Samstag, 31. Januar 2026

Januar 2026 – Giarmata in den Medien

 
Rolf Bosser“- Gedächtnispreis 2026
aus ADZ.ro; Timișoara / Temeswar; 09.01.2026
Erwin Josef Țigla teilt in der ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN mit, dass heuer zum siebten Mal der nach dem Dichter Rolf Bossert benannte Gedächtnispreis verliehen wird. 160 Autoren, weibliche und männliche, haben lyrische Arbeiten für den Wettbewerb eingeschickt. Als Jurymitglieder haben sich zur Verfügung gestellt: Dietrich Machmer, Dr. Waldemar Fromm, Helmut Seiler, Dr. Olivia Spiridon, Barbara Zeizinger sowie die aus Giarmata / Jahrmarkt stammende Katharina Kilzer. Die Preisvergabe findet im Rahmen der "36. Deutsche Literaturtage in Reschitza“ Ende März statt.
+ + + Ich hun mei Gedichter all mit Berns Toni unnerschrieb, dass es Bernads Kathi aah waaß, wemm ’s sei Punkte gewwe soll. + + +

Warnung vor Glatteis
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 09.01.2026
Der Wetterdienst des Landkreises Timiș / Temesch warnt vor Eisregen und Glatteis in den tiefer gelegenen Zonen. Auch Giarmata soll am Freitagabend von 20:30 Uhr bis Mitternacht betroffen sein.
+ + + Owacht gewwe! + + +

Wie so oft
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 12.01.2026
Stromunterbrechung in vielen Ortschaften des Landkreises Timiș / Temesch. So auch in Cerneteaz am Montag, dem 12 Januar, von 9:00 bis 17:00 Uhr, und in Giarmata am 15. Januar in der „Zona Toma Monica“ ebenfalls von 9:00 bis 17:00 Uhr.
+ + + Ich wohn jetz seit 41 Johr in Ingolstadt. Des is in Deitschland. Wann ich mich gut erinner, war do oomol de Strom unnerbroch, un des norr paar Minute. + + +

Ein Handwerksraum im Zentrum von Temeswar für Cerneteazer Roma
aus deBANAT.ro; Timişoara / Temeswar; 16.01.2026
Die Roma von Cerneteaz könnten mit Hilfe der Organisation Seeds of Kenosis Räumlichkeiten im Zentrum Temeswars bekommen, die von der Stadt für ein Jahr zur Vermietung ausgeschrieben wurden, nachdem ein anderer Interessent abgesprungen war. Es handelt sich um den ehemaligen Blumenladen Horticultura am Opernplatz. Die Räumlichkeiten werden auf 1,2 Millionen Lei geschätzt. Daher wundert man sich über die relativ kleine Miete für die 128,76 m², und zwar 13,3 € pro Quadratmeter und Monat. Laut einem Beschluss des Temeswarer Stadtrats aus dem Jahre 2023 fallen davon aber lediglich 25 Prozent für den Mieter an. Das hieße im Endeffekt 428,13 Euro Monatsmiete. Die Organisation Seeds of Kenosis (sinngemäß: Saatgut des Verzichts auf göttliche Attribute bei der Menschwerdung Christi; aus dem Philipperbrief) will in den Räumen an der Adresse Piața Victoriei 1b „Inklusionsmöglichkeit für die gesamte Romagemeinschaft aus Cerneteaz  bewerkstelligen“. Der Verein beabsichtigt, dort „Werkstädten zur Herstellung von Handwerkskunst einzurichten, um Arbeitsmöglichkeiten für Jugendliche zu schaffen.“
+ + + Noch befindet die Idee sich im Projektstadium. + + +

Unfall auf der A1
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 17.01.2026
In der Nähe der Auffahrt zur Westautobahn bei Giarmata ist ein LkW mit Anhänger umgestürzt. Die Polizei ermittelt. Von Verletzten wurde nichts berichtet.

Mit Alkohol im Blut
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 19.01.2026
Drei Fahrzeuge waren zwischen Dumbrăvița und Giarmata in einen Unfall verwickelt. Laut Polizeiangabe zeigte der Alkoholtester bei dem 56 Jahre alten Verursacher des Unfalls einen Wert von 0,51 mg/l Alkohol an. Das gibt eine saftige Strafe.

