Montag, 10. Januar 2022

So klingt Böhmisch-Mährisch aus dem Schwarzwald

Ja, wo kommen denn die jetzt her? Aus dem Schwarzwald kommen sie, die Original Schwarzwälder Musikanten. Und sie sind eher zufällig auf meinem PC-Display aufgetaucht. Mein Gott: Ich bin jetzt noch hin und weg. Mährisch-Böhmisch. Ein Melodienrausch in Vollkommenheit. Und es ist vor allem ein Beweis dafür, dass diese Musik nie sterben wird.

Sogar mehr als das: Transzendenz pur! Ernst Mosch ist gegangen. Aber neben seiner Musik, seinen Kompositionen, seinem unverwechselbaren Stil und stetem Perfektionsdrang hat er uns sogar seine dieser und nur dieser Musik so artverwandte Stimme hinterlassen – in den schwingenden Stimmbändern Michael Maiers, der dieses aus sechs Blechbläsern, einem Akkordeonisten, einem Schlagzeuger und einer Sängerin bestehende Ensemble leitet. Wenn er zusammen mit seiner Partnerin singt, erlebt man Stimmenkongenialität in reinster Ausprägung. (Und das wurde von Konzert zu Konzert immer noch besser.)

Was diese Musiker aus ihren Instrumenten und Stimmen an Klangwelten zaubern, ist dynamisch, harmonisch und rhythmisch so perfekt, dass es einem den Atem verschlägt, aber gesamtmusikalisch auch so schön, dass man der sprichwörtlichen Gänsehaut nicht entkommt.

Screenshot: Anton Potche
Ich könnte jetzt endlos schwadronieren. Gefühle geben ja nicht nur an Tönen sondern auch an Worten einiges her. Das macht aber trotzdem schon daher wenig Sinn, weil sie ja noch da sind, die Original Schwarzwälder Musikanten - auf ihrer Homepage. Wer sich die Zeit nimmt und ihre Online-Konzerte verfolgt, wird Blasmusikdarbietungen höchster Güte erleben, Corona-Konzerte (zwei im Jahre 2020 und zwei 2021) aus der heimischen Stube für alle da draußen, die nach mährisch-böhmischer Blasmusik schmachten.

Die Stammbesetzung dieser Formation aus dem Schwarzwald wird in ihrem Internetauftritt mit folgenden Musikern angegeben:
Flügelhorn: Andreas Maier & Christian Betz
Trompete: Matthias Eberhart
Tenorhorn / Bariton: Michael Maier & Thomas Dold
Akkordeon: Michael Armbruster
Tuba: Mathias Gronert
Schlagzeug: Domenic Mohaupt
Gesang: Elke Karr & Michael Maier
Über ihre Biographien erfährt man einiges von Moderator Alfons Diemer.
Anton Potche

Freitag, 31. Dezember 2021

Dezember 2021 - Giarmata in den Medien

Tradition
aus PressAlert.ro, Timişoara / Temeswar; 09.12.2021
Zum elften Mal findet in Giarmata das Fest der Winterbräuche statt. Heuer soll es vom 9. Bis zum 11. Dezember auf der Bühne des in der Gemeinde veranstalteten Weihnachtsmarktes stattfinden. Auftreten werden folgende Künstler und Kulturgruppen:  die Schule Școala de Arte Timișoara, Klasse von Raluca Stanca; die Ensembles Cununa aus Agnita / Sibiu und Plaiurile Dornelor aus Vatra Dornei / Suceava; Liliana Laichici, Adrian Stanca, Ciprian Roman und die Sänger von Weihnachtsliedern aus Hunedoara; Anica Ganțu und Sänger von Weihnachtsliedern aus Mehedinți; Elena Jurjescu, Milena Țaran, Ciprian Pop, Dorinel Gavriluț Pîrvoni, Cristina Tăcină und Ion Alexandrescu, begleitet vom Volksmusikorchester Pro Datina unter der Leitung von  Prof. Adrian Scorobete. Moderation: Felicia Stoian.
 
