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Mittwoch, 5. Juli 2023

Des war doch e Johrmarker Owed …

… asso fast. Es hängt halt immer davun ab, wie mer ‘s sieht. Awwer scheen de Reih noh. Die Deitsch Sendung vun Radio Temeswar (Timișoara) hot mittwuchs immer Kulturprogramm. Gsend werd es gleiche Programm zwaa mol am Taach: um 13 un 19 Uhr rumänischi Zeit, des wär forr uns deitschlänner Banader Schwowe 12 un 18 Uhr.

In der Sendung vum 7. Juni is es hauptsächlich um die Literatur gang. Un um die Dichterin Ana Blandiana, awwer net norr. Aah um ehre Iwersetzerin – wer kann sich des heit schun leiste, e Iwersetzerin? -, es Bernads Kathi aus Johrmark. Immerhin handelt es sich bei der Blandiana um ooni vun de beriehmteste, wann net die bekanntest, Dichterin aus Rumänien. Un der in Deitsch zuzuarwete, is schun etwas, wu merr uf echt deitsch-franzeesisch „Chapeau!“ soon kann.

Ich will jetz net die ganz Sendung kommenteere un mich meh uf die Protagoniste aus Johrmark konzentreere. Jo, jo, do sin nämlich annre Johrmarker, uriche un vereddelte, aah noch vorkumm. Awwer ich muss des es eerscht mit der Ana Blandiana un em Bernads Kathi, die Johrmarker wisse jo, des hot in der Zigeinergass gewohnt, kläre, sunst kumme merr dorchnanner. Asso die rumänisch Dichterin hot an der Temeswarer West Universität e Vortrag ghal. Dort hot ‘s nämlich am 7. Juni e Konferenz gewwe zum Thema „Woran wir uns erinnern wollen“. Iwersetzer hot merr dort koone gebreicht. Annerscht war des noo schun e Tach späder. Do war die Ana Blandiana beim deitsche Literaturkreis Stafette ingelad. Un weil die Veranstaltung als zwaasprochich ongekind war, hot merr nateerlich aah jemand gebreicht, der wu die rumänische Gedichter ins Deitsche iwersetzt hot. Es Bernads Kathi arwet schun lang mit der Dichterin un is meistens dabei, wann die in Deitschland Lesunge abhalt. De Nachrichtensprecher hot des nateerlich scheen hochdeitsch ongsaat: „Der Literaturkreis Stafette bekommt morgen den Besuch der Dichterin Ana Blandiana und ihrer Übersetzerin Katharina Kilzer. Es gibt eine zweisprachige Lesung im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus ab 17 Uhr. Auch Texte der Stafette werden dabei zweisprachig vorgetragen. Der Eintritt ist frei.“

Schun e Wuch vorher hot ‘s in Temeswar e deitschi Lesung gewwe, bei der wu merr awwer ka Dolmetscher gebreicht hot un vun der wu aah in der Sendung am 7. Juni bericht is wor. Norr e Moderator, uf urjohrmarkrisch e Onsager, hot merr uf der Lesung schun gebreicht. Un des war wedder es Bernads Kathi, asso e Onsagerin. Die Vorlesung hot ghaaß „Grünes Sofa“ un is im gleiche A.M.G.-Haus abghall wor. Die Radiomoderatorin Astrid Weisz hot zu der Lesung gsaat. „Nach der Vorstellung der Broschüre (A. d. V.: Broschüre Medienwirksam vor Diktiergerät und Kamera, vorgestellt vum der BANATER ZEITUNG ehrem Chefredakteur, Siegfried Thiel) ging es literarisch zu. Für Musikeinlagen sorgten Mitglieder der Familie Stritt aus Deutschland. Es moderierte die Autorin Katharina Kilzer. Sie fasste für uns danach die Schwerpunkte des Abends zusammen.“

Un ‘s Bernads Kathi hot noo verzählt, wie die Gschicht mit dem griene Sofa ufkumm is, un wer alles schun do druf gsitzt hot, un wer an dem Owed – es war de 1. Juni 2023 – ingelaad war, vum Sofa runner aus seine Bicher zu lese, weil „das Banat hat ja auch sehr bekannte und gute Autoren, schöne Geschichten […], von traurig bis humorvoll ist alles dabei“. Es Kathi hot noo die Autore vun dem Owed ufgezählt: Walter Roth, Eva Filip, Balthasar Waitz, Magdalena Binder un eens selwer. Was es genau vorgeles hot, hot ‘s net gsaat, awwer es hot uns verrot, was es forr die Zukunft plont: „Ich habe ein neues Buchprojekt, das noch im Entstehen ist. Ich sammle Geschichten und Legenden aus Temeswar, suche überall in alten Zeitungen, in Archiven, alten Büchern von Griselini bis im türkischen Çelebi, Reiseschriftsteller, […].“ Alte Heiser selle in dem Buch e großi Roll spille. Es is jo nicks Neies, dass so alte Gebeide einiches an „Geschichten und Legenden“ hergewwe. Ich les so etwas wirklich gere un hoff nateerlich, dass ich so e Buch vun ‘re Johrmarker Landsmännin aah noch lese kann, weil merr is jo nemmi de Jingst. Un es Bernads Kathi hot aah in seim Interview e bissje gebremst, weil es hot gsaat: „Ich denke, das wird sich noch ein bisschen hinziehen […], ich bin immer noch auf der Suche nach weiteren Legenden, denn es ist gar nicht so einfach, diese ausfindig zu machen.“

Wie aah immer, ich kann jo warte … wie gsaat … wann … Als Johrmarker Lokalpatriot gfreu ich mich uf alles Gedruckte un nateerlich aah Gsungne un Geblosne. Weil bei der Lesung hot ‘s wie schun gsaat aah Musik gewwe, wie des sich forr alles, was irgendwie mit Johrmark zu ton hot, aah steht. Die Stritt-Familie is eigentlich e Johrmarker-Saderlacher Gewächs. Un die kann professionell musizeere. Sie besteht aus Vatter Josef, Motter – es Glasmanns Angelika aus der Zigeinergass -, Tochter Fiona un Sohn Benedikt.

Jo, wirklich: Es Glasmanns Angelika un ‘s Bernads Kathi stamme alle zwaa aus der Johrmarker Zigeinergass. Do hatt sich doch wirklich Kultur i ‘me Johrmarker Eck zammbeballt ghat, de wu ‘s heit gar nemi gebt. Ich moon de Ort, net die Kultur. Johrmark haaßt heit Giarmata un die Zigeinergass is die Strada Ardealul. Awwer die Kultur is geblieb. Un des forr banatschwowische Verhältnisse uf ‘me ganz scheene Niveau. Awwer net in der Giarmataer Strada Ardeal, sondern in Deitschland.
Berns Toni

Montag, 9. April 2018

Erinnerungen und hinkende Vergleiche

Dieser Film hat mich an meine Jugend erinnert: Die Freibadclique. Und wie immer, wenn die Erinnerungen sich hinter meiner Stirn breitmachen, begannen auch diesmal die Vergleiche verrückt zu spielen. Auch ich verbrachte meine Jugendjahre in einer Diktatur. Auch wir hatten ein Freibad, wir nannten es Strand, im Dorf. Auch dort traf sich so manche Jugendclique. Auch dort plusterten sich die Jungs auf wie die Pfauen. Ich gehörte dazu, ist doch klar. Und bildete mir natürlich ein, dass aller Mädchen Augen nur auf mich gerichtet waren. Wie schön es doch sein kann, in der Vergangenheit zu schwelgen. Wäre da nicht, die Nüchternheit, die früher oder später einsetzt. Sie ließ auch bei mir nicht lange auf sich warten.
 Fotoquelle: http://www.daserste.de/

Friedemann Fromm hat diesen Film nach dem Roman gleichen Titels von Oliver Storz (1929 – 2011) verfilmt. Die ARD hat die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt und damit (mir zumindest) bewiesen, dass meine Fernseh- und Rundfunkgebühren nicht (immer) für die Katz sind. Nüchtern betrachtet, lässt der Film (Erstausstrahlung am 28. März 2018 in der ARD) eigentlich kaum Vergleiche mit meiner Jugend zu. Und das, obwohl die fünf Jungs aus der Freibadclique genauso Spitznamen trugen, wie die Buben aus meinem Dorf. Im Film sind es Onkel (Jonathan Berlin), Bubu (Andreas Warmbrunn), Zungenkuss (Joscha Eißen), Hosenmacher (Laurenz Lerch) oder Knuffke (Theo Trebs). In dem Dorf meiner Kindheit und Jugend hießen solche aus der Pubertät wachsende Jungs Tschango, Scharka, Tschisko, Batzo, Zatza, Schnürchen, Jamaika usw. Aber damit sind die Vergleiche auch schon fast erschöpft. Besonders was die Rahmenbedingungen anbelangt.

