Montag, 23. März 2020

Eine unbekannte lokale Epidemie


Die Pandemie hat uns voll im Griff. Das Coronavirus SARS-CoV-2 wütet weltweit und droht alle Lebensbereiche zu infizieren, nicht nur menschliche Lungen. Und das in einer Zeit, in der die Medizin und die ihr zuarbeitenden Wissenschaften auf einem sehr fortgeschrittenen Niveau sind. Unser täglicher Informationsbedarf wird weniger von Nachrichtensprechern als mehr von Virologen befriedigt. Das führt dazu, dass wir zumindest verstehen können, was hier mit uns passiert. Wie muss eine solche Katastrophe aber auf Menschen gewirkt haben, die in einer Zeit lebten, als Medizin noch in den Kinderschuhen stak und keine Wissenschaftler Verhaltensanweisungen zum Eindämmen der grassierenden Seuche über das Fernsehen und andere Medien geben konnten?

Es gibt viele alte Schriften und auch schöngeistige Literatur – in Frankreich soll die Nachfrage nach Albert Camus Roman Die Pest hochgeschnellt sein –, die Einblicke in Seuchensituationen gewähren. Ich habe im Sinne dieser Gedanken nach einem Büchlein aus dem Jahre 1913 gegriffen. Der banatschwäbische Pfarrer Franz Demele schildert in der Ortsmonographie Temesgyarmat – Ein Beitrag zur Geschichte der Entstehung und Entwicklung dieser Gemeinde und Pfarre den Ausbruch einer Epidemie im Dorf, deren wissenschaftliche Erklärung bis heute auf unsicheren Füßen steht - virologisch, mikrobiologisch, epidemiologisch. Das Dorf Temesgyarmat (oder einfach Gyarmath) liegt im rumänischen Banat, unweit von Temeswar, und war bis zur Auswanderung der Deutschen aus Rumänien (in der Zeitspanne 1975 bis 1995) unter dem Namen Jahrmarkt bekannt. Heute findet man die Ortschaft als Giarmata auf der Landkarte. Das Dorf hat eine spannende und gleichsam dramatische Ansiedlungsgeschichte mit deutschen Siedlern. Die folgende Abschrift aus Demeles Büchlein behandelt einen Aspekt jener Zeit.

In den Sommermonaten des Jahres 1769 war ein großer Transport der Ansiedler in Gyarmath eingezogen. Deren größter Teil waren Luxemburger. Dieses kleine Herzogtum allein hatte an 100 Familien an Gyarmath abgegeben. Selbstverständlich waren es überwiegend Menschen im blühendsten Alter, zumeist junge, kräftige Leute mit 20 – 30 Jahren. […] Schon im Herbst und Winter aber kamen einzelne Erkrankungen vor: Darmkatarrhe, Diarrhöen, manchmal bis zur Ruhr gesteigert. Man betrachtete dies jedoch nicht als etwas Auffälliges. […] Das dauerte so still und unauffällig den ganzen Winter und auch den Frühling 1770 hindurch fort. […]
Pfarrer Josef Wohlfahrt, welcher im Juli 1769 von Schöndorf an Stelle des hier verstorbenen Pfarrers Grimer nach Gyarmath kommt und mit den Ansiedlern viel Mühe und Plage hatte, geht 1770 zu Beginn der Sommerarbeit, wo es im Dorfe still zu sein pflegt, zum Besuche seiner greisen Eltern und der Franziskaner-Kaplan Ignaz Hubert bleibt allein. Seine Arbeit wird immer mehr und massenhafter. Er wird täglich öfter, häufig zur Nachtzeit, zu Kranken gerufen, es sind jeden Tag 3 – 4 Begräbnisse. Er gewahrt in jedem Hause dieselben Krankheitserscheinungen. Die Kranken klagen allgemein, sie hätten das „ungarische Fieber“. Sie fühlen sich matt, Hände und Füße sind schwer, das Gemüt ist krank, sie sind gleichgültig und teilnahmslos gegen alles, bald fangen sie an in Fieberhitze zu glühen, verlieren die Besinnung, stumpf und bewußtlos, nur nach Wasser schmachtend, liegen sie auf ihren ärmlichen Lagern und siechen dem Tode entgegen. Und wo in den unvollendeten Häusern auch mehrere Familien zusammengepfercht, gestern nur ein Kranker lag, dort ächzen heute schon 3 – 4 Familienangehörige, morgen liegt schon das ganze Haus voll unbehilflicher und nach Wasser stöhnenden Menschen. Nur die Säuglinge und Greise scheint das Übel zu meiden. Jene aber reibt der Mangel an Pflege auf, diese brechen unter der Krankenpflege der Hausleute zusammen. Kaplan Hubert verständigt die Behörden und ruft in einem Eilbrief den Pfarrer nach Hause. Dieser findet die Gemeinde in ganz anderem Zustande, als er sie verlassen. Die ganze Gemeinde hindurch, fast Haus für Haus Kranke, als ob da ein großes Spital wäre! „Das Grab der Deutschen“, das Banat mit seinem giftigen Klima räumt schrecklich auf unter den durch Strapazen geschwächten und entkräfteten Ansiedlern, es sind Mitte Juli 1770 alltäglich 5 – 6 Begräbnisse, im August steigt ihre Zahl auf 6 – 8 täglich und im September erreichen dieselben den Höhepunkt: es sind jeden Tag 10 – 13 Begräbnisse! Überall Kranke und Stöhnende, niemand zur Pflege, Pfarrer und Kaplan sind unablässig auf den Füßen, doch was vermögen sie und die hierher gesandten Militärärzte? Sie können unter den gegebenen Verhältnissen dem Übel, einem typhösen Fieber, nicht steuern, von den kaum errichteten neuen Holzhäusern wird eines nach dem anderen wieder leer und verlassen! Am ärgsten herrscht das Übel unter den Luxemburgern, diese große Menge stirbt allmählich fast gänzlich aus. […] Verzweifelt schreibt Pfarrer Wohlfahrt auf das Vorblatt des damaligen Sterbeprotokolles die Worte: „Im Juli 1770 ist unter den neueingewanderten Ansiedlern das große Sterben ausgebrochen. Der Friedhof ist voll. Was soll aus der Gemeinde werden!?“ Ja, der Friedhof um den alten Kirchplatz war voll geworden. Er war bisher gewohnt, jährlich 10 – 15 Menschenkindern Raum zu geben und jetzt brachte man jeden einzelnen Tag soviel dahin. Er mußte sich füllen und man war gezwungen, weiter Flächen in der heutigen Altgasse gegen die heutige Schule und die gegenwärtige Doktorswohnung hin, dazuzunehmen und auch diese füllten sich bald. Im November endlich beginnt die Epidemie etwas gelinder zu werden, doch dauert die Sterblichkeit auch noch kommendes Jahr weiter: von Mitte des Jahres 1770 bis zur Mitte des Jahres 1771 wurden in Gyarmath 555 Menschen beerdigt und wie viele siechten noch später an den Nachfolgen der Krankheit dahin, ohne sich je mehr erholen zu können! Die Seelenzahl der Gemeinde, welche durch den Zufluß von Auswanderern schon damals über 2500 hätte, sank bald wieder auf 1500 hinab und konnte erst im Jahre 1805 das zweite Tausend überschreiten.“