Handball
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 14.12.2021
- Die Handballer in der Temescher Kreismeisterschaft (Campionat Județean Timiș) haben im Dezember ihren ersten Spieltag bestritten. Auch Giarmata stellt eine Mannschaft. Zum Auftakt der Meisterschaft hat ACS Leu Giarmata in Giroc gegen die Lokalmatadoren von HC Giroc mit 21:29 (8:15) verloren.
+ + + Neun Mannschaften sind im Wettbewerb. + + +
- Bei den Frauen lief es besser. Die Handballerinnen von ACS Leu Giarmata haben zuhause CS Inoan Arad mit 36:18 (13:11) besiegt.
+ + + Hier sind nur sechs Mannschaften gemeldet. + + +
- Für die Juniorinnen IV wurde am 12. Dezember in Giarmata ein Meisterschaftsturnier mit 12 Mannschaften ausgetragen. Die Mädchen von  ACS Leu Giarmata haben Dominicii Moșnița Nouă mit 30:9 besiegt.
+ + + Ein zweites Turnier mit ebenfalls 12 Mannschaft fand zeitgleich in Sânnicolau Mare statt. – Eine Handball-Juniorenmannschaft gibt es in Giarmata nicht. + + +
 
Kritik
aus PrimăriaGiarmata  – FACEBOOK; Giarmata / Jahrmarkt; 15.12.2021
Die berühmt-berüchtigten Dringlichkeitssitzungen (ședințe de îndată) waren der Anstoß zu vehementer Kritik in der kurzfristig einberufenen Gemeinderatssitzung vom 15. Dezember. Frau Minodora Ștefănescu (USR) und Herr Lucian Gligor (parteilos) bemängelten, dass man sich als verantwortungsvoller Gemeinderat unmöglich in so kurzer Zeit in die Tagesordnungspunkte einarbeiten kann. Vier Themen standen zur Abhandlung: eine Haushaltskorrektur (rectificare bugetară) und drei Grundstücksprobleme. Beide Kritiker dieser Art des „Umgangs mit den Gemeinderäten“ (Gligor) haben dann auch konsequent bei allen vier Tagesordnungspunkten dagegen gestimmt.
+ + + Sitzungsdauer (ZOOM) war 25 Minuten. Für einen zur Debatte stehenden Nachtragshaushalt – es geht immerhin um etwas über 1 Million Lei – ist das schon verdammt wenig Zeit. + + +

