Dienstag, 18. Juni 2024

Das erste Spiel

 Rumänien - Ukraine  3:0

Kaum hat die Fußballeuropameisterschaft begonnen und schon sind zehn Spiele absolviert. Und diese Spiele ermöglichen einen ersten Trend, der besagt, dass die Favoriten, obwohl die Außenseiter des öfteren das erste Tor erzielten, sich keine Blößen geben. Das gilt auch für die rumänische Nationalmannschaft, die gestern in der Gruppe E ihr erstes Spiel gegen die Ukraine hinter sich gebracht hat. Der Unterschied zu den anderen bisher ausgetragenen Spielen lag wohl darin, dass es hier schwerer zu sagen war, wer wohl die Favoritenrolle vor dem Anpfiff inne hatte.

Das Spiel wurde gestern in der Münchner Allianz-Arena um 15 Uhr ausgetragen und von RTL übertragen. Die rumänischen Spieler hatten bei diesem Spiel die Gelegenheit, ihrem Trainer Edward Iordănescu, genannt Edi, einen Sieg zu seinem 46. Geburtstag (am 16. Juni) zu schenken. Bei der abschließenden Pressekonferenz zum Spiel sagte der rumänische Trainer: „Wir wollen dem rumänischen Fußball einen Neuanfang ermöglichen. Wir wollen zeigen, dass man gute Sachen machen kann, Schritt für Schritt. Ich kann den rumänischen Fans versprechen, dass diese Truppe, unabhängig von den Problemen, die sie hat (indiferent de momentele prin care trece) alles geben wird. […] Wir werden für jeden Meter Terrain kämpfen. [...] Es geht um unsere Arbeit von zweieinhalb Jahren. […] Wir wollen es besser machen als in der Vergangenheit. […] Das Geschenk soll nicht für mich sein. […] Ich will, dass wir die Kraft und das Vertrauen haben, positive Resultate zu erzielen.“ (eurosport.ro). Das klang so, als ob es da einiges zum Aufarbeiten gäbe. Und dazu benötigt man mehr als eine Geburtstagstorte – über die sich der Couch natürlich gefreut hat.

Die Rumänen haben das Spiel begonnen mit Florin Niță im Tor, Andrei Rațiu (mit türkiser Frisur), Radu Drăgușin, Andrei Burcă und Nicușor Bancu in der Verteidigung, im Mittelfeld mit den zwei Marin(s), Răzvan und Marius, davor das Stürmertrio Dennis Man, Nicolae Stanciu, Florinel Coman und als klassische Sturmspitze Denis Drăguș - außer Nicușor Bancu von CS Universitatea Craiova und Florinel Coman von FCSB (ehemalige Steaua Bukarest) eine reine Legionärstruppe. Die zwei Außenstürmer Dennis Man und der eingewechselte Valentin Mihăilă verdienen ihr Geld zum Beispiel beide bei Parma Calcio 1913 in der italienischen Serie B.

Die ersten positiven Eindrücke im Spiel hinterließen die Ukrainer. Die Rumänen warteten erst mal ab, gerieten aber so ab der 15. Minute immer besser in Fahrt und ergriffen langsam aber sicher die Initiative in der Auseinandersetzung. In der 29. Minute landete der Ball dann unhaltbar im Tor der Ukrainer. Dennis Man hatte Nicolae Stanciu kurz vor dem Strafraum in guter Schussposition angespielt und der fackelte nicht lange. Der Ball landete nach einem Gewaltschuss aus Sicht des ukrainischen Torwarts rechts oben in seinem Kasten. Der 31-jährige Stanciu ist Kapitän der rumänischen Nationalmannschaft. Er ist bei Damac FC (Saudi-Arabien) verpflichtet.

Zehn Minuten später setzte Stanciu den Ball von der Spielfeldecke auf die Latte des gegnerischen Tors. In der 54. Minute schlug der Ball wieder in Lunins Tor ein, auf der gleichen Seite, nur diesmal unten. Răzvan Marin - er spielt bei FC Emboli in Italien – hatte außerhalb des Strafraums abgezogen. Spätestens ab jetzt schien sich das Torverhältnis betreffend eine Überraschung anzubahnen und die zahlreichen rumänischen Fans veranstalteten ein riesengroßes, gelbes Spektakel in der Münchner Arena.

