Mittwoch, 5. August 2020

Oweds uf’m Feld

- Gedicht im Johrmarker Dialekt - 

Wann die Sunn hinner der Landstroß
Unnergeht
Un e lauer Wind
Iwer die Stopple weht,
Ruhe Has un Kritsch
Sich aus vum Schnitt.

Endlich is Ruh
Drauß uf’m Feld,
Still un friedlich
Is die Welt.
Die Tauwe sieht merr picke,
Die Schwalme heert merr zwitschre.

E Liftche bringt’s
Gebetleide mit.
Die Nachtigall trillert
E neies Lied.
Es riecht so gut noh Erd un Stroh,
Die Distl stecht sogar im Tod.

Tief Luft holle
Un der Sunn nohschaue,
Do wackst’s Herz
Un glanze die Aue.
Na, na, ich kann jetz net kisse,
Uf ka Sekund will ich verzichte.


[Uf der Schanz, 1989]
Berns Toni

Lesung uf YouTube

Freitag, 31. Juli 2020

Juli 2020 – Giarmata in den Medien

Gelsenbekämpfung 
aus PrimăriaGiarmata.ro,  Giarmata / Jahrmarkt 09.07.2020 
Von 19:30 bis 21:00 Uhr wird ein Flugzeug ein Mittel gegen die Gelsen über dem Giarmataer Gebiet versprühen. Die Verwaltung ruft besonders die Bienenzüchter auf, ihre Völker zu schützen. Für den Menschen ist das Insektenmittel nicht giftig, heißt es in der Bekanntmachung des Rathauses.

Fahrkarten für die Linie M49
aus ObservatorDeTimiș.ro, Timișoara, 11.07.2020
Die Buslinie M49 verbindet Giarmata und Cerneteaz mit Timișoara. Jetzt wurden in Giarmata sieben und in Cerneteaz zwei Stellen zum Verkauf von Tickets eingerichtet. Und zwar in den Verkaufsläden La Batea, La Băcănie, La 2 pași, Lari Market, La Moșu, La Milu und der Konditorei Duo Sweet (Giarmata) sowie bei S.C. Cătălin și Cătălina Srl. und La Claudia in Cerneteaz.
+ + + Ob dadurch das Schwarzfahren eingedämmt wird? + + +

Wolkenbrüche
aus PrimăriaGiarmata.ro, Podcast des Bürgermeisters, Giarmata / Jahrmarkt 13.07.2020
- An zwei aufeinander folgenden Tagen sind schwere Wolkenbrüche über Giarmata und das Umland niedergegangen. Am ersten Tag fielen 70 l/m² in 37 Minuten vom Himmel und am zweiten 60 l/m² in 33 Minuten. Das Unterdorf war überschwemmt und auch viele Bewohner in der Izvor-Straße (früher: Grabengasse) hatten Wasser im Gebiet. Dazu Bürgermeister Virgil Bunescu: „Ich bin seit 40 Jahren in dieser Ortschaft, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen. [...] Bei der Sturzflut kamen viele Bewohner mit den Handys statt mit Hacken und Schaufeln. [...] Die Deutschen hatten zwischen Graben- und Altgasse einen Graben, der heute verstopft ist. [...] Er wurde von Deutschen mit Kopf gemacht. [...] Viel hat sich aber geändert, und wir, die in diese Häuser gekommen sind, haben nicht respektiert, was die Deutschen einmal gemacht haben. Wir müssten uns zurückverwandeln in Deutsche, um die Probleme zu lösen.“
- 14 Bushaltestellen sollen in der Gemeinde neu gestaltet werden.
- Ein Investor hat bei der Verwaltung um ein Grundstück zum Bau eines Paleativ-Krankenhauses nachgefragt.
+ + + Asso, wer unbedingt in der geliebt Heimat sterwe will ... + + +

Dringlichkeitssitzung
aus PrimăriaGiarmata.ro,  Giarmata / Jahrmarkt 13.07.2020
Am 13. Juli hat Bürgermeister Virgil Bunescu eine Zoom-Meeting-Gemeinderatssitzung für 11:00 Uhr des gleichen Tages einberufen ... mit „einem“ Tagesordnungspunkt: „Öffentlicher Nahverker Timișoara und die Metropolitanzone“, zu der auch Giarmata gehört.
+ + + Kann so etwas überhaupt funktionieren? Ich meine nicht den Busverkehr, sondern einen so kurzfristig anberaumten Termin für eine Gemeinderatssitzung. + + +