Letzte Gemeinderatssitzung in diesem Jahr
aus PrimăriaGiarmata  – FACEBOOK; Giarmata / Jahrmarkt; 21.12.2021
- Drei Stunden und 15 Minuten hat der Gemeinderat getagt. 28 Punkte standen auf der Tagesordnung.
- Wie immer haben die Grundstücks- und Bauprobleme einen Großteil der Debatten ausgemacht. Es gab sehr viele Anträge zu Grundstücksteilungen.
- In Cerneteaz hat die Gemeinde vom Staat 20 Grundstücke zurückbekommen – mit den dazu gehörenden Problemen: Es handelt sich nämlich um eine Romasiedlung mit mehr oder weniger legalen Bauten.
- Wer die Leichenkapelle am Oberen Friedhof in Anspruch nimmt, zahlt 50 Lei pro 24 Stunden. Die Hinterbliebenen der Verstorbenen sorgen auch für die Reinigung der Kapelle nach den Begräbnissen. Jetzt lag ein Antrag vor, diese Gebühr zu erhöhen. Nach einer Intervention des Abgeordneten Virgil Bunescu, hat der Gemeinderat für eine Beibehaltung der 50 Lei plus den jährlichen Inflationszuschlag gestimmt. Die Bürger wären zurzeit durch die exorbitanten Preiserhöhungen im Land schon genug belastet, hat der Exbürgermeister argumentiert. Und die Sauberkeit in der Kapelle soll in Zukunft von der Gemeinde übernommen werden.
- Alle Schulkinder werden von der Gemeinde bezahlte Tabletts bekommen.
- Beim Tagesordnungspunkt 16 stand zum ersten Mal (in dieser Sitzung) das Problem Bittenbinder zur Diskussion. Seit etlichen Jahren ist die Gemeinde Giarmata mit diesem ziemlich komplexen Fall konfrontiert. „Bittenbinder hat noch ca. 60 Hektar”, sagte Bunescu, was ihn zu einem „glücklichen Menschen macht”. (Zu dieser süffisanten Feststellung des Giarmataer Altbürgermeisters passt eine Aussage des deutschen Abgeordneten im rumänischen Parlament, Ovidiu Ganț, die in der ADZ vom 26. Oktober 2021 nachzulesen ist: "Ich beschäftige mich  mit dieser Problematik seit über 20 Jahren und bemerke kaum Fortschritte bei der Rückerstattung. Der Landwirtschaftsminister erzählt viel und sagt nichts! Es ist bedauerlich, dass selbst der liberalen Regierung der politische Wille fehlt, die Eigentumsrechte wiederherzustellen.") Das Giarmataer Problem hat längst die Lokalverwaltung verlassen und wird auf anderer Ebene behandelt. Die Beamten in der Kreiskommission des Grundbuchausschusses (Comisia județeană de fond funciar) lassen sich Zeit. Angeblich haben sie Beweismaterial vom Nationalarchiv (Arhiva Națională) angefordert. Und jetzt nimmt die Geschichte skurrile Züge an: Man will nämlich wissen, ob Herr BittenbinderPeter oder Petru“ heißt. Und ob diese 60 ha nicht eine gefälschte Verdoppelung seines Erbes mütterlicherseits, „oder so etwas Ähnliches“, sind. Herr Bittenbinder kann jetzt sogar das Grundbuchamt wegen Verzögerung seines Verfahrens (penalizări de întârziere) einklagen ... „und gewinnen”, wie die rührige Gemeinderätin Minodora Ștefănescu meinte.
- Es sollen in Giarmata weitere Schwellen zur Geschwindigkeitsbegrenzung montiert werden.
- 15 Häuser in der Gemeinde sind sozial vergeben. Leider sind einige der Einwohner im Rückstand mit der Miete. Drei Häuser stehen leer.
- Dann war Pause.
- Und danach stand der Fall Bittenbinder wieder auf der Tagesordnung. „Wir bemühen uns seit einigen Jahren, um mit Herrn Bittenbinder an ein Ziel zu kommen“, sagte Bürgermeister Claudiu Mihălceanu. Diesmal drehte sich alles um die verfallene Hinterlassenschaft gegenüber dem Kulturheim. Die gehört nämlich schon Herrn Bittenbinder. Und die Gemeinde will sie von ihm erwerben. Es gibt noch keinen Kaufvertrag, aber einen Vorvertrag (mehr als eine Absichtserklärung scheint das noch nicht zu sein), in dem die stattliche Summe von 256.100 Euro für das ehemalige GOSTAT-Gelände (später IAS) genannt wird. Abgewickelt werden soll das Geschäft durch eine Transaktion. Zahlen müsste die Gemeinde nur die Notargebühren. Die sollen dann auch im nächsten Haushalt bereitgestellt werden. Wenn alles spruchreif ist, soll der Gemeinderat dem Kaufvertrag zustimmen. Das wird er wahrscheinlich auch, denn man ist sich einig, dass „dieses Grundstück für [die Gemeinde] sehr wichtig ist”. (Mihălceanu). Dieser Tagesordnungspunkt wurde einstimmig vom Gemeinderat abgesegnet.
- Die Gemeinde pumpt weitere 17 Millionen Lei in Infrastrukturmaßnahmen. Die wurden zwar kritisch hinterfragt, aber dann doch mit großer Mehrheit (nicht einstimmig) genehmigt.
- Es entspann sich auch eine angeregte Grundsatzdiskussion über die Weiterentwicklung der Gemeinde aus städtebaulicher Sicht. Ausgelöst wurde die teilweise sehr emotional geführte Debatte vom Gemeinderat Lucian Gligor, der sich bitter darüber beklagte, dass er ein schon vor Jahren erworbenes Grundstück nicht bebauen darf.
- Kommunalbetriebe: Die Gemeinde hat einen ersten Prozess gegen den Leiter dieser Firma gewonnen. Der hat aber den Weg durch die Instanzen beschritten.
- In den Straßen Nouă, Bătrână und Principală sieht man immer mehr am Straßenrand abandonnierte Fahrzeuge. Es soll Abhilfe geschaffen werden. Nur weiß noch keiner wie.
Der Gemeinderat tagt.
FotoQuelle: facebook-Giarmata
- Mit Weihnachts- und Neujahrsgrüßen des Bürgermeisters für das Bürgertum an den Bildschirmen (Laptops, PCs etc.) ging die Sitzung zu Ende.
+ + + Des war wirklich e intressanti Gemeinderatssitzung in Giarmata – mit Masken und hinner dee Fetze Gemeindeabgeordnete ohne ganze Gsichter. Un forr dee oone odder annre vun de Zuschauer war vleicht sogar e Weihnachtsbescherung dabei. Wer mer net glaabt, kann jo uf der FACEBOOK-Seit vum Giarmataer Gemeindehaus nohschaue. Awwer des wisst dehr doch schun längst. + + +
 
Corona
aus TION.ro; Timișoara / Temeswar; 25.12.2021
In Giarmata gab es an Weihnachten einen positiv auf Covid-19 getesteten Bürger.

