Montag, 16. Mai 2022

Seppi und Peppi reden über die große Politik

Es ist angenehm kühl im Bahnhofscafé. Und man braucht keine Maske.

- Denkst du, der Scholz fährt zum Selinskyi?
- Niemals.
- Wieso?
- Weil der keinen Tisch hat wie Putin.
- Meinst du den Monstertisch?
- Ja. Lang, sehr lang.
- Warum braucht man den in der großen Politik?
- Der vermittelt Weite.
- ???
- Ja, du hast den Eindruck, du stehst auf dem Gipfel, am Kreuz, und siehst in der Ferne ein anderes Gipfelkreuz.
- Und das will Scholz?
- Ja. Wer das einmal erlebt hat, kommt nie mehr davon los. Du weißt schon: Der Berg ruft.
- Und der Scholz hat das beim Putin erlebt.
- Klar. Das hat doch die ganze Welt gesehen ... An dem langen Tisch … Und weit weg, irgendwo in der Ferne der Putin … Welch ein Ausblick … Mit Anblick!
- Ich verstehe. Gipfelkreuzausblickanblick.
- Traumhaft! Was muss das für ein Gefühl sein? Der Putin dort oben an dem Kreuz … auf dem Gipfel.
- Und der Ukrainer?
- Hat keinen Tisch ... keinen so langen. Das ist doch langweilig. Keine Landschaft und kein Horizont und kein Gipfel und kein Kreuz und kein Putin.
- Soll ich was bestellen?
- Ja, einen Whisky, UNO-Whisky. Heute mal nichts Russisches.
- Na gut. Bedienung!

Wir sind erst im Mai und schon steigen die Temperaturen an die 30°-Grenze. Da werden die Gehirne dampfen.

Montag, 9. Mai 2022

Eine Bereicherung

Kristiane Kondrat: Vogelkirschen – Erzählungen; Dr. Bachmaier Verlag GmbH, München, 2000; ISBN 3-931680-21-5; 137 Seiten; DM 22,80.

Die Schriftstellerin Kristiane Kondrat wurde 1938 in Reschitza geboren und hat wie so viele ihrer Landsleute als 35-Jährige ihre Heimat verlassen und sich in München niedergelassen. 1997 hat sie den Roman Abstufung dreier Nuancen von Grau im Stuttgarter Quell Verlag veröffentlicht, in dem sie laut literaturportal.de Teile ihrer noch in Rumänien entstandenen „Schubladenliteratur“ verarbeitet.

Mit Verarbeitung hat auch ihr drei Jahre später in München bei Bachmaier veröffentlichter Erzählband Vogelkirschen viel zu tun. Der Untertitel deutet es an: Kindheitserinnerungen aus dem Banater Bergland. Und im Vorwort wird ihre Intention ganz klar: „Die Stadt im Tal der Banater Berge, die wilden Kirschbäume am Hang, die Kindheit am Waldrand, die seltsamen Leute, wie sie das damalige Kind sah, die Atmosphäre jenes Ortes und jener Zeit, die es so nicht mehr gibt“, will sie festhalten, „damit sie nicht ganz und auf immer verloren“ gehen.

Auch der Kunstgriff, der dieses Buch von so manchen anderen Erinnerungsbüchern unterscheidet, wird hier angedeutet: die Sichtweise eines Kindes. Sie nicht zu verlassen, um dem analytischen Blick der Erwachsenen zu frönen, ist eigentlich die in diesem Buch spürbare Kunst des Schreibens. In 16 Erzählungen gelingt es Kristiane Kondrat (bürgerlicher Name: Aloisie Bohn), stoisch auf den Wegen ihrer Kindheit zu wandern, und zwar so, dass man den Eindruck hat, von einem kleinen Mädchen an der Hand genommen und durchs Domaner Tal geführt zu werden, bis hinauf auf den Hätschelberg, „ein Berg von Hagebuttensträuchern umwuchert, der Ort, wo sie alle friedlich nebeneinander liegen, die alten Sozialdemokraten und ihre gutkatholischen Ehefrauen“.