Januar ist Erinnerungszeit an die Deportation
aus ADZ.ro; Timișoara / Temeswar; 19.01.2026
Der aus Jahrmarkt / Giarmata stammende Journalist Luzian Geier hat in der ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN einen aus zweiter Hand bekommenen Bericht, in dem erzählt wird, wie eine Familie aus dem Dorf Überland (zwischen Temeswar und Jahrmarkt) in einem russischen Lager für Zwangsarbeiter den Freikauf der Frau aus der Grube für ihre Eheringe bewerkstelligte, veröffentlicht.
+ + + War der russische Aufseher damals ein guter Mensch oder ein habgieriger? Oder beides? + + +

Wasserlauf unterbrochen
aus TimișPlus.ro, Timişoara / Temeswar, 20.01.2026
Die Firma AQUATIM gibt bekannt, dass vom 22. bis 29. Januar die Wasserzufuhr täglich von 9:00 bis 17:00 wegen „technischen Proben“ in Giarmata unterbrochen wird. Achtung: Bei der Freigabe der Wasserzufuhr wird das Wasser trüb sein.

Otto Alscher in einer Wiener Ausstellung
aus ADZ.ro; Timișoara / Temeswar; 22.01.2026
Der Ex-Jahrmarkter Zeitungsschreiber Luzian Geier ist einer der wenigen Ex-Banater Schwaben, die ihren Kontakt zur deutschen Presse in Rumänien noch nicht abgebrochen haben. In seinem letzten Artikel schreibt er über eine von Helga Korodi in Wien kuratierten Ausstellung zum 145. Geburtstag des deutschen Banater Schriftstellers und Publizisten Otto Alscher. Die Ausstellung trägt den Titel „Otto Alscher – Von der Westbahnstraße in die Wiener Moderne“ und den Untertitel „Neustart für Otto Alschers Geltung in der Literaturgeschichte“.
+ + + Irgendwann wird man doch dem Vergessen entrissen. + + +

Im Feuilletonstil
aus ADZ.ro; Timișoara / Temeswar; 25.01.2026
Die in Jahrmarkt / Giarmata geborene Katharina Kilzer hat einen sehr interessanten Kulturessay, der Jahrhunderte überspannt, geschrieben. Der Weg zurück in die Zeit beginnt bei der Pop-Sängerin Taylor Swift (*1989), erinnert an den Jugendstilmaler Friedrich Wilhelm Theodor Heyser (1857 - 1921) und endet als Inspiration bei William Shakespeare (1564 - 1616).
+ + + Des kummt raus, wann merr in der Fasching in ’s Museum geht, statt uf ’s Baal zu de Banader Schwowe. Scheen, wirklich scheen. + + +

Kurz und bündig
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 29.01.2026
- Gemeinderatssitzung: 29. Januar, 16:00 Uhr. Alle 15 Räte waren anwesend, nur der Bürgermeister und der Ex-Bürgermeister waren online zugeschaltet.
- Die neue Mülldeponie wurde ins Grundbuch eingetragen.
- 27 Personen aus Giarmata und Cerneteaz kommen in den Genuss von Sozialhilfe und 72 „Assistenten für Behinderte“ werden von der Gemeinde entschädigt.
- Die Gemeinde hat vom Staat ein Grundstück in der Größe von 1249 m² bekommen. Verkauft hat die Gemeinde ein Grundstück mit 645 m² und eine Wohnung mit 33,4 m².
- Eine Logistikfirma will sich im Norden von Giarmata ansiedeln und benötigt ca. 51 ha Grund. Der Bürgermeister sprach von vielen Arbeitsplätzen. Unterschriftsreif ist aber noch lange nichts.
- Ex-Bürgermeister Bunescu brachte die Straße nach Ianova ins Gespräch. Er meinte, es wäre höchste Zeit, dass diese Verbindungsstraße zwischen Giarmata und Ianova asphaltiert wird.
- Nach 31 Minuten war die erste Gemeinderatssitzung dieses Jahres in Giarmata vorbei. 
+ + + Wohne an der Stroß am unnre Kerchuf und der Kollektiv net Altjohrmarker? Sicher sin ich mer net, awwer etwas is mol verzählt wor. + + + 
Anton Potche

Montag, 26. Januar 2026

Gedichte für die Passanten

 
Robert Șerban ist Dichter, Schriftsteller und Redaktionsmitglied der in Temeswar monatlich erscheinenden Literaturzeitschrift ORIZONT. Und er hatte im September vergangenen Jahres eine Idee. Wie wäre es wohl, wenn man sich auf die Straße sitzt und jedem vorbeigehenden Menschen spontan, aus der momentanen Intuition heraus ein Gedicht schreiben würde und es dem interessierten Passanten natürlich mit der eigenhändigen Unterschrift schenkt ... sofern er das wünscht? Selbstbefragung und Tat lagen anscheinend nah beieinander. Am 27. September 2025 setzte Robert Șerban sich auf die in Temeswar bekannte Terrasse D’Arc und begann seine Idee in die Tat umzusetzen. Als Werkzeug benutzte er natürlich Schreibpapier und die nicht mehr neueste Schreibmaschine seines Vaters. Und siehe da, der öffentliche Lyrikmarathon setzte sich in Bewegung. Ob die Geschichte vorher in lokalen Medien angekündigt war, ist mir nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass der fleißige Poet von 10.00 bis 19.30 Uhr in die Tasten klopfte und zum Schluss 42 Texte mit holographischer Unterschrift an (wahrscheinlich) glückliche und dankbare Poesiefans aushändigte.