Die Variante des „ungarischen Fiebers“ wurde auch von Autoren nachfolgender lokalgeschichtlicher Werke übernommen. Dass man unter den Siedlern vom „ungarischen Fieber“, heute auch als „ungarische Krankheit“ oder wissenschaftlich als „morbus hungaricus“ bezeichnet, sprach, ist dahingehend nachvollziehbar, als dass diese Krankheit schon seit 1566 auch im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bekannt war. Damals brach eine bis dahin unbekannte Seuche in einem Militärlager bei Komorn in der von Sümpfen durchzogenen nordungarischen Tiefebene aus. Schon zu Zeiten Maximilians II. war der Spruch Ungerland ist der Teutschen Kirchhof“ bekannt.

Ich bin mir sicher, Prof. Christian Drosten würde mit seinem Team auch heute noch anhand geschichtlicher Berichte herausfinden (natürlich mit den entsprechenden Korrekturfaktoren), an welcher Krankheit meine Vorfahren in Jahrmarkt vor 250 Jahren gestorben sind. (War es vielleicht doch nur Typhus oder etwas ganz anderes?) Aber dazu wird er zurzeit leider keine Zeit haben. Denn seine Kraft benötigt er, wie viele seiner Kollegen auch, nicht nur zur Forschung und Aufklärung, sondern auch zum Einbremsen der jeder Vernunft abholden Coronapartyfans. Wenn es überhaupt irgendetwas Beruhigendes an der jetzigen Situation gibt, dann ist es das Vertrauen unserer Politiker in die Wissenschaft. Wir wissen ja, dass es auch anders laufen kann. Siehe China, Amerika, Iran und wahrscheinlich bald Russland. Als einer, der fast die Hälfte seines Lebens in einem totalitären Staat gelebt hat, weiß ich natürlich sehr wohl, zu was Verharmlosung & Vertuschung & Verfälschung führen kann.

Anton Potche

Mittwoch, 18. März 2020

Suche nach der Moral


Walter Scott: Ivanhoe; Verlag Rütten & Loening, Berlin (DDR), 1972 (dritte Auflage); Bestell-Nr. 6179085; 630 Seiten (aus dem Englischen übersetzt von Christine Hoeppener mit einem Nachwort von Klaus Udo Szandra und mit Anmerkungen); (im Internet gibt es viele Angebote)

Wie sich die Zeiten ändern. Um 1800 galt die Prosaliteratur noch als zweitklassig, ja sogar als unseriös – zumindest im englischen Sprachraum. Die Poesie galt als Ausdruck gehobener Kultur. Wenn heute ein Dichter – ich meine einen eingleisig fahrenden Lyriker – für seine Werke einen bekannten Literaturpreis bekommt, ist das fast schon eine Sensation. Die Prosa ist das dominierende Genre.