Gast von Aquatim
aus PrimăriaGiarmata.ro, Podcast des Bürgermeisters,  Giarmata / Jahrmarkt 20.07.2020
- Bürgermeister Bunescu hatte einen Gast von Aquatim, dem Trinkwasserlieferanten, eingeladen. Ingenieur Lauranțiu Maier informierte die Bürger von Giarmata über das zum Teil von EU-Geldern finanzierte 245-Millionen-Euro-Projekt, das mehr als 40 Gemeinden um Temeswar mit Wasserleitung und Kanalisation versorgen soll. Das Projekt liegt eigentlich seit einigen Jahren auf Eis. Auch Giarmata mit seinem Dorf Cerneteaz soll profitieren. Das wird eine spannende Geschichte, denn in der Gemeinde wurden in den vergangenen Jahren die Straßen neu asphaltiert. Diese sollen jetzt teilweise wieder aufgerissen werden, um die neuen Wasserleitungen und Abwasserkanäle aufzunehmen. Das Trinkwasser soll von Temeswar kommen und das Abwasser auch dorthin zurückfließen. Das Projekt enthält natürlich auch mehrere Kläranlagen, verteilt auf das anvisierte Gebiet. Die Ausschreibungen für das Projekt sollen im September europaweit veröffentlicht werden und man hofft, in zwei Jahren mit diesem Erschließungsvorhaben fertig zu sein.
- Corona: eine positiv getestete Person in Giarmata.
+ + + Übrigens: Am 20. Juli hun die Orthodoxe Sfântu Ilie gfeiert. Ich moon, ich tret iwer. Die Rumänre hun vill meh Heiliche wie mer. Do gebt’s fast jede Tach was zum feire. + + +

Die Bürgermeister und der Kreisvorsitzende wollen, nur die Umweltbehörde nicht
aus TimișPlus.ro, Timişoara / Temeswar, 24.07.2020
Die Bürgermeister von Dumbrăvița und Giarmata, Victor Malac und Virgil Bunescu (beide PSD) haben sich mit Călin Dobra (PSD), Vorsitzender des Kreisrates Timiș in Giarmata getroffen, um die Situation rund um den Ausbau der Kreisstraße zwischen Timișoara und Giarmata, die durch Dumbrăvița und entlang von Giarmata (irgendwann vielleicht auch durch die Gemeinde) führt, zu besprechen. Die Schwierigkeiten, die das Umweltamt dem Projekt zurzeit bereitet, sind politischer Natur mutmaßen die drei Sozialdemokraten. (Das Land und die Kreishauptstadt werden von den Nationalliberalen regiert.) Dobra weiß aber, dass die aktuelle Gesetzgebung auch einen Beginn der Arbeiten ohne ein positives Umweltgutachten ermöglicht. Er ist entschlossen, diese Möglichkeit auszunutzen. Bunescu erwähnt, dass seine Gemeinde sich sogar für den Bau einer natürlichen Lärmschutzwand (perdea forestieră) entlang des neuen Wohnviertels, das an die Kreisstraße grenzt, stark gemacht habe. Malac erinnert daran, dass Dumbrăvița 24.000 Einwohner und fast genauso viele gemeldete Autos habe und überlässt es jedem, sich vorzustellen, was das für den Verkehr auf der jetzt zweispurigen Kreisstraße bedeutet. „Stoßstange an Stoßstange“, gibt er auch gleich die Antwort.