Kommunismus versus Nationalsozialismus. Kalter Krieg versus Weltkrieg. Hier nach weiteren Vergleichen zu suchen, wäre vermessen. Und doch drängen sie sich auf, wenn man bedenkt, dass erste Liebeserfahrungen da wie dort im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend waren. Aber danach wird es wirklich eng mit den Gemeinsamkeiten. Die Jungen in einer schwäbischen Kleinstadt – ihre Sprache verrät untrügerisch ihre Heimat – gehören zum letzten Aufgebot des Führers. Sie leben in ständiger Angst, doch noch zur Waffen-SS einberufen zu werden. Da fühlen sich erste Liebeserfahrungen bestimmt anders an als meine oder die meiner Altersgenossen hinter dem Eisernen Vorhang im Südosten Europas. Schwaben hin oder her, ob aus dem Ländle oder dem Banat.

Die Freibadclique aus dem Schwäbischen muss doch noch in den Krieg. Und trifft sich dezimiert nach dem Einmarsch der Amerikaner wieder im Freibad. Drei haben überlebt. Beschädigte Biografien. Und dann wieder der aufdringliche Vergleich. Nein, die Gegensätze können nicht größer sein und überwiegen. Auch in meinem Freibad, an meinem Strand, wurden die Cliquen von Mal zu Mal kleiner. Ihre Mitglieder überwanden den Eisernen Vorhang (oft unter Lebensgefahr), um dorthin zu gelangen, wo die schwäbelnden Jungs einst vom 10-m-Turm sprangen. Klingt nach einer Gemeinsamkeit. Ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass die einen zum sinnlosen Sterben getrieben wurden (der Film lässt hier keine Zweifel offen), während die anderen todesmutig die Westgrenze Rumäniens überwanden (was leider nicht immer gelang) oder sich aus der kommunistischen Diktatur freikauften. Freiwillig!

Die Freibadclique bleibt auch mit drei Mitgliedern nach dem Krieg bestehen. Doch die Nachkriegszeit in Deutschland ist nur bedingt ungefährlicher als die Kriegszeit. Auch sie wird von starken Gefühlen, Erotik und Freundschaft, geprägt und verlangt noch ein Opfer, wo doch die Waffen längst schweigen. Der Film beginnt mit dem Blick in ein intaktes Klassenzimmer eines Gymnasiums. Und er endet mit dem gleichen Blick am ersten Schultag nach dem Krieg. Ein Antonym von intakt wäre (in diesem Fall) wohl partiell. In einem partiellen Klassenzimmer bleiben viele Sitzhocker leer.

Auch die Cliquen an meinem Strand gibt es nicht mehr. Aber zwischen der Freibadclique und den Strandcliquen liegen heuer immerhin 73 Jahre und einige Mitglieder Letzterer treffen sich wahrlich noch ab und zu bei der einen oder anderen Jahrgangszusammenkunft.

Was Oliver Storz niedergeschrieben und Friedemann Fromm auf die Leinwand gebannt hat, ist klassische Antikriegsliteratur und -film. Zumindest eins von beiden sollte man sich nicht entgehen lassen. Es sind die Gefühle unserer Großväter und Großmütter und – wer hätte das gedacht – sogar teilweise unsere eigenen. Zumindest solange uns die Erinnerung noch nicht abhanden gekommen ist.

Die Freibadclique – Drehbuch & Regie: Friedemann Fromm, Musik: Annette Focks, Produktion: Marc Müller-kaldenberg, Darsteller: Jonathan Berlin, Theo Trebs, Andreas Warmbrunn, Laurenz Lerch, Joscha Eißen u. a. 

Anton Potche

Montag, 14. August 2017

Der ländliche Raum in Bayern während der NS-Zeit

Ich erinnere mich an Landserhefte, die ich in den 1960er Jahren hinter dem Schornstein auf dem Dachboden meines Elternhauses im rumänischen Banat fand. Natürlich war ich an deren Lektüre als 10-Jähriger kaum interessiert. Nur die bemalten Einbände faszinierten mich: Panzer, Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Kriegsszenen mit siegenden deutschen Soldaten. Schließlich sahen wir zu jener Zeit im Dorfkino ja auch Kriegsfilme und konnten natürlich die Landserbilder richtig einordnen – auch wenn die Kriegsfilme, die im Kulturheim gezeigt wurden, eher die Vietnam- und Koreakriege zeigten, natürlich mit den siegreichen kommunistischen Verbänden. Irgendwann sind die Hefte dann verschwunden. Vielleicht hat die Oma sie beim Schüren des Kessels oder des Backofens sinnvoll verwertet. Geblieben ist mir die Erinnerung an jene Zeit. Und die war mir erst kürzlich ziemlich präsent, als ich im Bauerngerätemuseum in Ingolstadt-Hundszell die Ausstellung Volk - Heimat - Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre besuchte.

Einer der Themenschwerpunkte trug die Überschrift Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus. Ich musste bei der Ansicht der ausgestellten Propagandamaterialien (Zeitschriften und Kriegsspiele) an die Landserhefte meiner Kindheit – lange nach dem Krieg – denken, aber auch an die „Kriege“ die wir in den Dorfgassen mit Holzpistolen und Gewehrattrappen führten. Manchmal kamen auch Pfeil und Bogen zum Einsatz, liefen doch in jener Zeit im selben Dorfkino auch die ersten Karl-May-Filme. Man stelle sich das Chaos in unseren von Abenteuerlust beseelten Herzen und verwirrten Köpfen vor. Vietnamesen, Koreaner, aber auch siegende Rotarmisten und flüchtende Landser (wer hatte da wohl Recht, die Filme oder die Heftebilder?) und dazu heldenhafte Indianer und weiße Banditen. Der Krieg war 20 Jahre vorbei, aber sein ideologischer Bodensatz gärte in Südosteuropa unbeschadet fort – nur eben nicht als nationalsozialistische Ideologie, sondern als kommunistische.

 So wird wohl jeder Besucher dieser Ausstellung seinen Gedanken nachhängen. Auf irgendeine Weise war jeder Teil der Gesellschaft vom Nationalsozialismus berührt, ein Themenschwerpunkt ist mit Durchdringung der Gesellschaft überschrieben. Auch das Leben auf dem Land. Und war der Weiler noch so klein und abgelegen. Die Gesetze und Verordnungen erreichten alle, auch wenn sie nicht immer befolgt wurden. Die Informationstafeln in dieser Ausstellung berichten davon. Es gab zum Beispiel ein Reichserbhofgesetz, das zum Ziel hatte, „eine Überschuldung der Höfe zu verhindern und vom »Kapital des Judentums« unabhängig zu werde.“

Das Themenspektrum dieser Ausstellung ist weit gefächert: Autarkiebestrebungen in der Landwirtschaft, Kleidung in den 1930er und 1940er Jahren, Mangel und Kriegswirtschaft, Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus („Die »erbgesunde«, »arische« Frau sollte möglichst viele Kinder zur Welt bringen und diese ganz im nationalsozialistischen Sinne erziehen."), Arbeit adelt! Der Reichsarbeitsdienst (RAD), Behelfsheime für Ausgebombte, Zurück zur Scholle; Kleinsiedlungen in der NS-Zeit, Das Winterhilfswerk. Auch an das Jüdische Leben auf dem Land haben die Kuratoren gedacht.

