Montag, 7. September 2020

Awwer

 - Gedicht im Johrmarker Dialekt -

Schau vor, awwer net uf die annre,
wanns’d die Heimat hinner der host.
Sei net leichtsinnich, awwer aah net unwillich,
wann’s ab un zu mol Nerve kost.

Alles musst deine Kinn net ongehn losse,
awwer vergess um Himmels Wille net,
dass sogar die Blumme schenner bliee,
wann merr alle Tach mit ne redd.

Geld is gut, awwer denk aah dron,
die beste Kumrade sin net immer die,
die wu norr hoorgenau rechne kenne:
Wann’s sich auszahlt, gehn mer hin.

Mach der ’s Lewe so scheen wie meeglich,
awwer schau aah uf de alte Mensch newer der.
Aah er is wie e Blumm, die mit Wärter un Luft
drinn noch bliet, wann's drauß aah schun schneet.


[Uf der Schanz, 1989]
Berns Toni


Montag, 31. August 2020

August 2020 – Giarmata in den Medien


Wahlhora in Giarmata
aus PressAlert.ro, Timişoara / Temeswar; 02.08.2020
Bürger haben sich in Giarmata über Partylärm bei der Polizei beschwert. Die ist eingeschritten und hat erfahren, dass die fröhlich veranstaltete Hora (rumänischer Volkstanz) dem PNL-Kandidaten für das Giarmataer Bürgermeisteramt, Marcel Deac Iancău, galt. So weit, so gut, wenn … ja, wenn der Gefeierte wenigstens dabei gewesen wäre. Der Chef der Giarmataer PNL (Nationalliberale Partei) soll an der Schwarzmeerküste seinen wohlverdienten Urlaub verbracht haben. Laut Zeitungsbericht wurde die verhängte Strafe von 5.000 Lei aber nicht dem Veranstalter des fröhlich-feuchten Abends, sondern dem gefeierten PNL-Kommunalpolitiker aufgebrummt.
+ + + Chapeau! Das nenne ich Parteitreue. Und Merkwürdigkeiten aller Art gehören nun mal zu politischen Wahlkämpfen. + + +

Übereinkunft
aus PrimăriaGiarmata.ro, Podcast des Bürgermeisters,  Giarmata / Jahrmarkt 03.08.2020
Originalton Virgil Bunescu: „Wir sind mit der katholischen Diözese übereingekommen. Es gab einen Verhandlungsstillstand, weil ich eine Kapelle auf dem Unteren Friedhof errichten wollte. Dafür mussten wir Eigentümer einer gewissen Fläche sein. Die katholische Kirche wollte uns diese Fläche nicht geben, so dass wir die Kapelle nicht errichten konnten, obwohl das Projekt dazu fertig ist. Aber jetzt haben wir uns so geeinigt, dass wir einen Beitrag zur Erhaltung der katholischen Kirche leisten werden. Wir haben dort schon Isoliermaßnahmen am Fundament gegen Feuchtigkeit durchgeführt, wir haben Reparaturarbeiten an der Kapelle auf dem Oberen Friedhof vorgenommen, auch an den Zäunen beider Friedhöfe. Aber wir wollen die Kirche in einen Normalzustand bringen. Das heißt, der Turm wird gestrichen, die Uhr instandgesetzt, die ganze Außenseite bekommt einen neuen Anstrich, nächstes Jahr soll dann, wenn wir noch hier sind, das Pfarrhaus und der Hof - es gibt dort eine wunderschöne Parkanlage – hergerichtet werden, so dass wir sowohl eine Kapelle als auch eine restaurierte Kirche haben werden, wie es sich gehört. Natürlich werden wir das unter der Aufsicht der Diözese und nicht nach unserem Kopf (de capul nostru) machen. Aber am Unteren Friedhof müssen wir aktiv werden, denn dort gibt es mehr zu tun. Die ganze Gegend muss gereinigt werden, der Zaun muss erneuert werden, sowohl am Oberen als auch am Unteren Friedhof, beide Friedhöfe müssen gesäubert werden, Lampen müssen installiert und Alleen angelegt werden. Ich hoffe, dass wir uns mit der katholischen Kirche verstehen werden und je einen Teil von beiden Friedhöfen bekommen, damit wir auch in ihnen arbeiten können. Ich hoffe, dass es so kommt und Ihr werdet sehen, dass wir sowohl eine reparierte Kirche als auch eine Kapelle haben werden.“
+ + + Na, wer saat’s denn? Es geht doch. Un sogar ohne Spenden aus Deitschland. Jetz misse se norr noch ehre orthodoxi Meewl uf die anner Seit vun der Happgass troon, noo hot „unser“ Kerch wedder e sinnvolli Onwendung un bleibt vleicht noch 200 Johr de weithin sichtbar Mittelpunkt vun Johrmark … Pardon! Giarmata. + + +