Das eine ist die Umgebung, das andere das in sie Hineingeborenwerden. Am Anfang eines langen Winters war es für die Ich-Erzählerin soweit. Dieses Zur-Welt-Kommen mutet an wie ein leichtes, kindliches Hüpfspiel: zwei, drei Sprünge vor, dann wieder einer zurück. Wirklich geboren wird erst zum Schluss, und das „viel zu früh“, aber immerhin an „einem Sonntag“. Und es war bald Krieg mit all seinen verstörenden und doch als normal empfundenen Auswirkungen auf Kinderseelen. Um einiges schlimmer war es in jenen Jahren um die Erwachsenen bestellt. Obwohl das Madl „an einem Sonntag geboren“ ward, sah ihr Vater sie an, „wandte sich dann enttäuscht ab und blieb zehn Jahre lang abgewandt: Er hatte sich einen Sohn gewünscht.“

Leben und Tod. Letzterer ist mit Kinderaugen gesehen viel erträglicher, als unsereins ihn wahrnimmt. „Jene, die für immer gingen, flüchteten sich in den Hätschelberg, und ihren Seelen wurde je eine Wolke als Bleibe zugewiesen. Großvaters Wolke kannte ich, sie war ganz weiß, kam immer wieder im Frühjahr und stand den ganzen Sommer über unserem Garten."


Voll im Leben stehen die vielen anderen Personen in Kristiane Kondrats Erinnerungen: Tante Gisela, Franzi-Onkel, Tante Mitzi, Onkel Georg, Tante Deli u.v.a., aber auch die Spielgefährten Erna, Joschi (groß und klein), Mila, Elsa u.a. Sie alle geben kein klares Bild ab, bestimmen aber das Erinnerungsfundament der Erzählerin. Der Überbau bleibt oft nebulös, gekennzeichnet von Gegenstandslosigkeit, kindlicher Fantasie: „Der Zwiebelturm hat mit seinem Kreuz eine weiße Wolke aufgeschlitzt. Weißer Flaum qualmt aus ihrem Bauch und fliegt in alle Richtungen, die geschlachtete Wolke fällt in sich zusammen und stirbt, eine Feder ist im Birnbaum in unserem Garten gelandet.“

Aber schon in der folgenden Erzählung sucht die Kinderfantasie – und jetzt die Erinnerung – schon fast krampfhaft Halt in einer Gegenstandsdominanz. Anders war der Untergang einer Welt und das Werden einer neuen an ihrer statt von einem Kinderköpfchen wohl schwer zu verarbeiten gewesen. In der Erzählung Die Lehmmenschen heißt es signifikant: „Alle, die ich in meiner frühesten Kindheit gekannt hatte, waren aus Holz geschnitzt: die Eltern, Tanten, Onkel, Großonkel, Großtanten, … […] Die Lehmmenschen sprachen eine Sprache, die, meinem Empfinden nach, nur noch wenig Ähnlichkeit hatte mit der ‚unserer‘ rumänischen Bauern. Sie hörte sich an wie ein strudelnder, breiter gelber Strom, der die Ufer überschwemmt. Vielleicht hat damals, mit diesem Strom, mit jenen unseligen Umsiedlungen und Verpflanzungen der Untergang unseres Städtchens begonnen.“

Und dieses Städtchen heißt heute noch Reschitza (rum.: Reșița). Warum sein Name in diesem Buch nicht zu finden ist, mag etwas mit der Gegenstandslosigkeit von Fantasie in Kinderköpfen – nicht Kindsköpfen! - zu tun haben und speziell auf Vogelkirschen bezogen mit einer sehr ansprechenden kindlichen – nicht kindischen! - Sprache. Für mich war dieses Buch eine Bereicherung. Dazu trugen sogar einige in den Texten verstreut auftauchende Wörter bei: Hätschel, Schmalzbrot, Zichorie-Kaffee, kraxeln, Krumbiern u.v.a. 

Anton Potche


Mittwoch, 4. Mai 2022

Das Schönste am Halbmarathon

Das Schönste am Laufen ist das Weglaufen und das Ankommen, wenn man es schafft. Zwischen den beiden Enden der Strecke, das gilt für alle Längen vom Hundertmeterlauf bis zum Marathon, gehört das volle Vergnügen nur den Zuschauern. Davon konnte ich mich wieder vom Ingolstädter Halbmarathon am vergangenen Sonntag überzeugen lassen.

Die Kleinen auf der
500-Meter-Strecke

Fotos: Anton Potche
Seit 20 Jahren wird in Ingolstadt ein Halbmarathon veranstaltet. Dazu gehört auch ein 5 Kilometer langer Fitness-Run für die, die sich nicht auf die lange Strecke von 21,1 Kilometer trauen. Oder sagen wir besser, für die Vorsichtigeren. Dann gibt es auch noch die Runningkids-Läufe für die Kleinsten und … die Mamas und Papas, die am Rande mitfiebern. Man sieht auch schon mal eine Mama sich mit ihrem Sprössling an der Hand vor dem Besenwagen irgendwie zwischen Geh- und Laufschritt fortbewegend. Aber zum Schluss kommen auch sie wie alle anderen an. Und das ist schön.