Fotos: Anton Potche
Und an die Zwangsarbeit („Allein in Franken arbeiteten etwa 250.000 bis 300.000 überwiegend aus Osteuropa verschleppte Zivilarbeiter und zahlreiche Kriegsgefangene, darunter ein sehr großer Teil in der Landwirtschaft.“). Gerade hier zeigt neben dem vielen Bedrückenden die Ausstellung auch einen Lichtblick, ein Beispiel von erträglicher Kriegsfolge: „Der ukrainische Zwangsarbeiter Peter Diakon hat schon während des Krieges in der Dorfkapelle in Buch am Wald (Landkreis Ansbach) Schlagzeug gespielt. Er ist nach Kriegsende in dem Dorf geblieben und wurde als Schlagzeuger festes Mitglied der Dorfkapelle, die zu allen Anlässen aufspielte – vor allem zur Kirchweih.“

Ich begegnete bei meinem Schlendern durch die Ausstellungsräume vielen Menschen, meistens mittleren Alters und junge Leute. Auch eine ziemlich laute Gruppe schwarz gekleideter und tätowierter Frauen und Männer mit einem schreienden Kleinkind war dabei. Welcher Gesinnung die wohl anhängen, dachte meine Frau laut auf dem Heimweg. Darauf hatte ich keine Antwort. Wer sich so gibt, ist in der Regel stark links oder rechts. (Es gibt zum Glück auch Ausnahmen!) Was ein zu starkes Abtriften an politische und ideologische Ränder bewirken kann, wird den Besuchern dieser Ausstellung vermittelt – falls sie lernwillig sind. So gesehen, haben auch diese „Schwarzen“ ihre Eintrittskarte nicht umsonst gezahlt. Bleibt die Hoffnung, dass die ausgestellten Exponate, Dokumente, die Filme und Animationen auch bei ihnen die richtige Wirkung ausgelöst haben: Betroffenheit und der Wunsch, dass solche Zeiten Geschichte bleiben und in Ländern wie Venezuela, Nordkorea, Türkei und leider vielen anderen bald Geschichte sein werden.

Die Ausstellung kann in der Probststraße 13, 85051 Ingolstadt bis zum 31. Oktober zu folgenden Öffnungszeiten besichtigt werden: Dienstag bis Freitag 9 – 12 Uhr, Sonn- und Feiertage 14 – 17 Uhr; Besuche außerhalb der regulären Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage; Tel. 0841 / 305-1885(-1886); www.ingolstadt.de/bauerngeraetemuseum .

Anton Potche

Montag, 9. Januar 2017

Weihnachten mit Karl May

Weihnachten mit Karl May? Geht das? Ja, warum denn nicht? An die Sterne –»Süße kleine Himmelsaugen«, »Auf Golgatha ans Kreuz geschlagen« (Osterkantate), Ave Maria – Es will das Licht des Tages scheiden, Ave Maria der Gondolieri am Traghetto della Salute, »Ich will dich auf den Händen tragen« (Nottourne), Nun gehst du hin in Frieden, Vergiß mich nicht, »Zieht im Herbst die Lerche fort« (Serenade), »Siehe, ich verkündige euch große Freude« (Weihnachtskantate). Das alles sind Kompositionen von Karl May, dem geistigen Schöpfer von Winnetou und Old Shatterhand. Was musikalisch möglich ist sollte auch filmisch möglich sein. „Weihnachten mit Winnetou – Der Dreiteiler mit Wotan Wilke Möhring und Nix Xhelilaj spaltet an den Feiertagen die Fernsehnation“, verkündete vor Weihnachten ein Fernsehmagazin auf seiner Titelseite.

Mir war sofort klar, auf welche Seite ich mich schlagen werde. Die RTL-Produktionen Winnetou – Eine neue Welt, Winnetou – Das Geheimnis vom Silbersee und Winnetou – Der letzte Kampf waren für mich ein Muss, trotz nervenzehrender Werbung. (Normal schaue ich kein Privatfernsehen.) Die Begründung liegt auf der Hand: Ich war, seit ich lesen kann, Karl-May-Fan. Ja, viel mehr, Karl May und seine Bücher bedeuten für mich bis heute Heimat, eine vor vielen Jahren freiwillig aufgegebene Heimat. Das hieße aber, das Banat in Beziehung zum Wilden Westen zu stellen. Dieser Vergleich fiel mir in den zurückliegenden Weihnachtstagen ein, weil ich schon einmal öffentlich mit ihm hausieren gegangen war.

Und das kam so: Das Stadttheater Ingolstadt stellt seine Spielzeiten jeweils unter ein Motto. Die Saison 2011 / 2012 trug die Überschrift Fremde Heimat. Intendant Knut Weber schrieb damals im Spielzeitheft: „Der >Erste Abend< am 8. Oktober im Stadttheater ist ein >Heimatabend<, eine Fantasie aller Ensemblemitglieder und vieler der in Ingolstadt beheimateten Menschen: Ein Abend über die Sehnsucht nach Heimat und über die Gewissheit, sie zu haben, über Heimweh und Lust auf Neues, über Abschied und Ankommen.“ Einherging auch ein Aufruf an die Bevölkerung von Stadt und Umland, sich mit Gegenständen, die ihnen Heimat oder Fremde Heimat bedeuten, an dieser Spielzeit zu beteiligen. In Glasvitrinen waren diese Beiträge der Bevölkerung zu diesem Thema dann im Foyer des Theaters ausgestellt. In diesem „temporären Heimatmuseum“ (Formulierung des Theaters) waren auch zwei Bücher von Karl May mit folgendem Begleittext zu sehen:

Fotos: Anton Potche
Mit Karl May aus der alten in die neue Heimat

In meinem Bücherschrank in der Banater Gemeinde Jahrmarkt standen in den 1970er und 1980er Jahren viele deutsche Bücher aus dem Bukarester Kriterion-Verlag. Auch die zwei Bände Old Surehand – Reiseerzählungen von Karl May waren dabei. Sie sind 1970 erschienen und kosteten zusammen 23,50 Lei (ca. 5,50 €).

Es war aber nicht das einzige Karl-May-Buch, das auf dem Jahrmarkter Büchermarkt gehandelt wurde – unter der Hand, natürlich. Ob vor oder hinter dem Eisernen Vorhang, die Sehnsucht nach der Ferne war die gleiche. Karl May hat sie befriedigt. Seine Bücher passierten immer wieder auch die tödlich gut behütete rumänische Staatsgrenze von West nach Ost, in den 1980er Jahren verbunden mit steigendem Risiko, war dem Diktator die Freiheitssehnsucht seiner Bürger doch mehr und mehr verhasst.

So mancher Zeitgenosse hat aber gerade in jenen Jahren diese Grenze in entgegengesetzter Richtung, also von Ost nach West, bei Nacht und Nebel überwunden: schleichend, laufend, kletternd, kriechend, eingenäht in Schafspelze inmitten einer Schafherde, über die Donau rudernd und, und … Der eine oder andere hätte sein Leben bei diesen abenteuerlichen Fluchtversuchen mit einem Karl-May-Helden an seiner Seite nicht lassen müssen.

Mein Old Surehand hat diese blutigste grenze Europas in einer Holzkiste, in friedlicher Eintracht mit Wäschestücken und Haushaltsartikeln, unbeschadet auf dem Postweg überwunden. Es war zwischen Weihnachten und Neujahr im Jahre des Herrn 1984.

Bücher kommen und gehen, machen sich auch in meinem Bücherschrank den beschränkten Platz streitig, aber Old Surehand, dieser aus dem alten Banat, wird bestimmt erst mit dem Untergang meines Geistes eventuellen Existenznöten ausgesetzt sein. Bis dahin sichert meine Erinnerung an die Sehnsüchte der alten Heimat sein Dasein.

Anton Potche

Dieser Winnetou (Nik Xhelilaj) und sein Blutsbruder Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring) von RTL waren leider nicht die gleichen Karl-May-Helden meiner Kindheit. Die kamen aber zum Glück eine Woche später auf den Bildschirm beim BR: die große Wildwestsaga in drei Teilen mit Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand und zwei Teile mit Stewart Granger in der Rolle Old Surehands.

Natürlich drängt sich auch mir nach dem Sehen der acht Filme ein Vergleich auf. Und der kann, wie Kunstbeurteilungen das nun mal so an sich haben, nur subjektiv ausfallen, ganz abgesehen von meinen Erinnerungsbeziehungen zu diesem Stoff.  Habe ich die Karl-May-Filmklassiker der sechziger Jahre als eine Symphonie, gespielt von einem großen Symphonieorchester, empfunden, so kam mir der RTL-Dreiteiler wie eine Orchestrierung der gleichen Symphonie für eine Bläserphilharmonie vor. Gut orchestriert, gut interpretiert, aber dem Original dann doch nur bedingt ebenbürtig.

Anton Potche

Montag, 12. Oktober 2015

Auch der war doch nur ein Verbrecher ...

... und doch wird er gefeiert wie ein Heilsbringer. Ich meine Napoleon. Zumindest das Drumherum um die Bayerische Landesausstellung 2015 - Napoleon und Bayern erweckt diesen Eindruck. Da folgt im Hof des Bayerischen Armeemuseums zu Ingolstadt seit April Event auf Event, um im zeitgenössischen Sprachduktus zu bleiben. Und das heißt Aufmärsche von Fahnenabordnungen, Zeltlager, Musikdarbietungen, ja sogar Fernsehsendungen (BR), und das alles natürlich mit ausreichend fester und flüssiger Nahrung aus der für die Dauer dieser Ausstellung aufgestellten Hütte.

