Mittwoch, 5. Mai 2021

Der Zeitungsverkäufer

Er stand im Parkhaus des Supermarktes an der Münchener Straße. Er war groß, breitschultrig, hatte einen milden Gesichtsausdruck und einen Pack Zeitungen auf dem linken Arm hängen. So stand er vor den angeketteten Einkaufswagen und hielt mir ein Zeitungsexemplar hin: Straßenlicht – Obdachlosenzeitung – Überregionale Ausgabe für deutschsprachige Länder I-2021.

Er, der Zeitungsverkäufer, war weder alkoholisiert, noch hatte er sonstige Drogen oder bewusstseinsverändernde Substanzen konsumiert. Er hat mich nicht angebettelt, ja nicht einmal angesprochen, keine Spende verlangt und nicht versucht Mitleid zu erwecken. Er war anständig und höflich. Er wollte mir von den zwei Euro, die ich ihm für die Zeitung gab, 50 Cent zurückgeben – was ich natürlich ablehnte. Wahrscheinlich habe ich ihn damit zu einem Regelverstoß verleitet, denn sein gesamtes Benehmen entsprach sieben „Regeln für den Verkauf der Straßenzeitung Straßenlicht“.

Diese Regeln stehen auf der zweiten Seite der Zeitung zusammen mit anderen „Allgemeine[n] Hinweise[n] zum Verkauf“. Die dritte Seite ist mit Zitaten vom Psychoanalytiker, Philosophen und Sozialpsychologen Erich Fromm (1900 – 1980) gefüllt. Das erste Zitat lautet: „Die Industriegesellschaft erzeugt viele nutzlose Dinge und im gleichen Ausmaß viele nutzlose Menschen.“ Könnte dieser Zeitungsverkäufer nicht vielleicht etwas Sinnvolleres, etwas, das mehr zum Nutzen der Menschheit beiträgt, machen?

Ich weiß es nicht. Jedenfalls scheint diese Beschäftigung ihn über Wasser zu halten. Als ich meinen Einkaufswagen wieder ankettete, hatte er einen neuen Stapel Zeitungen auf dem Arm. Die Leute nahmen ihm seine Ware ab. Ob sie in dem Straßenlicht – 14 Seiten Großdruck ohne Fotos - lasen, ist schwer zu beurteilen. Ich habe die Zeitung durchgeblättert und mit Zeilensprüngen das eine und andere gelesen - bis zur letzten Seite mit dem zum Zeitungstitel stark kontrastierenden Gedicht Reisebericht von Christoph Wetteroth.

Und das ist die fünfte der sieben Strophen: „Mit dem Fahrrad durch die gefangene Geisterstadt / Vorbei an Masken und denen die freie Mimik bespucken / Bis unter eine Brücke an der man einen schlafenden Menschen gefunden hat / Er ist schon ganz unten, er kann sich nicht mehr ducken.“ Ich hoffe, mein Zeitungsverkäufer hat sein Straßenlicht unter die Leute gebracht, irgendwann das zügige Parkhaus verlassen und sich auf die Rolltreppe gestellt, die ihn hinauf in die warme und lichtdurchflutete Halle gebracht hat. Immerhin, ein Kaufhaus ist noch keine Brücke. Hoffentlich auch nicht für diesen Zeitungsverkäufer und viele andere seinesgleichen.

Anton Potche

Freitag, 30. April 2021

April 2021 – Giarmata in den Medien

Trinkwasser
aus BanatulMeu.ro, Timişoara / Temeswar; 05.04.2021
Die Firma Aquatim wird in Giarmata drei Pumpen für das Trinkwasser in der Gemeinde montieren. Zwei Pumpen werden im Dauerbetrieb laufen und eine als Reserve gehalten.

Glücksspieler ohne Glück
aus BanatulMeu.ro, Timişoara / Temeswar; 09.04.2021
Der Betreiber eines Giarmataer Glückspiellokals hat sich nicht an die obligatorische Sperrverordnung wegen der Pandemie gehalten und bekam Besuch von der Polizei. Fünf Personen wurden auf frischer Tat ertappt. Der Besitzer des Spiellokals bekam eine Strafe von 10.000 Lei und die Spieler wurden mit je 5.000 Lei belangt.
 