Stimmt nicht
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 24.07.2020
Das Umweltamt des Kreises Timiș (Agenția de Mediu Timiș) hat seit April diesen Jahres einen neuen Exekutivdirektor in der Person von Petru Opruți. Und der weist die Anschuldigungen der drei PSD-Politiker zurück: „Wir bauen keine Hindernisse auf und wollen, dass es weitergeht. [...] Seit ich die Leitung übernommen habe, läuft das Verfahren. [...] Wir müssen laut Gesetz noch die Bürger der zwei Gemeinden, Dumbrăvița und Giarmata, in einer öffentlichen Sitzung zu Wort kommen lassen.“
+ + + Geduld bringt Rosen. Auch Winterrosen. + + +

DC61 von Giarmata nach Bencec soll befestigt werden
aus PrimăriaGiarmata.ro, Podcast des Bürgermeisters,  Giarmata / Jahrmarkt 27.07.2020
- Corona: keine neuen Fälle in Giarmata  - 2000 Masken zum Austeilen sind noch im Rathaus vorhanden.
- Gegen die Gelsenplage soll noch eine Sprühung vorgenommen werden.
- Das Temescher Umweltamt blockiert weiterhin den Start der Ausbauarbeiten an der Kreisstraße Timișoara – Giarmata. Auf dieser Strecke fahren täglich bis zu 12.000 Autos.
- O-Ton Bunescu zu den Unzufriedenheiten einiger Bürger wegen den laufenden Straßenbauarbeiten in Giarmata: „In Rumänien begegnest du immer vielen Bürokraten, wenn du etwas unternehmen willst.“
- Auf dem Gelände der ehemaligen Viticola in der Strada Bătrână (Altgasse) soll ein Bürokomplex entstehen, der je eine Post- und Bankfiliale sowie andere Dienstleister beherbergen könnte. Als Zufahrt soll dort eine Straße entstehen, wo jetzt die Gärten von Alt- und Neugasse aufeinander stoßen.
- Die Kommunalstraße DC61 zwischen Giarmata und Bencec soll befestigt werden, und zwar mit dem zerkleinerten Steinzeug, dass man bei den Sanierungsarbeiten der Izvor-Straße freilegen wird.
- Die mangelnde Sauberkeit im Dorf ist auch dem schlechten Verhältnis Rathaus – Kommunalbetriebe zu verdanken. Dabei gehören diese Betriebe doch der Gemeinde. Virgil Bunescu beklagt diesen Zustand, ohne eine Lösung zu präsentieren.
- Der gleiche Bürgermeister träumt aber schon von einem neuen Wohnviertel. Den Standort, der ihm vorschwebt, will er aber noch nicht verraten.
+ + + Nach den Kommunalwahlen im Herbst, könnte sowieso alles anders aussehen, gibt der umtriebige Rathauschef selber zu. Aber wer weiß: Was Trump anstrebt, können die Rumänen bestimmt auch. Schon wird von einem späteren Wahltermin schwadroniert. + + +

Außenarbeiten am Kulturheim
aus ObservatorDeTimiș.ro, Timișoara, 28.07.2020
Die Arbeiten am Kulturheim schreiten voran und sind „fast fertig“, sagt Virgil Bunescu, Giarmatas Bürgermeister. Grünflächen und Stellplätze für Pkws müssen noch angelegt werden. Dann soll die neue, erweiterte Bühne für Kindertheater, Volkstänze und andere Kulturveranstaltungen genutzt werden.
+ + + Vleicht mache mer nochmol e Musikantebaal – dort uf der nei Biehne. Norr oomol noch! Wann die Zeit norr net so verdammt unbarmherzich wär un’s immer so eilich hätt. + + +

Neuer Kindergarten in Giarmata
FotoQuelle: ObservatorDeTimiș
Neuer Kindergarten in Giarmata 
aus ObservatorDeTimiș.ro, Timișoara, 29.07.2020 
Der neue Kindergarten im Primăverii-Viertel soll im Herbst bezugsfertig sein. Es sollen für 120 Kinder Betreuungsplätze bereitstehen. Finanziert wurde die Maßnahme aus eigenen Mitteln und aus einem Förderprogramm des Staates. 
+ + + Viel Spaß den Kleinen! + + + 