Schon vier Minuten später war dann endgültig klar, wer in diesem Spiel der Favorit ist. Nach einer Spieleranhäufung im Fünfmeterraum beförderte der in Diensten des türkischen Vereins Gaziantep FK stehende Denis Drăguș das runde Leder zum 3:0 Endergebnis ins ukrainische Tor.

In der 62. Minute nahm der rumänische Trainer die ersten Einwechslungen vor: Ianis Hagi kam für den dreimaligen Torvorlagengeber Dennis Man und Valentin Mihăilă für Florinel Coman. In der 75. Minute kamen dann Adrian Rus und George Pușcaș für Marius Marin und Denis Drăguș. Vier Minuten vor Schluss war Schluss für Mannschaftskapitän Nicolae Stanciu und Bogdan Racovițan bekam noch paar Minuten Spielzeit.

Die Ukrainer bestritten das für sie enttäuschende Spiel mit: LuninKonoplja (72. Tymtschyk), Sabarnyj, Matwijenko, SintschenkoStepanenko (62. Braschko), Schaparenko (62. Jaremtschuk) – Zyhankow (62. Jarmolenko), Sudakow (83. Malinowskyj), MudrykDowbyk (Torschützenkönig in der spanischen La Liga).

Der DONAUKURIER schreibt heute zum 1:0: „Spätestens jetzt glich die Fröttmaninger Fußball-Arena einem Tollhaus, gut und gerne 25.000 rumänische Schlachtenbummler machten aus München ein Klein-Bukarest. Und hiermit kamen die Ukrainer überhaupt nicht mehr klar.“
Anton Potche

Montag, 10. Juni 2024

Die Europawahl in Rumänien

Die Umfragen zu den Ergebnissen der Europawahl in Rumänien hatten schon Tage vor der Wahl auf Überraschungen hingedeutet. Diese Tendenz hat sich am Wahlabend (22:00 Uhr Ortszeit, 21:00 Uhr MEZ) in den Studios einiger Fernsehsender verstärkt. Und das alles bevor es irgendwelche zuverlässige Hochrechnungen gab. Immerhin war diese gewollt oder ungewollt herbeigeredete Situation der Spannung in den zahlreichen Gesprächsrunden und implizit den Wohnzimmern landauf, landab nicht abträglich.

Die Gäste in den Gesprächsrunden waren namhafte Wissenschaftler & Journalisten aus politiknahen Bereichen, was natürlich nicht zu gleichen oder nur ähnlichen Meinungen führte. Einige glaubten den Überraschungsgeschichten, während andere in diesen Ankündigungen (wohlgemerkt: ohne konkrete Zahlen) überhaupt nichts Alarmierendes fanden. „Sondaj exit pol“ heißt in Rumänien die zuverlässigste Hochrechnungsumfrage. Ein Gesprächsteilnehmer sprach sogar von 99 Prozent Genauigkeit.

Um 22:00 Uhr hatten die Rumänen dann (approximative) Gewissheit. Die erste Hochrechnung hat für die Europawahl folgendes Resultat ergeben: PSD/PNL – 54 %, AUR – 14%, ADU – 11% und UDMR – 5%. Dazu muss man die Sonderheiten dieser Wahl in Erwägung ziehen. Zwei der vier Wahlkandidaten sind politische Koalitionen. Die Sozialdemokraten (PSD) und die Nationalliberalen (PNL) regieren in Rumänien jetzt in dieser Form schon im dritten Jahr. Für diese Wahl nennen sie sich CNR (Nationale Koalition für Rumänien). Nach zwei Jahren hatten sie sogar den Premier friedlich gewechselt, von Nicolae Ciucă (PNL) zu Marcel Ciolacu (PSD). Die zweite Wahlliste firmiert unter dem Kürzel ADU (Allianz der Vereinten Rechten). Hier haben sich gleich drei politische Gruppierungen zusammengeschlossen: USR (Union Rettet Rumänien), PMP (Partei der Volksbewegung) und FD (Kraft der Rechten). Die zwei Einzelparteien sind AUR (Allianz für die Vereinigung der Rumänen) und UDMR (Union der Ungarn aus Rumänien).