Interview mit Virgil Bunescu
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 06.08.2020
FotoQuelle: ZIUAdeVEST
Der Wahlkampf nimmt in Rumänien richtig Fahrt auf - trotz Corona. Das ist auch in Giarmata so. Der allgegenwärtige Bunescu lässt keine Gelegenheit aus, um für ein neues Mandat zu werben. Er zählt stolz die Errungenschaften der letzten acht Jahre, seit er im Amt ist, auf. Die zu bewältigenden Aufgaben waren schon darum nicht einfach, weil die Gemeinde in dieser kurzen Zeit um 3.000 Einwohner gewachsen ist. Das renovierte Kulturheim soll ein Schmuckstück werden und für viele kulturelle Aktivitäten der Bevölkerung zugänglich sein. Besonders die Kinder sollen von der 500.000-Euro-Investition profitieren, ihre noch „verborgenen Talente“ von spezialisierten Lehrern gefördert werden. Die neue Schule – hier geht es gleich um fünf Millionen Euro – soll auch eine Berufsschule beherbergen, denn nach Überzeugung des Bürgermeisters „entwickelt sich die Industrieplattform Giarmata sehr stark und benötigt Arbeitskräfte“. Die zurzeit in der Gemeinde laufenden Projekte summieren sich auf 14.250.000 Euro, Gelder aus der Haushaltskasse und aus verschiedenen staatlichen und europäischen Töpfen. Diese Summe könnte bei den Visionen Virgil Bunescus in den kommenden Jahren weit überschritten werden. Der Bürgermeister erzählt in dem Interview von einer Klinik, einem Thermalbad, von Verbindungsstraßen zu den Nachbardörfern, einem neuen Wohnviertel und zwei Gewerbegebieten, auch die Legende des Prinz Eugen wird bemüht. Und: „Wir wollen noch ein Museum der Schwaben aus Giarmata errichten, denn bis vor 30 Jahren war unsere Gemeinde von Deutschen bewohnt und es gibt touristisches Interesse. Dafür haben wir ein schwäbisches Haus erworben.“ Für eine neue orthodoxe Kirche steht schon ein Grundstück bereit. 
+ + + Jetzt muss er nur noch wiedergewählt werden, Virgil Bunescu. + + + 

Erster Corona-Fall 
aus PrimăriaGiarmata.ro, Podcast des Bürgermeisters,  Giarmata / Jahrmarkt 10.08.2020 
- Zum ersten Mal wurde eine Person aus Giarmata positiv auf Covid 19 getestet. Ihre Infektion hat bisher keinen schweren Verlauf. 
- Die Umbaupläne für den „Dispensar“ sind fertig. Dort sollen in Zukunft drei Hausärzte und ein Zahnarzt arbeiten. 
- In den nächsten Tagen soll eine Müllsammelstelle in Giarmata eingerichtet werden. 
+ + + Ansonsten viel Wahlkampf. + + + 

Auto ausgebrannt
aus deBanat.ro; Timişoara / Temeswar; 11.08.2020
Auf der A1 nahe Giarmata ist ein Kleintransporter komplett ausgebrannt. Der Fahrer konnte sich unverletzt retten. Die Brandursache ist nicht bekannt.

