Dienstag, 31. März 2026

März 2026 – Giarmata in den Medien


Die Sorgen des Giarmataer Bürgermeisters
aus BanatulMeu.ro, Timişoara / Temeswar; 02.03.2026
Der Giarmataer Bürgermeister Claudiu Mihălceanu macht sich Sorgen um einige seiner Bürger. Sie sind spielsüchtig. Darum will er in der nächsten Gemeinderatssitzung das Glücksspielen verbieten lassen. Seit 2024 gibt es ein Gesetz in Rumänien, das in Ortschaften unter 15.000 Einwohner Glücksspiele an Automaten verbietet. Giarmata hat ungefähr 7000 Einwohner. Einerseits. Andererseits haben Journalisten sich auf der Homepage des Rathauses Giarmata umgesehen und sind dabei auf eine Vermögenserklärung des Bürgermeisters gestoßen, die dort besagt, dass er bei „Sportwetten Rumänien“ („Pariuri Sportive România”) sage und schreibe 544.235 Lei gewonnen hat. Abgesehen davon, dass die Gemeinde Giarmata weit weniger Einwohner als die vom Gesetz für den Betrieb von Spielautomaten vorgeschriebenen hat, dürfte es sich bei Herr Claudiu Mihălceanu weit weniger um einen Interessenkonflikt als um ein moralisches Gschmäckle, wie der Schwabe sagt, handeln. Zwischen Sportwetten und Spielautomaten gibt es halt einen Unterschied.
+ + + Jetz warte mer uf die näckst Gemeinderatssitzung. Weil noo haaßt ’s: Asso schau mer mol, noo siehn mer schun. + + +

Müllsünder in Giarmata
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 03.03.2026
Die Behörden aus Giarmata melden, dass immer mehr Menschen ihren Müll auf dem Gebiet der Gemeinde entsorgen. Auch Auswärtige wurden bereits ertappt und bestraft. Aus dem Giarmataer Rathaus wird mitgeteilt: „Der Respekt vor der Umwelt und der Gemeinschaft ist ein Muss und keine Option“ - und das unabhängig davon, ob es sich bei der gesetzwidrigen Müllentsorgung um Einzelpersonen oder Firmen handelt.

Die Rückrunde läuft
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 07.03.2026
Fußball – D-Liga – Timiș / Temesch - 16. Spieltag
CSC Millenium Giarmata – AS Berini 1:1 (0:1)
Torschützen: Flavius Petrișor (Min. 30) und Sebastian Stoica (Min. 62, Elfmeter)
Tabellenplatz: 14 CS Millenium Giarmata 17
+ + + Das sind gerade mal drei Punkte mehr, als der Letztplatzierte aus Berini hat. Also geht es hier bereits gegen den Abstieg. + + +

Ein guter Rückrundenstart
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 07.03.2026
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 16. Spieltag
CS Unirea Cerneteaz CSC Liebling 3:0
Tabelle: 5 CS Unirea Cerneteaz 27

Spielplatz der Superlative
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 10.03.2026
Foto: Primăria Giarmata
Am 14. März um 12:00 Uhr wird in Cerneteaz ein neuer Spielplatz eröffnet. Damit soll das zu Giarmata gehörende Dorf „eins der modernsten Spielplätze der Umgebung“ haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Million Lei hat die Gemeinde dafür ausgegeben.
+ + + Chapeau! + + +

Unentschieden bei den Nachbarn
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 14.03.2026
Fußball – D-Liga – Timiș / Temesch - 17. Spieltag
CSC Ghiroda şi Giarmata Vii II - CSC Millenium Giarmata 1:1 (0:1)
Torschützen: Bogdan Moroşan (Min. 30) und Alexandru Munteanu (Min. 72, Elfmeter)
Tabellenplatz: 14 CS Millenium Giarmata 18
+ + + Der Hausherr ist die zweite Mannschaft von Giarmata Vii und Ghiroda, deutsch gesagt, von Überland und Giroda. + + +