Einige dieser Gedichte füllen eine Seite in der ORIZONT-Oktoberausgabe. Und siehe da, der Name sagt mir doch etwas. Eines dieser Lyrikproduktionen im Schnellverfahren trägt die Widmung pentru Clorela Hengelman. (Alle Kreationen enthalten statt eines Titels den entsprechenden Namen des Passanten.) Der Familienname ist mir doch bekannt. Ein Schulkollege hieß so. Nun weiß ich nicht, ob es sich um eine Verwandtschaft oder um eine zufällige Namensgleichheit handelt. Jedenfalls war bei mir ein Stück Erinnerung an meine Schulzeit vor etwas mehr als 50 Jahren in Temeswar geweckt und ich startete sofort einen Versuch das Werk Robert Șerbans für Clorela Hengelman in meine Muttersprache zu übersetzen. Und das sieht heute so aus:

pentru Clorela Hengelman
un vis povestit
e ca fluturele cu boldul înfipt între aripi
pe care nu doar că-l privești plin de uluială
ci sufli înspre el
și tot sufli
până când
începe să zboare
bucată
cu
bucată

für Clorela Hengelman
ein erzählter traum
ist wie der schmetterling mit dem schmerz zwischen den flügeln
den du nicht nur voller staunen betrachtest
sondern nach ihm bläst
und bläst
bis er
zu fliegen beginnt
flügelschlag
für
flügelschlag


[übersetzt ohne ki-hilfe aus dem rumänischen]
anton potche

Mittwoch, 21. Januar 2026

Seppi und Peppi haben beide Papa Trump gesehen

Seppi und Peppi sitzen im Mohrenkopf und wärmen sich an einem frischen Kaffee.

- Hast du Papa Trump in Davos gesehen?
- Ja, klar.
- Und was sagst du?
- Herrlich! Großartig! Mein eingeschränkter Wortschatz gibt eigentlich nicht her, was ich nach dieser genial, genialen Rede empfunden habe.
- Ist das dein Ernst?
- Ja, klar.
- Gibt es dafür eine Erklärung?
- Ja, klar.
- Und die wäre?
- Jetzt bin ich selber schon fast so alt wie Papa Trump.
- Und?
- Seit ich denken kann, habe ich mich schon immer gefragt, wie es wohl im Himmel ausschauen könnte.
- Und?
- Jetzt weiß ich es.
- ? ? ?
- So wie Papa Trump ihn in einer eineinhalbstündigen Rede in einem berauschenden Chaos und einer blendenden Sinnleere den Zuschauern und -hörern in Davos und den vielleicht Millionen an den Fernsehgeräten geschildert hat.
- Was konkret?
- Den Himmel. So muss es da oben sein!
- Wie?
- Na so wie in Papa Trumps Welt über dem großen See. Mich hat eine unbändige Sehnsucht gepackt.
- Wonach?
- Nach Papa Trumps expandierender Heimatscholle.
- Amerika?
- Jawohl! Dort muss es sein wie im Himmelreich. Papa Trump hat doch die ganze Zeit davon erzählt. Heute Nachmittag in Davos. Von seinem Amerika. Hast du nicht aufgepasst?
- Doch aber vielleicht hatte ich irgendwann den Faden verloren. Das könnten wir jetzt mit einem französischen Zollcognac ausbessern.
- Ach, Mann, du tust mir so leid. Bedienung, zwei große Cognacs bitte.

Wir erleben die frostigsten Tage dieses Winters.
Anton Potche

Montag, 12. Januar 2026

Ein Betrieb mit vielen positiv verrückten Menschen

 
Uwe Wittstock: Die Büchersäufer – Streifzüge durch den Literaturbetrieb; zu Klampen Verlag, Springe, 2007; ISBN 978-3-86674-005-1; € 16,00, bei Online-Anbietern erhältlich.