Wer aber die Beziehung Napoleons zu den Bayern oder umgekehrt im Inneren des Schlosses in Augenschein nimmt, dem könnte schon mal die Lust zum Feiern vergehen. Besonders wenn er die ausgestellten Porträts, Uniformen, Statuetten und Waffen außer Acht lässt und sich auf die Gemälde, Originaldokumente– angeblich soll es noch 40 Tagebücher und Memoirenaufzeichnungen aus jener Zeit geben –, Gedenktafeln und Grabsteine konzentriert, sich den dargebotenen Film anschaut und den Tagebucheintragungen des „gemeinen Soldaten“ Peter Schleicher (1788 – 1868) mittels Kopfhörer lauscht.

Beeindruckend ist besonders auch die sich durch zwei Ausstellungsräume schlängelnde Installation, die den Weg der Grande Armée nach Moskau und zurück darstellt. Ein Marsch des Grauens. Am 24. Juni 1812 überschritt Napoleon mit einer Armee von mehr als 450.000 Mann den Njemen und eröffnete seinen Angriff auf Russland. Am 2. und 3. Juli überquerten auch Napoleons bayerische Verbündete den polnisch-russischen Grenzfluss. Das VI. Korps, bestehend aus zwei bayerischen Divisionen mit insgesamt 30.249 Mann, angeführt von den Generälen Bernhard Erasmus von Deroy (1743 – 1812) und Carl Philipp Joseph von Wrede (1767 – 1838), stand unter französischem Oberkommando. Schon einen Monat nach dem Überfall auf Russland, hatten die Bayern ca. 10.000 Tote zu beklagen – ohne in Kampfhandlungen verwickelt worden zu sein. Gewaltmärsche, Krankheiten, Temperaturen bis zu +40ºC dezimierten nicht nur diese Heeresgruppe sondern die gesamte Große Armee des französischen Kaisers. 

Foto: Anton Potche
Am 17. und 18. August 1812, da war die Grande Armée also noch nicht einmal zwei Monate lang auf russischem Territorium unterwegs nach Moskau, kam es bei Smolensk zur ersten größeren Schlacht mit der russischen Westarmee unter General Michel Barclay de Tolly. Da waren die Franzosen schon dezimiert auf 145.000 Soldaten. (Andere Quellen sprechen von 175.000.) Napoleon hat den Sieg für sich verbucht. Und ein französischer Offizier hat seine Eindrücke nach dem Einmarsch in Smolensk zu Papier gebracht: „Überall bedauernswerte Einwohner, die schluchzend vor den Trümmern ihrer Häuser knieten, überall Katzen und Hunde, die umherstreunten und aufs herzzerreißende jaulten, überall nichts als Tod und Zerstörung.“ Auch Dr. Raymonde Faure machte sich Skizzen: „Soldaten, die hatten fliehen wollen, waren auf den Straßen hingesunken, vom Feuer erstickt worden und verbrannt. Viele hatten keine Ähnlichkeit mehr mit menschlichen Wesen, es waren formlose Haufen gegrillter und verkohlter Materie, ...“

Am 14. September 1812 war Napoleon am Ziel: Moskau. Schon am 19. Oktober machte der französische Kaiser sich auf den Heimweg. Zar Alexander I. hatte keine Lust gezeigt, sich mit dem größenwahnsinnigen Franzosen auf ein Gespräch einzulassen. Das Desaster ging weiter. Wie sich der Rückzug der Franzosen gestaltete, kann man aus den Aufzeichnungen des Hauptmanns Aleksej I. Martos nachvollziehen: „Das erste, was wir sahen, war eine Frau, die zusammengebrochen im Eis festgeklemmt war ... Ein Arm war abgehackt und baumelte nur noch an einer Sehne ... Die Frau war noch am Leben, und ihre ausdruckstarken Augen hefteten sich auf einen Mann, der neben sie gefallen und schon erfroren war. Zwischen ihnen auf dem Eis lag ihr totes Kind.“

Foto: Anton Potche
Wer all das zu verantworten hatte? Das war angeblich ein großer Kaiser und Feldherr. Von der Geschichte dazu gemacht. Ein völlig verklärtes Bild. Auf einer Informationstafel kann man nämlich lesen: „Am 19. Oktober 1812 erfolgt der Rückzug auf dem gleichen Weg wie der Vormarsch. Napoleon verlässt seine Truppen am 5. Dezember noch in Russland. Die Befehlsstrukturen lösen sich auf. Es herrschen Verwirrung und Chaos.“ Auch der bayrische Soldat Josef Deifl hatte die Lage richtig eingeschätzt, als er vermerkte: „Alles in der größten Unordnung, jeder für sich ohne Subordination. Die Herren Offiziere sind nicht erkennbar, denn sie sind mit alten Belzen überzogen von Fuß bis zum Kopf, sie haben keinen Glanz und Ansehn nicht mehr. Es ist mit einem Wort ein trauriger Leichenzug. Das Elend dauert zu lang, Hunger, Durst, Kälte, schlaflose Nächte etc.“ Weit und breit keine Spur vom Kapitän, der auf dem sinkenden Schiff bleibt. Der große Napoleon hatte sich feige aus dem Staub, sprich, Schnee gemacht.

Foto: Anton Potche
Nimmt man sich Zeit und vertieft sich in die Materie, so fällt es einem nicht schwer, die Schrecken jener Jahre nachzuvollziehen. Und man kann auch Verständnis für die Wendehalspolitik der Bayern aufbringen. Im Oktober 1813 sagte sich König Max I. Joseph vom französischen Bündnispartner los und erklärte Frankreich den Krieg. Die treibende Kraft hinter diesem Seitenwechsel war General Wrede. Wen wundert’s? Nur etwa 3000 seiner bayrischen Soldaten, waren aus dem Russlandfeldzug heimgekehrt. Eine bedrückende Geschichte, gut erzählt in dieser Ingolstädter Ausstellung.

Da tut es gut, wenn man beim Verlassen der Ausstellungsräume im Schlosshof einem neuen Event mit Schützen, Fahnen, Blaskapelle (sogar aus Österreich) und einem kühlen Maß Bier Abstand zu diesem Schurken – leider nur einer von vielen – gewinnen kann. Der Heilsbringer wird in dieser Ausstellung ohne jedwede nationalistische Selbstbeweihräucherung – man stand immerhin acht Jahre an seiner Seite – entzaubert. Eine rundum gelungene Ausstellung. Man sollte sie sich nicht entgehen lassen. Bis zum 31. Oktober 2015 ist noch Zeit dazu. Über WWW.HDBG.DE erfährt man Einzelheiten zu den Öffnungszeiten und dem Rahmenprogramm.
Anton Potche


Montag, 7. Juli 2014

Kulturlandschaft am Tegernsee

Aus Norwegen nach Bayern. Umziehen. Für ein Leben lang. Geht das überhaupt freiwillig, rein landschaftlich betrachtet? Früher hat das funktioniert. Zumindest bei einem: Olaf Gulbransson. Es gibt nun mal auch in Bayern Landschaften, die einen an die norwegische Heimat erinnern können. Der Tegernsee ist in eine solche Landschaft eingebettet. Und hoch droben auf dem Schererhof hat der norwegische Zeichner und Maler seine zweite Heimat gefunden.

1929 ist der 1873 in Oslo geborene Olaf Gulbransson hierher gezogen. Da war er nicht mehr der Jüngste und in der Kunstwelt ein bekannter Name. Seit 1902 lebte der Karikaturist und Porträtist in München und machte sich als Mitarbeiter der berühmt-berüchtigten Satirezeitschrift SIMPLICISSIMUS einen Namen, der dann 1929 auch zu seiner Berufung als Professor an die Akademie der Bildenden Künste in München führte. Am Tegernsee widmete der sich nie von der Naziideologie distanzierende Gulbransson vorwiegend der Landschafts- und Porträtmalerei. Seit 1966 hat Tegernsee am Tegernsee ein Olaf-Gulbransson-Museum, das viele seiner Zeichnungen und Buchillustrationen zeigt. Der nicht unumstrittene Künstler ist 1958 auf seinem Schererhof gestorben.