Kanalnetz angeschlossen
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 18.03.2026
Nach zehn Jahren Arbeiten im Giarmataer Untergrund wurde das Kanalnetz der Gemeinde an das Netz von Timișoara / Temeswar angeschlossen. Nicht aber die Wohneinheiten. Laut einer Stellungnahme des Bürgermeisters Claudiu Mihălceanu wurden mit Hilfe der Firma Aquatim acht Pumpstationen an Knotenpunkten (sechs in der Ortschaft und zwei auf der Strecke Giarmata – Timișoara) der 29 kanalisierten Straßen errichtet. Finanziert wurde die Maßnahme aus verschiedenen Töpfen der rumänischen Regierung und der EU. Stolz hat der Bürgermeister zu Protokoll gegeben: „Heute können wir sagen, dass wir die einzige Gemeinde des Landkreises sind, die eine fast zu 100% fertiggestellte Kanalisation haben.“
+ + + Wann ich des gut verstann hun, gebt ’s in Johrmark schun noch Klosetter uf ’m Tenn. + + +

Grenzenloses Wachstum
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 19.03.2026
- Nicht wie bisher am Monatsende, sondern schon in der Mitte des Monats fand die Gemeinderatssitzung in Giarmata statt. Alle 15 Gemeinderäte waren offline oder online zugegen.
- Mit zwei Dossiers zum Gesetz 15 / 2003 ging es los. Die neuen Antragsteller für ein Baugrundstück sind Eduard Levai und Valentina-Bianca Mardare.
- Ein 536 m² großes Grundstück wurde von einem Giarmataer von der Gemeinde auf Erbpachtbasis erworben.
- Die Ortspolizei wird in einer der nächsten Sitzungen den Räten von ihrer Tätigkeit berichten.
- Das Thema Glücksspiele in der Gemeinde wurde kontrovers diskutiert. Bürgermeister Claudiu Mihălceanu hat intensiv für ein Verbot geworben. Gemeinderat Berta wollte wissen, was die Gemeinde bisher unternommen hat, damit Kinder und Jugendliche nicht der Glücksspielsucht ausgesetzt sind. „Wir haben 450 Kinder und Jugendliche, die in Sportvereinen tätig sind“, erwiderte der Bürgermeister. Außerdem werden viele andere Aktivitäten in der Gemeinde organisiert, die Jugendliche von dieser Sucht abhalten sollen. Obwohl bereits zwei Beschwerden von der staatlichen Lotterie und einem Wettbüro im Rathaus vorliegen, haben die Giarmataer Gemeinderäte für ein totales Verbot in der Ortschaft mit 14 zu 1 (Enthaltung) Stimmen votiert. Der Bürgermeister erklärte, dass laut Gesetz erst ab einer Einwohnerzahl von 15.000 Seelen Spielautomaten in Ortschaften genehmigt werden müssen. So weit sei Giarmata noch nicht.
- Die Gemeinde hat ein Appartement verkauft. Größe: 33,4 m².
- Die Verwaltung hat das Wasser- und Abwasserkanalnetz der Gemeinde an Aquatim übergeben. Diese Firma wird es auch weiterhin instand halten. Für die Anschlüsse ans Gemeindenetz muss jeder Bürger selbst sorgen. Ein Anschluss wird um die 80 Lei kosten. Grabungsarbeiten außerhalb des Grundstücks müssen im Rathaus angemeldet werden. „So einfach wird das nicht funktionieren“, mischte Altbürgermeister Virgil Bunescu sich von zuhause ein. „Das Kanalnetz gehört ab jetzt einer Firma wie die Gas- und Stromleitungen auch. Aquatim wird nicht dulden, dass jeder nach Belieben Anschlüsse an seinem Netz vornimmt.“ 
- Zum Schluss wurde über Anträge verschiedener Firmen zu Infrastrukturmaßnahmen und Ansiedlungen diskutiert. Zwei Antragsteller wollen provisorische Zufahrten zu ihren Firmen aufschottern. Sechs weitere Unternehmen würden gerne Niederlassungen auf Giarmataer Grund und Boden errichten. Ein Market-Betreiber plant, einen Einkaufspark mit einer Nutzfläche von 31.000 m². 
+ + + Asso wann norr e kloone Taal vun dem alles gebaut werd, noo hot Giarmata ball 20.000 un net 15.000 Einwohner. No känne se spille un wette noo Lust un Laune, die Neijohrmarker. + + +