Kulturheim ist bald fertig
aus ObservatorDeTimiș.ro, Timișoara, 16.08.2020 – 18.08.2020
- Das renovierte Kulturheim soll bald fertig sein. Und so soll es dann aussehen: https://www.observatordetimis.ro/2020/08/16/foto-in-ce-stadiu-este-modernizarea-caminului-cultural-din-giarmata/ .
- Und hier kann man die Karlsgasse einst und jetzt sehen: https://www.observatordetimis.ro/2020/08/17/se-lucreaza-intens-pe-strazile-din-giarmata/
- Und das ist der neu eingerichteten Kindergarten, den die Altjahrmarkter noch als GOSTAT-Kindergarten kannten: https://www.observatordetimis.ro/2020/08/19/primarul-bunescu-scolile-si-gradinitele-din-giarmata-sunt-pregatite-sa-primeasca-copiii-in-cele-mai-bune-conditii-foto/ .
+ + + Hallo! Des is unser Wertshaus! Do hun ich mit meine ville Menscher schun drin getanzt, do hot Dehr noch gar net gewisst, wu Giarmata is. Asso, her damit! Mer kumme Kerweih mache un Musikantebääler abhalle.
- Dorch die Karlsgass sin ich schun mi’m Safer mascheert, do hun die Giarmataer vun heit noch gar net gewisst, was e Blechmusik is.
- Ich war in der Altgass im Kinnergarte un hat dort mei eerschtes Mensch ghat: es Ingrid aus der Happgass. Un weil ich net gewisst hun, wie merr des mit der Liebe so macht, sin ich’m immer nohgelaaf un hun’s gepetzt. + + +

Pandemiegeschädigte in Giarmata
aus PrimăriaGiarmata.ro, Podcast des Bürgermeisters,  Giarmata / Jahrmarkt 17.08.2020
Sieben Personen aus Giarmata wurden positiv auf den Coronavirus getestet. Alle – eigentlich zwei Familien - sind bisher symptomfrei und befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Flüchtlinge bei Giarmata gefasst
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 19.08.2020
Zwischen Dumbrăvița und Giarmata wurde ein Taxi kontrolliert und die Polizei fand in dem Pkw neben dem rumänischen Fahrer drei Syrer ohne Ausweispapiere. Nur wenige Kilometer weiter wurde auf der A1 ein von zwei Türken gesteuerten Fernlaster angehalten, der 40 Flüchtlinge in einem Versteck im Laderaum des Fahrzeugs mitführte. Die türkischen und syrischen Flüchtlinge sind zwischen 17 und 50 Jahren alt.
+ + + Es scheint sich eine neue Flüchtlingsroute in den Westen aufzutun. + + +

Kindergartenbau
aus ObservatorDeTimiș.ro, Timișoara, 20.08.2020
Der Baukörper des für 120 Kinder gedachten Kindergartens im Primăverii-Viertel wurde vom Staatlichen Bauinspektorat (Inspectoratul de Stat în Construcții) abgenommen. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Kindergarten fertig ist. Laut dem Online-Portal fehlen noch: „die Inneneinrichtung, die Anschlüsse für Gas, Wasser, Telefon und Kanal sowie ein Hof mit Spielplatz.“
+ + + Uff! Und das verkauft der Bürgermeister von Giarmata als „zeitlich und qualitativ“ realisiertes Projekt. Was man durch die Brille eines Wahlkämpfers – am 27. Mai sind Kommunalwahlen in Rumänien – nicht alles sehen kann. + + +