Die Rumänen schicken 33 Abgeordnete ins Europäische Parlament. Laut der bisherigen Hochrechnung (Sonntag, 23:00) wären das in Zahlen 22 Mandate für die Koalition CNR, 5 Mandate für AUR (eine rechtsextreme Formation), ADU 5 Mandate und 2 Abgeordnete für die Ungarn aus Rumänien. Heute morgen sah diese Einordnung dann so aus: CNR – 53% (21 Mandate), AUR – 15% (6), ADU – 11% (4) und UDMR – 5% (2). Andere Parteien und Gruppierungen mit zum Teil exotischen Namen gingen bei der Sitzverteilung leer aus. Zumindest bis jetzt, denn ein Endergebnis dieser Europawahl liegt noch nicht vor.

Die Rumänen haben am 9. Juni auch ihre Gemeinde- und Stadträte sowie die Abgeordneten der Kreisräte mit den entsprechenden Bürgermeistern und Kreisratsvorsitzenden gewählt. Die Diskussionen in den Medien (besonders Fernseher) haben gezeigt, dass diese rumänischen Wahlen verständlicherweise für die Diskussionsteilnehmer ein größeres Gewicht als die Europawahlen hatten. Auf die Rumänen wartet heuer noch eine Parlamentswahl und die Präsidentenwahl. Dabei scheinen die Rumänen schon jetzt an Wahlmüdigkeit zu leiden. An diesem Wahlsonntag waren nur knapp über 50 Prozent der Wahlberechtigten an den Urnen.
Anton Potche

Freitag, 31. Mai 2024

Mai 2024 – Giarmata in den Medien

 Der Glücksspieler    
aus deBanat.ro; Timişoara / Temeswar; 02.05.2024
Giarmatas Bürgermeister Claudiu Mihălceanu soll angeblich in den zurückliegenden Jahren ca. sechsmal so viel Geld aus Sportwetten als mit seinem Lohn verdient haben. Im Jahre 2022 soll er mit seinen Wetten 544.235 Lei, damals 110.000 Euro, verdient haben. Das ist seiner Vermögenserklärung aus dem Internet zu entnehmen. Sein Bürgermeistergehalt betrug in jenem Jahr 91.697 Lei, also 18.400 Euro. Im Jahr danach soll es nach nicht genannten Angaben noch etwas besser im Glücksspiel gelaufen sein. Bei den Kommunalwahlen am 9. Juni kandidiert Mihălceanu als PNL-Kandidat wieder für den Posten des Bürgermeisters. Einer seiner Herausforderer wird Exbürgermeister Virgil Bunescu (PSD) sein. Giarmata ist übrigens eine der wenigen Kommunen in Rumänien, die bei dieser Wahl mit getrennten PSD- bzw. PNL-Listen antreten. In den meisten Fällen kandidieren die Nationalliberalen und die Sozialdemokraten zusammen.
+ + + Wer wird wohl obsiegen? Das Spiel oder die Politik? „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“, meinte Franz Beckenbauer, in so einer Situation. Un an noch e Bayernboss erinnert mich die Gschicht … + + +

Niederlage
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 11.05.2024
Fußball – D-Liga  – Timiș / Temesch - 32. Spieltag
Unirea Sânnicolau Mare - CS Millenium Giarmata  3:1 (1:1)
Torschützen: Flavius Tulcan (Min. 33, 49, 86) bzw. Fabian Glujdea (Min. 38)
Tabellenplatz:  6  CS Millenium Giarmata  49

Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 15.05.2024
Die Allianz der Vereinten Rechten (ADU – Alianța Dreapta Unită) hat für die Kommunalwahl in Rumänien einige ihrer Kandidaten für Bürgermeisterposten im Kreis Timiș / Temesch vorgestellt. Für Giarmata kandidiert der Gemeinderat Florian Feraru (PMP).