Trainerwechsel
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 21.03.2026
Fußball – D-Liga – Timiș / Temesch - 18. Spieltag
CSC Millenium Giarmata – CS Flacăra Parța 1:1 (1:0)
Torschützen: Bogdan Moroșan (Min. 31) und Oliver Hosu (Min. 72).
Tabellenplatz: 14 CS Millenium Giarmata 19
+ + + Die Verantwortlichen von Millenium haben gestern den Trainer gewechselt. Daniel Moraru musste gehen, Mihai Vida ist gekommen. + + +

Kein Strom
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 22.03.2026
In der Woche 23. – 29. März wird in einigen Ortschaften des Kreises am Stromnetz gearbeitet. Das bedeutet auch für Giarmata Stromunterbrechungen am 25. März von 9:00 bis 17.00 Uhr.

Schlägerei
aus Radio Timișora, Timişoara / Temeswar; 25.03.2026
Radio Timișoara meldete in den 12-Uhr-Nachrichten (MEZ), dass in Giarmata ein Streit zwischen zwei Männer in eine Schlägerei ausartete. Die zwei hatten angeblich ältere Rechnungen zu begleichen. Die Auseinandersetzung wurde im Hof einer Firma von einer Kamera aufgezeichnet. Der aggressivere der zwei Kombattanten soll der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Giarmata, Gavril Roșianu, sein. 
+ + + Auch so kommt man in die Medien. Gleich mehrere Internetportale haben von dem Vorfall berichtet. + + +

Kleider und Textiliensammlung

aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 25.03.202
Die Firmen RETIM und ADID führen vom 1. April bis zum 30. Juni eine kostenlose Kleider- und Textiliensammlung in der Zone 1 um Timișoara / Temeswar durch. In Giarmata kann man seine Sachen im Gemeindezentrum am 10. Juni von 11:00 bis 18:00 abgeben.

Reine Luft
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 26.03.2026
Der Kreisrat Timiș / Temesch hat fertige, begonnene und noch nicht gestartete Projekte zur Reinhaltung der Luft in mehreren Ortschaften bekanntgegeben. Giarmata wird mit dem Primăverii-Viertel, das eine fertigen Straßeninfrastruktur von 86% hat, erwähnt.
+ + + Wenn man auf der Karte nachschaut, an welcher Zufahrtsstraße zur Westautobahn A1 diese Gemeinde liegt, dann kann man nur hoffen, dass es bald keine Verbrenner auf den Straßen mehr gibt. + + +

Wieder Hoffnung
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 28.03.2026
Fußball – D-Liga – Timiș / Temesch - 19. Spieltag
AS Recaș - CSC Millenium Giarmata 3:4 (1:2)
Torschützen: Răzvan Banu (Min. 29, 34) und Lavrincik Ladik (Min. 87) für die Gastgeber bsw. Alexandru Popovici (Min. 17) und Bogdan Moroşan (Min. 22, 49, 87) für die Mannschaft aus Giarmata.
Aufstellung CSC Millenium Giarmata: Felix Pop Iordan, Rosuş, Orban, Cordiu, Domşa, Popovici, Burkan, Gînju, Rus, Moroşan.
Eingewechselt wurden die Reservespieler: Sanchez, Popeci, Stoica, Sofronea, Ducu.
Trainer: Mihai Vida
Tabellenplatz: 11 CS Millenium Giarmata 22 
+ + + Der dreimalige Torschütze und mit 17 Toren gegenwärtige Torschützenkönig der D-Liga sagte nach dem Spiel: „Ich will auf diesem Weg dem ehemaligen Trainer Daniel Moraru für alles, was er für diese Mannschaft getan hat, danken und gleichzeitig dem neuen Trainer Mihai Vidu diesen Sieg widmen, der mit uns zusammen das Eis gebrochen hat! Wir schreiten mit positiven Gedanken vorwärts!“ + + +