Gemeinderatssitzung
aus PrimăriaGiarmata.ro,  Giarmata / Jahrmarkt 26.08.2020
Für den 31. August, 16:00 Uhr hat Bürgermeister Virgil Bunescu eine Online-Gemeinderatssitzung einberufen. Acht Punkte stehen auf der Tagesordnung. Bei Punkt 1.) heißt es „Beschlussvorlage zur Kenntnissnahme der vom Präfekten des Kreises Timiș veranlassten Amtsenthebung mit dem Aktenzeichen Nr. 470/18.08.2020 für den Gemeinderat Herrn Gligor-Lucian Elon. Die anderen Tagesordnungsthemen sind Grundstücks- und Bugetangelegenheiten.
+ + + Der gut Mann hot in die Kerch gephiff. Er is uf der PNL-List in de Gemeinderat bei de letzte Wahle ingezoo un kandideert jetz als Unabhängicher forr de neie Gemeinderat. Jetz hun die Nationalliberale ehm die Unnerstitzung entzoo un gsaat, er kann ka PNL-Gemeinderat meh in Giarmata sein. Des is halt Politik – owwe wie unne. + + +

Drei neue Fälle in Giarmata
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 30.08.2020
In den letzten 24 Stunden wurden im Kreis Timiș 383 Menschen auf Corona getestet. 32 der Teste waren positiv, drei der Betroffenen kommen aus Giarmata.

The Show Mast Go On
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt 31.08.2020
Gemeinderatssitzung in Giarmata. Zum Schluss geraten sich der Sitzungsleiter und ehemalige Bürgermeister Ion Delvai (PNL) und der jetzige Bürgermeister Virgil Bunescu (PSD) in die Haare. Ein Genuss! Wer das sehen will, kann hier klicken. Die letzten Minuten der Sitzung haben einen hohen Unterhaltungswert! https://www.facebook.com/826621574375152/videos/vb.826621574375152/1188293414880349/?type=3&theater
+ + + Nicht vergessen: In Giarmata läuft der Wahlkampf. + + +

Kanal, Kanal, Kanal
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; August 2020 
Die ganze Seite ist dem Kanalisationsprojekt von Aquatim gewidmet. Seit 2016 läuft das Projekt in der Theorie – die Praxis lässt noch auf sich warten. Der Bürgermeister bleibt optimistisch und glaubt, dass zum Jahresende 2022 „28 Gassen“ der Gemeinde ein repariertes bzw. neues Kanal- und Wasserleitungsnetz mit einem Anschluss an das Temeswarer Ver- und Entsorgungsnetz haben werden.
+ + + Așa să fie! Awwer ich werr de Eindruck net loss, dass die Kolonisation in Johrmark reiwungsloser abgelaaf is wie jetz die Kanalisation in Giarmata. + + +

Montag, 24. August 2020

Ich muss protesteere

- Stichlerei im Johrmarker Dialekt - 

Do unlängst hot mer jemmand e Artikel aus‘m DONAUSCHWABEN KALENDER vum Johr 1987 gschickt. Was soll ich eich soon, Leit? Mer stehn jetz noch die Haare zu Berge, wie merr des uf Herrisch saat. Der Mann, wu dee Artikel gschrieb hot, haaßt Hans Walter. Un er schreibt in dem Text iwer die Sacklasser Millich. So weit, so gut. Des därf er aah. Awwer dabei uns Johrmarker oons auswische, des geht wirklich net. Do muss ich energisch protesteere.

Fange mer mol mi‘m Onfang on. Do schreibt de Vedder Hans: „Ich will mit diesen Zeilen keineswegs die eine oder andere Gemeinde des Banats herabwürdigen oder gar ihre Tüchtigkeit schmälern, denn fleißig und arbeitsam waren wir ja alle.“ Des klingt fast so, wie wann der Mann mi‘me schlechte Gewisse an sei Arwet gang is. Un dazu muss ich glei soon, dass des so mit dem „fleißig und arbeitsam“ net ganz stimmt. Weil die ganz Welt waaß doch heit, dass die Fleißichste die Johrmarker ware. Ohne die Johrmarker Maure un Zimmerleit meechts Temeswar heit gar net gewwe. So, des hädde mer jetz schun mol geklärt. Un an dem gebt‘s nicks zu rüttle.