Das Museum beherbergt auch Werke (Originals oder Faksimiles) anderer bedeutender Künstler jener Zeit, die für die Unsterblichkeit des SIMPLICISSIMUS stehen. Eduard Thönys (1866 – 1950) Familienverhältnisse (Die Kathi hat’s gschafft – vo’ mein Vadern hot sie’s Kind, vo’ mir wird’s zahlt un vo’ insern Knecht g’heirat’.) erheitern den Betrachter, während Erich Schillings (1885 - 1945) Divisionen des Todes in Flandern uns besonders heuer an den Beginn des schrecklichen Krieges vor 100 Jahren und vor allem an die Propagandamaschinerie der Kriegstreiber (der sogar der SIMPLICISSIMUS erlag) erinnern.  

Schlendert man bergauf und bergab durch die Straßen um den Tegernsee, so trifft man auch auf so manche Zeugnisse gelungener Handwerkskunst, Glaubenskunst oder Volkskunst, die nicht unbedingt an berühmte Namen gebunden sind. Das können mal ein an die Rostkunst Alf Lechners erinnernder Hirsch, ein Kreuz an der Hauswand oder auch hagere, an Thomas Hassler, den Riesen vom Tegernsee, gemahnende Steinmännchen am Bergbach sein.

Wer um den Tegernsee wandert trifft auch auf andere Zeugnisse deutschen Kulturlebens. Es waren nicht nur bildende Künstler, die hier Kreativkräfte tankten, der Hektik des Stadtlebens zumindest für eine gewisse Zeit zu entsagten versuchten oder gar vor politischem Ungemach flohen. Der Berühmteste ist wohl Thomas Mann (1875 - 1955). Er wurde schon als Fünfjähriger von seinen Eltern nach Wildbad Kreuth mitgenommen. Dass Thomas Manns letzte große Liebe, der Kellner Franz Westermeier, auch vom Tegernsee stammte, ist aber wahrscheinlich dem reinen Zufall zuzuschreiben. Weitere Literaten, die hier mehrere Jahre ihres Lebens verbrachten waren die beiden Ludwigs, Thoma (1867 - 1921) und Ganghofer (1855 - 1920).

Auch weniger bekannten Autoren wie etwa dem Heimatdichter Karl Stieler (1842 – 1883) kann man auf Spaziergängen um den See begegnen. Ein Denkmal am Leeberghang in Tegernsee erinnert an den Dichter, der auch Mundartgedichte geschrieben hat. Er muss ein stark romantisierender Geist gewesen sein, sonst wären wohl kaum Verse wie diese seiner Feder entsprungen: „Als ich zur Alm kam und vom steilen Grat/ Ins Felslahr stieg den alten kühnen Pfad,/ Da stand die Sennerin im Wiesengrunde/ Und jauchzt’ empor, die Hand am roten Munde./ Und wieder trat ich in die Hütte ein;/ Mir war zu Sinn, als wär’ sie doppelt mein:/ Dies ruß’ge Dach und dies Gerät, das blanke,/ Dazu das Mägdlein, das gelockte, schlanke,/ Der Hausaltar mit den geweihten Zweigen .../ Als wär’ dies Leben nun erst ganz mein eigen.“ (Im Dialekt aus der Sammlung Ein Winteridyll).

Aber durch die Blicke runter von den Bergen auf die langgezogene Seelandschaft ließen sich nicht nur Künstler inspirieren, sondern auch Großkopfete konnten dieser Gegend etwas abgewinnen. 1822 weilten hier Zar Alexander I. von Russland, Kaiser Franz I. von Österreich und König Max von Bayern. Die beiden Monarchen waren auf dem Weg zum Kongress von Verona.

Die Kulturlandschaft am Tegernsee ergänzt sich vorzüglich mit der Naturlandschaft dieser Region. Eine Einkehr in einem Museum oder das kurze Verweilen an dem ein oder anderen Kunstwerk im öffentlichen Raum können für so manchen Urlauber eine Bereicherung darstellen, an der er noch lange nach seiner Rückkehr in den Alltag zehren kann.

Anton Potche


Mittwoch, 6. November 2013

Kurz reinschauen - Urlaubseindrücke I

Wir wollten eigentlich nur kurz vorbeischauen, denn „das dürft ihr euch nicht entgehen lassen“, hatte mein Freund Ignaz gesagt, als er erfuhr, dass wir beabsichtigen in Thüringen Urlaub zu machen. Mit einigen günstigen Tipps ausgestattet – ohne Geld kommst du halt nirgends rein -, haben wir dann an jeweils drei goldigen Oktobertagen unser Urlaubsdomizil in Oberhof verlassen und uns auf den Weg in Städte gemacht, in denen im 18. und 19. Jahrhundert der Deutschen Kulturherz am heftigsten Schlug.

Du kommst in Weimar und Eisenach an drei Namen einfach nicht vorbei: Goethe, Schiller und Bach. Also in Weimar, der Stadt mit den meisten UNESCO-Kulturerbe-Sehenswürdigkeiten der Welt (laut Stadtführerin), müsste eine Stadtführung das Mindeste sein, das sich ein informationsdurstiger Tourist leisten sollte. Das scheint sich herumgesprochen zu haben, denn da eine Stadtführungsgruppe nicht mehr als 25 bis 30 Teilnehmer haben sollte, musste an jenem Tag ein zweiter Stadtführer von zu Hause bestellt werden.

Es hat sich mehr als gelohnt, nicht nur, weil von den eingeplanten zwei Stunden drei wurden, sondern vor allem wegen der sehr charmanten und mit ihrem Wissen fesselnden Stadtführerin. Natürlich ging es um Goethe und Schiller. Aber nicht nur, denn deren Leben bedeutete außer Literatur auch Politik und Gesellschaftsleben in allen damaligen Facetten. Nur mit Einem konnte die rührige Führerin nicht dienen: einem Auerbach-Keller. Den gäbe es leider nur in Leipzig. Ein Kaffee und Kuchen mundete uns anschließend aber trotzdem in einem Altstadtkaffee.

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Eisenach ist ohne die Wartburg nicht denkbar. Die Menschenmassen haben mich an Neuschwanstein erinnert. Nur waren es hier weniger ausländische Touristen. Abends im Hotel sagte eine Tischnachbarin zu ihrer Enkelin: „Da müssen wir auch wieder mal hin. Es ist schon ein paar Jahre her seit unserem letzten Besuch.“ Oma und Leonie kamen aus Sachsen. Das klang fast nach mitteldeutscher Wallfahrt. Wen wundert’s? Sie steht, nein, sie thront seit knapp einem Millennium über dem Thüringer Wald.

Und wer hat nicht alles in ihren Räumen mit den dicken Wänden übernachtet? Natürlich Goethe. Er hat sie sogar gezeichnet. Auch Luther. Nicht ganz freiwillig als Bruder Jörg. Und Massen stürmten schon 1817 die Burg. Doch nicht Touristen, sondern freiheitsliebende Studenten. „Ehre – Freiheit – Vaterland“. Wir ernten heute die Früchte ihrer Saat. Danke!

Irgendwann steigt man wieder hinab. Wir, meine bessere Hälfte und ich, konsultierten unsere Uhren und vereinbarten ein Treffen vor dem Bachhaus - wie das sich bei scheidenden Wegen gehört. Hier also wurde er geboren: Johann Sebastian Bach. Nur zwei Stunden hatte ich Zeit, Zeit zum Lesen und Hören. Ein modernes Museum bildet mit dem Geburtshaus Bachs eine geglückte Symbiose. Hier lebt sie in modernem Gewande fort: die Zeit des Barock. Doch nicht ohne direkte Tuchfühlung in die Klangwelt jener Zeit. Herr Michael Meißner versteht es hervorragend, den Museumsbesucher auf die Reise in eine 250 Jahre zurückliegende Zeit mitzunehmen. Er bedient sich dazu eines Orgelpositivs (Baujahr um 1750), eines gebundenen Clavichords (1770), Cembalos (1705), Querspinetts (1765) sowie eines Orgelpositivs mit Blasebalg (1650), den ein Besucher bedienen darf. Natürlich spielt er nach Noten von Johann Sebastian Bach.

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Gotha hatten wir uns als Zugabe aufgehoben, mal eine Stadt, die nicht so extrem auf gewisse Berühmtheiten fixiert ist. Kein Goethe, kein Schiller, kein Bach, kein Luther usw. Aber nicht weniger anschauenswert. Imposant dieses im Neorenaissancestil erbaute Schloss  in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Schloss Friedenstein.

