Posts mit dem Label Gedichte / Poezii werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gedichte / Poezii werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 27. August 2026

echolos

 
- haiku -

komm wir gehen dill

schneiden in die ebene -

ohne blasmusik


[ingolstadt, 2026]

anton potche


Montag, 20. April 2026

1 iunie

- haiku -

unsere fabrik
ist gegangen lange nach -
es war liebesschmerz


[ingolstadt, 2026]
anton potche

Sonntag, 29. Dezember 2024

egerländer

ich habe meine gänsehaut
mit in die rauhe
winternacht genommen
tenorhörner und trompeten
hatten den raum gefüllt
sich im inneren
der seelen verkrallt
schmerzlich süß
und verstörend schrill
um nachzuklingen
unter der bettdecke
hinein in das morgen
gesichtszüge erzeugend
aus einer versunkenen welt
bis die lider kapitulierten
und träume obsiegten


[ingolstadt, 29. dezember 2024]
anton potche

Montag, 9. Juli 2018

Eine deutsche Sage


Deutschland, einig Vaterland,
Am westlichen Karpatenrand
Schmachtet im Geschichtebann
Ein winzig kleines Siedlerland.

Einfach, schlicht heißt es Banat,
Niemand hat je danach gefragt,
Bis der Herr die Toten im Massengrab
Zur ersten Weihnachtsfeier bat.

Ein gebrechlicher deutscher Mann
Steht traurig am Wegesrand
Mit einem Bündel in der Hand,
Den Blick nach Westen gewandt.

Einig Vaterland, stellst du ihm die Frag’,
Was er bei dir im Westen mag,
Dann lausche seiner deutschen Sag’:
Die Toten walten im Banat.


[Im Reisebus durch die neuen Bundesländer, 1990]
Anton Potche

Gelesen von Silke Kronenberger beim
 HOG-Treffen der Frateliaer 
in Reichertshofen am 4. Juni 1995


Video auf YouTube

Dienstag, 27. November 2012

die fledermaus


in meinem handschuh
waren ihre blicke
die eines kindes
kleine müde augen
sahen mich an
als ich sie
aus der halle trug
abertausende pleuelaugen
sahen uns nach

in dieser luft
überlebt kein viech
sagt der kollege
ernst zu mir
außer uns
wie man sieht


[ingolstadt, 2011]
anton potche






Fotomontage: Berns Toni

Donnerstag, 15. März 2012

papiergitterboxillusionen

rein in die halle
hinter die zäune
während draußen
in der freiheit
die kunst tobt
ohne zu erfahren
dass ihr pendant
in rasselnden
produktionsketten
geistig masturbiert
und kunst gebiert
die in strichen
durch pleuelaugen
tätowierte arme
und hände
auf ölbeflecktes
papier fließt
um kurz vor
feierabend
in der papiergitterbox
der zerstörten
illusionen
zu landen

[ingolstadt, 2011]
anton potche




Zeichnung: Alex Pfaller

Freitag, 27. Januar 2012

Mei Nochber

Ich moon, es wär
eerscht gester gewen:
Mer hun im Garte ghackt,
unner de Beem.

Wann die Sunn rot
wie e Blutkugl war,
is de Vedder Niklos
in die Vergangenheit gfahr.

Mer hun unser Hacke
ruhe geloss,
er hot verzählt
un ich hun ghorcht.

Die Mensche ware friehjer
net vill annerscht wie heit:
Neeckst beinanner
ware Glick un Kreiz.

Ganz korz hot er aah
Dachau erwähnt;
no is e Gewidder kumm
mit Blitz un Reen.

Er hot mol dort stehn misse
mi’m Gwehr in der Hand.
Des is’m nohgang
e Lewe lang.


[Ingolstadt, 1994]
Berns Toni

Worterklärungen: ghackt = gehackt, umgehackt, Gartenarbeit // Vedder = Vetter, Anrede für ältere Männer // friehjer = früher // neeckst = nahe


Samstag, 9. April 2011

pleuelaugen

ein blick durch
das kleine auge
überschaubarkeit
ein blick durch
das große auge
unergründbarkeit
so verschieden
und trotzdem
unzertrennlich
verbunden
durch einen hals
mit vier
geschwollenen adern
in denen der frust
des ergrauten
lehrlings pulsiert
der kämpft
um seine würde
und die überschaubarkeit
in der unergründbarkeit
versinken sieht
wenn die zukunft
ohne großes
und kleines auge
auskommen muss

[ingolstadt, 2011]
anton potche

Montag, 20. Dezember 2010

rasende zeit

päderasten schleichen
durch den glauben
seit tausenden von jahren
weiten ängste
knabenaugen
doch niemand sieht sie
auf die erektion
unter den roben
gerichtet
wird schnell
und vergessen
noch schneller
huscht die zeit
über den mief
des mittelalters

[Ingolstadt, 2010]
Anton Potche


Mittwoch, 3. November 2010

der letzte honer


der letzte honer
räumt seinen platz
er war der beste
hat man ihm gesagt

die konzernpolitik
wäre schuld
an seinem geschick
hat man ihm gesagt

jetzt steht er herum
bandscheibengebeugt
akkordalt und rentenjung
hat man ihm gesagt

verdränge deinen gram
wir finden schon jemand
der sich deiner erbarmt
hat man ihm gesagt


[Ingolstadt, 2010]
Anton Potche

Samstag, 17. Juli 2010

abschied

Fotomontage: Anton Potche

da sitze ich
am weiher
nach dem soundcheck
mit horst samson
und einer flasche
wasser kostenlos
für die musiker
bei 35 grad celsius
und warte
auf den einstieg
und die trommeln
und meinen
ersten verhauten
fokalen ansatzdystonieton

es ist so still
vor meinem abschied
von der bühne
ein bächlein rinnt
in den weiher
unter der burgmauer
und tropft mir ins herz
befeuchtet meine erhitzten augen

evi wird kommen
und anna und sepp
zu meinem letzten konzert
sie werden für mich
erklingen
flöten & klarinetten & saxaphone & oboen
trompeten & hörner & posaunen & tuben
das fagott und meine heißgeliebten euphonien & tenorhörner
und der taktstock wird wie immer schweben

merkwürdig
ich sehe das dorf
und den vetter hans
und schnäutze mich
fühle die schwere entschwinden
und die leichtigkeit kommen
im rauschen des bächleins
die menschen dort drüben
strömen der wiese zu

Ingolstadt, 2010

Anton Potche