Awwer schaue mer uns dee Text mol weider on. De Autor zählt e paar Därfer mit ehre Stärken uf un kummt aah zu de Johrmarker. Un des geht iwer die Kulturschien: „Neben einigen kleinen Musikantengruppen hatte Sacklas die größte und beste Knabenkapelle des Banats und der weiteren Umgebung. Der Kapellmeister war Martin Loris, ein gebürtiger Johrmarker, der aber nach Sacklas kam, weil er mit Johrmarkern musikalisch nicht viel anfangen konnte.“ Asso des geht jetz entschieden zu weit. Ja saa mol! Waaß der Mann net, dass die beste Musikante uf der Welt schun immer aus Johrmark kumm sin. Un de Lorise Vedder Martin hun sich die Sacklasser nor angascheert, dass se wennichstens e bissje vun dem weltweit berühmte Johrmarker Kulturgut mitkrien. So schaut‘s aus - un net annerscht.

Wer awwer moont, dass es mit dem geton is, der irrt sich gewaltich. Jetz geht‘s eerscht richtich loss. Un zwar mit der Millich. Jo, mit der Millich. Des is eigentlich em Waltersch Vedder Hans sei Hauptthema. Wegen dem hot er dee Artikel mi‘m Titel Die gute Sacklaser Milch un mi‘m Unnertitel Unbestrittene Halbwahrheiten ironisch dargestellt iwerhaupt gschrieb. Un er verzählt, dass die Johrmarker un Freidärfer Kieh fast so gudi Millich gewwe hun, wie de Sacklasser Baure ehri. Awwer norr fast. Weil „die Milchwirtschaft der Glanzpunkt des gesamten Lebens in Sacklas war. Auf diesem Sektor hatten wir viele Neider, die wir aber mit der Zeit allmählich zurückdrängen und sie sogar ausschalten konnten.“ Do sin ich awwer wirklich neigeerich wor. Es gebt angeblich sogar e Lied in Sacklass, des wu so ongeht: ,,Sacklas, Freidorf, Gyarmata, die han gudi Milch, eija!" Känne se jo hun!

Bei dem, was awwer in dem Artikel weider gschrieb steht, is mei Geduld am Enn. Do verstehn ich ka Spass meh, un aah es klennste Stick „Ironie“ is verraucht. Awwer lest am beste selwer, was de Waltersch Vedder Hans gschrieb hot: „Die Hauptstadt des Banats, Temeschburg, hätte ohne die Sacklaser Milch niemals diese große Bedeutung erlangt, die sie Ende des 19. Jahrhunderts und besonders im 20. Jahrhundert erreicht hatte. Tatsache ist, daß Fleiß, Ausdauer, Eifer und Genialität der Sacklaser zunächst von den Freidorfern und dann umsomehr von den Johrmarkem mit Argwohn betrachtet wurden. Wir ließen uns aber nicht einschüchtern, selbst dann nicht, als wir uns vor dem Tribunalgericht in Temeschburg wegen angeblicher ‚Panscherei‘ oder gar ,Milchwäsche' (wie gehässig doch neidische Menschen sein können und den Verstand verlieren!) zu verantworten hatten.“