Schulstaffelläuferin unterwegs
Die etwas Größeren dürfen sich schon auf die wirkliche Halbmarathonstrecke durch die Stadt und ihr Umland begeben. Doch Vorsicht! Man sollte die Teenager nicht unterschätzen, denn die laufen eine Marathonstaffel von 6x3,5 km. Und da kann es schon mal passieren, dass der eine oder andere der Großen das Nachsehen hat. Überhaupt wenn Opa und Oma am Streckenrand das familieneigene Marathongewächs lautstark anfeuern.

Marathon im Rückwärtsgang

Und das bleibt dann letztendlich das Schönste am ganzen Marathonspaß: die lockere, oft lustige Atmosphäre im Zuschauersaum. Da kommen lockere Sprüche und aufmunternde Zurufe der Sorte: „Geht schon noch!“, „Zwei Drittel habt‘s scho!“, „Da komm vor mit deinem Klatschgerät (zu einer Dame unter den Zuschauern), das hilft bestimmt. Wirst sehen, wie die anziehen.“ „Ja, so, sehr gut.“ „Super, du siehst noch ganz munter aus.“ „Bravo! Auf geht‘s!“ Wenn dann ein Läufer oder eine Läuferin noch zur Welle à la Fußballfans anregt, erreicht das Aufmuntern unter den Zuschauern phonische Spitzenwerte. Und wenn irgendwann noch Läufer mit seit Jahren schon gefestigtem Bekanntheitsgrad in Stadt und Umgebung wie etwa der Rückwärtsläufer – das ist kein Scherz – vorbeilaufen, dann erfährt die Stimmung noch einmal eine Steigerung. Man steht unter Seinesgleichen, spricht miteinander, scherzt, klatscht sich die Hände wund. „So, jetzt bissel, die Hände schütteln, bis die nächste Gruppe kommt“, sagt einer und alle schütteln wirklich die rotgeklatschten Hände.

Auf dem Heimweg, habe ich mich gefragt, ob der Kriegstreiber im Kreml wohl fähig wäre, sich vorzustellen, dass Menschen sich friedlich, frohgemut und dem anderen gutgesinnt treffen können und dann wieder zufrieden und glücklich nach Hause gehen. Nein! Das glaube ich nicht.

Anton Potche

Samstag, 30. April 2022

April 2022 – Giarmata in den Medien

Die Trachtentruhe
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 01.04.2022
Am 3. April geht im Kulturheim Giarmata die Wettbewerbsveranstaltung Lada cu Zestre – Die Trachtentruhe über die Bühne. Teilnehmen werden Kulturgruppen aus Checea, Voitec und Giarmata. Dazu schreibt ZIUA DE VEST: „Das multiethnische Banat wird sich von seiner schönsten Seite mit ungarischen, deutschen, kroatischen und romanischen Tänzen und Liedern, sowie mit Kunstausstellungen und traditioneller Gastronomie präsentieren.”

Giarmata hat seinen ersten Landesmeistertitel
aus PrimăriaGiarmata  – FACEBOOK; Giarmata / Jahrmarkt; 03.04.2022
In Făgăraș fanden die Karate-Junioren-Landesmeisterschaften statt. Die Mannschaft von CSC Millenium Giarmata hat sich hervorragend geschlagen und viele Preise mit nach Hause gebracht.
Țuț Denisa hat gleich drei Medaillen gewonnen: Platz 1 in der Disziplin Kumite Einzeln, Platz 3 in der Disziplin Kata Einzeln, Platz 2 in der Disziplin Kata Mannschaft.
Champions aus Giarmata
FotoQuelle: FACEBOOK, Giarmata
Die anderen Mädchen und Buben aus Giarmata haben wie folgt abgeschnitten:
Bordoaga Selene – Platz 2 – Kata Einzeln
Pârvu Giulia – Platz 3 – Kumite Einzeln
Trăilă Ramona - Platz 2 – Kata Mannschaft
Dănilă Darius – Platz 3 – Kata Mannschaft
Trainiert werden die Jungen und Mädchen von Peagu Viorel.
+ + + Felicitări!
+ + +

Digitalisierung
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 13.04.2022
Das Portal hat eine Pressemitteilung des Rathauses Giarmata veröffentlicht, die vom Abschluss eines einjährigen Projektes zur Digitalisierung der Giarmataer Schulen berichtet. Mit der stattlichen Summe von 1.082.687 Lei wurden 463 Tablets, 23 interaktive Tafeln, 35 Laptops und zwei Webcams angeschafft, die den Schülern und Lehrern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Ein Großteil des Geldes stammt aus einem europäischen Entwicklungsfond und muss nicht rückerstattet (finanțare nerambursabilă) werden.
+ + + Hut ab! + + +