Heimpleite
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 18.05.2024
Fußball – D-Liga  – Timiș / Temesch - 33. Spieltag
CSC Millenium Giarmata – CSO Deta  1:2 (1:1)
Torschützen: Răzvan Onosă (Min. 43), bzw. Alex Radovan (Min. 11) und Denis Voin (min. 76) für die Gäste.
Tabellenplatz: 7  CS Millenium Giarmata  49         

Böse Hunde und böse Nachbarn
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 21.05.2024
Sorin Cordea und Alexandru Manciu sind Nachbarn in Giarmata. Sorin hat ein vier Monate altes Kind und Alexandru zwei weiße Hunde, amerikanische Akitas, Aby und Enzo, sieben und vier Jahre alt. Und die haben die blöde Gewohnheit, zu bellen. Das hat Sorin zur Weißglut gebracht, weil sein Kind nicht schlafen kann. Er hat Benzin über den Zaun in Richtung der Hunde und ihres Besitzers geschüttet. Sein Pech dabei war, dass eine Überwachungskamera den Streit aufgezeichnet hat. Wenn es blöd läuft, könnte Sorin drei Jahre hinter Gittern verbringen. Die Behörden aber sagen, sie könnten nicht eingreifen, „wenn die Hunde sich laut verhalten”.
+ + + Wo bleibt hier die Erziehung ... der Hunde? + + +

Wahrscheinlich zum letzten Mal in dieser Zusammensetzung
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 21.05.2024
- 40 Minuten lang hat die Gemeinderatssizzung am 21. April gedauert. Von 15 Gemeinderäten waren 13 anwesend oder von zu Hause oder aus dem Auto zugeschaltet. Die Leitung der Sitzung hatte der Gemeinderat Virgil Bunescu inne.
- Beim wohl wichtigsten Punkt der Tagesordnung hat Herr Bunescu den laxen Umgang mit dem Haushalt kritisiert. Von dem zur Verfügung stehenden Geld sind 70% für laufende Gemeindekosten und nur 30% für Investitionen vorgesehen. Das hat den Exbürgermeister dazu veranlasst, sich zusammen mit zwei anderen Kollegen bei der Stimmabgabe zu enthalten.
- Alle anderen Tagesordnungspunkte wurden ohne lange Diskussionen abgearbeitet. Grundstücks- und Grundbuchänderungen waren wie so oft die häufigsten Probleme.
- Zum Schluss hat Virgil Bunescu darauf hingewiesen, dass der Gemeinderat wahrscheinlich (man weiß nie, was dazwischenkommt) zum letzten Mal in dieser Zusammensetzung getagt hat. Am 9. Juni gibt es in der Europäischen Union nicht nur Europawahlen sondern in Rumänien auch Kommunalwahlen ... Und darum wäre es schön, wenn die Giarmataer Kandidaten sich im Wahlkampf „zivilisiert” verhalten würden.

Zum zweiten Mal in Giarmata
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 23.05.2024
Mitglieder verschiedener Rettungs-, Feuerwehr- und Polizeieinheiten aus Timișoara / Temeswar haben schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit die Kinder in Giarmata besucht. Diesmal galt ihr Besuch den Kindern in den Kindergärten von Giarmata und Cerneteaz. Die Kleinen waren von den Vorführungen der Retter und Gesetzeshüter hellauf begeistert. Ihre Favoriten waren auch an diesem für sie so aufregenden Tag die Rettungshunde Bruna, Axa und Xena.

