Sonntag, 25. April 2010

Bläsermusik erster Güte

Hans Jürgen Huber mag für seine Anmoderationen von Stücken des von ihm gegründeten und geleiteten Blechbläserensembles  Schutzblech umstritten sein. Es gibt Leute, die dieses Vorgehen schlichtweg für Musik in der Kirche, was sie wahrscheinlich mit Kirchenmusik gleichsetzen, unangebracht halten. Dabei geht es nie um das Procedere an sich, sondern um die lockere, flappsige Art Hubers, die sich so nicht passgenau in das Konzept ernster Musik einfügen lassen will.

Das heutige Konzert im Rahmen der "Orgelmatinee um Zwölf" in der überfüllten Ingolstädter Asamkirche "Maria de Victoria" begann er dann auch stilgetreu mit einem typischen Gruß an die Zuschauer: "Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass sie nach der Orgelmatinee Ihre Handys ... wieder einschalten."

Unumstritten war wie eh und je, was danach folgte: ausgereifte Blechbläserdarbietungen bestückt mit Stücken aus der klassischen und modernen Bläserliteratur. Hans Jürgen Huber (Foto: links) hat einige der Stücke selbst für sein Ensemble bearbeitet und auch da wie bei seinen Auftritten nicht alles so toternst genommen.


Aram Chatschaturjans (1903 -1978) Säbeltanz war mehr als ein wuchtiger Einstieg. Mitreißend im Tempo und brillierend in der Höhe zog er das Auditorium sofort in seinen Bann. Der Csárdás von Vittorio Monti (1868 -1922) wurde von dem zweiten Huber in dem Ensemble, mit dem Vornamen Stefan, so rasant gespielt, dass nur geübte Ohren noch zwischen Staccato und Legato unterscheiden konnten. Ruhiger ging es dann in der Orchestersuite III D-Dur BWV 1068 "Air" von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) zu. So ruhig, dass dieses Stück laut Hans Jürgen Huber öfter bei Zahnärzten zum Einsatz kommt. Eine Ballade für Posaune und ein russisches Volkslied führten diesen getragenen, beruhigenden Musikreigen fort, um es dann bei Gioachino Rossinis (1792 - 1868) Ouvertüre zu Guillaume Tell richtig satirisch werden zu lassen. Stellenweise klang dieses Huber-Arrangement gar wie eine Persiflage auf österreichische Volksmusik - das Publikum war allerdings vorgewarnt worden -, aber alles in höchstem Grade virtuos und klanglich wunderschön vorgetragen.

Und was bei allen anderen Konzerten dieser in Ingolstadt so beliebten sonntäglichen Konzertreihe nicht oder nur sehr selten geboten wird, gehört bei Schutzblech zu jedem Auftritt: Zugaben. Die gehören bei weltlicher Musik eben dazu. Und solche spielen die Mannen um Hans Jürgen Huber, wenn Ursprung und Aufführungsort auch sakrale Atmosphäre ausstrahlen.

(Foto: Anton Potche)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen