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Montag, 21. Februar 2022

A rămâne - Bleiben

 A rămâne
de Damian Ureche

Rămâi copil, prin rouă şi prin flori,
Tot vis din pomii cerului să scuturi
Când mor iubiri sub ochii ştiutori,
Tot să mai strângi la piept iubiri şi fluturi.
Rămâi poet, şi-n risc şi-n vârf de gând, 
Artist al legii asprelor vocale, 
Când prietenii te uită tot urcând 
Pe treapta ierarhiei sociale.

Să-ţi sune tuberozele: bing, bang,
Prin nervi şi prin pupila dilatată,
Iar celor ce se bat pentru un rang,
Zâmbeşte-le şi lasă-i să se bată.
Să urci spre limpezimi un cântec pur,
Să-i ştii durerii şi nădejdii preţul!
Ciocnind cristalul toamnei de azur
Să-nvie sub cupole Voroneţul!

Rămâi pentru cei mulţi, acolo jos,
La seve tari de iarbă milenară,
Spre naşterea unui poem frumos,
Rămâi poet, să cânţi şi să te doară!...



Bleiben
von Damian Ureche

Bleibe Kind, durch Tau und Blumen,
Schüttle den Traum aus den Bäumen des Himmels,
Wenn Liebschaften unter den wissenden Augen sterben,
Drücke weiter an die Brust Liebe und Schmetterlinge.
Bleibe Dichter, im Risiko und auf dem Gedankengipfel, 
Künstler des Gesetzes der strengen Vokale, 
Wenn die Freunde dich auf ihren Aufstiegsgipfeln 
Auf der Hierarchieleiter vergessen, der sozialen.

Mögen die Nachthyazinthen dir klingen: bing, bang,
Durch Nerven und die geweitete Pupille,
Und den Kämpfern für einen Rang
Schenke ein Lächeln und lasse sie ringen.
Stimme ein Lied an hell und klar,
Der Preis dafür ist Hoffnung und Schmerz!
Stoße den himmelblauen Herbstkristall an,
Dass er auferstehe unter den Kuppeln von Voroneț*!

Verharre dort unten für die Vielen
In den herben Säften des tausendjährigen Grases
Und pflege das schöne Dichten,
Bleibe Poet, singe und darbe! …


[Nachdichtung aus dem Rumänischen von Anton Potche]
Ingolstadt, 2022


*Erläuterungen
Voroneț = Kloster in Rumänien, Kreis Suceava


Damian Ureche

Der rumänische Dichter Damian Ureche wurde nur 59 Jahre alt. Er erblickte 1935 im oltenischen Dorf Rugetu, Kreis Vâlcea das Licht der Welt und ist in der Metropole des Banats, Timișoara / Temeswar, gestorben. Die Grundschule hat er in seinem Heimatort absolviert. Danach arbeitete er als Wald- und Minenarbeiter. Es folgten der Besuch des Abendlyzeums in Arad und des Loga-Lyzeums in Temeswar sowie seine zwei Studien in Temeswar (Philologie) und București / Bukarest (Zeitungswesen).

Damian Ureche hat 21 Bücher veröffentlicht. Sein am meisten gepflegtes Genre war die Poesie. Viele seiner Gedichtbände wurden ausgezeichnet. Er war Mitglied des Rumänischen Schriftstellerverbandes und Mitarbeiter der Literaturzeitschrift ORIZONT (Temeswar). Gedichte von ihm wurden in vielen renommierten Kulturzeitschriften Rumäniens publiziert.

Sein Dichter-Debüt feierte er 1958 in der Literaturzeitschrift SCRISUL BĂNĂȚEAN. Es sollten noch sechs Jahre vergehen, bis sein erster Gedichtband erschien: Temperamentul primăverii (Temperament des Frühlings).