Auf der Insel begann die Prosa ihren Siegeszug im 19. Jahrhundert. Einer, der ihr zum Durchbruch verhalf, war Walter Scott (1771 – 1832). Seine historischen Romane fanden und finden bis heute ein breites Publikum nicht nur unter den Lesern, sondern auch unter den Filmliebhabern. Einige sehen in Walter Scott sogar den Begründer dieser Literaturgattung in der englischen Sprache. Der Schotte schrieb bis zu seinem 56. Lebensjahr, also fast sein ganzes Leben lang, unter Pseudonym.

Auch Ivenhoe, sein bekanntester Roman, stammt aus der Feder des The Wizard of the North, in dem schon damals viele Kenner der Szene Walter Scott vermuteten. Die Handlung dieses umfassenden Romans ist im 12. Jahrhundert in England angesiedelt. Damit verließ Scott zum ersten Mal thematisch seine nähere Heimat Schottland – abgesehen von seinen Übersetzungen aus dem Deutschen (Gottfried August Bürger, Johann Wolfgang Goethe u. a.) - und begab sich in die Geschichte Englands.

Ivenhoe ist 1819 in Edinburgh erschienen. Bei Wikipedia fand ich 17 Übersetzungen ins Deutsche. Die erste stammt von Karl Ludwig Methusalem Müller und ist bereits 1821 in Leipzig erschienen. Für die letzte zeichnet Sonja Ehrnstorfer. Sie wurde 1993 in Wien aufgelegt. Die Ausgabe, die ich jetzt gelesen habe, ist eine Übersetzung von Christine Hoeppener, erschienen in der bekannten DDR-Reihe BDW (Bibliothek der Weltliteratur) als dritte Auflage im Verlag Rütten & Loening, Berlin 1972, erste Auflage 1968. (In der oben erwähnten Wikipedia-Liste gibt es auch eine Hoeppener-Übersetzung aus dem Jahre 1957.) Mein Exemplar trägt auf der letzten Seite den Stempel Anticariat Timișoara, Lei 30. Der Stoff wurde öfter verfilmt, 1952 mit drei Oscar-Nominierungen, und diente auch als Vorlage für zwei Fernsehserien, 1958 mit Roger Moore in der Titelrolle.

Ich hatte mir dieses Mal Kleingedrucktes im wahrsten Sinne des Wortes vorgenommen. Und es hat sich gelohnt, auch wenn ich manchmal zu später Abend- oder früher Nachtstunde zur Leselupe greifen musste. Unter der Lupe tauchte eine zeitlich und damals auch geografisch ferne Welt auf, die von ritterlichen Tugenden, aber auch von grenzenlosem Machtmissbrauch im dunklen Mittelalter geprägt war. Die Normannen beherrschten England. Die Angelsachsen hatten im eigenen Land nichts zu sagen. Walter Scott schickt dann auch nicht die Repräsentanten des angelsächsischen Adels in den Kampf um die eigene Würde und Freiheit der Heimat wie etwa Cedric von Rotherwood, sondern lässt vordergründig „Gurth, Sohn Beonwulphs , […] durch Geburt Leibeigener Cedrics von Rotherwood“ und seinen Kumpel „Wamba, Sohn des Wittless, […] Leibeigener Cedrics von Rotherwood“ handeln, mit viel Bauernschläue, wie das einem Vertreter des Volkes auch gut zu Gesicht steht.

Die große Politik ist trotz ausgiebiger Schilderung eines Ritterturniers gar nicht vorhanden. Sie steckt zwar aus heutiger Sicht den geschichtlichen Rahmen ab, ihre Protagonisten verbergen sich aber hinter ihren Rüstungen und streifen zum Teil sogar als heimgekehrte Kreuzfahrer inkognito durch die Wälder Englands, um so die romantaugliche Symbiose zwischen fremdbestimmter Herrscherklasse und Freibeutern entstehen zu lassen.

Dass dann ein Wilfred von Ivenhoe, verstoßener Sohn Cedrics, und der Yeomen (das ist ein Gemeinfreier unterhalb des Ritterstandes) Locksley gemeinsame Sache machen, ist der angelsächsischen Volkszugehörigkeit zu verdanken, wenn dann aber noch ein Schwarzer Ritter, der bis spät in der Handlung des Romans unerkannt bleibt, in das Geschehen eingreift, dann wird die Komplexität des von Scott geschaffenen Historieneposʼ greifbar. Denn man muss wissen, dass die herrschenden Normannen sich keineswegs grün untereinander waren. Englands König Richard I., auch Richard Löwenherz, Richard Plantagenet oder Richard von England genannt, befand sich auf Kreuzzugsmission im Orient (oder auf dem Heimweg von dort) und sein Bruder Johann intrigierte eifrig in den heimischen Gefilden gegen seinen abwesenden Bruder. Damit wäre dann auch der politische Rahmen gesteckt und die Handlungsebenen klarer erkennbar: Normannen gegen Normannen (Richard gegen Johann) und Angelsachsen gegen Normannen.