Diebesgut aus einem Haus entwendet

aus deBanat.ro; Timişoara / Temeswar; 28.12.2021
Ein 18-Jähriger hat in der Iohani-Gasse aus einem Haus ein Handy und zwei Autoschlüssel entwendet. Und weil einer der Schlüssel passte, hat er gleich eine Fahrt mit dem Wagen unternommen. Er kam aber nur bis in die Morii-Straße. Dort hat er das Auto irgendwo angefahren – Schaden ca. 15.000 Lei – und sich aus dem Staub gemacht. Am Tag danach, 27. Dezember, wurde er geschnappt und muss sich wegen mehreren Vergehen, darunter Fahren ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein, vor den Straf- und Justizbehörden verantworten.
 
Verzögerung
aus TION.ro; Timișoara / Temeswar; 28.12.2021
Erst 28 Prozent der Straßenbauarbeiten an der auf vier Spuren auszubauenden Kreisstraße DJ 691 sind realisiert. Fertigstellungstermin ist Ende 2022. Der Ausbau der gesamten, teilweise auch Giarmata tangierenden Strecke soll 80,34 Millionen Lei kosten, wovon 66,48 Millionen Lei von der EU kommen. Giarmata selber ist eigentlich beim Bau finanziell nicht beteiligt. Die Kostenträger sind  der Kreisrat Timiș sowie die Rathäuser von Timișoara und Dumbrăvița.


Ich winsch eich all vill Glick im neie Johr, langes Lewe, Gsundheit, Frieden, Oonichkeit un noh em Tod die ewich Glickseelichkeit.


Anton Potche   Anton Delagiarmata

Berns Toni


Montag, 20. Dezember 2021

mei mottersproch

- gedicht im johrmarker dialekt -


es is net leicht

forr nimand zu schreiwe

es is net leicht

du selwer zu bleiwe


dee kenn ich

der is gstorb

des waaß ich

wedder e stick mottersproch


die zeit hot ka zeit

uf uns zu warte

was iwrich bleibt

sin gstichelte karte


die sin im wind

mol do mol dort

wie e phonetisches wild

zwischen a un o


[uf der schanz, 1991]

berns toni



Lesung uf YouTube



Montag, 13. Dezember 2021

Banater Stimmungsbilder nach dem I. Weltkrieg

Walter Engel & Walter Tonța (Hg.): Die Banater Schwaben nach dem Ersten Weltkrieg – Kulturelle Kontinuität und neuer Aufbruch – Beiträge der 50. Kulturtagung in Sindelfingen – 8./9. November 2014; Landsmannschaft der Banater Schwaben – Landesverband Baden-Württemberg, Schlossstr. 92, 70176 Stuttgart; 2015; ISBN 978-3-00-050801-1; 112 Seiten; 10 EURO.

Kulturelle Kontinuität und neue[n] Aufbruch hatten wie viele Völker und Volksgruppen auch die Banater Schwaben nach dem Ersten Weltkrieg (übrigens auch nach dem Zweiten) dringend nötig. Mit diesem Untertitel umreißen die Herausgeber der Broschüre zur Kulturtagung 2014 Sindelfingen ein nicht unerhebliches Problemfeld, mit dem sich diese deutsche Volksgruppe im Südosten Europas während und nach dem Krieg konfrontiert sah. Kontinuität und Aufbruch fußen eigentlich auf gegensätzlichen Ansprüchen und generieren daher auch Konfliktsituationen. Die Stimmung jener Zeit im Banat ist aus sechs hier veröffentlichten Beiträgen nachvollziehbar.

Hans-Heinrich Rieser (*1953) schildert in einem mit Tabellen und Landkarten bereicherten Referat die Folgen der Teilung des Banats für Wirtschaft, Infrastruktur und Bevölkerung. Dabei hält er fest, dass „die geschilderten Umbrüche und Verwerfungen durch die Zerschlagung des Banats sich kaum mit exakten statistischen Daten untermauern“ lassen. Also kein leichtes Terrain für Historiker: die Geschichte des Banats.

Einen anderen Forschungsweg schlägt Luzian Geier (*1948) ein. Er durchforstet als begnadeter Heimatkundler (ohne Berufung ist diese Art der Forschung nicht möglich) schriftliche Überlieferungen und schenkt sein Ohr den Nachkommen der damals betroffenen Generation. Sein Augenmerk gilt der Weltkriegszeit und [den] Daheimgebliebenen im Banat. Die menschlichen Probleme überwiegen und ermöglichen es dem Leser, sich mit etwas Fantasie leichter in den Alltag jener Zeit zu versetzen.