Wie so oft: Bunescu
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Juli 2020 
- Das Interview mit Bürgermeister Virgil Bunescu aus der Juni-Ausgabe wird hier fortgesetzt. Die Gemeinde hat den Schulkindern der 8. Klassen, den Lehrern und dem restlichen Schulpersonal für die Zeit vom 2. bis 12. Juni Masken zur Verfügung gestellt, um die Vorbereitung der Kinder für die Abschlussprüfungen zu ermöglichen. Auch Desinfektionsmittel und Mikrobusse zum Transport der Schüler wurden von der Gemeinde finanziert. Die Schule in Giarmata wird von 600 Kindern in den Klassen 1 bis 8 besucht. Ab Herbst sollten sie von der modernen Ausstattung der neuen Schule – dafür stehen 1 Million Euro bereit - profitieren können.
+ + + Hoffentlich macht Corona dem engagierten Bürgermeister keinen Strich durch die Rechnung. + + +

Gemeinderatssitzung
aus PrimăriaGiarmata.ro,  Giarmata / Jahrmarkt 30.07.2020 
Wer sehen will, dass es in Giarmata außer Virgil Bunescu auch noch andere Politiker gibt, kann sich davon hier überzeugen.
+ + + Der Bürgermeister hat sich wieder über den "neamț" aus Deutschland beschwert, der anscheinend den Rachen nicht voll kriegt und der Gemeinde das Grundstück vis-a-vis des Kulturheims nicht verkaufen will - natürlich zu den Vorstellungen des Rathauschefs. + + +

Montag, 20. Juli 2020

Siebenbürger Literatur aus der Zwischenkriegszeit

Erwin Wittstock: Zineborn, Erzählungen 1920-1929, Union Verlag Berlin & Kriterion Verlag Bukarest, 1982; Hardcover 427 Seiten; DDR 15,80 M (erhältlich bei verschiedenen Internet-Anbietern).

Dieses Buch kostete in der DDR 15,80 Mark. Dort wurde es 1982 vom Union Verlag Berlin aufgelegt. Das war eine Gemeinschaftsausgabe mit dem rumänischen, korrekter: rumäniendeutschen, Kriterion Verlag Bukarest. Und diese Zusammenarbeit hat sich gelohnt. Das Resultat ist ein Erzählband mit sehr interessanten und zum Teil unterhaltsamen, aber auch verstörenden Einblicken in die reale und manchmal auch irreale Welt der Siebenbürger Sachsen um die Zeit von 1920 bis 1929, wenn man diesen Entstehungszeitraum der hier versammelten Erzählungen auch als Inspirationsquelle des Autors betrachtet.

Erwin Wittstock ist der Schöpfer dieser zum Teil als belletristische Leckerzbissen wahrnehmbare Prosastücke. Er wurde 1899 in Hermannstadt (Rumänien) geboren und starb 1962 in Kronstadt. Dazwischen lag ein bewegtes Leben mit einer freiwilligen Teilnahme am Ersten Weltkrieg – man erinnere sich an die Kriegseuphorie vieler deutscher Intellektueller -, einem Jurastudium in Klausenburg, Rechtsanwaltstätigkeiten in Hermannstadt und Kronstadt, aber auch Zeiten, in denen er einer freien Schriftstellerei nachging. Das Ergebnis dieses ereignisreichen Lebens – auch mit Aufenthalten in Berlin und im tschechischen Hammer am See (Hamr na Jezeře) – ist ein literarisches Œvre, das sich sowohl quantitativ als auch qualitativ sehen lassen kann. Dass seine Schriften gleichsam von den Nazis und den Kommunisten als zumindest nicht systemgefährdend und gleichermaßen ideologiefrei akzeptiert wurden, spricht für eine gewisse Neutralität von Wittstocks Themen. Für eine derartige Akzeptanz (oder auch nur Duldung) bietet sich Regionalliteratur förmlich an. Eine solche hat Erwin Wittstock auch geschrieben. Und das in einer Art und Weise, dass man seine literarische Tätigkeit mit 30 Buchveröffentlichungen in den Städten Hermannstadt, Schässburg, München, Leipzig, Prag, Hamburg, Bukarest, und Ostberlin durchaus in einem gesamtdeutschen Literaturlexikon erwähnen kann. Im Lexikon der Weltliteratur von Gero von Wilpert wird Erwin Wittstock dann auch als ein „Erzähler von Romanen und Novellen bes. aus dem Leben der Siebenbürger Sachsen“ geführt.

Wie zutreffend die Apostrophierung ist, kann man schon in den in jungen Jahren verfassten Erzählungen Erwin Wittstocks erkennen. Die meisten von ihnen sind in dieser DDR-Ausgabe veröffentlicht: 18 an der Zahl. 