Doch war unsere Neugierde mehr auf das dem Schloss gegenüberliegende Herzogliche Museum gerichtet. Es wurde erst vor zwei Tagen nach zweijähriger Restaurierungszeit neu eröffnet, mit der entsprechenden landesweiten Werbung in den Medien. Das entgeht natürlich auch einem Urlauber im Thüringer Wald nicht. Ein Museum, das dir Raum zum Atmen lässt. Nicht die Zahl der Kunstwerke soll Eindruck erwecken, sondern lediglich deren Qualität. Das Konzept geht auf. Dieser Besuch hat sich wahrlich gelohnt.

Zurück in die Altstadt. Es ging auch hier bergab. Die warme Herbstsonne schien auf die Gäste vor den Kaffeehäusern. Und sie fiel am Hauptmarkt auf ein Firmenschild: Bücherstube Hannah Höch. Da waren sie plötzlich wieder: die Bücher meiner Jugend aus DDR-Verlagen. Das gibt’s im Westen Deutschlands nur noch sehr selten: Buchhändler, die sowohl mit neuen als auch mit antiquarischen Büchern handeln. Während ich die Bücherreihen überflog, vernahm ich, wie meine Frau mit dem freundlichen Mann im Laden ins Gespräch kam. Ja, er kannte Siebenbürgen und hatte auch schon vom Banat gehört. Ich wollte doch nichts kaufen, nur schauen, schmökern, in Erinnerung schwelgen. Dann verließ ich die Bücherstube wirklich ohne Goethe und Schiller – aber mit zwei Büchern aus dem Kriterion Verlag Bukarest: Alexander Tiez: Märchen und Sagen aus dem Banater Bergland und Arthur und Albert Schott: Rumänische Volkserzählungen aus dem Banat. Erschienen sind beide 1978/79. Lang, lang ist’s her. Kurz Reinschauen kann so nutzbringend sein.

Aber siehe da: Damit war der Erinnerungen gar nicht genug. Beim Schlendern durch die Stadt – wir hatten wieder die Uhren abgestimmt - stand ich plötzlich vor dem Löffler-, nein, nicht –Palais, sondern vor dem Löfflerhaus. Nicht so imposant wie das in „eklektizistischem Stil mit Barock- und Jugendstilelementen der Wiener Sezession gestaltete“ (Wikipedia) Palais in meiner Erinnerung, aber daher um fast 100 Jahre älter und einem wohltätigen Zweck zugeführt: Im Jahre 1800 wurde im Gothaer Löfflerhaus eine „Freischule für bedürftige Kinder eröffnet“. Heute beherbergt das Gebäude einen Handwerkerhof. Ob die Gothaer und Temeswarer Löffler-Familien verwandt waren, entzieht sich meiner Kenntnis. 
Anton Potche

Dienstag, 9. Juli 2013

Rumänische Kulturpolitik

Nachdem die Regierung Ponta als eine ihrer ersten Amtshandlungen den damaligen Direktor des Rumänischen Kulturinstituts (ICR), eine dem Goethe-Institut ähnliche Einrichtung, den Kulturphilosophen Horia-Roman Patapievici seines Amtes enthoben hat, musste jetzt auch sein Nachfolger, Andrei Marga, in Amt und Würden seit September letzten Jahres, seinen Stuhl räumen. Der ehemalige Rektor der Clujer (Klausenburger) Babeş-Bolyai-Universität und Herderpreisträger war stark ins Schussfeuer der rumänischen Intellektualität geraten. Man hat ihm unter anderem kommunistische Kulturpolitik vorgeworfen.

Andrei Marga, der auch schon Außen- und Bildungsminister Rumäniens war, verweist auf Intrigen, die zu seinem (erzwungenen) Rücktritt geführt haben, ohne allerdings konkrete Namen zu nennen. Wo die wahren Strippenzieher sitzen, wird man wahrscheinlich auch nicht genau erfahren. Fakt ist nur, dass der Wechsel an der Spitze des Kulturinstituts vorgenommen wurde, nachdem Premier Victor Ponta von einer Berlin-Reise zurückgekehrt war.

Der neue Mann an der Spitze des ICR ist ein völlig unbeschriebenes Blatt, obzwar es in seiner Vita nicht an begleiteten Ämtern mangelt. Der 50jährige Lilian Zamfiroiu hat sich vom Chemietechniker, über den Rumänischlehrer und Ämter im Bildungs-, Verteidigungs- und Außenministerium sowie über verschiedene Journalistentätigkeiten bis zum Stellvertreter des Botschafters Rumäniens bei der UNESCO, Nicolae Manolescu, hochgearbeitet. Dieser ist seit Jahren Vorsitzender des rumänischen Schriftstellerverbandes. Die harscheste Kritik an Marga kam gerade aus der Reihe der Schriftsteller. Einige haben sogar die Buchmesse in Paris sabotiert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Anton Potche

Donnerstag, 4. Juli 2013

Lucian Binder-Catana stellt aus - Bilder einer Vernissage

Künstler brauchen Freunde. Und Lucian Binder-Catana hat Freunde. Viele Freunde. Sie waren zur Vernissage seiner Ausstellung Ideogramme, Malerei + Zeichnungen in die Harderbastei zu Ingolstadt gekommen. Ausstellungseröffnungen gehören zu den gesellschaftlichen Ereignissen einer Stadt. Man sah auch hier so manches bekannte Gesicht aus dem öffentlichen Leben.

Und diese Gesichter begegneten wiederum Gesichtern. Meist verzerrten, grimassenhaften Gesichtern. Gesichter gemalt von Lucian Binder-Catana. Die Körper, zu denen diese Gesichter gehören sind nicht weniger schrullig, verbogen, verzerrt. Vor Schmerz? Vor Übermut? Wer kann das schon so genau wissen? Nur der Künstler selber. Es war seine Hand, die diese oft kreaturhaften Gestalten geschaffen hat, und es war sein Blick, der sie eingefangen hat. Irgendwann. „Ich versuche Momente zu konservieren“, erklärt der Maler seine Kunst.

Und diese Kunst ist der wahre Gegensatz zu Konsum und Lifestile, erläuterte Dr. Isabella Kreim in ihrer kurzen, aber sehr sachbezogenen Einführungsrede. Das Thema dieser Bilder ist augenscheinlich Gesellschaftskritik. Ihr Schöpfer arbeitet in der Werbebranche, wo Glanz und Glimmer dominieren. Und wenn er diese Welt verlässt, trifft er auf den Alltag mit all seinen Problemen. Dieser Kontrast wiederum gebiert Kunst. Kunst, die zum Verweilen anregt, auch zum Nachfragen und vor allem zum Diskutieren. Auch die Maltechnik wirft Fragen auf. Gut, wer nicht ganz kunstfremd durchs Leben geht, hat schon mal von Acryl auf Leinwand, Öl auf Leinwand und auch Tusche auf Papier gehört oder gelesen. Aber dieses angebräunte Papier? Auch dafür gibt’s eine Erklärung. Frau Dr. Kreim hat erzählt, dass Lucian Binder-Catana in seinem Leben in Rumänien oft nur schwer genießbaren Kaffee vorgesetzt bekam. Und den Satz hat er zum Einbräunen seines Zeichenpapiers benutzt. Eine Gepflogenheit, die er bis heute beibehalten hat.

Oh, ja. Da kamen Erinnerungen auf. Nicht bei Frau Kreim, aber bei mir. Cafea de năut – Kichererbsenkaffee (auch mazărea berbecilor – Schafbockerbse genannt) oder cafea de cicoare – Zichorienbrühe. Verrauchte Kneipen in der alten Bastion aus der Türkenzeit. Und verbotene Liebschaften. Jugendzeit. Grandios. Was Kunst und ihre Interpretation mit Menschen alles anstellen kann. Danke Lucian Binder Catana! Danke Frau Dr. Isabella Kreim!

Künstler brauchen Freunde. Lucian Binder-Catana hat Freunde. Künstler brauchen aber auch Käufer. Lucian Binder-Catana hat auch Käufer. Die Gespräche über Kunst und Gesellschaft hatten kaum begonnen und schon wurden die ersten roten Punkte auf Bilderrahmen geklebt. Verkauft. Und es waren wahrlich nicht die billigsten der zwischen 350 und 1500 Euro liegenden Bilder.

Die Ausstellung kann bis zum 10. Juli 2013 besucht werden.

Freitag, 11. Mai 2012

Două ore de sâmbătă în oraşul bavarez Ingolstadt – 2


În drum spre casă n-am reuşit să nu poposesc câteva minute pe Adenauerbrücke, podul peste Dunăre care poartă numele primului cancelar al Republicii Federale Germane. Fluviul curge liniştit şi apa lui reflectă razele soarelui. Două adolescente în apropierea mea fac fotografii cu un celular.