Auswärtssieg
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 29.03.2026
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 19. Spieltag
CS Progresul Gătaia - CS Unirea Cerneteaz 1:2 (1:1)
TorschützenVasile Diac (Min. 25), bzw. Alin Balabasciuc (Min. 40) und Ionuț Mihai (Min. 75).
Tabelle: 7 CS Unirea Cerneteaz 31

Stromunterbrechung
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 29.03.2026
Im ganzen Landkreis Timiș / Temesch gibt es zwecks Instandhaltungsarbeiten in der Woche 30. März – 5. April Stromunterbrechungen. Giarmata wird am 3. April von 9:00 bis 17:00 Uhr teilweise betroffen sein.
Anton Potche

Montag, 23. März 2026

Mein Buchmesseabenteuer

 
Ich war auf der Buchmesse in Leipzig. In der ersten Reihe habe ich gesessen. Schon am Abend des ersten Tages, als der Preis des Deutschen Buchhandels im Gewandhaus an den kroatisch-bosnischen Schriftsteller Miljenko Jergović verliehen und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ausgepfiffen und ausgebuht wurde, spürte ich, dass mir die folgenden vier Messetage nicht langweilig werden. So und nicht anders sollte es dann auch kommen, wo ich doch während meines ganzen Aufenthaltes auf der Buchmesse in der ersten Reihe saß ... bei ARD, ZDF, 3sat und anderen Streamingdiensten. So bekam ich auch mit, wie der Literat vom Balkan in seiner Dankesrede von weltbewegenden Hausschlappen las. Das erinnerte mich an Herta Müllers Taschentuch. 

Dieser erste Messetag (noch nicht geöffnet für das Publikum) nahm überhaupt kein Ende. Er überschritt lesend die Mitternachtsgrenze. Marathonlesung nennt man ein solches Messeformat. Juli Zeh hat einen schweren Romanschinken mit dem Titel Unterleuten geschrieben und ca. 70 Personen haben seinen Inhalt von 18:00 Uhr des 18. März bis zur Mittagsstunde des folgenden ersten fürs Publikum geöffneten Messetages mit den Augen verzehrt. Hoffentlich sättigend.

* * *

Wie immer bei solchen Veranstaltungen halte ich Ausschau nach rumänischen und rumäniendeutschen Farbtupfern. Und freue mich (manchmal kindisch – was wohl meinem Alter zuzuschreiben ist), wenn ich einen finde. Und siehe da: In der großen Glashalle der Messe, wo die Öffentlich Rechtlichen ihre Literaturbühne aufgebaut hatten – für Kritikerschwergewichte wie Denis Scheck benötigt man eben Platz –, las am ersten Publikumsmessetag schon vor Mittag die aus Rumänien stammende und in der Schweiz beheimatete Schriftstellerin, Germanistin und Nederlandistin (laut Wikipedia) Dana Grigorcea. Leider blieb  sie mit ihren Gestalten aus Bușteni den Tag über der einzige Farbtupfen im Fokus der großen deutschen Fernsehanstalten auf der Literaturbühne.