Es geht los mit einem Herodesspiel. Als Banater Schwabe wurde ich natürlich an die „Chriskindche-Gruppe“ oder die „Drei Keenich“ erinnert, die im Winter in den banatschwäbischen Dörfern von Haus zu Haus zogen und ihre Botschaften überbrachten. Der ethnologische Wert einer solchen Erzählung sollte bei einer Rückbetrachtung natürlich nicht aus den Augen verloren werden. Auch sprachlich gibt der Text Einiges her. Beim lesen wird einem schnell klar, wie die Sprache sich seit der Entstehung dieses Textes verändert hat – in knapp 100 Jahren.

Ein Ausflug mit Onkel Flieha lässt ganz andere Betrachtungen zu: sachliche Schilderung gepaart mit einem Schuss gesunden Sprachwitz. Der Onkel des Ich-Erzählers war „Sargtischler“ und „Leichenträger“. Seine dem Jägerlatein um nichts nachstehende Schilderungen klingen so: „Dies Hündchen, das auf ungeklärte Weise dem Leichenzug seines Herrn bis zum Friedhof gefolgt war, war nämlich mit einemmal laut kläffend zwischen die Beine des Pfarrers, der gerade das Vaterunser betete, geraten und hatte sich in seinem langen Ornat derart verwickelt, daß der Pfarrer ins Grab fiel und mit lautem Krachen auf den Sarg des Ambrosius aufschlug und er, der Flieha, die größte Mühe hatte, ihn wieder ans Tageslicht emporzuziehen.“

Dieses Buch ist schon darum mehr als ein schlichter Band mit Erzählungen, weil er ein wahrlich literaturwissenschaftliches Nachwort enthält, das von keinem Geringeren als dem Sohn des Autors, Joachim Wittstock (*1939), verfasst wurde. Ferner gibt es ausführliche Informationen in extra Anhängen: Zur Entstehung und Veröffentlichung der Erzählungen, Anmerkungen zu dieser Auswahl sowie Wort- und Sacherklärungen. Das ist alles sehr wichtig, handelt es sich doch weitgehend um Geschichten, die in einem geografisch präzise definierten Raum spielen: in Siebenbürgen.

Schon der Buchtitel, Zineborn, ruft regelrecht nach Aufklärung – zumindest für Nichtsiebenbürger. Das war auch dem noch immer in Siebenbürgen lebenden und schreibenden Joachim Wittstock klar, denn er klärt gleich zum Anfang seines Nachwort-Essays auf: „Zineborn in der Fachliteratur mit verdoppeltem n geschrieben, ist ein auch heute gebräuchlicher Birthälmer Flurname, der sein Vorhandensein einer Quelle verdankt, einem Born, womit die sächsischen Dialekte und mit ihnen die heimische Sprachwissenschaft eine ‚größere aus der tiefe kommende Quelle im freien Feld, Walde d.h. im Naturzustande, im Gegenteil zum eingefaßten Brannen‘ bezeichnen.“

Auf den Fluren meines Banater Heimatdorfes Jahrmarkt gab es die „Brinncher“. Jetzt könnte ich über vergleichende Etymologie und Ethnografie nachsinnen. Auch das bietet sich beim Lesen dieser Erzählungen über das Leben um den „Zineborn“ an – und ist für mich ein Grund, dieses Buch mit gutem Gewissen weiterzuempfehlen.

Anton Potche

Montag, 13. Juli 2020

Ka Bessre hadde mer koone ghat

- Stichlerei im Johrmarker Dialekt - 

„Nur so können schier alle heutigen Deutschen zu Nachfahren von >Opferfamilien< werden. Viele finden einen Nazivater, den später die Kommunisten einsperrten oder die Russen holten, andere einen Judenmörder, der hernach Heimatvertriebener wurde, einen stalinistischen Großonkel, den SA-Männer folterten, oder einen Vetter, einstmals Leutnant der großdeutschen Wehrmacht, der in der DDR als sogenanntes Bürgerkind nicht studieren durfte. So lässt sich Hitlers Volksgemeinschaft Stück für Stück in tadellose Opfergruppen auflösen.“ An dee Satz hun ich do unlängst denke misse, wie ich e Lebenslauf" in der BANATER POST geles hun, der mich so stolz gemach hot, dass es mich fasst vum Hockel ghaut hot. Gschrieb hot ne – net de Lebenslauf, sondern dee Satz - de unermietlich un ungemietlich Götz Aly. Un iwerschrieb hot er sei Text, aus dem wu der Satz stammt, mit: „Immer dabei und stets anständig geblieben.“ 