În evul mediu Dunărea curgea mult mai spre sud şi avea multe braţe şi pârâuri care s-au şerpuit în meandre printr-o zonă întinsă de lunci împădurite. Resturi ale acestei suprafeţe, în acele vremuri foarte slab populată, se mai pot vedea şi azi în lunca Dunării între oraşele Neuburg şi Ingolstadt. În anul 1363 Dunărea a primit albia de azi, deci a fost adusă prin forţa umană mai aproape de oraş.

Apa liniştită şi peisajul încă natural îmi îndreaptă gândurile înapoi în secolul XVIII. Poate a trecut şi strămoşul meu pe aici, plutind pe o Ulmer Schachtel (Cutie de Ulm) spre meleagurile sudesteuropene , pentru a ajunge pe cine ştie ce drumuri aventuroase în Banat, la Timişoara, la Giarmata.

Dunărea este ca o venă principală pentru oraşul Ingolstadt. Patru poduri şi două pasarele o traversează. În cei 28 de ani, de când trăiesc aici, aproape că n-a trecut o săptămână fără ca Dunărea să nu fie tematizată în presă, societatea civilă sau consiliul local. Acum se vorbeşte mult despre un muzeu al Dunării care ar urma să fie instalat într-o clădire istorică, chiar pe malul fluviului. „Să vedem” este una din cele mai des folosite expresii în Bavaria. (Se atribuie lui Franz Beckenbauer.)


Clopotele bisericilor încep să bată. Este ora 12:00 la Ingolstadt, 30° C, şi eu pedalez spre casă. Ce repede au trecut două ore ale unei dimineţi de sâmbătă.

Anton Delagiarmata
Video: Anton Delagiarmata

Dienstag, 8. Mai 2012

Două ore de sâmbătă în oraşul bavarez Ingolstadt – 1 ½

După atâtea porturi populare, istorice şi motorizate mi-am căutat de drum – spre casă, dar nu înainte de a săvura un late machiato şi de a răsfoi o carte la librăria Thalia din zona de pieton. Ajuns pe Rathausplatz (Piaţa Primăriei) am auzit muzică – de sus, din cerul bavarez, albastru ca niciunde în lume.

Pe Pfeifturm (Turnul fluierarilor) aşa numiţii Pfeifturmbläser (suflătorii turnului fluierarilor) au cântat piese scurte din literatura muzicală sacrală. Acest turn are o construcţie oarecum ciudată pentru o biserică catolică, este mai degrabă un foişor. Biserica Sf. Moritz (de la Sf. Mauritius) mai are un alt turn, de fapt turnul principal care poartă crucia. Sf. Moritz este cea mai veche biserică din Ingolstadt. A fost sfinţită în anul 1234. Dar săpături arheologice indică spre existenţa unei biserici mult mai vechi pe acest loc.

Turnul fluierarilor  a fost construit mult mai târziu, circa 1500, şi avea un rol pur profan – de pază. Azi îl frecventează muzicanţii şi turiştii, privirea peste oraş de la această înălţime fiind fascinantă. 


Pentru noi, imigranţii din Banat, biserica Sf. Moritz are şi o conotaţie istorică interesantă. În incinta bisericii se află două table funerare de bronz care amintesc de generalul Franz de Mercy (1597 – 1645) şi de fiul său, colonelul Peter Ernst de Mercy (1641 – 1686). Este vorba de bunicul şi părintele mareşalului imperial Claudius Florimund Contele de Mercy (1666 - 1734), guvernatorul Banatului după alungarea turcilor în anul 1716.
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În biserica Sf. Moritz din Ingolstadt a slujit şi un preot din rândul şvabilor dunăreni: Martin Pauli .
Anton Delagiarmata

Freitag, 4. Mai 2012

Două ore de sâmbătă în oraşul bavarez Ingolstadt – 1

La capătul celălalt al aceleiaşi pieţe, numită Paradeplatz (Piaţa Paradelor), a fost instalat un post de înregistrare a maşinilor participante la raliul DK-Regio-Sprint. Acest raliu de autovehicule-oldies este organizat anual de ziarul local DONAUKURIER.

Mai ales pentru un spectator ca mine, care şi-a trăit copilăria şi anii adolescenţei într-un sat bănăţean în anii 1960/70, această paradă a porturilor motorizate este de fiecare dată foarte interesantă. Ceea ce pentru băştinaşi este o trăire nostalgică, o întoarcere în anii copilăriei şi a tinereţii, este pentru un migrant din sudestul Europei renaşterea unei lumi care a existat cândva dincolo de Cortina de Fier şi de care auzise doar la radio sau citise în ziarele sau revistele, destul de rare, din occident.

225 de maşini – unele cu adevărat istorice - au participat la acest raliu, în care de fapt predomină numai o singură dorinţă – şi anume de a trece linia de sosire fără pană. Doar trebuiau să parcurgă o distanţă de circa 300 de km prin oraşul Ingolstadt şi împrejurimile sale, pe alocuri foarte frumoase – mai ales în valea rîului Altmühl care în orăşelul Kehlheim se varsă în Dunăre. 


Spectatorii pe străzile oraşelor şi satelor sau pe marginea şoselelor puteau admira maşini din anii 1950, ’60, şi ’70. Cel mai vechi autovehicul din rândul participanţilor a fost construit în anul 1930 şi are 15 cai putere: un BMW Dixi DA 2. Până la urmă a ajuns şi el la locul de unde plecase înainte cu câteva ore, redacţia şi tipografia ziarului DONAUKURIER.


Anton Delagiarmata
Video: Anton Delagiarmata

Mittwoch, 2. Mai 2012

Două ore de sâmbătă în oraşul bavarez Ingolstadt – 1/2

Pe 28 şi 29 aprilie s-a sărbătorit la Ingolstadt Ziua lui Georgi, sau mai precis ziua Sfântului Gheorghe. Pe data de 23 aprilie aproape toate bisericile creştine îl pomenesc pe Sfântul Mare Mucenic Gheorghe (*275/280 - †23 aprilie 303). Şi biserica catolică. Însă în Germania pomenirea Sfântului Gheorghe a luat de mult caracterul unei sărbători lumeşti, aspectul bisericesc jucând doar un rol secundar.

Pentru Ingolstadt coloritul folcloric al acestei sărbători are chiar o însemnătate deosebită. La 23 aprilie 1516 Ducele de Bavaria de Sus şi de Jos, Wilhelm al IV-lea, a anunţat public Porunca Purităţii, cea mai veche lege alimentară din lume. Conform acestei legi, ţăranii care în acei ani erau producătorii de bere aveau dreptul să fierbe berea, folosind doar următoarele componente: apă, hamei, malţ – şi nimic altceva. Această lege a fost necesară, fiindcă la sfârşitul evului mediu berarii – pe atunci producerea berii era o îndeletnicire casnică, astăzi Ingolstadt are două berării – „îmbunătăţeau” berea şi cu rozmarin, răşină sau nebunariţă. Pentru obţinerea unei culori mai închise – berea neagră este şi astăzi foarte apreciată în Bavaria – s-au folosit pur şi simplu de ceva funingine. Porunca Purităţii stabileşte şi „perioada principală” a anului în care se poate consuma berea: 23 aprilie – 29 septembrie (ziua lui Sf. Mihai).