In einem weiteren Programmpunkt hat Lena Gorelik in den frühen Nachmittagsstunden den Preis der Literaturhäuser 2026, dotiert mit 20.000 EURO, entgegengenommen. Sie ist eine russisch-deutsche Schriftstellerin jüdischen Glaubens. Ihr letztes Buch heißt Alle meine Mütter. Lena Gorelik hat bei der Preisverleihung erzählt, dass ihre Mutter ihr nach dem Erscheinen des Romans gesagt hat, sie habe ihn jetzt einmal als Mutter gelesen und werde ihn ein zweites Mal mit literarisch-kritischem Blick lesen.

Der Höhepunkt dieses faktisch ersten Messetages war sicherlich die Verleihung der Preise der Leipziger Buchmesse. Katerina Poladjan wurde in der Sparte Belletristik für ihren Roman Goldstrand ausgezeichnet. Die Protagonisten ihres Buches bewegen sich im südöstlichen Europa, also an oder im Umfeld der Donau. Ebenso wie die realen Menschen in Marie-Janine Calics’ Buch Balkan-Odyssee, wofür sie den Sachbuchpreis bekam. Über den Übersetzerpreis konnte der Österreicher Manfred Gmeiner sich für die Übertragung des Romans Unten leben aus dem Spanischen ins Deutsche, geschrieben vom peruanischen Autor Gustavo Faverón Patriau, freuen.

Heuer sollte zum ersten Mal kein Gastland die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen, sondern ein Motto. Und das war die „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“. Also da müsste doch meine Farbtupfersuche Erfolg haben. Laut Programm waren einige der von mir Gesuchten auf dieser Buchmesse unterwegs. Die Frage war bloß, ob sie auch von Kameras und Mikrofonen als fernseh- und radioreif wahrgenommen würden. Also habe ich mich diesbezüglich auf die Suche begeben.

Stephan Ozsváth
Foto: rbb / Gundula Krause
Und siehe da, es gab im großen Fernsehen ein Interview mit dem Kurator des oben erwähnten Mottos: Stephan Ozsváth. In der im deutschen Sprachraum sehr goutierten Kultursendung 3sat sprach der Ideengeber dieses Formats von seinen Beweggründen. Da durften Hinweise auf Rumänien und das Delta mit der Nachbarschaft zur Ukraine nicht fehlen. Er erwähnte, dass in letzter Zeit im Südosten Europas mehr als früher von Deportationen der Zivilbevölkerung gesprochen und geschrieben wird. 

* * *

Am Freitag war viel los auf der Literaturbühne. ARD, ZDF und 3sat hatten im Rahmen ihres Mittagsmagazins mehrere Liveschaltungen nach Leipzig getätigt. Zielgruppe war hier eindeutig die Jugend und ihre Trends, Manga, Coming of Age, New Adult u. a..

Danach kamen wieder Autoren auf die Bühne. Zum Glück kann man streamen. Es ging in den Nachmittag und eine Schriftstellerin bot den Zuschauermassen – das darf man ohne Übertreibung so nennen – beste Unterhaltung. Ildikó von Kürthy stellte ihr neuestes Buch, Alt genug, vor. Sie stamme zur Hälfte aus Nordrhein-Westfalen und zur Hälfte aus Ungarn, sagte sie und erzählte dem erheiterten Auditorium, wie das mit dem Altern so ist. 

Danach wurde es aber ernst. Es ist wahrlich nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass es abzüglich des entfernten Hallengeräusches vor der Lesebühne mäuschenstill war. Vier Damen, drei Autorinnen und eine Moderatorin, hatten die Bühne betreten und ihr Thema generierte bei so manchem Lauscher große Nachdenklichkeit. Die Diskussion stand unter dem Motto „Demokratie unter Druck“. Schon die Titel der drei Bücher lassen aufhorchen. Sally Lisa Starken: Wenn der rechte Rand regiert; Angelique Geray: Undercover unter Nazis; Ruth Hoffmann: Raubzug von Rechts. Und als Moderatorin Cécile Schortmann zum Schluss sinngemäß die rhetorische Frage stellte, wie das wohl sei, wenn man sieht, dass hier vier Frauen über dieses Thema sprechen, brauste ein lang anhaltender Beifall auf. 