De „Lebenslauf“ in der Zeidung vun de Banader Schwowe, zu dee wu ich mich mit meim ganze Herzblut zähl, hot de Titel „Vor 50 Jahren: Hans Schäfer wird Justizminister.“ In Deitschland, net in Rumänien. Mensch, hun ich mer gedenkt, des hot nemmol de Berwanger selmols in Rumänien gschafft. Des is asso unser greeßter, unser allergreeßter Banader Schwob iwerhaupt. Un noo hun ich geles un geles, un nommol geles un geles. Ich soon eich Leit, es Müllersch Herta un de Hells Stefan sin nicks geger de Schäfersch Hans aus Schebel. (Ich moon net des Sanatorium dort, sondern wirklich es Dorf.) Was is schun e Nobelpreis geger so e Karriere, wie se unser Schebeler Landsmann hingeleet hot. Makellos! Do is ka Flecke, awwer aah net de allerklennst, uf dem seiner Uniform pecke geblieb.

E ganzi un e halwi Seit (47 x 31 cm) widmet mei Zeidung, die wu mer immer net schnell genuch ins Haus kummt, dem Karrieresoldat un -politiker. Dankscheen un nommol dankscheen, kann ich norr soon, forr jedi Nummer un vor allem forr so hervorragende, ja wirklich heldenhaft klingende Artikle wie der do. Mit Gänsehaut hun ich geles un war so begeistert, dass mei Fraa mich vor em Spigl mit ausgstrecktem Arme iwerrascht hot un fast in Onmacht gfall wär, weil se schun gemoont hot, ich wär vleicht dorchgedreht. Awwer wie ich ehr gsaat hun „do schau her, unser Landsmann“ un ehr des noo vorgeles hun, hot ufmol sogar sie newer mer gstann un de Arme ausgstreckt. Awwer, liewe Landsleit, lest selwer, dass der uns, mich un mei bessri Hälft, aah richtich verstehn kännt: „Hans Schäfer, der Ende 1938 in die NSDAP eingetreten und von Mai bis September 1940 als Sturmmann Angehöriger der Waffen-SS war, trat am 1. März 1941 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in das Reichspropagandaministerium ein und war dort in der Propaganda-Ersatz-Abteilung in Potsdam tätig. Nach dem Balkanfeldzug wechselte er im Juni 1941 zur Propaganda-Staffel 5 nach Belgrad und im Mai 1942 zur dortigen Propaganda-Abteilung Südost.“ Do muss merr doch de Hut ziehe! Des sin Verdienste! Forr die hot der Mann aah e paar Auszeichnunge kriet. Des is awwer ka Wunner, bei so ooner vorbildlicher Nazipropagandakarriere. „Kannst die Hand wedder runner holle“, hun ich zu meiner Fraa gsaat, „de Kriech is rum.“ No hot‘s mich ganz verstawwert ongschat un gfroot. „Hun se ne ingsperrt?“