Komposter
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 09.04.2021
Die Gemeinde stellt für die interessierten Bürger 200 Müllkomposter zur Verfügung. Unentgeltlich. Die Behälter werden zu den betreffenden Haushalten transportiert. Um in den Besitz eines solchen Gartenutensils zu kommen, muss man lediglich im Rathaus einen Antrag ausfüllen, eine Kopie des Personalausweises vorlegen und die Telefonnummer hinterlassen.
+ + + Umweltschonend und hygienisch – wenn man richtig damit umgeht. + + +
 
Verstoß gegen ein Gesetz aus dem Vorjahr
aus PressAlert.ro, Timişoara / Temeswar; 10.04.2021
In einer Pension in Giarmata haben 17 Gäste gegen das Gesetz 55/2020 (Restriktionsmaßnahmen in der Pandemiezeit) verstoßen. Dafür musste der Veranstalter 12.500 Lei Strafe zahlen und die 17 Feierlustigen zusammen 85.000 Lei.
 
Ordentliche Gemeinderatssitzung
aus TimișPlus.ro, Timişoara / Temeswar, 21.04.2021
Am 27. April tagt der Gemeinderat von Giarmata. Einige Themen von der Tagesordnung: Haushalt 2021, das Wappen von Giarmata (mit Beschreibung) soll geändert werden, Parzellierungs- und Nutzungsbestimmungen für Gemeindeflächen, eine fünfköpfige Kommission soll die Zuteilung von Bauplätzen an junge Menschen nach dem Gesetz 15/2003 überwachen (Kommission: Păian Camelia-Liliana – Inspektor Eigentumsfragen, Salavat-Ecobici Irina – Gemeindejustiziarin, plus drei zu wählende Gemeinderäte), eine Beschlussvorlage (proiect de hotărâre) ist dem ewigen Streit mit dem Kommunalbetrieb der Gemeinde (Gospodăria Comunală Giarmata S.R.L) gewidmet, eine Kommission soll sich verstärkt um die Sozialwohnungen in der Gemeinde kümmern (Mitglieder: Păian Camelia-Liliana, Salavat-Ecobici Irina, Gavrilă Liliana-Silvana- Inspektor für Sozialwesen, plus vier zu wählende Gemeinderäte oder –rätinnen).
 
Die katholische Kirche war Gesprächsstoff
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 27.04.2021
- Die Gemeinderatssitzung war kaum eröffnet, als bei der Diskussion zum Haushalt 2021 die Gemeinderätin Minodora Ștefănescu (USR-PLUS) meinte, dass die vorgesehene Summe für den Erhalt der katholischen Kirche ziemlich mickrig sei. Sie meinte, man sollte sich um europäische Gelder bemühen, handelt es sich doch bei dem Gebäude um ein historisches Monument. Bürgermeister Claudiu Mihălceanu (PMP) reagierte sofort mit folgendem Statement: „Die katholische Kirche wird nächstes Jahr das schöne Alter von 250 Jahren erreichen. Wir Bewohner Giarmatas, die noch die Zeit der Deutschen erlebt haben – ich war zwar noch etwas jünger -, werden einsehen, dass dieses Denkmal unseren Respekt verdient und wir es erhalten müssen. Ich lade Sie ein, dort einzutreten. Die Kirche ist wunderschön. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sie nach der Renovierung auch ein touristischer Anziehungspunkt wird. Ich werde mit den Verantwortlichen reden, damit die Kirche sonntags für Besucher geöffnet wird. Leider gibt es bisher keine externe Geldquelle. In den letzten Jahren, mit Ausnahme des Vorjahres, ist kaum Geld für diese Kirche geflossen. Aber ich denke, dass wir die Glaubensgemeinschaften alle unterstützen sollten, wenn sie sich an uns wenden.“
Exbürgermeister Virgil Bunescu (PSD) mischte sich in die Diskussion ein und meinte, dass mit den Verantwortlichen der katholischen Kirche nicht so einfach zu verhandeln sei. Er gab zu verstehen, dass die Eigentumsverhältnisse der Friedhöfe mit dem Engagement der Gemeinde für die katholische Kirche, das Pfarrhaus und den Pfarrpark in einem gesehen und ausgehandelt werden müssten. 
+ + +  Die Heilichkeit heert beim Geld uf. Des is in Giarmata net annerscht wie iwerall uf der Welt. + + +
- Im Haushaltsplan 2021 taucht auch das sogenannte IAS-Haus auf. Die Gemeinde will das Haus vom jetzigen Eigentümer, ein gewisser Herr Bittenbinder, erwerben. Man will auf dem Platz gegenüber dem Kulturheim ein Gemeindezentrum (centru civic) errichten. In trockenen Tüchern ist das Geschäft aber anscheinend noch lange nicht. Bürgermeister Mihălceanu wird sich mit Herr Bittenbinder zu Verhandlungen treffen und das Ergebnis in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen publik machen.
+ + + Wann des IAS-Haus mein wär, meecht ich’s der Gemeinde schenke – awwer net ohne Gegenleistung. Die meecht dann so ausschaue: Die Gemeinde kimmert sich in de kummende 100 Johr um die deitsch Kerch un alles, was dazu gheert, un ich krien forr’s Ferma-Haus e Platz im Himmel. Die Gschicht hot norr oone Hocke: Des Objekt der Begierde, wie die Herrische son meechte, gheert net mer, sondern em Herr Bittenbinder. Ich waaß nateerlich net, wer des is, awwer de Mihălceanu scheint dee Mann zu kenne. + + +
- Im Haushaltsplan ist auch eine Finanzierung für neue Polizeistellen in der Gemeinde vorgesehen. Zu diesem Ausgabeposten hat Alt-Bürgermeister Virgil Bunescu folgenden Kommentar abgegeben: „Als ich nach Giarmata kam, gab es einen Polizisten: Curea. Aber der war effizient.”
(Owacht! Die Sitzung is in zwaa getaalt.) + + +
 