Noch eine Heimpleite
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 25.05.2024
Fußball – D-Liga  – Timiș / Temesch - 35. Spieltag
CSC Millenium Giarmata – Universitatea de Vest din Timișoara  2:5 (2:1)
Torschützen: Robert Ehling und Marian Lemnaru, bzw. Darius Botoşneanu (2 Tore), Ionuţ Spulber, Patrick Tamaş und ? für die Gäste aus Timișoara
Tabellenplatz:  8  CS Millenium Giarmata  49

Überzeugender Heimsieg
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 26.05.2024
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 27. Spieltag
CS Unirea Cerneteaz – ACS Galaxy  3:1
Tabellenplatz:  5  CS Unirea Cerneteaz  47

Ertüchtigung der Kreisstraße DJ 691
aus ZiarulTimişoara.ro, Timişoara / Temeswar; 28.05.2024
Die durch die Ortschaften Dumbrăvița, Giarmata, Pișchia, Fibiș, Mașloc und Alioș führende Kreisstraße soll laut den Aussagen des Kreisratsvorsitzenden Alin Nica ab der Autobahnanschlussstelle bei Giarmata bis zur Grenze des Kreises Arad „modernisiert“ werden. Für die 29 Kilometer Reparaturarbeiten hat der Kreis Timiș / Temesch über das Programm Regional Vest 2021 – 2027 die Summe von 121 Millionen Lei beantragt.

Das Giarmataer Kandidatenseptett
aus TeleEuropaNova, Timişoara / Temeswar, 28.05.2024
Screenshot: Anton Delagiarmata
- Der Temewarer Fernsehsender Tele Europa Nova hat zum Gespräch eingeladen und alle sieben Kandidaten für den Giarmataer Bürgermeisterposten waren gekommen. Die Moderatorin der Sendung, Nadia Iucu, hatte eine Gesprächsreihenfolge auslosen lassen. Die hat folgendes Resultat ergeben: Lucian Gligor (AUR – Alianța pentru Unirea Românilor – Allianz zur Vereinigung der Rumänen) – lebt seit 25 Jahren in Giarmata, Claudiu Mihălceanu (PNL – Partidul Național Liberal – Nationalliberale Partei) – in Giarmata geboren, Andreea Arabela Radu (POT – Partidul Oamenilor Tineri – Partei der Jungen Menschen) – seit 38 Jahren in Giarmata, Marcel Ponta (PRP - Partidul România Puternică – Partei Starkes Rumänien) – in Giarmata geboren, Virgil Bunescu (PSD – Partidul Social Democrat – Sozialdemokratische Partei) – seit 45 Jahren in Giarmata, Florian Feraru (ADU – Alianța Dreapta Unită – Allianz Vereinigte Rechte) – seit 1991 in Giarmata, Ion Delvai (Unabhängig) – seit 2000 in Giarmata. [Auf dem Foto von links nach rechts.]
- Die Moderatorin hatte die Gruppe gut im Griff … zumindest die erste halbe Stunde. Dann wurde es in der Runde lebhaft und man konnte als Zuschauer doch so manches erfahren. Bunescu erinnerte an die Deutschen, die Giarmata zu einem der schönsten Dörfer gemacht haben. Zu deren Geschichte gehört auch der immer noch in der Erinnerung lebendige Strand. Jetzt verspricht Bunescu seinen Wählern aber viel mehr: ein Thermalbad, und das in drei Jahren. Darauf reagierte Mihălceanu mit der Feststellung: „Trăim toți cu nostalgia vremurilor care au fost. – Wir leben alle mit der Nostalgie vergangener Zeiten.“ Und immerhin kommen hier auch ca. 60 Millionen Euro ins Spiel. Wo der Altbürgermeister (mit zwei Mandaten) das Geld herholen will, wollte der jetzige Bürgermeister (mit einem Mandat) wissen.
- Es gibt Probleme mit der katholischen Kirche. Der gehören die zwei Friedhöfe, die auch von ihr verwaltet werden. Marcel Ponta wollte vom amtierenden Bürgermeister Mihălceanu wissen, warum man die Verwaltung der Gottesäcker nicht den gemeindeeigenen Kommunalbetrieben übergibt. Folgendes hat sich nämlich zugetragen: Die katholischen Diözesanbehörden haben die Konzession des Bestattungsgewerbes  - dazu gehört auch die Friedhofsverwaltung - einem Bestattungsinstitut übertragen, dass jetzt für die Bestattungen in Giarmata „exorbitante Summen” verlangt. Es häufen sich die Klagen der Bürger, dass sie ihre verstorbenen Angehörigen kaum noch beerdigen könnten. So schlimm wird es schon nicht sein, aber der Bürgermeister war klar erkennbar auf dem falschen Fuß erwischt worden. Er sprach von Gerüchten und Gesprächen mit den katholischen Würdenträgern. (+ + + Na ja, forr leere Kerche in der Landschaft rumstehn losse, brauch merr Geld, un gar net wenich.) + + +
- Bei einem anderen Thema fühlte Mihălceanu sich sichtlich wohler. Die einzige Dame in der Runde wollte wissen, wie es denn jetzt mit dem IAS-Gelände aussieht, worauf sie folgende Antwort bekam: „Gerade heute habe ich mich mit Herrn B. getroffen, ich will nicht sagen zum letzten Mal, aber ich glaube, wir werden mit Freude mitteilen können, dass wir dieses Terrain gekauft haben – nach ca. sechs Jahren Verhandlungen.”
- Es ging auch um rein politische Themen. So warf Lucian Gligor von der AUR Florian Feraru (ADU) vor, er wolle gar nicht Bürgermeister werden, sondern nur die Koalitionsverhältnisse im Gemeinderat beeinflussen. Virgil Bunescu wiederum wollte nicht ausschließen, dass es auch im  -zukünftigen Gemeinderat in Giarmata zu einer großen Koalition SPD-PNL wie in Bukarest kommt. Ion Delvai klang zum Schluss sogar philosophisch, als er meinte: „Wir Rumänen haben vermischte lateinische und balkanische Gene.”
+ + + Und so ging es mal entspannt, mal angespannt (sogar Nepotismusvorwürfe klangen an), mal deftig derb, mal humorvoll weiter. Nach 2 Stunden und 20 Minuten war das Kandidatenkarussel vorbei. Was die Bürger Giarmatas daraus gelernt haben, können sie am 9. Juni in den Wahlkabinen in Stimmen umwandeln. Die Sendung ist noch auf FACEBOOK und YOUTUBE zu sehen - https://www.youtube.com/watch?v=VjyquMY1LQg + + +