In dieser Gemengelage ziehen die Einzelschicksale ihre unsichtbaren Fäden, bis ein knisterndes Geflecht aus Liebesbeziehungen (erfüllten und unerfüllten), Burgbelagerungen, ja sogar aus einer Auferstehung vom (vermeintlichen) Tode und vielem mehr entsteht. In diesem Geflecht spielt der Jude Isaac von York mit seinem Reichtum und seiner heilkundigen und bezaubernden Tochter Rebecca eine gewichtige Rolle. Vor allem wirft Walter Scott anhand dieser zwei Personen ein grelles Licht auf den immerwährenden Judenhass seit Anbeginn der Geschichte. Während die Antipathien zwischen den gegnerischen Lagern entlang klarer Linien verlaufen, verschmilzt deren Parallelität zu einem einzigen Pfeil. Und der fliegt immer, ganz gleich von welcher Sehne kommend, auf den bemitleidenswerten Isaac. Ich habe mir das eine und andere Mal beim Lesen gesagt, das könnte auch von einem Nazipropagandisten geschrieben sein.

Das führt wiederum dazu, dass man als empathisch beteiligter Leser Partei ergreift und sich (wie ich) schnell wünscht, mögen dieses jüdische Mädchen und der abendländische Prinz doch zusammenfinden. Rebecca und Ivenhoe? Wer den Roman bis zur letzten Seite liest, wird es erfahren. Und er wird noch die eine und andere Begegnung mit Personen aus der englischen Sagenwelt haben, denn es heißt im vierzigsten Kapitel öfter Mal, ich bin der und der.

Wenn sich dann alle Visiere gehoben haben und die Identitäten (real oder fiktional) geklärt sind, wechselt Walter Scott plötzlich den Ton. Der Romacier scheint dem Historiker zumindest für das letzte Kapitel, dem vierundvierzigsten, den Vortritt gewährt zu haben: „Doch erst unter der Regierung Eduards III. wurde die gemischte Sprache, die man jetzt die englische nannte, am Hofe von London gesprochen, und damit schienen nun alle feindseligen Unterschiede zwischen Normannen und Angelsachsen verschwunden zu sein.

Hoffentlich tauchen sie nach dem Brexit nicht wieder auf. Jedes Kapitel dieses Buches steht unter einem Motto. Das letzte lautet: „So! Hier endet es gleich einem Ammenmärchen.“ (John Webster , um 1579 bis 1634). Natürlich ist mir klar, dass nach dem letzten Satz, der ein Gedicht ist, die Fiktion beendet ist: „Sein Schicksal endete an fremdem Strand, / Vor winzʼger Festung – durch geringe Hand! / Ein Name blieb, vor dem erblaßtʼ die Welt, / Moral zu weisen durch der Sage Held.“

Es ist auf jeden Fall lohnend, nach der Moral der Heldensage Ivenhoe zu suchen. Wer das tut, verschwendet keine Zeit.

Anton Potche

Freitag, 13. März 2020

klawrjastrump


- stichlerei im johrmarker dialekt -

trump trump klawrjastrump
de coronavirus is jetz kumm
gschwomm is’r iwer’s meer
vun driwe vun europa her

die europäer hun ʼne gschickt
breche soll er uns es gnick
do kenn ich awwer nicks
un schick ʼne eich wedder zrick

uf der schanz, 2020
berns toni

Montag, 9. März 2020

Na sollʼs doch wähle, wenne dass es will


Ich soon immer, die Kommunalwahle sin die ehrlichste, weil do wisse die Leit am beste, wenne dass se wähle. Politisch intresseerte Mensche verfolliche meistens schun im Vorfeld, was sich in de Parteie so alles tot: Wer stellt wenne uf un vor allem wu werd der odder die uf der List platzeert? Hun die Leit, die wu merr kennt, odder forr die wu merr sich, forrwas aah immer, intresseert, iwerhaupt e Chance odder sin se norr Platzhaltre uf de Parteie ehre Liste? Es gebt awwer aah Ortschafte, do hun die Parteie, bsonders die klennre, jo Sorje, dass se ehre Wahlliste iwerhaupt vollkrien.

Mer geht’s so, dass ich vor Wahle die Zeidunge bsonders genau noh bekannte Nome, odder noh Abstammunge (merr bleibt halt e Mensch mit’re gspaltner Biografie) absucht. Bei uns in Ingolstadt erscheine de DONAUKURIER un noch a paar Wochenblädder, die wu merr als politisch Neigeericher dorchschaue kann. Ich hun des wie immer, seit ich do wohn, aah desmolrum vor de Kommunalwahle am 15. März gemach un sin dabei sowohl uf bekannte Nome wie aah uf Erwähnunge vun mer aus meiner eerscht Biografiehälft bekannte Gegende gstoß. Owedruf gebt’s noch Wahlflugblädder, die wu merr im Postkaste find odder in der Fußgängerzone vun weltfremde Mensche in die Hand gedrickt kriet. Es gebt aah politische Gruppe, die wu es eerschte Mol versuche, in e kommunales Parlament zu kumme. Die sin noo meistens schun vill frieher im Wahlkampfmodus wie die etableerte Parteie. In Ingolstadt hun drei Gruppe schun in der Advenzszeit ongfang, die Bürger druf hinzuweise, dass se eigentlich e gewissi Zahl vun Unnerschrifte breiche, um iwerhaupt forr de Stadtrat kandideere zu därfe. In oone vun dee Gruppe hun ich aah Hinweise uf mei rumäniendeitschi Vergangenheit funn.
Hans Günter Huniar
Foto: Schneider  // FotoQuelle: DONAUKURIER

Awwer scheen noh de Reih. Bevor ich mi’m eerschte Nome onfang, meecht ich noch druf hinweise, dass ich mich net norr uf mei Heimatstadt Ingolstdt bezieh, sondern aah uf die Landkreise rund um Ingolstadt. Des funktioneert schun darum problemlos, weil de DONAUKURIER jo wie vill regionale Tageszeidunge in Deitschland aah aus der Umgebung bericht. Un mit der Umgebung will ich onfange, un zwar mi’me altgediente Kommunalpolitiker, dem sei Vatter johrelang e wichtichi Person in der Landsmannschaft der Banater Schwaben war. Ich ziteer einfach mol aus’m DONAUKURIER vum 25. April 2019: Ein großer Name verabschiedet sich auch bei den Freien Wählern von der politischen Bühne: Hans Günter Huniar, 1984 bis 2002 Oberbürgermeister der Kreisstadt Neuburg und seit 1990 im Kreistag, will >definitiv nicht mehr<. 30 Jahre sind aus seiner Sicht genug. >Jetzt sollen jüngere Leute ran<, sagt der 69-Jährige und betont: >Das funktioniert nur, wenn jemand wie ich auch Platz macht<.“ Do kännte sich manche Politiker, odder solche, die wuʼs noch odder wedder werre wolle, e Scheib abschneide. Wann ich mich net teisch, hot de Hans Günter Huniar aah noch e Amt in der Landsmannschaft vun de Banader Schwowe inne. Etwas vun Schiedsgericht odder so was ähnliches, hun ich mol geles. Is schun meeglich, weil der Mann is jo studeerter Jurist.

Stefan Groß
FotoQuelle: CSU Ingolstadt
So, jetz wisse mer, wer nemmi ontret, un kenne uns dee widme, die wu noch Lust uf Politik hun un, wie de Huniar saat, „jüngere Leute“ sin. Ich fang jetz mol mit zwaa Männer on, die zwar nemmi zu de Jingste gheere, awwer zu de Junggebliebne gerechent werre känne. (Sunst mächte se jo net bei ehrem Alter nomol politisch dorchstarte wolle. Ob de H. G. Huniar allerdings an die zwaa gedenkt hot, wie er vun „jüngere Leute“ geredd hot, waaß ich nateerlich net.) Do wär es eerscht Mol de Groß Stefan. Des is e Siebenbürger Sachs aus Großscheiern. Er is Ehrenvorsitzender vun der HOG Großscheuern/Ing. e.V., is Träger vum Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten un Vorstandsmitglied in der Union der Vertriebenen. Der Mann is 79 Johr alt, un die Ingolstädter CSU hot ne uf de 47. Platz vun ehrer Kandidatenlist forr de Stadtrat gsetzt.

Johann Metzger
FotoQuelle: CSU Ingolstadt
Net vill weider vorre steht uf der gleich List em Metzger Johann sei Nome (42). Dee kann merr aah noch zu de Junggebliebne rechne, obwohl er e gudes Stick jinger wie sei sächsischr Landsmann aus Rumänien is, nämlich eerscht 65 Johr alt. De Metzger Hans, wie sei Landsleit ne nenne, is de Vorsitzende der Banater Schwaben in Ingolstadt un de Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Ingolstadt, wie merr iʼme Wahlflyer lese kann.

Chantal Fiedler & Norbert Homner
FotoQuelle: JU Bayern/Ingolstadt
Awwer es gebt aah wirklich junge Leit, die wu mer ufgfall sin. So war im DONAUKURIER vum 18. Juli 2019 iʼme Artikel mit dem Titel Hier kommt die Konkurrenz – Die Junge Union will sich mit ihrer freien Stadtratsliste von anderen abgrenzen – Frauenanteil fast 50 Prozent zu lese: „Zudem wird mit Chantal Fiedler eine junge Repräsentantin der Banater Schwaben für uns kandidieren und damit neben Norbert Homner aus der Siebenbürgischen Gemeinschaft den Nachwuchs der Landsmannschaften vertreten.“ Die Junge Liste (JL) is ooni vun dee neie Gruppeerunge, die wu Abgeordnete in de Stadtrat wähle losse will. Un ehre Kandidatur (die notwenniche Stimme hun se zammkriet) is bestimmt net alltäglich, weil uf der List stehn norr Mitglieder vun der Jungen Union (JU), der Jugendorganisation vun der CSU, odder parteilose Kandidate. Soll des jetz Konkurrenz sein odder e kamufleerti Unnerstützung forr die CSU, die wu immerhin seit 1972 die Mehrheit im Stadtrat hot (loonich odder miʼme Koalitionspartner). Schau merr mol, wu des hinfeehrt. Uf jede Fall sin drei JU-ler uf der Kandidatelist, dee ehre Biografiee mer etwas soon: Chantal Fiedler (Platz 14), Norbert Homner (15) un Teresa Maltry (16). Die Kandidate werre aah ufʼme Flugblaad vum Bund der Vertriebenen vorgstellt.


Teresa Maltry
FotoQuelle: JU Bayern/ Ingolstadt
Teresa Maltry taucht uf dem Flyer vum BdV net uf, awwer Johrmarker, wu sich e bissje mit ehre Landsleit auskenne, wisse, dass die jung Fraa e Engelche vum Maltry Hans (1922 - 1998), ooner vun de eerschte Johrmarker in Ingolstadt iwerhaupt, is. In der Stadt an der Donau kennt de Nome Maltry nateerlich e jeder (odder fast e jeder). Do gebtʼs nämlich schun seit Johrzehnte e bekanntes Gschäft mit dem Nome Mode Maltry.


Nominierungsversammlung
CSU Lenting

Foto: Ludwig Berger
Ich waaß aah net, awwer ich kannʼs drehe wie ich will, irgendwie land ich immer bei de Johrmarker, de ehemaliche nateerlich, net de jetziche, die wu jo iwerhaupt gar ka Johrmarker sin, sondern Giarmataer. (In ehrer Sproch nenne se sich "germețeni".) Forr do die Gschicht muss ich awwer wedder in mei Archiv greife un e Zeidungsausschnitt vum 12. November 2019 rausholle. Do kann merr unner dem Titel 24-Jähriger führt CSU-Liste an – Ortsverband Lenting nominiert Kandidaten für die Gemeinderatswahl im März kommenden Jahres lese, dass ufʼm 5. Platz vun der CSU-List mit 16 Kandidate de Nome vunʼre Johrmarker Landsmännin uftaucht: Erna Linz, Bäckereifachverkäuferin. Do hun ich es eerscht mol uf des Bild unner dem Artikel gschaut, weil es kann sich jo aah um e Nomegleichheit handle. Awwer es stimmt, die blond Fraa vorre in der Reih is em Ferchs Hans un em Gertraud aus der Sicknischgass ehre Tochter, des wu de Mutsche Helmar gheirat hot, dee Musikant vum Loris. Un de Mutsch haaßt jo in wirklichkeit Linz. Des war halt in Johrmark so mit de Spitznome.
Erna Linz
FotoQuelle: CSU Lenting
De CSU Ortsverband Lenting stellt sei aus Johrmark stammendi Kandidatin im Internet so vor: „Listenplatz 5 – Erna Linz - Auch Erna Linz hat sich dafür entschieden, mit einer zweiten Kandidatur an die erfolgreiche erste Gemeinderatsperiode anzuschließen. Die 56-Jährige ist vielen Lentingerinnen und Lentingern wegen ihrer beruflichen Tätigkeit als Leiterin der Lentinger Filiale der Bäckerei Sipl bekannt. Als Mitglied im Kindergartenausschuss weiß Erna Linz bestens, dass mittel- bzw. langfristig der Neubau einer neuen großen Kindertagesstätte notwendig wird. Um jungen Familien ausreichend Betreuungsmöglichkeiten bieten zu können, wird sie sich daher in den nächsten Jahren für eine konsequente und sinnvolle Planung dieses Großvorhabens der Gemeinde einsetzen.“ Ich war do so richtich stolz, wie ich des geles hun, awwer gleichzeidich aah traurich, weil ich kannʼs Erna jo net wähle. Des känne norr die Lentinger. Ich kännt merr awwer aah vorstelle, dass es sei Sitz im Gemeinderat, de wuʼs jo schun seit der letzt Wahl (2014) hot, aah ohne mei drei Stimme verteidiche werd. Drei Stimme darum, weil merr bei der Kommunalwahl „panaschieren und kumulieren“, wie des hochdeitsch haaßt, kann. Uf johrmarkrisch gsaat, bedeit des, dass jeder Wähler so vill Stimme vergewwe kann, wivl Stadt- odder Gemeinderäte die betreffend Ortschaft hot: asso in Ingolstadt 50 un in Lenting 16. Un merr kann sogar Kandidate dorchstreiche. Wann merr sei Stimme net all an Einzelkandidate vergewwe will, no kann merr aah e Partei onkreize, awwer norr ooni. Ganz scheen vill Arwet forr die Wähler, meecht ich soon. 

Asso wann ich mer jetz die Wahlchance vun meine Favorite, die wu ich all do nomentlich genennt hun, so onschau, noo denk ich mer, dass norr es Linz Erna in Lenting sich wirklich Hoffnung mache kann. De Gemeinderat hot dort 16 Sitze un die CSU davun 8. Ganz annerscht schaut's in Ingolstadt aus. Dort gebtʼs 50 Stadträte. Die CSU hot 21. Do werre de Groß un de Metzger sich onstännich ins Zeich leje misse, wann se des Feld uf der CSU-Kandidatelist vun hinne ufrolle wolle.

Un die drei junge WählerInne uf der JL werre noh der Wahl warscheinlich um e Erfahrung reicher sein, un net meh, weil bei dee zwaa Forsa-Umfragen forr die Wahl in Ingolstadt (die gebtʼs wirklich) erscheine die kurascheerte Jung-Christ-Soziale norr unner Sonstige.

Mei bessri Hälft un ich hun uf jede Fall schun mol e Wahlschedinza abghall. Ich hun meiner Fraa gsaat, wie un wenne dass es onkreize soll. No hotʼs gsaat: „Hallo, mer sin nemmi in Rumänien. Do in Deitschland is Demokratie. Drum sin mer doch aah herkumm. Ich wähl schun, wenne das ich will.“ … Na, sollʼs doch wähle, wenne dass es will.

Berns Toni


Resultat I

Im DONAUKURIER hun ich heit Morjet geles: "Lentinger CSU bleibt stark - Der Lentinger Bürgermeister Christian Tauer (SPD) wurde bereits 2018 im Amt bestätigt. Entschieden wurde jedoch, mit welchem Gremium er künftig zusammenarbeitet: Die CSU ist mit 51,06 Prozent weiterhin die stärkste Fraktion. [...] Die 16 Gemeinderatssitze werden folgendermaßen verteilt: Die CSU behält ihre acht Mandate (Christian Conradt, Martin Putschögl, Wolfgang Hüttner, Werner Bremberger, Erna Linz, Anton Zeller, Anton Ortner, Petra Brandl), [...]."

Do kann ich norr soon: Herzliche Glückwunsch forr's zwatte Mandat im Lentinger Gemeinderat. (Es Erna hot mit 1.335 Stimme sogar e Platz uf der Kandidatelist vun der CSU gutgemach.) Un wann de Coronavirus sich ausgetobt hot un mer noch lewe, werre mei Fraa un ich uf Lenting fahre un uns in der Bäckerei Sippl vun're Johrmarker Gemeinderätin bediene losse.

Uf der Schanz, 16. März 2020
Berns Toni

Resultat II

Ich hun mer die Wahlergebnisse vun Ingolstadt mol genauer ongschaut, weil ich halt neigeerich war, was mei Favorite so an Stimme gsammelt hun. Ich fang mol mit dee zwaa CSU-Leit on. Die CSU hot in Ingolstadt vun alle abgewne giltiche Stimme 546.260 kriet. Des sin 26,78 %. Zu dee Stimme gheere aah em Metzger Hans sei 7.257 Stimme, odder 1,33 % vun alle CSU-Stimme. Beim Groß Stefan schaut's so aus: 6.520 Stimmen, 1,19 %. 
Die JU hot am Sunntach 71.957 Stimme kriet. Des sin 3,53 % un macht zwaa Sitze im Stadtrat aus. Mei Favorite vun der JU hun sich aah ganz wacker gschlaa: Chantal Fiedler - 1.193 Stimme, 1,66 %; Norbert Hommer - 1.260 Stimme, 1,75 % un Teresa Maltry - 1.340 Stimme, 1,86 %.

Ich hun de Verdacht, mei Fraa hot meine Favorite net all drei Stimme gewwe. Ich moon, ich moon, do gebt's noch e Noohwahlschedinza - Geheimwahl hin odder her!

Uf der Schanz, 17. März 2020
Berns Toni

Mittwoch, 4. März 2020

Er ist noch immer der alte


In der letzten Zeit hat er sich rar gemacht. Zumindest dem Schein nach, seit er nicht mehr in der ersten Sitzreihe des Bundestages und auch selten am Rednerpult zu sehen ist: Gregor Gysi. Der Mann, bei dessen Auftritten in der Öffentlichkeit man sich nie langweilt. Dabei muss man kein Anhänger der dunkelroten Die Linke sein. Nein, es reicht politisches Interesse, und dabei die Fähigkeit zu besitzen, auch andere Meinungen neben der eigenen zu akzeptieren. Zustimmen muss man ihnen ja nicht, aber wenn man sie akzeptabel findet, darf man schon darüber nachdenken, ohne sich dabei gleich gegen die eigene Parteipräferenz zu versündigen.

Gregor Gysi in Ingolstadt
Fotos: Anton Potche
So stand er da, am kalten Nachmittag des 27. Februar 2020, vor dem Szenencafé Tagtraum auf dem Ingolstädter Paradeplatz und machte Kommunalwahlkampf für seine Ingolstädter Genossen. Gregor Gysi. Wie er leibt und lebt. Und wie man ihn kennt aus dem Bundestag und unzähligen Talk Shows. (Der Journalist Christian Silvester meint im DONAUKURIER, es wären, „überspitzt geschätzt, drei Monate“ am Stück gewesen.) Natürlich hatte Gysi auch etwas zum Klima zu sagen: „Schnee habe ich heuer noch keinen gesehen.“ Prompt brach zwei Stunden später ein heftiger Schneesturm über der Region um Ingolstadt los. Da sage noch einer, der Himmel würde Männer wie Gysi nicht erhören. Und der Wahlkämpfer sah auf seine Handuhr und meinte, er müsse noch am gleichen Tag nach Würzburg zu einer anderen Veranstaltung. Der Sturm kam von Westen. Ob Gregor Gysi die Mainmetropole pünktlich erreichte, war den Medienberichten der folgenden Tage nicht zu entnehmen.

Den etwa 100 Zuhörern in Ingolstadt konnte es wurscht sein: Sie hatten ihren politischen Genuss. Gysi argumentiert gelassen ohne Tobsuchtanfälle a la Aschermittwoch – obwohl er auch dort einen Tag vorher zugegen war – und wirft ab und zu einen Blick auf sein vom langsam aufkommenden Wind verwehtes Manuskript. „Danke, das brauch ich noch“ - zu einem Zuhörer. Aber nur um den Faden nicht zu verlieren. Zu jeder Überschrift sagt er ein zwei Sätze und steuert fast immer zielsicher auf eine Pointe zu, die vom Publikum begeistert goutiert wird. So, wenn er zum Beispiel wie nebenbei erwähnt, dass er sich köstlich darüber amüsiert habe, wie Donald Trump in einer Sitzung der Vereinten Nationen der 17-jährigen Greta Thunberg 20 Minuten lang zuhören musste. „Er konnte sie nicht unterbrechen und er konnte ja auch nicht weg.“ Unterhaltsam, amüsant, aber trotzdem fernab jedweder Comedy. Das ist seriöse Politik im wahrsten Sinne des Wortes, was Gregor Gysi hier mit dem Tagtraum im Rücken und dem Neuen Schloss inklusive Militärmuseum vor sich den Zuhörern mit auf den Weg gibt. Er spricht internationale, nationale und kommunale Themen an, die uns alle berühren.

Auch die heimischen Linken, können sich von Gysis Anspielungen ein Stückchen abschneiden. Denen wünscht er eine erfolgreiche Kommunalwahl „ohne Zersplitterung“. Die Ingolstädter Linken waren nämlich 2014 mit zwei Stadträten in den Stadtrat eingezogen. Jetzt, 14 Tage vor der nächsten Wahl, ist längst keiner der beiden mehr als Linker dabei. Sie haben sich eine andersfarbige politische Kapuze übergestülpt. Und die jetzt antretenden Linken haben sich gleich zu ihrem Neustart etwas (aus Sicht der anderen Parteien) ganz Verrücktes einfallen lassen. Sie wollen (falls sie den Einzug schaffen) nach einem Rotationsprinziep im neuen Stadtrat agieren, das heißt, die Legislaturperiode für sich von sechs Jahren auf je zwei mal drei Jahre aufteilen, damit sie, die Linken in Ingolstadt, „nicht korrupt werden“, wie Christian-Linus Pauling, ihr OB-Kandidat, es sinngemäß formuliert hat.

Vielleicht war Gysis diskreter Fingerzeig auch eine Anspielung auf diese Rotation, einschließlich in letzter Zeit anscheinend so unumstößlicher Parteitagsbeschlüssen, die politische Gremien schnell in Schockstarre versetzen können. Siehe Thüringen. Er selber, Gysi, hat schon so viel in seinem politischen Leben mitgemacht, dass er nur schwer zu schockieren ist. Also machte er sich auch von Ingolstadt aus auf den Weg zu neuen / alten politischen Auseinandersetzungen. Dabei haderte er noch schmunzelnd mit seinen Veranstaltungsplanern, die ihm – immerhin schon 72 Jahre alt – noch einiges an Terminen zumuten.
Anton Potche