* * *

Für das Motto „Donau – unter Strom und zwischen Welten“ wurde auf der Buchmesse eine eigene Donaubühne eröffnet. Nur wo war sie? Ich habe sie nicht gefunden und das fast schon schicksalhaft empfunden, hoffte ich doch, dort meine Literaturstars, die ich kenne (sie mich nicht, nur ich sie), vorzufinden. Dabei gab es doch so viele Programmanbieter, die sich auf der Literaturbühne abwechselten, um Autorinnen und Autoren mit ihren Büchern sowie einer sehr vielfältigen Thematik zu präsentieren. Am Samstag gehörten neben den schon genannten Sendungen der öffentlich rechtlichen Sender (Kulturzeit, Literarisches Quartett oder Best of druckfrisch) auch NDR kultur, aspekte, BR 2, SWR Literatur, rbb radioeins, Deutschlandfunk Kultur, Buchlounge, mdr aktuell. 18 Programmpunkte enthielt der laut Messeleitung ausverkaufte Samstag. Sofern ich nicht gerade im Garten war oder beim Wasserholen oder beim Saubermachen, habe ich von den Stars der Donaubühne nichts gesehen. Und wenn ich dann schon einen Blick auf die gestreamte Literaturbühne warf, sah ich nicht zum ersten Mal Denis Scheck, der immer die gleichen Bücher im Schnelldurchlauf besprach. Ein Austausch mit der Donaubühne wäre da bestimmt nicht unpassend gewesen.

Der Lesetag war vorbei. Und ich unzufrieden. Weil ich keinen Zugang zur Donaubühne gefunden hatte. Alles in mir sträubte sich, den Laptop auszuschalten. Also klickte und wischte ich weiter. Bis, ja bis ich bei der Adresse mdr.de/kultur/buchmesse/leipzig/ strandete. Hier fand ich das Fünfminuteninterview, dass mir dann doch den ausklingenden Freitag versüßte. Stephan Ozsváth (*1965), selbst gelernter Journalist, war auch diesmal der Interviewte. Und er erzählte gleich zum Beginn der Aufnahme von seiner Motivation, sich in diesem Projekt zu engagieren. „Persönlich verbindet mich mit der Donau, dass mein Vater aus Ungarn stammte, und ich hab' noch einen Stiefvater, der war Deutscher aus Rumänien, dessen Vater wiederum war Bergwerksdirektor in Reschitza, ein k.u.k.-Beamter, also ich hab’s sozusagen im Blut.“ Und der mdr-Reporter griff Ozsváths kurzen Einstieg in die eigene Geschichte mit der Ergänzung auf: „Also die Donau als Straße der Hoffnung für Auswanderer, aber auch als Deportationsroute. Da geht es um die Salpeterer, Freibauern aus dem Schwarzwald, die um ihre Rechte kämpften. Kirche und Krone verbannten sie im 18. Jahrhundert ins Banat auf dem Gebiet des heutigen Rumänien. Unter Maria Theresia wiederum waren so genannte liederliche Frauenzimmer von der Keuschheitskommission ins Banat gebracht worden. Eine Rolle spielt auch die Donau als nasses Grab mit Morden und Selbstmorden sowie als Grenzfluss zwischen Ost und West.“ […] Stephan Ozsváth betonte im Interview, dass sein Ziel mit diesem Programm war, eine Themenvielfalt zu gestalten. Von den zahlreichen Autorinnen, die „ihre persönlichen Blicke auf die Donau haben“, wurden vom Interviewer Ulrich Böhme die drei folgenden genannt: Nadine Schneider, Muri Darida und Katherina Braschel. Auch ohne bewegende Bilder von der Donaubühne, war der Tag – Pardon: Abend - für mich gerettet.