Care din regulile acestei legi se mai respectă şi azi, stă pe o altă hârtie. Cert este că oraşul Ingolstadt nu uită de importanţa istorică a Poruncii Purităţii şi sărbătoreşte în fiecare an cu multe grupe folclorice, fanfare şi bineînţeles destulă bere proclamarea documentului chiar în curtea Castelului Nou, unde Wilhelm al IV-lea a lansat public instrucţiunea sa către popor. (video)

Anton Delagiarmata


Video: Anton Delagiarmata

Sonntag, 8. Januar 2012

Banatschwowisch in der deitsch Sendung vun Radio Temeswar

Ja, un weil ich in deni Johre, wie ich in unsrem scheene Banat rumgstraaft sin, so allerderhand gheert un gsiehn un erlebt un erfahr han, is mer die Idee kumm, des alles mol ufzuschreiwe; zuerscht nor so, for daß es net vergeßt werd. Mit der Zeit hat sich awer ziemlich viel in meiner Schublad angsammlt ghat: Luschtiches un Närrisches, ab un zu aach was, for derdriwert nohdenke, richtich Wohres un hie un do aach was Derzugemachtes, Arranschiertes - wie mer des nennt, was net akkurat wie a gradi Linie is, awer doch nie was ganz Gelohenes.
                                             (Ludwig Schwarz: Lache is steierfrei)

In der deitsch Sendung vun Radio Timişoara / Temeswar soll ab sofort aah schwowisch geredd werre, net norr hochdeitsch. Es geht um de banatschwowische Dialekt. Naja, ich kennt merr schun vorstelle, dass es do aah mol berglanddeitsch zugehn werd odder josefstädtlerisch. Merr waaß jo, dass die Deitsche im Banat net norr oone Dialekt geredd hun, un die, die wu noch dort lewe, des aah heit noch so halle. Ja sogar e jeds Dorf hatt sei eigne Dialekt ghat un hot ne wahrscheinlich heit noch - dort wu e paar Schwowe iwrich geblieb sin. In der Schriftform kann merr des wie eh un je in der PIPATSCH, die wu noch immer oomol in der Wuch in der BANATER ZEITUNG in der Stadt, asso in Temeswar, erscheint, nohlese.


So wie die Sprecherin vun Radio Temeswar saat, soll’s um „Mundarttexte und traditionelle banatschwäbische Gerichte“ gehn. Asso an Dialektliteratur sin die banater Schwowe jetz net unbedingt reich, awwer aah net ganz mittellos. Es hot schun Männer un Weiwer gewwe, die wu in ehrer Mottersproch gschrieb hun – Gedichter, Prosa- un Theatersticker, un de Schwarz Ludwich hot sogar e Roman gschrieb.

Ich waaß nateerlich net, wie die Radiomacher vum Temeswarer Rundfunk, die Sendung mache werre, ob se do uf die Därfer un in die Städt fahre un mit Leit redde, die wu noch schwowisch kenne, odder ob se e reini Kultursendung mit banatschwowischer Dialektliteratur mache werre, odder ob se des e bissje mische. Es Letzte wär nateerlich am beste. Awwer aah do werre Guste un Watsche bei de Zuheerer ganz verschieden sein. Asso de Berns Toni kennt sich schun vorstelle, dass des e guti Sendung werd.

De Freitach, am 13. Jäner, – na hoffentlich is des aah wirklich e „Glickstaach“ – soll’s lossgehn. Die deitsch Sendung werd täglich bei Radio Timişoara / Temeswar ausgstrahlt. Un des sogar zwaamol: um 13:00 un 19:00 Uhr rumänischi Zeit, asso um 12:00 un 18:00 Uhr deitschi Zeit.

Im Internet find merr Radio Temeswar iwer meh Adresse:
http://www.funkforum.net/audio/deutsch/   (Podcast – do kann merr jedi Sendung siwe Täch lang horche, wann merr will.)

(Video: Berns Toni)

Ich winsch de Macher vun der banatschwowisch Sendung e gutes Gelinge!

Berns Toni

PS: Die Sendung werd jetz am Sunntach ausgstrahlt.


Montag, 13. Juni 2011

Györ in Ingolstadt

Mitglieder des Fotoclubs Györ stellen in den Ausstellungsräumen des Vereins Kunst-Werk im Klenzepark Ingolstadt e.V. von ihren Arbeiten aus. 15 Fotografen und eine Fotografin aus Ingolstadts ungarischer Partnerstadt zeigen eine reiche Palette an Fotografien. Der eine liebt die Landschaft, der andere mehr die Gebäudedetails seiner Stadt, der dritte die Nahaufnahme und, und, und.

Wen mag es schon verwundern, wenn ein ungarischer Fotograf sich einem Sonnenuntergang auf der Puszta nicht entziehen kann. Und dieser filigrane Tautropfen auf einer feingliedrigen Ehre einer Kornpflanze, er muss morgens früh unterwegs gewesen sein, die Frau oder der Mann mit der Kamera. Und sie müssen Geduld mitbringen, ganz gleich wohin sie sich mit ihren Werkzeugen begeben. Kunstfotos erfordern Geduld. Es hat bestimmt eine Weile gedauert, bis die zwei kämpfenden Hähne sich in die Luft erhoben, mit gespreiztem Gefieder und vorgestreckten Krallen. Den Moment, den musst du als Fotograf eben festhalten. Darauf kommt es an - auf den Augenblick.

Dann stehst du als Mann vor diesem Akt und wünscht dir, die Entblößung wäre ganz. So provoziert man Gier, auf mehr, noch mehr Weiblichkeit, Schönheit, Kunst. Ein paar Schritte weiter sind alle Träume verflogen. Gesichter. Vernarbte, vom Rus geschwärzte, oder auch vergrämte, vom Alltag gezeichnete Gesichter, wie wir sie überall in der Welt und folglich auch in Györ antreffen.

Bei aller Begeisterung für diese Ausstellung soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass alle die Fotos die gleiche Beschriftung tragen: "Fotos auf Györ". Hier hätten die Verantwortlichen des Schanzer-Photoclubs, deren Initiative die Ausstellung zu verdanken ist, schon etwas genauer hinschauen können. Und da wäre dann auch noch 'ne Frage an die Ungarn: Gibt es in Györ keine Industrie? Die Ausstellung trägt immerhin den Titel "Györ, die ungarische Partnerstadt stellt sich vor". Sollte es da auf wirtschaftlicher Ebene keine Beziehungen geben, oder keine fotogenischen Produkte einer eventuellen Partnerschaft?

Die Ausstellung kann bis zum 26. Juni an folgenden Öffnungszeiten besucht werden: Sa./So. 18./19. und 25./26. Juni, jeweils von 13.00 bis 17.00 Uhr. Die Ausstellungsräume liegen in der Flankenbatterie 105 im Klenzepark.

Anton Potche

Dienstag, 13. Juli 2010

Niemand will die Kultur

Nach der neuesten Gesetzeslage hat die Stadt Timişoara/Temeswar im rumänischen Banat 409 Angestellte zu viel. Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu zieht die Alarmglocken für die Kulturinstitutionen der Stadt, ohne allerdings konkrete Rettungsvorschläge vorzulegen. So bleibt seine Stellungnahme nur ein armseliges Lippenbekenntnis: "Das Temeswarer Bürgermeisteramt hat in seiner Obhut das ungarische Theater, das deutsche Theater und die Philharmonie 'Banatul'. Sollten diese Personaleinsparungen in die Praxis umgesetzt werden, müssen diese drei Institutionen verschwinden. Temeswar erlaubt sich nicht, sie aufzulösen, denn Temeswar ist eine multikulturelle Stadt."

Sein Rettungsvorschlag ist ein luppenreiner Abschiebungsversuch. Der Kreisrat oder das Kulturministerium sollen die nötige Finanzierung der Kultureinrichtungen übernehmen. Der Vorsitzende des Kreisrates Timiş/Temesch hat bereits abgewunken. Auch seine Behörde müsse zirca 100 Stellen streichen, deklarierte Constantin Ostaficiuc.

Bleibt die Stadt, in der bereits 1871 ein Philharmonischer Verein gegründet wurde, in der Berühmtheiten wie Johannes Brahms, Joseph Joachim, Bruno Walter oder Johann Strauß (Sohn) musizierten und in der schon die Wiener Philharmoniker gastierten, ohne Philharmonie? Einfach unvorstellbar!

Vielleicht sollte man doch dem Volksmund vertrauen, der da sagt: Totgesagte leben länger. Das deutsche Theater in Temeswar kann davon ein Lied singen. Es wurde schon mal aufgelöst. In der Monographie "Temeschburg - Temeswar, Eine südosteuropäische Stadt im Zeitenwandel" heißt es: "Die feindliche Hetze der ungarischen Presse führte schließlich zum Erfolg. Der überspannte Nationalismus der Ungarn, der sich in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens schon durchgesetzt hatte, wir denken dabei an das Schulwesen, hatte wieder eine Lebensader unserer Kultur getroffen. Am 20. November 1898 beschlossen Bürgermeister Telbisz und die städtische Verwaltungskommission, daß in Zukunft nur noch ungarisch gespielt werden dürfe. [...] Eine Epoche von 150 Jahren deutscher Theatergeschichte in Südosteuropa war zu Ende."

Jetzt sind beide Minderheitentheater Temeswars von der rumänischen Sparwut - angefacht vom Internationalen Wehrungsfonds - bedroht. Vielleicht reichen sie sich ja in höchster Not die Hand.

Anton Potche