Giarmata în mișcare - Giarmata in Bewegung
aus ZiarulTimişoara.ro, Timişoara / Temeswar; 29.05.2024
Am 2. Juni finden in Giarmata Lauf- und Fahrradwettbewerbe statt. Schon zum vierten Mal werden die Bürger von Giarmata und Cerneteaz zu einem Sportereignis zu karitativen Zwecken aufgerufen. Die vergangenen Läufe haben 30.000 Euro Spendengelder eingebracht. Gelaufen werden die Strecken von 1, 4 und 8 km. Für die Fahrradfahrer gibt es Kinder- und Erwachsenenstrecken.
+ + + Mult succes! + + + 

Die Vorahnung des altersweisen Politikers
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 29.05.2024
- Also gab es doch noch eine zweite Gemeinderatssitzung vor der Wahl. Der mit allen Wassern gewaschene Virgil Bunescu hatte es geahnt. Und es war sogar noch eine „außerordentliche Sitzung”. Ein Rätsel bleibt, welchen Sinn diese Sitzung überhaupt hatte, von „außergewöhnlich” ganz zu schweigen. Beim Tagesordnungspunkt 3 drehte sich alles um Quadratmeterpreise für Einzelhändler-Standplätze. Welch eine Show. Plötzlich waren sie alle da: Nae Cațavencu, Ștefan Tipătescu, Agamemnon Dandanache, Zoe Trahanache, Pristanda und nicht zuletzt Iordache Brânzovenescu.
+ + + Minunat! - Herrlich! + + +

Mittwoch, 22. Mai 2024

Romantische Liebe zum Wasser

Was dort im Jahrmarkter Dorfpark wie ein Bunker aus dem Weltkrieg anmutete, wurde von uns Kindern immer nur als die Bühne apostrophiert. Es gab auf der Südseite dieses Betonklotzes auch zwei oder gar drei Türen. Die führten aber, soweit ich mich erinnere, nicht in ebene Räumlichkeiten, sondern in die Tiefe, deren Sohle immer, Winter wie Sommer, mit mal mehr, mal weniger Wasser bedeckt war, wie das bei vernachlässigten Bauten eben so ist. Verirren konnte man sich in dem Klotz nicht, denn es gab in ihm keine einzige Wand. Ganz mutige Zeitgenossen, zu denen ich nicht gehörte, rutschten auf herbeigeschafften oder herumliegenden Balken schon mal in die von immerwährendem Halbdunkel beherrschte Tiefe.