Was war passeert? „lm Lauf der Zeit, als die Sacklaser die Güte ihrer Milch auf ein kaum erreichbares hohes Niveau bringen konnten, bekamen mehrere Kinder der Landeshauptstadt, die die Sacklaser Milch tranken, Durchfall (Diarrhäe). Davon erfuhren natürlich auch die Freidorfer und Johrmarker und verklagten uns beim Staatlichen Gesundheitsamt in Temeschburg.“ Des schreibt de Waltersch Vedder Hans in seim diffameerende Artikel. Angeblich hun „Bukarester Spezialisten“, heit redd merr vun Sachverstänniche, vor Gericht nohgewies, dass die Sacklasser Millich zu fettich is. Es Enn vum Lied war, dass, wie de Artikelschreiwer festhalt, „durch die Milchentfettung die Buttererzeugung an Qualität gewann und weit über die Grenzen von Sacklas, ja sogar über die Grenzen des Banats hinaus bekannt und begehrt wurde.“ Na gut. Die Johrmarker un Freidärfer hun de Prozess gewunn un die Sacklasser hadde danoh de bessre Butter un sogar e „Milchgenossenschaft mit notwendigen und geeigneten Maschinen“, weil die hot de Gemeinderat dorchgsetzt, um die Vorgaben vum Staatliche Gsundheitsamt zu erfille.

So, jetz kännt merr sich frooe, wer eigentlich de Nutznießer vun dem Rechtsstreit um die besser Millich war. Ich hun mich awwer etwas ganz annres gfroot. Forrwas hun die Johrmarker un Freidärfer vor Gericht klaae selle? Ehre Kinn hadde doch gar ka Dorchfall ghat. Des Ganze kummt mer e bissje komisch vor. Die Spezialiste aus der Hauptstadt hun nämlich schriftlich festghall: „Die Sacklaser Milch enthält zu viel Fett; den Beziehern der Sacklaser Milch wird ein Schreiben zugeschickt aus dem zu ersehen ist, um wie viel Prozent die Milch vor dem Verbrauch für Kleinkinder unter zehn Jahren entfettet werden muß, damit im Darmtrakt der Kleinkinder keine Störung mehr aufkommen kann." Aus der Information kann ich mer e ganz annre Reim mache: Weil die Sacklasser Millich zu fettich war, hun die Kinn vun de Herrische zu vill gschast. Un so e Kinnerforz kann schun ganz scheen stinke. „Pups“, saat mei klooner Vincent immer, wann‘s in seim Umfeld luftmäßich ungemietlich werd. So e Lerchelschas, wie die Österreicher iwwer e harmlose, awwer geruchsintensive Darmwind soon, kännt schun e herrischi Motter uf die Barrikaden bringe. Wann do dazu aah noch e klooni Scheißerei kummt, noo kännt des noch ehnder a Grund forr e Anklage geger de Sacklasser ehre Millich sein, awwer net de Freidärfer un Johrmarker ehre Neid uf die Konkurrenz.

Johrmarker Kieh kumme
vun der Hutwadd.
(1970)
Schließlich un endlich sin mer Banader Schwowe jo aah Altösterreicher, un do därfe mer schun ab un zu uf‘s Zentrum, asso uf Wien schaue. In der KRONENZEITUNG war zu dem geruchsintensive Thema am 26. Juni 2020 zu lese (unner annrem): „Für jeden Schas zahlt man die Strafe – der 500 Euro teure Darmwind von Mitja M. aus Wien ging um die Welt! Wie berichtet, hatte der 22-Jährige vor der Polizei ‚einen fahren lassen‘. [...] Für den jungen Mann war einfach der Bohnensterz der Oma Schuld.“ Asso, ich denk schun, dass die Sacklaser Millich es mi‘me Wiener Bohnesterz – geruchsmäßich, moon ich – ufholle kann. So gsiehn, sellt merr die Ankläger vun de Sacklaser Millichbaure doch liewer in Temeswar un net in Freidorf odder Johrmark suche. 

Wie aah immer. Es is net gut, wann merr sich mit de Johrmarker onleet. De Waltersch Vedder Hans muss nämlich wisse, dass es in Johrmark meh Musikante gewwe hot wie in Sacklas Millichkieh. Un die sin heit all in Deitschland – die Musikante, net die Kieh. Drum wär vleicht besser, er meecht sich in der nächst Zeit net ufm Johrmarker Heimatortstreffe siehn losse, weil es is jo weltweit bekannt, dass die Johrmarker Musikante net norr hart blose, sondern, wann‘s druf onkummt, aah hart zuschloon känne.

[Uf der Schanz, 2020]
Berns Toni

Montag, 17. August 2020

Kein schöner Film

Nein, das ist kein schöner Film. Und trotzdem bereue ich es nicht, bis zu seinem Ende aufgeblieben zu sein: 0:45 Uhr, in der Nacht vom Donnerstag, 16. Juli 2020, auf den Freitag.Glück ist was für Weicheier, Komödie (D 2018), mit E. Frey, Martin Wuttke, Emilia Bernsdorf.“ So stand es im ZDF-Programm. Und ich hätte mir bestimmt nicht die Nacht um die Ohren gehauen, wenn meine Frau im Laufe des Tages nicht zufällig auf den Namen der Regisseurin gestoßen wäre: Anca Miruna Lăzărescu – geschrieben in deutschen Medien wie so oft ohne diakritische Zeichen. Das hat mich neugierig gemacht - den Film leider nicht schöner. Aber ich habe durchgehalten bis zum bitteren Ende. Und das hatte nur einen Grund: Der Streifen ist gut, verdammt gut.

Das wiederum hat bei mir schon während des Filmablaufs und erst recht an den Tagen danach die Frage aufgeworfen: Was an diesem Film macht ihn zu einer Komödie? Nichts! Das ist keine Komödie, sondern ein todernster Film über Leben und Tod, ja, wesentlich mehr über den Tod als über das Leben. Wer kann sich schon ausmalen, was es heißt, als alleinstehender Vater mit zwei pubertierenden Mädchen, von denen eines Tag für Tag einem unabwendbaren Tod durch eine schweren Krankheit entgegen schlittert, zurechtzukommen? Dieser Film gibt Aufschluss darüber. Die Regisseurin hat hier zusammen mit der Drehbuchautorin Silvia Wolkan nicht das große Drama, das Sich-an-den-Haaren-Reißen (nur ganz wenige Szenen gehen in diese Richtung) auf die Leinwand gebannt, sondern den stillen, unausweichlichen Weg des Schicksals erzählt - in oft sehr ergreifenden Bildern ohne übertriebenen Pathos, und ohne sich in Klischees zu verirren.

Besonders die kleinere der zwei Schwestern, Jessica, mit Charme und - trotz aller Rückschläge in den ersten Liebeswünschen - stets spitzbübischem Lächeln unterwegs, wird überzeugend von Ella Frey gespielt. Auch die anderen zwei Akteure der Familie Gabriel werden glaubwürdig dargestellt. Während Sabrina, obwohl sich alles um ihren Tod dreht, eine Art Gleichgewicht zwischen einer Haupt- und gleichzeitigen Nebenrolle herstellt (verkörpert von Emilia Bernsdorf), hat Martin Wuttke es mit seiner Vaterrolle wesentlich schwerer. Verzweiflung so zu spielen, dass sie nicht ins Larmoyante abdriftet, hat etwas mit Schauspielkunst zu tun. Hier kommt diese Kunst hervorragend zum Tragen.

Anca Miruna Lăzărescu gehört zur jungen Staffel der deutschen Filmregisseurinnen und -regisseure. Sie wurde 1979 in Temeswar / Rumänien geboren und lebt seit 1990 in Deutschland. Ihre Filmstudien absolvierte sie in München an der Hochschule für Fernsehen und Film und in Los Angeles an der University of California. Sie debütierte 2004 und hat seither 11 Spiel und Dokumentarfilme gedreht. 2019 wurde ihr für den Zweiteiler Hackerville der Grimmepreis verliehen.

Für Glück ist was für Weicheier hat Anca Miruna Lăzărescu nicht nur gute Kritiken bekommen. Es ist nun mal kein schöner Film. Ach ja: Da gibt es auch noch diesen kurzen Auftritt der Regisseurin höchst persönlich in dem Film, nämlich als Ärztin mit einem südosteuropäischen, sagen wir mal, rumänischen Akzent. Sympathisch!

Anton Potche