„Naa“, hun ich gsaat, „jetz geht‘s eerscht richtich loss.“ Die Entnazifizierungskommission hot ne entlast. Sie hot gsaat, merr kann net genau soon, ob der Mann vum Nationalsozialismus iwerzeujt war odder nor so neweher gelaaf is. Na kumm, des bissje Propaganda, des is doch nicks. De Schäfersch Hans hot no em Kriech e beneidenswerti Anwalts- un Politikerkarriere uf‘s deitsche Parket geleet – in Niedersachsen. Dort war er sogar Justizminister. Uf de Gerechtigkeitssinn vu‘me Mann mit so‘re nationalsozialistisch Vergangenheit kann doch ka Land verzichte. [Merr sellt vleicht net vergesse, dass im Kabinet Kiesinger / Brandt siwe (7) ehemalige NSDAP-ler gsitzt hun. Wieweit her‘s mi‘m Ufarwete vun diktatorische Vergangenheide is, hot unser Generation jo gsiehn am Beispiel vun der kommunistisch Vergangenheit in Europa.] Un die Parteierfahrung, die wu der Mann gsammelt hot – des geht norr mi‘me stärke Charakter. Vun der NSDAP in die FDP un vun dort in die SPD. Des muss es eerscht mol ooner nohmache. Un bei all dem war de Schäfersch Hans aus Schebel aah noch e seelguder Herzensmensch. In seim „Lebenslauf“ kann merr in der Zeidung lese: „Mit dem Schicksal, den Sorgen und Nöten der Geflüchteten und Heimatvertriebenen war er vertraut. Vor allem aber war Hans Schäfer bereit, sich in den Dienst seiner Landsleute zu stellen, Verantwortung in Vereinsstrukturen zu übernehmen und sich für die Belange seiner Schicksals- und Leidensgenossen mit aller Kraft einzusetzen.“ Mei Fraa hot sich verstohl e Trän aus em rechtse Aue gewischt. Un mer is es kalt de Buckl runnergelaaf. Bei so vill Gfiel! Der Mann hot net umesunst es Bundesverdienstkreiz kriet.

Un des is noch gar net alles. Wie jeder guder Artikelschreiwer zieht aah de Tonța Walter, des is de Redakteer vun der BANATER POST heechstperseenlich, noch e Fazit vun der banatschwowisch Bilderbuchkarriere „fără cusur”, wie de Rumäner saat. Un des losst nommol mei Blut so richtich in de Odre pulseere: „Fakt ist, dass Hans Schäfer keiner von denen war, die nach dem Krieg sein Fähnlein in den neuen Wind hing, sondern einer, der aus aufrichtiger Überzeugung nach einem Weg in die Demokratie suchte und in seinen politischen Ämtern einen wichtigen Beitrag zur Etablierung und Stärkung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland leistete.“ Ich hun mei bessri Hälft ongschaut un de Eindruck ghat, dass se nohdenkt. Ehre rechter Arme hot schlaff am Körper ghong un in ehrem Blick war so etwas wie Blitze. No hot‘s gsaat: „Asso wann e erfolgreicher Dorchmarsch NSDAP – FDP – SPD nicks mit >Fähnlein in den neuen Wind< hänge zu ton hot, dann muss unser Vorzeige-Banader-Schwob in ooner sehr windstiller Zeit gelebt hun.“

Mich hot deer „Lebenslauf“ un vor allem sei schmoichelhafti, um net zu soon, völlig aus der Zeit gfallni, Darstellung in der BANATER POST tächlang net lossgeloss. Iwerall im Land werre seit Johre Stroße- un Schulnome vun Nazis infrage gstellt, un do werd jetz, in‘re Zeit, wu in der ältst Demokratie der Welt fragwürdiche Denkmäler gschleift werre, ooner uf‘s Podest ghoob. (Odder will jemmand allen Ernstes behaupte, dass e Uniformträger im Dritte Reich mit so ooner Propagandalaufbahn gar ka Nationalsozialist war?) De Historiker Michael Wolffsohn saat im DONAUKURIER vum 8. Juli: „Jedes Denkmal und Symbol in einem Staat ist sozusagen die moralische Visitenkarte des Staates. […] Jeder blamiert sich so gut er kann.“ Denkmäler misse net unbedingt in Stoon gemeißelt sein, merr kann se aah aus Wärter baue. Es is net immer alles oons, wie merr mit Wikipedia-Informatione umgeht.

„Sellt merr vleicht kinniche?“, hot mei Fraa gfroot … Un sie hot net de DONAUKURIER gemoont.

[Uf der Schanz, 2020]
Berns Toni

Montag, 6. Juli 2020

Din nou alegeri la Ingolstadt


Ultimele alegeri din orașul german Ingolstadt au fost cele comunale din martie ale acestui an. De atunci orașul de pe Dunăre are un primar principal socialdemocrat – după 48 de ani și trei primari principal din lagărul creștin-socialilor - în persoana lui Christian Scharpf și un consiliu local de 50 de consilieri, provenind din zece (10) grupări politice. În această săptămână, de la 6 până la 12 iulie, se va alege la Ingolstadt un alt grémiu cu caracter orășenesc: Consiliul Migranților.