* * * 

Wenn ich schon bei mdr gelandet war, wollte ich auch am Sonntag, dem 22. März 2026 dabei bleiben. Schon um 7:03 Uhr gab es einen Morgengruß von einer charmanten Sprecherin. Und darin hieß es dann auch: „Wer europäische Literatur neu entdecken will, muss zur Halle 4. Hier findet an allen Messetagen das Programm zum Fokusthema >Donau – Unter Strom und zwischen Welten< statt, das es in diesem Jahr an Stelle eines Gastlandes gibt. Die Veranstaltungen widmen sich Geschichten aus zehn Donauländern von Deutschland bis zur Ukraine. Migration, Kultur, Identität und Zeitgeschichte spielen hier eine große Rolle.“

So hat der Buchmesse-Ticker vom Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) mich also trotz anfänglicher Enttäuschung bis zur letzten Messestunde am Sonntag, dem 22. März 2026, auf Trab gehalten. Es war schön auf der Leipziger Buchmesse, auch wenn ich versucht habe, mich vorwiegend in einer Buch-Themennische (die ich aber hier nicht nur auf das diesjährige Motto bezogen wissen will) zu bewegen. Letztendlich war mein Versuch mit Erfolg gekrönt.
Anton Potche

Montag, 16. März 2026

„Kleidersammlung“

- Gedicht im Johrmarker Dialekt -

De Jankel hängt
am Zappebreet,
alt un abgschoss,
schun genäht.

E neii „Kleidersammlung“
steht ins Haus,
gudes Gwand
wannert sackweis naus.

De Jankel bleibt
am Zappebreet:
Rosticher Stacheldroht
tot ewich weh.


[Uf der Schanz, 1993]
Berns Toni



Worterklärungen:
- Jankel, de = der Janker (in Bayern & Österreich für wollene Trachtenjacke)
- Zappebreet, es = das Zapfenbrett, das Kleiderhackenbrett




Montag, 9. März 2026

Ein Wahlergebnis

 
Rathaus in Lenting
Foto: Anton Delagiarmata
Mit dem Ergebnis nach der Wahl meine ich das Wahlresultat der beiden Frauen mit rumäniendeutschen Wurzeln, die bei der gestrigen Kommunalwahl in Lenting für einen Platz im Gemeinderat kandidiert hatten. Das Resultat ihrer Kandidatur sieht so aus: Die Sozialdemokratin Elvine Oliar hat 1035 der SPD-Stimmen erlangt (1. SPD-Platz) und die Kandidatin der Christlich Sozialen Union, Erna Linz, 1301 der CSU-Stimmen (4. Platz). Mit diesen Ergebnissen sind beide auch weiterhin  Gemeinderätinnen in Lenting.

Ich wollte mich partout nicht mit dem Anschein begnügen, dass vorwiegend Frauen rumäniendeutscher Abstammung sich kommunalpolitisch engagieren. Also habe ich im Internet gesucht. 

Christian Peppel
FotoQuelle: SIEBENBÜRGER.de
Unweit von Lenting liegt die oberbayerische Gemeinde Hitzhofen. Dort ist Christian Peppel, geboren in Mediasch / Siebenbürgen, seit sechs Jahren Gemeinderat. Jetzt hat er auf Platz 2 der SPD-Liste kandidiert und mit 1097 Stimmen das drittbeste SPD-Resultat erzielt. Also hat der Inhaber des Betriebs Elektrotechnik Peppel unsere kommunalpolitische Männerehre gerettet. Das kann man besonders dann behaupten, wenn man in SIEBENBÜRGEN.de über den zweifachen Familienvater Folgendes lesen kann: „Von 1992 bis 2002 war er als Tänzer und Jugendleiter in den Tanzgruppen Augsburg und Ingolstadt aktiv und wirkte als Mitgründer der „Transilvanian Saxophones“ Ingolstadt mit. 2001 heiratete Peppel und fand 2005 in Hitzhofen seine Wahlheimat. Dort engagiert er sich seither intensiv im Gemeindeleben. Vorausschauendes Denken, nachhaltige und praktikable Lösungen sowie das konsequente Umsetzen von Vorhaben prägen sein politisches Selbstverständnis. Ein besonderes Anliegen sind ihm das Vereinswesen, ehrenamtliches Engagement und die Förderung junger Menschen.“