Heimniederlage
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 16.04.2022
Fußball – D-Liga  – Timiș / Temesch - 26. Spieltag
CSC Millenium Giarmata – CS Progresul 1906 Ciacova  0:1
Torschützen: Andrei Luca (Min. 88)
Aufstellung CSC  Millenium: NarițaDincă, Ursu, Stemate, Goia, Brădean, Pîrvulescu, Oprea, Stoica, Moroșan, Nichifofrel.
Reservespieler: Florescu, Sofronea, Vlăduți, Natanticu, Semco, Găină, Cengher, Francescu.
Tabellenplatz: 8  CSC Millenium Giarmata  42
+ + + In der 70. Minute hat Bogdan Moroșan von den Gastgebern leider nur die Latte getroffen. In der Torschützenliste liegt Moroșan mit 13 Treffern auf Plat
z 9. + + +

Auswärtssieg
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 16.04.2022
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 20. Spieltag
Unirea Uivar - CS Unirea Cerneteaz  1:2
Tabelle: 2  Unirea Cerneteaz  39
+ + + AS Juventus Pișchia liegt vorne mit 47 Punkten ... Na schau her, die Brikenaer!
+ + +

Investitionen
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 18.04.2022
Seit 2013 stellt die Firma Hamilton Central Europe in Giarmata hochsensible Medizin- und Laborutensilien wie etwa Spritzen, Nadeln,  Verdünnungsspender, Pipetten und vieles mehr her. Die Firma gehört zur Hamilton Company mit dem Hauptsitz in Reno / Nevada / USA. Zurzeit sind in dem Werk in Giarmata 300 Angestellte beschäftigt. Nachdem die Firma erst kürzlich 4,5 Millionen Euro für eine mechanische Zerspanungsfertigung (prelucrări mecanice prin așchiere) investiert hat, soll jetzt ein Presswerk auf dem neuesten Stand der Technik errichtet werden.
+ + + Wann ich denk, dass ich bei Audi als Zerspanungsmechaniker gearwet hun, no … Was no, saat mei bessri Hälft, nicks do, e Motorblock is doch ka Spritz … Asso wedder nicks mim Zrickgehn … + + +
 
Unentschieden nach den orthodoxen Ostern
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 26.04.2022
Fußball – D-Liga  – Timiș / Temesch - 28. Spieltag
CSC Millenium Giarmata – CS Unirea Sânnicolau Mare  2:2 (1:1)
Torschützen: Alexandru Nichoifor (Min. 10) und Florin Natanticu (Min. 61) für die Gastgeber sowie Flavius Tulcan (Min. 42) und Andrei Cărpinișan (Min. 82) für die Gäste
Aufstellung CSC  Millenium: GakosDincă (Min. 70, Vlăduți) Ursu (Min. 85, Sofronea), Stemate, Cenghel, Brădean, FrancescuOprea, Stoica (Min. 70, Semco), Moroșan (Min.46, Natanticu), Nichifofrel.
Reservespieler: Narița, Găină, Pârvulescu
Trainer: Cosmin Goia
Tabellenplatz: 8 CSC Millenium Giarmata  46
+ + + Der Trainer nach dem Spiel: „Seit ich in Giarmata bin, hatten wir noch nie so viele Torchancen.” + + +

Eine kurze Gemeindertssitzung
aus PrimăriaGiarmata  – FACEBOOK; Giarmata / Jahrmarkt; 27.04.2022
Etwas weniger als eine Stunde dauerte die Gemeinbderatssitzung in Giarmata. Neun Tagesordnungspunkte galt es abzuarbeiten. Exbürgermeister Virgil Bunescu hatte die Leitung inne. Es ging zügig mit der Abarbeitung der Punkte voran. / Neun Dossiers des bekannten Gesetzes 15 wurden genehmigt. / Am Ende der Strada Carol wollen drei Personen ein Grundstück von 12.325 m² von der Gemeinde erwerben, um drei Häuser und eine Pension zu bauen. Der Antrag wurde mit Auflagen genehmigt. Die Anwärter müssen innerhalb von 48 Monaten mit ihrer Investition starten. / 16.000 Lei hat das Rathaus für hilfsbedürftige Bürger der Gemeinde bereitgestellt. Alles was darüber hinaus benötigt wird, muss durch den Gemeinderat. / Auch der Giarmataer Schulsportverein Asociația Sportivă Comunală Giarmata darf sich über eine Unterstützung von 50.000 Lei freuen. / Im Rahmen der Kulturagenda 2022 wurden 10.000 Lei umgeschichtet. / Die Pfingstkirche (biserica penticostală) benötigt neue Stühle und Fenster. Die Gemeinde hilft mit 100.000 Lei. Hier gab es eine längere Diskussion. Irgendwie traut man in dem Gemeindegremium den Kirchen im Allgemeinen nicht. Bürgermeister Claudiu Mihălceanu hat die Diskussion mit der Feststellung beendet, dass man „alle Kirchen in der Gemeinde“ auch in Zukunft unterstützen wird. / Am ersten Maiwochenende feiern die Zorner ihre Ruga.
+ + + Ganz wichtig! Gemeinderat Virgil Bunescu war gut aufgelegt.“ 