Acest consiliu este format din migranți și din consilieri orășenești și are menirea de a ușura procesul de integrare a migranților în societatea germană, însă fără a renunța la caracteristicile culturale ale fiecărei etnii. Ingolstadt are aproape 140.000 de locuitori, dintre care 45% sunt migranți. 35.000 de cetățeni au primit o înștiințare cu care se pot prezenta în una din cele patru secții de votare din oraș.

Consiliul Migranților se compune dintr-un președinte și 16 membri aleși. Cele două partide cu cei mai mulți consilieri în Consiliul Local trimit fiecare doi membri și celelalte formațiuni politice câte un membru în acest sfat al migranților. Alte organizații cu câte un reprezentant în acest consiliu al cetățenilor de alte etnii decât cea germană sunt: Direcția Învățământului, Oficiul de Plasare a Brațelor de Muncă (Jobcenter) și Oficiul de Egalitate între Femei și Bărbați. Pe lângă aceștia mai pot fi cooptați cel mult 9 membri provenind din diferite organizații sociale sau bisericești, dintre care doi trebuie să vină din rândul emigranților de etnie germană (Aussiedler), cum ar fi de exemplu șvabii bănățeni sau sașii transilvăneni. (În perioada legislativă anterioară, 2014 – 2020, organizațiile acestor etnii nu au trimis însă nici un reprezentant în Consiliul Migranților.) Se poate vedea deci că este vorba de un organism social-politic destul de mare.

Statisticele arată că din cei 62.500 de migranți 34.000 sunt „germani cu origine de migrant“ iar 28.500 sunt considerațistrăini“. (Data evaluării: 31 decembrie 2019). În Ingolstadt trăiesc la ora actuală 7847 de persoane originare din România, dintre care 2868 posedă cetățenia română. Drept de vot au numai persoanele cu cel puțin o cetățenie străină. Asta înseamnă că sașii și șvabii din Ingolstadt pot vota doar dacă nu au renunțat la cetățenia română. (Mulți au făcut-o pe timpul regimului comunist.)

Cetățenii cu rădăcini românești din Ingolstadt sunt reprezentați în actualul Consiliu al Migranților de Cristina Seger. Angajata primăriei trăiește de 30 de ani la Ingolstadt și se angajează în multe organizații sociale din oraș. Printre altele conduce și Cercul Români de Prieteni Ingolstadt. S-a născut la Agnita în Transilvania și candidează și de data asta pentru un loc în Consiliul Migranților.

Anul acesta și-au depus candidatura pentru cele 16 locuri de consilieri 42 de persoane, 24 de femei și 18 bărbați. Cu dublă cetățenie s-au înscris pe lista candidaților 18 persoane. Ceilalți 24 de candidați dețin următoarele cetățenii (fără cetățenia germană): bozneacă (1), chinezească (1), ecuadoriană (1), grecească (3), italiană (4), jordaniană (1), poloneză (2), rusă (1), turcă (8), tunesiană (1) și română (1). Candidata cu cetățenia română este Daniela Muha. Interesant la aceste alegeri este faptul că cele două românce nu trebuie să concureze pentru un mandat de consilieră minoritară. Fiecare alegător are două voturi distincte. Deci poate s-o aleagă atât pe Cristina Seger cât și pe Daniela Muha. (Dar atenție! Unei singure candidate nu se pot da două voturi, cum se poate de exemplu la alegerile locale din Bavaria. Acolo există posibilitatea de a „panașa și cumula” voturi. Aici poți să faci doar câte un semn în dreapta a doi candidați.) Succes!

Anton Delagiarmata

PS: Numai 5,57% dintre cetățenii cu drept de vot au ales noul Consiliu al Migranților din Ingolstadt. Dintre cei 16 membri aleși se numără și Cristina Seeger (la al doilea mandat) cu 107 de voturi și Daniela Muha cu 99 de voturi. Angajamentul lor dă dovadă de o lăudabilă ținută civică. Felicitări!

Ingolstadt, 15.07.2020
Anton Delagiarmata