Covid-19-Infektionsrate
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 29.04.2021
In Giarmata liegt die Sars-Cov-2-Infektionsrate bei 1,77/1000 Personen, gerechnet auf die letzten 14 Tage.
 
 
Un forr die Orthodoxe: Paște fericit!
Anton Delagiarmata

Montag, 19. April 2021

Wiederkehr und Wiederverschwinden einer Fernsehsendung

Irgendwie war mir diese Fernsehsendung abhanden gekommen. Jetzt, im zweiten Pandemiejahr, war sie plötzlich wieder da. Woran es lag weiß ich nicht, am ausstrahlenden Sender oder an meinem PC. Ob gar ein automatisches Update mir die Sendung wieder auf den Bildschirm brachte, wird ein ewiges Geheimnis bleiben. Soll es ruhig! Wichtig ist, eine Gewohnheit, die ich in den letzten Jahren verinnerlicht hatte, kann sich wieder in meinem Wochenrhythmus festsetzen: das Anklicken der deutschen Sendung AKZENTE, ausgestrahlt vom rumänischen Fernsehsender TVR+ (Televiziunea Română) jeweils donnerstags um 14 Uhr 10 deutscher Zeit. Und vielleicht noch wichtiger: Die Mediathek mit bis in den Frühling des ersten Pandemiejahres zurückreichenden Sendungen ist abrufbar.

Also machte ich mich frohgemut und voller Erwartungen an die Arbeit. Das heißt, ab der ersten verfügbaren Sendung. Weil die aber wie alle anderen auch um die 90 Minuten dauerte, klickte ich mich eben durch und verweilte bei mir interessanten Themen. Ich kam relativ gut vorwärts, bis zu jener Sendung vom 24. September 2020. Irgendwie hatte ich die Herrschaft über meine Maus verloren. Sie wollte partout nicht weiterklicken. Das war aber kein motorikbedingtes Problem, sondern ein geistiges. Und Schuld an der Situation waren die an jenem Tag gesendeten Inhalte.

Screenshot: Anton Potche
Es ging los mit der 30. Auflage der Reschitzaer Deutschen Literaturtage. Das war eine gemischte reale und virtuelle Veranstaltung mit 80% Onlinebeiträgen. Vor allem war sie technisch gut gemacht. Und auch inhaltlich war sie auf der Höhe. Garant dafür waren Teilnehmer wie Nora Iuga, die bereits legendäre zweisprachige Dichterin aus Bukarest - sie las rumänische Gedichte und Beatrice Ungar von der HERMANNSTÄDTER ZEITUNG die deutsche Fassung -, Christel Ungar, die nicht nur seit Jahren die deutsche Sendung des Rumänischen Fernsehens leitet, sondern sich auch als Lyrikerin versucht, Hochschullehrerin Carmen-Elisbeth Puchianu mit einer theatralischen Rezitation, die durchaus auch an Paul Celans jedes Wort betonenden Vortragsstil erinnert, oder Lucian Vărșăndan, Theaterintendant & Lyriker, dem angeblich wieder die Leitung des Deutschen Staatstheaters Temeswar anvertraut werden soll. Zu den Jüngeren in diesem bewährten Reigen stießen zu diesem Anlass auch Bianca Barbu und Arnold Schlachter, beide aus Temeswar. Aus Deutschland zugeschaltet war Horst Samson. Der Motor dieser Literaturtage in Reschitza war auch heuer wie seit vielen Jahren Erwin Josef Țigla. (Die angeführten Personen waren nur die in Wort- und Bildbeiträgen zu sehenden Protagonisten. Es gab natürlich noch andere Teilnehmer an dieser außerhalb des deutschen Sprachraums einzigartigen deutschen Literaturveranstaltung.)


