Und das ist gut so. Ich meine die
Egerländer Musikanten und damit das Musikgenre, das
nicht nur Jahrzehnte bereits überdauert, sondern anscheinend sogar
die zweite Jahrhundertmarke anpeilt. Diese Blaskapelle – die beste
der Welt – hat das Recht, sich weiterhin Das Original zu
nennen. Nicht nur wegen den traumhaft guten Blasmusikern, die sich
hier immer wieder, jetzt schon seit 70 Jahren, zusammenfinden und
eine
Musikgattung
pflegen, die
sich immer wieder neu erfindet und trotzdem einem Klang treu bleibt,
der scheint, für die Ewigkeit bestimmt zu sein. Es
heißt in Musikantengesprächen oft: Dafür, also um
diese Musik gattungsgerecht
spielen zu können, musst du
geboren sein. Was ist daran so sonderbar? Es hat anscheinend etwas
mit den Klangbildern zu tun, die selbst in den virtuosesten
Vortragsvarianten noch einer ergreifend schönen Melodielinie folgen.
Diese aus dem Böhmerwald stammende Melodik hat etwas Zeitloses inne.
Man hat den Einruck, sie besteht nur aus Ohrwürmern.
Seit heuer leitet der dritte
Dirigent diesen Klangkörper. Das Interessante ist, dass die
Ausdrucksstärke dieser Musik seit dem Bestehen der Kapelle im Jahre
1956 immer die Gleiche geblieben ist und dabei trotzdem einem steten
Wandel von Ernst Mosch (1925 - 1999) zu Ernst Hutter
(*1958) und bereits jetzt spürbar zu Alexander Wurz
(*1985) unterlag und wohl auch weiterhin unterliegen wird. Man kann
das dank der Audiomedien (LP, Musikkassette, CD, USB usw.) sehr gut
nachvollziehen.
Die erste Studioeinspielung unter
der Federführung und dem Dirigat von Alexander Wurz liegt
jetzt vor: Wir sagen Danke – 70 Jahre Egerländer Musikanten.
Und man wird die Fans wieder schwärmen hören: Musik von einem
anderen Stern. Zu recht, muss ich sagen, nachdem ich diese neue
Einspielung aus dem bewährten Bauer-Studio unzählige Male rauf und
runter abgespielt habe.
Und doch: Ich bin enttäuscht und
frage mich immer noch, wie man ein so düsteres, kryptisches, an
Mystik heranreichendes, ja sogar einem symbolträchtigen
Geheimbundsiegel ähnelndes Booklet - ich denke an Dan Browns
Illuminati - gestalten kann, wo wir es doch mit einer Musik
zu tun haben, die auf einem wohlklingenden Harmoniefundament steht
und dank eines sturmsicheren Rhythmusgerüstes lebensfreudige
Variationen in allen Instrumentengruppen ermöglicht. Laut Impressum
soll für Produktion & Label die Firma HUTTERMUSIK.GMBH
verantwortlich sein. Ohne eine (sehr gute) Lupe hatte ich kaum eine
Chance, herauszufinden, wer die Inhalte der 14 Tracks komponiert,
arrangiert, getextet und vor allem eingespielt und
-gesungen hat. Es
ist meine Bewunderung für diese Musiker, die mich dann schließlich
und endlich doch dazu veranlasste, ihre Namen in dem höhlenartigen
Inneren des Booklets zu entziffern. Sie haben es trotz meiner zum
Schluss vor Anstrengung tränenden Augen verdient. Dafür ist ihre
Musik zu gut, viel, viel zu gut.
Und das sind sie, die Tonkünstler
dieses Albums:
Klarinette – Alfred Wurm,
Peter Jenal, Thomas Backhaus, Jörg
Kleidl
Flügelhörner
– Franz Tröster,
Markus Privat,
Helmut Kassner,
Rüdiger Ruf,
Michael Sperer,
Nick Loris
Trompete – Martin Hutter
Posaune
– Andreas Joos,
Gerd Fink,
Patrick Raatz
Tuba – Peter Laib,
Siegfried Jung
Tenorhorn
& Bariton – Alexander Wurz,
Carsten Ebbinghaus,
Edgar Wehrle,
Michael Müller,
Andreas Schmidt,
Florian Metzger.
Schlagzeug: Holger Müller
Gesang: Katharina Praher, Nick Loris, Alexander Wurz
Der Schriftsteller Alexandru
Bulucz hat kürzlich zum 70. Geburtstag seines rumänischen
Dichterkollegen Mircea Cărtărescu
in der FAZ einen Artikel unter dem Titel „Diese Literatur
ist resistent gegen Verfall“ veröffentlicht. Das Gleiche kann man
zum 70-jährigen Jubiläum der Egerländer Musikanten – Das
Original sagen. Es reicht, wenn man „Literatur“ mit
„Egerländermusik“ austauscht.
Anton Potche