Das Wort Büchersäufer mag dem einen oder anderen bekannt sein. Ich kannte, bevor ich dieses Buch in den Händen hielt, nur Benennungen wie Bücherwürmer oder Leseratten. Alles in allem handelt es sich um Menschen, die gerne lesen, könnte man meinen. Doch weit gefehlt: Uwe Wittstocks Büchersäufer sind mehr als nur Leser, also Konsumenten, sondern auch Macher, also Menschen, die in vielfältiger Art und Weise etwas tun, damit ein Buch entstehen kann und auf einem Buchladentisch landet. Und Uwe Wittstock (*1955), der Literaturredakteur, Lektor und Kulturkorrespondent, Literaturkritiker und Autor mehrerer literaturwissenschaftlicher Abhandlungen, hat noch einige Vokabeln für diese „Literaturabhängigen“ bereit, die er schon in „einem warnenden Vorwort“ preisgibt: Bücherabhängige, Lektürejunkies, Romankonsumenten, Fach- und Sachbuch-Abhängige, Readaholics und noch einige mehr, denen man begegnet, wenn man diese „Streifzüge durch den Literaturbetrieb“, wie im Untertitel suggeriert, mitmacht.

Das ist eine Wanderung mit zum Forschen und ab und zu auch zum Schmunzeln anregenden Blicken hinter die Kulissen eines Betriebes mit vielen positiv verrückten Menschen: Buchhändler, Verleger, Schriftsteller und nicht zuletzt wir Leser. Diese Textsammlung ist zwar schon 2007 erschienen und einige der Essays waren noch früher im Feuilleton (WELT, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, FAZ) veröffentlicht worden. Und doch habe ich heute (2026) den Eindruck, dass sich nicht allzu viel von dem, was man aus der Bücher(macher)welt von damals noch hört, und dem jetzigen Blätterrauschen geändert hat. Nicht von Ungefähr betitelt Uwe Wittstock das erste Kapitel mit einer Arie über die Sorgen der Branche, also einem Klanggesang, der aber mit der aufmunternden Feststellung endet: „ Daß sich immer wieder Menschen finden – eingeschworene Büchersäufer – die trotz dieser nicht gerade sportlichen Regeln den ungleichen Wettkampf aufnehmen und wider Erwarten gelegentlich Triumphe feiern, gehört zu den schönen Wundern des Literaturbetriebs.“

Wenn es in dieser Branche um Klein gegen Groß geht, hegt Uwe Wittstock unverkennbar Sympathien für die Kleinen. Repräsentativ für viele im deutschen Sprachraum porträtiert er Gerda Brencher und Klaus Bittner (Buchhändler) neben Verleger wie Bernd F. Lunkewitz, Gerd Haffmans, Daniela Seel, Benedikt Taschen oder den legendären Siegfried Unseld, obwohl Letzterer bestimmt nicht mehr zu den Kleinen gehört.

Man kann es kaum glauben: Wer von Büchersäufern spricht, muss nicht unbedingt nur an Menschenkinder in Fleisch und Blut denken. Nein, auch ein Bücherregal namens Billy kommt zu Ehren ... mit feinem Humor.

Uwe Wittstock wäre kein Literaturkritiker, wenn er nicht auch verschiedenen Genres eine Chance in seinem kurzweiligen Traktat eine Vorstellungsmöglichkeit einräumen würde. Wir finden darin Polemische Anmerkungen zum Theater, eine Kurze Betrachtung zum Kriminalroman und andere mehr oder weniger seriöse Themenfelder.

In der Zeitschrift DIE LITERARISCHE WELT (gegründet 1925) wird eine Rubrik gepflegt, die den Titel Actionszenen der Weltliteratur trägt und die Erläuterung enthält: „Alles Schriftstellerleben sei Papier, heißt es. In dieser Reihe treten wir den Gegenbeweis an.“ Das hat auch Uwe Wittstock in diesem Buch getan und zwar unter der Überschrift Schriftsteller und politische Visionen. Wir begegnen in diesem Essay Novalis, Friedrich Schlegel, Victor Hugo, Ludwig Börne, Heinrich Mann und anderen.

Auch der Sport in der Literatur kommt bei Uwe Wittstock nicht zu kurz. Aber als Letztes lässt der Autor das Gerüst jeder Sprache zur Geltung kommen: die Sätze. Und zwar Lauter letzte Sätze. So mancher von ihnen ist eigentlich nie so ausgesprochen worden, wie er der Nachwelt überliefert geblieben ist.

In einer Kritik bei DEUTSCHLANDRADIO KULTUR hieß es am 16. April 2007 zu diesem Buch und seinem Autor: „Wittstock schildert auf amüsante Weise den Wahnsinn, Bücher zu lieben, zu machen und zu verkaufen. […] Es ist vergnüglich, ihn dabei zu begleiten, von hier nach dort, ohne rechtes Ziel. Ein Buch zum Weglesen, eine Tagestour, die nicht erschöpft.“ (Carsten Hueck). Dem kann man voll zustimmen.
Anton Potche