Unsere Bühne im Jahrmarkter Dorfpark, begrenzt von einem Bach, der sein Wasser aus dem berühmten Prinz-Eugen-Brunnen speist, und umgeben von stattlichen, sich in Demut dem vorbeirauschenden Wasser zuneigenden Weiden, war zu meiner Schulzeit – die Schule thronte nebenan auf der höher gelegenen Dorfstraße – für den einen oder anderen Mitschüler ein ersehnter Ort. Wer am Schulabschlussfest die Stiege auf den Betonklotz hinaufsteigen durfte, gehörte zu den Prämierten, den Ausgezeichneten, den besten Schülern des soeben beendeten Schuljahres. Dort oben stand eine lange Reihe von mit Büchern beladenen Tischen, den Preisen für die Besten der Besten.

Hans Kaszner sen. dirigiert
seine Blaskapelle im
Jahrmarkter Dorfpark (1972)
Foto: Archiv der Kaszner-Kapelle
Was viele (ich inklusive) in dieser Zeit (1950 - 1980) nicht wussten oder auch gar nicht neugierig waren, lag in der Geschichtsträchtigkeit dieses Ortes. Ich surfte kürzlich mal wieder durch alte Zeiten und fand eine Annonce vom 28. September 1902. Dort wurde nämlich ein Pächter für das „Sommer=Gasthaus ‚Mayerling‘ sammt Bad auf 6 Jahre“ gesucht. Präzisiert wurde noch die Lage des Gasthauses, und zwar „inmitten eines Parkes“. Das muss es also gewesen sein, unsere Bühne – auch Platz für die Blaskapellen an Kirchweihfesten – war kein Bunker, aber ein zubetoniertes Schwimmbad. Und daneben irgendwann mal das Gasthaus mit dem tragischen, ja fast mystischen Namen „Mayerling“. Die von meiner Generation vorgefundene Tanzfläche vor der Bühne wurde wahrscheinlich nach der Stilllegung des Bades angelegt und bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts genutzt.

Sie haben ihren Großen-Brunnen und sein spendendes Nass stets über alles geliebt, die Jahrmarkter. Der Graben, also der Bach, hat sie immer zu neuen Schwimmbadideen inspiriert. Nach dem Ende des Bades im Park hat man in den 60er Jahren eine badähnliche Anlage in der Nähe der mittlerweile berühmt berüchtigten IAS-Zentrale angelegt, um dann im folgenden Jahrzehnt den weit über Jahrmarkt hinaus bekannten „Strand“ zu bauen. Dabei rückten die Anlagen immer weiter von der Quelle weg. Heute wissen wir: Auch dieses Projekt ist gescheitert. Und trotzdem: Auch die jetzigen Bewohner der Gemeinde Giarmata, früher Temes=Gyarmatha und danach Jahrmarkt sowie Johrmark, wollen es trotz aller bisher tragisch endenden Versuche nicht aufgeben.


Vielleicht haben schon die ersten Schwimmbadbauer im damaligen zu Österreich-Ungarn gehörenden Dorf eine gewisse Romantik in ihrem Vorhaben gespürt: ein Ende im Glück, in der großen Liebe. So wie das Ende Rudolfs, Kronprinz von Österreich und Ungarn, und seiner großen Liebe Baroness Mary Vetsera … auf Schloss Mayerling. Das Schloss in Niederösterreich gibt es heute noch, das Gasthaus in Jahrmarkt wurde vom Schicksal seiner Bäder längst eingeholt, ja ist ihnen sogar vorausgeeilt.

Anton Potche