Foto: Anton Delagiarmata

Allen drei erfahrenen bayerischen Kommunalpolitiker/innen wünsche ich für die nächste Legislaturperiode viel Erfolg in ihrer Tätigkeit für das Gemeinwesen.


Und für die zwei Damen einen nachgereichten Blumenstrauß zum 8. März.

Anton Potche

Montag, 2. März 2026

Der 8. März ist heuer Frauen- und Wahltag

 
Das gilt auch für die Gemeinde Lenting im oberbayerischen Landkreis Eichstätt. Laut Wikipedia leben in dieser Ortschaft 4895 Menschen. Ihre Geschicke werden von 16 Gemeinderätinnen und Gemeinderäten gelenkt. Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 können die Lentinger ihre Favoriten über drei Listen hinweg wählen, panaschieren und kumulieren. Und wenn sie einen schlechten Tag erwischen oder grundsätzlich böse sind, können sie sogar ihnen antipathische Bewerber für ein Gemeinderatsamt streichen.

Auf zwei der Wählerlisten kandidieren auch bereits im Gemeinderat aktive Politikerinnen mit rumäniendeutschen Wurzeln. Und das wahrlich mit sehr guten Erfolgsaussichten. Auf der Liste der Christlich-Sozialen Union (CSU) ist auf Platz 3 Erna Linz, stammt aus dem Banat, vermerkt und die Liste der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) wird von einer Siebenbürger Sächsin, Elvine Oliar (zurzeit 3. Bürgermeisterin) sogar angeführt, steht also auf Platz 1. Auf der Liste der freien Wähler Lenting (FW Lenting) konnte ich keine mir bekannte Namen finden.

Erna Linz
FotoQuelle: CSU Lenting
Die ortseigene CSU stellt ihre Kandidaten mit einer jeweils selbst verfassten Vita kurz vor. Erna Linz (62 Jahre, verheiratet, 2 Kinder, Bäckereifachverkäuferin, Gemeinderatsmitglied, Hobbys: meine Enkelkinder, Kochen, Gärtnern) gibt von sich preis: „Seit über 36 Jahren lebt meine Familie in Lenting; und wir fühlen uns hier sehr wohl. Bereits seit 34 Jahren arbeite ich bei der Bäckerei Sipl. Die Arbeit als Gemeinderätin bereitet mir große Freude. Besonders am Herzen liegen mir die Themen Familie und Senioren. Ich möchte mich weiterhin dafür einsetzen, dass Lenting nachhaltig wächst, Familien gestärkt werden und unsere Infrastruktur zukunftsfähig bleibt, damit unsere Gemeinde auch in Zukunft lebenswert für Jung und Alt ist.“

Elvine Oliar
FotoQuelle: SPD Lenting
Die aus Siebenbürgen stammende Elvine Oliar wurde am 6. Februar 2025 zur 3. Bürgermeisterin Lentings gewählt. Ihr Wahlergebnis war beeindruckend: 14 zu 1 Stimmen. Sie ist 63 Jahre alt und seit 2014 Gemeinderätin. Ihre Profildaten unterscheiden sich nicht wesentlich von denen ihrer rumäniendeutschen Kollegin im Lentinger Gremium: Metzgereiverkäuferin, verheiratet, 2 Kinder, Mitgliedschaft in Vereinen, Verbänden und Organisationen, Krankenpflegeverein Lenting.

Ich wünsche beiden Landsfrauen viel Glück bei der kommunalen Frauentagswahl am 8. März 2026!
Anton Potche