht eine Miniaturbesetzung des Gala Sinfonie
Orchesters Prag aus. Dazu gesellten sich im Laufe der
Musik-Tanz- und Gesangsaufführung ein Sänger, vier Sängerinnen
sowie vier Tänzerinnen und zwei Tänzer des Johann Strauß
Balletts, auch
aus Prag.
Und man soll es nicht glauben: Eine
opulente Klangfülle beherrschte sofort den Festsaal. Unsterbliche
Melodien des Walzerkönigs und seiner komponierenden Zeitgenossen
[u.a. Carl Zeller (1842 - 1898), Carl Millöcker
(1842 - 1899), Franz Lehar (1870 - 1948)] ließen
das Publikum – meist Damen und Herren ab 60 – in Walzer- Polka-
Mazurka- und Marschseligkeit schwelgen. Schuld waren die saubere
Interpretation des Orchesters und die fabelhaften Stimmen der vier
Sopranistinnen – Jana Hruby fungierte auch als
Moderatorin - und des wie ein Hahn im Korb agierenden
Tenors Mila Wilden, aber auch die Ohrwurmqualität der zu
Gehör gebrachten Melodien aus den Operetten Die Fledermaus,
Der Zigeunerbaron, Eine Nacht in Venedig und
vielen
anderen
Kompositionen mit Alleinstellungsmerkmal
(mit und ohne
Gesang), die den Instrumentalisten viel Gefühl und vor allem
Virtuosität abverlangten. Konzertmeister
Dmitrij Vecer
brillierte auf seiner Geige.
Das war am Samstagnachmittag (ab
15:30 Uhr) eine sehr gelungene, fröhliche und qualitätsvolle
Galaaufführung im Festsaal des in seiner Gesamtheit leider nicht
mehr brauchbaren Stadttheaters Ingolstadt. So mancher Zuschauer wird
sich dabei gedacht haben, dass es für ihn vielleicht die letzte
Vorstellung in diesem glas- und betonlastigen sowie geschichtsträchtigen Hämer-Bau war.
Anton Potche
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