Mit der Banater Gemeinde Hatzfeld im Spannungsfeld der neuen Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigt sich Walter Tonța (*1959). Die bereits 1919 vorgenommene Teilung des Banats war für die Hatzfelder ein jahrelanger Schwebezustand. „Fünfeihalb Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erhielten die Ortsbewohner nun nach Ungarn und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen mit Rumänien ihr drittes Vaterland“, schreibt Tonța. Und trotzdem (oder vielleicht gerade darum) führte nach 1918 „die beschleunigte nationalpolitische Identitätsfindung der Banater Deutschen auch in Hatzfeld zu einer Intensivierung des kulturellen Lebens“.

Eduard Schneider (*1944) schreibt über diese Identitätsfindung, indem er einen „legendären Namen“ ins Spielfeld bringt und damit so manchen Leser aus den Reihen der Banater Schwaben aufhorchen lässt. Es gab schon vor Alexander Ternovits (*1929) einen Josefstädter Franzi, und zwar in der Person des Journalisten Heinrich Büchelbauer (1877 – 1933). Wir Jüngeren (so um die 60 bis 80) kennen Ternovits alias Josefstädter Franzi als den stets zu Späßen aufgelegten Schauspieler. Wenn unsere Groß- und Urgroßväter vom Josefstädter Franzi sprachen, meinten sie Heinrich Büchelbauer, der sich die mit „eigentümlichem Witz und Ulk“ reichlich beschenkte Temeswarer Vorstadtfigur auf den Leib geschrieben hatte. Eduard Schneider würdigt in seinem Essay sowohl den Journalisten Heinrich Büchelbauer mit seiner erkennbaren „Versiertheit in der Zeitungsarbeit“ und seinem an Roda Roda (1872 – 1945) erinnernden Humor als auch das Sprachtalent des auch „Temeswarerisch“ sprechenden und schreibenden Josefstädter Franzi der 1920er Jahre.

Gekrönt wird diese interessante Textserie mit einem Auszug aus dem Roman Kriegerdenkmal. 1914 – Hundert Jahre später von Franz Heinz (*1929). Walter Engel (*1942) schreibt in einer kurzen Einführung in den Roman:“Franz Heinz bezieht in sein Schreiben, so auch in diesem Roman, Landschaften und Kulturen ein, die er aus eigener Anschauung kennt, über Geschichte, die er studiert hat, und über Menschen, deren Gedanken- und Gefühlswelt, deren gewachsene Mentalität ihm vertraut ist aus eigenem Erleben.“ Als Banater Schwabe kann ich diese Vertrautheit der in dem kurzen Romanauszug geschilderten Bilder und Szenen nur bestätigen. Und als ein Potche kann ich mir jetzt auch leicht vorstellen, dass ich mich als Leser dieses Romans auf die Spuren des Bäckermeisters und Honvéds Franz Potichen begeben werde. Natürlich mit dem entsprechenden Kartenmaterial ausgestattet.

In einem weiteren Beitrag in diesem Buch nimmt sich Walter Engel der Gegenwart an. Und die ist durchaus erfreulich (Stand 2014). Mosaiksteine einer Kulturgeschichte der Banater Deutschen – Rückschau und Ausblick anlässlich der 50. Kulturtagung des Landesverbandes Baden-Württemberg nennt er seinen Rückblick auf ein halbes Jahrhundert erfolgreicher Kulturarbeit. Sein Fazit klingt realistisch: „Wir sind zwar ein kleines Völkchen im Übergang in die deutsche Kulturnation. Und die nächsten Generationen werden vieles über unsere in drei Jahrhunderten gewachsene eigenständige Kultur nur aus den Geschichtsbüchern erfahren. Die Zeugnisse dieser Kulturleistung sollten wir deshalb als Erlebnisgeneration nach Kräften vermitteln und als Teil des gesamten deutschen Kulturgutes bewahren.“

Ein Vorwort der Herausgeber, eine Eröffnung und Begrüßung von Josef Prunkl (Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben), ein Grußwort von Heribert Rech (MdL, Vorsitzender des Vereins Haus der Donauschwaben), das Programm des die Kulturtagung begleitenden Konzertes (mit Rotraut Arnold – Schauspielerin und Sängerin, Wilfried Michl – Bariton, Hermina Szabo – Violine, und Dr. Franz Metz, Klavier und Präsentation) sowie zahlreiche Schwarzweißfotos und Kurzvitas der Autoren (Referenten) ergänzen den Inhalt dieser Veröffentlichung.

Anton Potche