Der Dichter, Schriftsteller, Essayist und Literaturkritiker Eugen Dorcescu schreibt im Vorwort des von ihm 1998 betreuten und herausgegebenen Bandes Poezii alese von Damian Ureche: „Sentimental und wehklagend (nicht nur zum Schein, aber auch nicht ausschließlich), verführerisch durch Kantabilität und einbildungsstarke Geistesblitze, kann Damian Ureches Dichtung sogar beim gewarnten Kommentator überwiegend emotionale Reaktionen (sei es tränenreicher Enthusiasmus oder im Gegenteil Argwohn und Blasiertheit) hervorrufen, Reaktionen, die natürlich ihren Sinn und ihre Berechtigung haben, aber in einer erweiterten analytischen Perspektive, denn die Schriften des Poeten sind viel komplexer, als man gewöhnlich annimmt.“

Montag, 16. August 2021

Urcuș - Aufstieg

 Urcuș
de Radu Stanca

Pe cât de neschimbată ai rămas,
Pe-atât sunt eu schimbat de vreme...
Tu urci colina cu acelaşi pas,
Eu mai anevoios şi mai alene.

Şi totuşi mergem amândoi-nainte
Mânaţi de-aceeaşi unică dorinţă,
Eu nevoit să calc peste morminte,
Tu ocolindu-le cu uşurinţă...

Acesta-i drumul nostru; drum de coastă,
Întortocheat şi greu. Dar sus pe culme,
Acolo unde panorama-i vastă,
Şi unde, printre stânci, bătrânul ulm e,

Acolo cel ce-ajunge dintre noi
Nu va privi zadarnic înapoi...


Aufstieg

So wie dich die Zeit verschont,
Hat sie mich geprägt …
Du besteigst den Hügelthron,
Dagegen scheint mein Schritt gelähmt.

Während wir beide vorwärts schreiten,
Angespornt vom gleichen Wunsch,
Muss ich über Gräber steigen,
Wo dein Schritt so leicht und jung …

Das ist unser Weg; am Hang entlang,
Verschlungen und schwer. Doch auf dem Gipfel hoch,
Wo das Panorama die Blicke bannt,
Und zwischen den Felsen die alte Ulme thront,

Ist dem der Blick zurück so leicht,
Der dieses Ziel erreicht …


[aus dem Rumänischen nachgedichtet von Anton Potche]
Ingolstadt, 2021


Obwohl Radu Stanca nur 42 Jahre alt wurde (1920 – 1962) entfaltete er eine rege publizistische, literarische und künstlerische Tätigkeit. Der in einer Sebeșer / Mühlbacher Intellektuellenfamilie geborene Dramaturg, Dichter und Essayist hat schon als Schüler in der Grundschule auf seine literarischen Talente aufmerksam gemacht. Seine Wegweiser und Wegbegleiter auf dem leider kurzen, aber sehr intensiven Lebensweg waren Persönlichkeiten wie Alexandru Ciura, Ion Chinezu (sein Rumänischlehrer), Lucian Blaga (dessen Assistent er am Philosophielehrstuhl in Klausenburg / Cluj Napoca) war), Ștefan Augustin Doinaș, Eugen Todoran, Nicolae Balotă, Wolf von Aichelburg u.v.a., die auch im berühmten Hermannstädter Literaturkreis aktiv waren. Die meisten Bücher mit Gedichten, Essays und Theaterstücken Radu Stancas sind nach seinem Tod erschienen. Das Nationaltheater in Hermannstadt / Sibiu trägt seinen Namen und spielt noch heute Stücke in deutscher Sprache. Bereits 1956 hatte der begeisterte Theatermann (Stanca stand schon als Student auf der Bühne und war als Regisseur tätig) sich erfolgreich für die Gründung einer deutschen Abteilung an diesem Haus eingesetzt.

Montag, 12. April 2021

Rugă nemernică - Niederträchtiges Gebet

 Rugă nemernică

Radu Gyr

Nu mă-nvăța să fug, Părinte,
De răni, de lacrimi de catran.
Ele dau freamăt mai fierbinte
Acestui sânge pământean.

Nu fi nici pașilor mei paznic,
Nici de năpârci nu mă păzi.
Numai veninul lor năpraznic
Mă limpezește zi de zi.

Și nu-mi trimite nici heruvii
Să-mi deie zborul lor înalt,
Când sunt făcut să fierb în fluvii
De crunta lavă și asfalt.

Doar om mă vreau, răsfiert în smoală,
În uragane și-n căderi,
Mai bun prin plânsul ce mă spală
Și tot mai om prin sfâșieri.

Să nu-mi pui aripă de înger,
Ci lasă-mi chipul meu de lut,
Să iert, să cânt, să gem, să sânger,
În dorul raiului pierdut.



Niederträchtiges Gebet

von Radu Gyr

Vater, lehr’ mich nicht weglaufen
Von Wunden und giftiger Tränenwut.
Sie lassen noch heißer wallen
Dieses irdische Blut.

Bewache mir nicht jeden Schritt
und beschütze mich nicht vor Nattern.
Nur ihr schreckliches Gift
Klärt meinen Blick an allen Tagen.

Auch Cherubim will ich keine
Mit ihren hohen Flügen,
Muss ich doch in Strömen
Grausamer Asphaltlava gären.

Nur Mensch sein will ich, in Pech siedend,
In Uraganen und Stürzen,
Geläutert durch reinwaschendes Weinen
Und mehr Mensch durch Zerfleischungen.

Erspare mir jeglichen Engelsflug
Und lass mir mein irden Angesicht,
Dass ich vergebe, singe, stöhne in Blut
Und Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.


[Nachgedichtet aus dem Rumänischen von Anton Potche]
Ingolstadt, 2021


Radu Gyr (1905 – 1975) – mit bürgerlichem Name Radu Demetrescu – hatte die perfide Idee, in Bukarest ein jüdisches Theater zu gründen (1941) ... und das mit antisemitischen Absichten. Wie man sieht, fehlte es auch den rumänischen Faschisten nicht an aberranten Ideen. Und dass dann gerade Intellektuelle solchen verbrannten Hirngespinsten nachhingen, zeigen Biografien von Leuten wie Emil Cioran (1911 - 1995), Mircea Eliade (1907 - 1986) und eben Radu Gyr. (Ähnliche Beispiele gibt es auch genügend für die kommunistische Zeit in Rumänien.) Liest man dann die geistigen Ergüsse dieser Männer, so kann man sich nicht genug über Produkte gespaltener Persönlichkeiten wundern. Das gilt natürlich auch für andere Kunstsparten. Und diese abstruse Bewunderung für Herrn Gröfaz ging durch viele, um nicht zu sagen alle Nationen. Ein Beispiel gefällig? Vielleicht der Niederländer Joseph Wilhelm Mengelberg (1871 – 1951), Dirigent und Komponist – stellvertretend für viel zu viele andere.

Montag, 15. Juni 2020

Bolnavi unanim - Einhellig Kranke


Bolnavi unanim
Adrian Păunescu
(1943 - 2010)

Și ce-ar fi dacă,
Într-o zi blestemată
Ne-am îmbolnăvi cu toții
Deodată?
Și medici, și pacienți,
Și părinți, și copii?

Ce-ar fi, ce-ar fi
Dacă, brusc,
Ne-am îmbolnăvi,
Dacă n-ar avea
Cine pe cine să mai trateze,
Bandaje și paranteze?

Ce-ar fi dacă,
În urma dreptului legitim
De a ne îmbolnăvi,
Chiar ne-am trezi,
Că ne-am îmbolnăvit
Și n-avem cui ne adresa,
N-avem pe cine chema?

Ce-ar fi dacă
Într-o zi blestemată
Ne-am îmbolnăvi
Cu toții
Deodată ?



Einhellig Kranke

Und was wäre, wenn
Eines verfluchten Tages
Wir alle erkranken würden
Auf einmal?
Auch Ärzte, und Patienten,
Und Eltern, und Kinder?

Was wäre, was wäre,
Würden wir, brüsk,
Erkranken,
Und es könnte niemand
Niemand mehr behandeln
Mit Klammern und Verband?

Was wäre, wenn
Nach unserem legitimen Recht,
Krank zu werden,
Wir wirklich feststellen,
Dass wir erkrankt sind,
Ohne uns an jemand wenden,
Jemand rufen zu können?

Was wäre, wenn
Eines verfluchten Tages
Wir erkranken würden,
Alle
Zur gleichen Zeit?


[aus dem Rumänischen von Anton Potche]
Ingolstadt, 2020

(Die Originalfassung ist am 21.01.2002 
in der rumänischen Zeitschrift 
FLACĂRA lui ADRIAN PĂUNESCU erschienen.)

Montag, 12. Februar 2018

Popa ăl nemţesc - De deitsch Pharre

Popa ăl nemţesc
de Sorin Olariu

Stai să vez’ şe întâmplare, măi acu’, pân primăvară,
S-o fost dus uichiţu’ Nielu să să-nmoaie la Izvoară.
Ş-acolo, la Herculane, staţ, ca să vă povestăsc:
Nimerisă baş cu locu’ lâng-un un popă d-al nemţăsc.

Dom’ părince-ncins la soare, buchisa dân cărţulie,
Nielu – cu ţâgarea-n gură şî uiaga dă răchie.
Başca, pă v-o asistentă, măi scăpa şî câce-o mână,
Dă-l cârpea bieta muiere cu şe-avea pî la-ndămână.

- Dom’ părince!-nşepe uica, dumetale şcii măi bine,
O’ artrita, boala asta, cum să ia, dă unge vine?
Să uită la Nielu neamţu’, dî la cap pân la pişioare,
Prişepu el care-i şpilu’ şî ţî-l luă atunşea tare:

- Abăr cum, main zon, te unte? Te la trinchen... bautură,
Nopţi piertute cu fetiţe şi dohan bagat pe gură!
Toate asta se adunăm şi nici cât io zice: peşte!
Vine-artritănu la omu’ şi atunci îl polnăveşte!

P-ormă-i zâsă măi dăparce că-l văzu îngândurat:
- Zagt, main zon, du ai artrităn, că pe mine-ai întrebat?

- Da dă unge, dom părince!... Numa’ am şî io mirare,
C-am şicit pă la ţăitunguri cum că... papa vostru are!!


(din FOAIA DE RAMNA, martie 2014)

†                    †                     †

De deitsch Pharre
vum Sorin Olariu

Schau her, was do passeert is, jetz im Friehjohr,
De Uică* Nelu is sich an die Quell inwaache gfahr.
Und dort in Herkules hot er e Platz ghat – soon ich eich -
newer oom Pharre mit der Mottersproch Deitsch.

Hochwürden hot, ausgstreckt in der Sunn, geles i’me Buch,
Nelu – mi’m Zigarettl im Maul un der Rackiflasch uf.
Bei’re Assistentin is’m schun mol die Hand ausgeritscht
Un er hot vun der Fraa aah glei e gscheidi Watsch kriet.

„Herr Pharre“, fangt de Uică Nelu on, „dehr wisst meh,
Arthritis, die Krankheit, wie kriet merr die, wu kummt die her?“
Der Deitsch schaut de Nelu on vum Kopp bis an die Fieß
Un saat ehm sei Meinung klor un ohne vill Mitgfiehl:

„Aber wie, mein Sohn, von wo? Vom Trinken … Saufen,
Verlorenen  Nächten mit Mädchen  und vom vielen  Rauchen!
Das sammelt sich an, und wie du dich umsiehst: Zack!,
Kommt die Arthritis und hat dich krank gemacht!“

Un noo hot er dee nohdenkliche Nelu weider gfroot:
„Weil du mich fragst, hast du Arthritis, mein Sohn?“

„Awwer wu, Hochwürden! ... Gstaunt hun ich mich bloß,
Weil ich in der Zeidung geles hun, dass eier Papst se hot.“


(aus  FOAIA DE RAMNA, martie 2014)

[Iwersetzt vum Berns Toni aus’m rumänische banader Dialekt  in de Johrmarker Dialekt]
Uf der Schanz, 2014

Worterklärung:
Uică (rum. Regionalidiom) = Onkel, Vetterchen, Freundchen


Sorin Olariu ist ein Epgrammist und Mundartdichter, der im rumänischen Dialekt des Banats schreibt. Er wurde 1965 in Buchini, heute ein Stadtteil der südwestrumänischen Stadt Caransebeș / Karansebesch, geboren. Die Grundschule und das Lyzeum Traian Doda besuchte er in Karansebesch. In Timișoara / Temeswar studierte er am Politechnikum und anschließend wieder in Karansebesch an einem Ableger der Fakultät für Literatur, Geschichte und Theologie der Westuniversität Temeswar.
Er arbeitete als Journalist und unterrichtete Theologie am Industrielyzeum Nr. 2  in Karansebesch.
Sorin Olariu kann auf ein sehr reiches Œvre verweisen: Gedichtbände, Anthologien, Beiträge in Literaturzeitschriften und Teilnahmen an verschiedenen Literaturveranstaltungen – auch Radiosendungen. Allein auf dem Literaturportal poezie.ro (http://www.poezie.ro/index.php/author/0002998/Sorin_Olariu) kann man 1383 Texte (Prosa & Lyrik) von ihm lesen. Seine Arbeiten wurden in den Zeitschriften und Zeitungen MERIDIANUL (Temeswar), hier unter dem Pseudonym Sorin Solaris, ROSTIREA ROMÂNEASCĂ (Sibiu / Hermannstadt – Temeswar), RENAȚTEREA BĂNĂȚEANĂ (Temeswar), REDEȘTEPTAREA (Lugoj / Lugosch), TIBISCUS (Uzdin in Serbien), TOT BANATU-I FRUNCEA (Lugosch) veröffentlicht.
 Heute lebt Sorin Olariu in Michigan / USA.

Montag, 18. Mai 2015

Sub vişinul înflorit - Unter dem blühenden Weichselbaum

Sub vișinul înflorit
de Carol Scrob (1856 - 1913) 

O doram de-o vreme-ntreagă
Și ochii ei fermecători
Făceau să-mi fie-atât de dragă!
Zărind-o, mă treceau fiori!

Păstram amorul în tăcere,
Și cât eram de fericit!
Iar într-o zi de mai, frumoasă,
I-am sris, și-apoi ne-am întâlnit ... 

Am stat în luncă toată ziua 
Culcat sub vișinu-nflorit;
Și, tot privind în ochii-i negri,
Pe brațu-i alb am adormit ...

Iar când mă deșteptai, spre seară,
În păru-i negru, mătăsos, 
Ninsese florile de vișin ...
Și cât îi stătea de frumos!

Păstram amorul îm tăcere,
Și cât eram de fericit!
Dar într-o zi de august, tristă,
Am plâns, și-apoi ne-am despărțit.


Foto: Anton Potche
Unter dem blühenden Weichselbaum
von Carol Scrob

Seit einer Zeit betete ich sie an 
Und ihre bezaubernden Augen
Waren mir ein Liebestrank!
Ihr Anblick ließ mich schaudern!

Ruhig hab' ich Amors Pfeil bewahrt,
Und genoss das Glück der Lieb'!
Aber eines schönen Maientag's 
Trafen wir uns nach meinem Brief ...

Wir lagen tagsüber in den Auen
Unterm blühenden Weichselbaum;
Und vertieft in ihre schwarzen Augen
Schlief ich ein auf ihrem weißen Arm ...

Als ich dann gegen Abend aufgewacht,
Weichselblüten hatt' es geschneit
In schwarzseidene Haarpracht ...
Und sie zierten ihre Schönheit! 

Ruhig hab' ich Amors Pfeil bewahrt,
Und genoss das Glück der Lieb'!
Aber eines tristen Augusttag's 
Weinte ich, sie ging von mir.

[Übersetzt aus dem Rumänischen von Anton Potche]
Ingolstadt, 2015

Carol Scrob (1856 - 1913) war ein dichtender Major der Infanterie. Er kämpfte 1877 in der rumänischen Armee im Unabhängigkeitskrieg gegen die Osmanen. Seine Gedichte erschienen in den Zeitschriften STINDARDUL, LITERATORUL, REVISTA LITERARĂ, PELEȘUL, CURIERUL, UNIVERSUL sowie MINERVA LITERARĂ, und die Zeitschrift VIITORUL ȚĂRII brachte er selbst heraus. Er hat auch vier Gedichtbände veröffentlicht. 1881 zählte Alexandru Macedonski (1854 - 1920) ihn neben Duiliu Zamfirescu (1858 - 1922) zu den Hoffnungsträgern der rumänischen Poesie.
Carol Scrob hat auch Gedichte von Goethe, Heine, Lenau, Francois Coppee und Sully Prudhomme ins Rumänische übersetzt.


Samstag, 21. August 2010

Mioriţa - Das Schäflein (rumänische Volksballade)

Pe-un picior de plai,
Pe-o gură de rai,
Iată vin în cale,
Se cobor la vale,
Trei turme de miei,
Cu trei ciobănei.
Unu-i moldovan,
Unu-i ungurean
Şi unu-i vrâncean.
Iar cel ungurean
Şi cu cel vrâncean,
Mări, se vorbiră,
Ei se sfătuiră
Pe l-apus de soare
Ca să mi-l omoare
Pe cel moldovan,
Că-i mai ortoman
Ş-are oi mai multe,
Mândre şi cornute,
Şi cai învăţaţi,
Şi câni mai bărbaţi,
Dar cea mioriţă,
Cu lână plăviţă,
De trei zile-ncoace
Gura nu-i mai tace,
Iarba nu-i mai place.
- Mioriţă laie,
Laie bucălaie,
De trei zile-ncoace
Gura nu-ţi mai tace!
Ori iarba nu-ţi place,
Ori eşti bolnăvioară,
Drăguţă mioară?
- Drăguţule bace,
Dă-ţi oile-ncoace,
La negru zăvoi,
Că-i iarbă de noi
Şi umbră de voi.
Stăpâne, stăpâne,
Îţi cheamă ş-un câne,
Cel mai bărbătesc
Şi cel mai frăţesc,
Că l-apus de soare
Vreau să mi te-omoare
Baciul ungurean
Şi cu cel vrâncean!
- Oiţă bârsană,
De eşti năzdrăvană,
Şi de-a fi să mor
În câmp de mohor,
Să spui lui vrâncean
Şi lui ungurean
Ca să mă îngroape
Aice pe-aproape,
În strunga de oi,
Să fiu tot cu voi;
În dosul stânii
Să-mi aud cânii.
Aste să le spui,
Iar la cap să-mi pui
Fluieraşi de fag,
Mult zice cu drag;
Fluieraşi de os,
Mult zice duios;
Fluieraş de soc,
Mult zice cu foc!
Vântul, când a bate,
Prin ele-a răzbate
Ş-oile s-or strânge,
Pe mine m-or plânge
Cu lacrimi de sânge!
Iar tu de omor
Să nu le spui lor.
Să le spui curat
Că m-am însurat
Cu-o mândră crăiasă,
A lumii mireasă;
Că la nunta mea
A căzut o stea;
Soarele şi luna
Mi-au ţinut cununa.
Brazi şi păltinaşi
I-am avut nuntaşi,
Preoţi, munţii mari,
Paseri, lăutari,
Păsărele mii,
Şi stele făclii!
Iar dacă-i zări,
Dacă-i întâlni
Măicuţă bătrână,
Cu brâul de lână,
Din ochi lăcrimând,
Pe câmpi alergând,
Pe toţi întrebând
Şi la toţi zicând:
"Cine-a cunoscut,
Cine mi-a văzut
Mândru ciobănel,
Tras printr-un inel?
Feţişoara lui,
Spuma laptelui;
Musteţioara lui,
Spicul grâului;
Perişorul lui,
Peana corbului;
Ochişorii lui,
Mura câmpului!"
Tu, mioara mea,
Să te-nduri de ea
Şi-i spune curat
Că m-am însurat
Cu-o fată de crai,
Pe-o gură de rai.
Iar la cea măicuţă
Să nu spui, drăguţă,
Că la nunta mea
A căzut o stea,
C-am avut nuntaşi
Brazi şi păltinaşi,
Preoţi, munţii mari,
Paseri, lăutari,
Păserele mii,
Şi stele făclii!

Version von Vasile Alecsandri (1821 - 1890)
Diese Volksballade ist in Rumänien in mehr als 1500 Varianten bekannt.


Hoch am Almenrand
Wie in Gottes Hand,
Sieh, auf Wegen schmal,
Steigen sie ins Tal,
Schafherden drei,
Drei Hirten dabei.
Moldauer der ein',
Einer vom ungrisch Rain
Und einer vom Wrantschastein.
Doch der vom ungrisch Rain
Und der vom Wrantschastein
Sieh! zu böser Tat
Hielten sie den Rat:
Um das Abendrot
Schlagen sie mir tot
Jenen Moldowaren,
Reicher und erfahren,
Denn er hat mehr Schafe,
Schön gehörnte, brave.
Und Pferde gut und jährig
Hunde treu und gelehrig.
Doch das liebe Lämmlein,
Schwarzwollig und fein,
Seit drei Tagen her
Schweigt sein Mund nicht mehr,
Schmeckt ihm das Gras nicht sehr.
- Schwarzlockiges Lamm,
Krauswolliges Lamm,
Seit drei Tagen her
Schweigt dein Mund nicht mehr!
Schmeckt dir das Gras nicht sehr?
Wirst wohl kränklich sein?
Liebes Schäfchen mein!
- Hirte, du Lieber,
Treib uns hinüber
Zum dunklen Gesträuch,
Das Gras ist dort reich
Und Schatten für euch.
Auch dies tu ich kund,
Ruf einen Hund,
Deinen allerbesten,
Treuesten und festen!
Denn ums Abendrot
Schlagen sie dich tot,
Der vom ungrisch Rain
Und der vom Wrantschastein.
-Mein lockiges Lamm
Vom Burzenstamm,
Sollte ich hier sterben,
Auf dem Feld verderben,
Sag dem Wrantschasohn
Und dem Ungarsohn,
Beide sollen mir
Das Grab schaufeln hier
Im Pferch meiner Schafe,
Daß ich bei euch schlafe
Und hör im Hürdengrunde
Bellen meine Hunde.
Sonst kein Wort verlier,
Doch zu Häupten mir
Leg die Buchenpfeife,
Die das Herz ergreife.
Eine Flöte aus Bein
Wiege die Wehmut ein!
Die Flöte aus Holunder
Singe der Liebe Wunder!
Wenn der Windhauch geht,
Durch die Flöten weht,
Die Schafe sich vereinen,
Blutige Tränen weinen
Und meinen Tod beklagen,
Brauchst du nicht zu sagen,
Daß man mich erschlagen.
Jeder nur erfahr,
Daß meine Hochzeit war
Und ich mir gefreit
Eine Königsmaid.
Mir ist angetraut
Dieser Welten Braut.
Doch schweig vor allen,
Daß ein Stern gefallen
An dem Hochzeitstage;
Und noch dieses sage:
Der Mond und die Sonne
hielten mir die Krone.
Und als Gäste standen
Ahornbäum und Tannen.
Berge Priester waren,
Spielleut Vogelscharen,
Tausend Vögelein
Und Sterne Fackelschein!
Solltest aber sehen,
Im Vorübergehen
Auf den Feldern weit,
Weinend vor Leid,
Den Wollgürtel tragend,
Alt Mütterlein klagend
Jeden befragend
Und jedem sagend:
"Wer hat ihn gekannt,
Wer hat ihn gesehen,
Den Hirtenknaben rank,
Wie die Tanne schlank.
Sahst den Burschen nicht,
Dessen jung Gesicht
Ist wie Milch und Schaum,
Überm Mund der Flaum
Wie die Weizenähre!
Wie des Feldes Beere
Dunkle Äugelein!
Und das Haar des Knaben
Die Feder des Raben!"
Du, Schäfchen mein,
Sollst mitleidig sein,
Die Mutter bloß erfahr,
Daß meine Hochzeit war,
Daß ich mir gefreit
Eine Königsmaid
Dort am Almenrand
In Gottes Hand.
Doch dem Mütterlein
Sag nicht, Teures mein,
Daß ein Stern gefallen
An dem Hochzeitsfeste
Und daß meine Gäste
Ahornbäum und Tannen,
Daß Berge Priester waren,
Die Spielleut Vogelscharen,
Tausend Vögelein
Und Sterne Fackelschein.

Nachdichtung von Hans Diplich (1909 - 1990)

Fotos: Anton Potche