Ich war zufrieden und wollte weiterklicken, wenn, ja wenn der folgende Beitrag nicht schon nach den ersten Sekunden meine Aufmerksamkeit gefesselt hätte. Ein Festival der Oper und Operette im Freien“ kündigte die Moderatorin Sonia Argint Ionescu an. Die Rumänische Nationaloper Temeswar gestaltete ihre Saisoneröffnung mit mehreren Freilichtkonzerten im Sommergarten der Philharmonie Banatul. Christian Rudic, Intendant der Temeswarer Oper, erzählt in dem Filmbeitrag von den Problemen der Kunst in Rumänien, die kaum von denen anderer Länder differieren, und bleibt optimistisch: „Wir hoffen, die Welt fängt wieder an zu singen.“ Künstlerisch können das Orchester der Nationaloper Temeswar und ihre Solisten sich wirklich sehen und hören lassen. Die zwei Dirigenten, Mihnea Ignat, mit neuem Engagement, und der etablierte Peter Oschanitzky, haben das Ensemble – mit dem nach 20 Jahren von der Wiener Staatsoper zurückgekehrten Tenor Cosmin Ifrim - gut im Griff. Davon kann man sich von den musikalischen Einspielungen in dieser Fernsehreportage einen Eindruck machen. Peter Oschanitzky meint dann auch, für ihn sei die „Operette eines der schwersten Genres in der Musik“. Dort treffen „Prosa, Musik und Tanz“ aufeinander und „der Dirigent muss das alles irgendwie beherrschen“, damit die Vorstellung ein Erfolg wird.

Erfolg können solche Fernsehsendungen beim Publikum durchaus haben – besonders dann, wenn ihnen eine spürbare Steigerung innewohnt. Der folgende Film handelt von der Geschichte der Deutschen im Banat. Für einen bekennenden Banater Schwaben war es da aus purer Neugierde unmöglich, die Maus weiterklicken zu lassen. Zu Recht, denn der Beitrag hebt sich etwas von den vielen im Internet abrufbaren Reportagen und Videos zu diesem Thema ab. Sein Titel ist schlicht und einfach HEIMAT und sein Inhalt fast jedem Banater Schwaben bekannt.

Nur die Art der Präsentation unterscheidet sich von allen bisherigen: Das Thema ist trotz seiner historischen Seriosität mit einem Augenzwinkern dargestellt. Und das hält dann sogar einen Kenner der Materie davon ab, einfach zu Beginn oder irgendwo in der Mitte der Filmreportage seine Computermaus zu betätigen. Diese Art der Darstellung eines geschichtlichen Themas ging dann auch solange gut, solange man sich auf rein historischem Terrain bewegte. Etwas kitschig – ich würde sagen, etwas zu viel des Augenzwinkerns – wurde es dann, als man die Geschichte verließ und in die Gegenwart eintrat. Für Zuschauer, die das Banat nie kannten, mag ein Hochzeitszug in Kirchweihtracht in der Tat ein farblich stimmiges Bild abgeben. Auch ein großer banatschwäbischer Trachtenreigen mit aus Deutschland anlässlich eines Festes heimgekehrten Aussiedlern vor der Oper in Temeswar, im Film alsZukunft in Rumänieninstrumentalisiert, dürfte für Nicht-Banater problemlos hinnehmbar sein. Schließlich gehört ja Folklore auch zur Geschichte. Aber nur, wenn sie wahrheitsgetreu dargestellt wird. Wer es aber mit der Wahrheit nicht so todernst meint, kann sich immerhin noch auf Erich Kästner beziehen, der einmal meinte: „Wahr ist eine Geschichte dann, wenn sie genauso, wie sie berichtet wird, wirklich hätte passieren können.“ Also wirklich, eine Kerweih-Hochzeit wäre doch eine runde und bunte Sache.

Und das sympathische Augenzwinkern? Das verdankt der Film vor allem dem Sprecher Boris Gaza. Regie führte Adrian Drăgușin und das Drehbuch stammt von Tiberiu Stoichici. Ein wirklich sehenswerter Streifen.

Das ist die Sendung, die ich meine: https://www.tvrplus.ro/emisiuni/akzente-70-3715 . Kaum habe ich diesen Link hierher kopiert und schon funktioniert er nicht mehr – zumindest auf meinem PC. So (anscheinend) unverhofft diese Sendung im vergangenen Herbst „wiederkehrte“, so unerwartet ist sie auch wieder „verschwunden“. Ach, würde doch Corona sich auch so schändlich verhalten.

Anton Potche


Dienstag, 13. April 2021

missverständnis

- pamphlepigramm -

mein viel geliebter markus
kein opfer ist mir zu gering
um dich vor der bürde zu bewahren
die dir das kanzlerdasein bringt

mein sehr geschätzter armin
ich werde keine mühe scheuen
um dich vom kanzlerwahn
für immer zu heilen



ingolstadt, 2021
anton potche


Montag, 12. April 2021

Rugă nemernică - Niederträchtiges Gebet

 Rugă nemernică

Radu Gyr

Nu mă-nvăța să fug, Părinte,
De răni, de lacrimi de catran.
Ele dau freamăt mai fierbinte
Acestui sânge pământean.

Nu fi nici pașilor mei paznic,
Nici de năpârci nu mă păzi.
Numai veninul lor năpraznic
Mă limpezește zi de zi.

Și nu-mi trimite nici heruvii
Să-mi deie zborul lor înalt,
Când sunt făcut să fierb în fluvii
De crunta lavă și asfalt.

Doar om mă vreau, răsfiert în smoală,
În uragane și-n căderi,
Mai bun prin plânsul ce mă spală
Și tot mai om prin sfâșieri.

Să nu-mi pui aripă de înger,
Ci lasă-mi chipul meu de lut,
Să iert, să cânt, să gem, să sânger,
În dorul raiului pierdut.



Niederträchtiges Gebet

von Radu Gyr

Vater, lehr’ mich nicht weglaufen
Von Wunden und giftiger Tränenwut.
Sie lassen noch heißer wallen
Dieses irdische Blut.

Bewache mir nicht jeden Schritt
und beschütze mich nicht vor Nattern.
Nur ihr schreckliches Gift
Klärt meinen Blick an allen Tagen.

Auch Cherubim will ich keine
Mit ihren hohen Flügen,
Muss ich doch in Strömen
Grausamer Asphaltlava gären.

Nur Mensch sein will ich, in Pech siedend,
In Uraganen und Stürzen,
Geläutert durch reinwaschendes Weinen
Und mehr Mensch durch Zerfleischungen.

Erspare mir jeglichen Engelsflug
Und lass mir mein irden Angesicht,
Dass ich vergebe, singe, stöhne in Blut
Und Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.


[Nachgedichtet aus dem Rumänischen von Anton Potche]
Ingolstadt, 23.03.2021


Radu Gyr (1905 – 1975) – mit bürgerlichem Name Radu Demetrescu – hatte die perfide Idee, in Bukarest ein jüdisches Theater zu gründen (1941) ... und das mit antisemitischen Absichten. Wie man sieht, fehlte es auch den rumänischen Faschisten nicht an aberranten Ideen. Und dass dann gerade Intellektuelle solchen verbrannten Hirngespinsten nachhingen, zeigen Biografien von Leuten wie Emil Cioran (1911 - 1995), Mircea Eliade (1907 - 1986) und eben Radu Gyr. (Ähnliche Beispiele gibt es auch genügend für die kommunistische Zeit in Rumänien.) Liest man dann die geistigen Ergüsse dieser Männer, so kann man sich nicht genug über Produkte gespaltener Persönlichkeiten wundern. Das gilt natürlich auch für andere Kunstsparten. Und diese abstruse Bewunderung für Herrn Gröfaz ging durch viele, um nicht zu sagen alle Nationen. Ein Beispiel gefällig? Vielleicht der Niederländer Joseph Wilhelm Mengelberg (1871 – 1951), Dirigent und Komponist – stellvertretend für viel zu viele andere.