Unwetterwarnung
aus TION.ro; Timișoara / Temeswar; 27.04.2022
Für ein Gebiet, zu dem auch Giarmata gehört, wurde für den Nachmittag des 27. April eine Unwetterwarnung herausgegeben. Die Feuerwehren der betreffenden Ortschaften wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Starker Wind, Hagel, erhöhte Blitzaktivität und Wolkenbrüche mit 15 bis 25 l/m² Wassermassen sind prognostiziert.

Mittwoch, 20. April 2022

Vor 50 Jahren geboren, vor 47 gestorben

Und doch lebendig, könnte man sagen. Fast. Wäre da nicht das Erinnern an Rolf Bossert. Er ist tot. Und damit sind wir nolens volens bei der Aktionsgruppe Banat. Und bei einem runden Geburtstag. Am 2. April 1972 soll diese Gruppe junger, sehr junger Dichter in einem Redaktionsraum der NEUEN BANATER ZEITUNG in Temeswar ins Leben gerufen worden sein. Klingt nach einem Aprilscherz. War es aber nicht. Oder doch? Vielleicht, wenn man bedenkt, dass es den jungen literarischen Kombattanten gar nicht bewusst war, dass sie gerade eine geschichtsträchtige Aktions vollzogen, die so manchem von ihnen noch Kopfzerbrechen bereiten sollte. Dabei haben sie doch nur diskutiert, beschwören sie heute noch. Aber geschehen ist geschehen. Wenn die Geschichte mal von dir Besitz ergriffen hat, gibt es kein Entrinnen mehr.

Aber es gibt immer noch verschiedene Formen des Erinnerns. Etwa ein Gespräch über die Aktionsgruppe Banat, ein Gespräch unter sechs Augen, geführt von einem Literatur- und Kulturbesessenen und zwei Gründungsmitgliedern dieser Gruppe. Und bei YouTube oder Facebook noch immer abrufbar. Die Protagonisten dieses sehr interessanten Gesprächs: Erwin Josef Țigla, der Initiator, und die zwei Kombatanten aus alten Zeiten, Dr. Anton Sterbling und Albert Bohn.

Erwin Josef Țigla (l.) und
Anton Sterbling

Screenshot: Anton Potche
Eigentlich begann alles ganz harmlos in einem Großsanktnikolauser Lyzeum. Dort trafen sich junge Burschen, die mehr als Fußball und Mädels im Sinn hatten. Nämlich auch Literatur. Anton Sterbling erwähnt Werner Kremm, William Totok, Johann Lipett und Richard Wagner. Er selber stieß ein Jahr später zu dieser Gruppe. Während der folgenden Studentenzeit kamen noch Gerhard Ortinau, Ernest Wichner, Albert Bohn und Rolf Bossert dazu. Was ging in den jungen Köpfen vor, kann man sich fragen. Sterbling spricht von „Entdeckung der Welt“, „Erkennung der Welt“, „Erschließung der Weltdarstellung“ und von einer „Zeit der intellektuellen Prägung“. E. J. Țigla versucht durch seine Fragestellung, die Atmosphäre jener Zeit in der rumäniendeutschen Literaturszene zu eruieren. Und Sterbling lässt sich nicht zweimal um Auskunft bitten. Da waren sie, die Mitglieder der Aktionsgruppe und ihnen nahe stehende Freunde wie etwa Helmuth Frauendorfer, Roland Kirsch, Herta Müller, Horst Samson und Werner Söllner. Es gab aber auch als Autoritäten geltende Schriftsteller und Literaturkritiker der deutschen Sprache. Erwähnung finden in diesem Gespräch Paul Schuster, Gerhardt Csejka, Anemona Latzina, Helga Reiter, Peter Motzan und Bernd Kolf. Und es gab „zu den anderen eher ein kritisches Verhältnis. [...] Das war schon eine gesunde Konkurrenz, die sich damals auch entwickelt hat.” Und wichtig war auf jeden Fall die Unterstützung, die aus den Reihen der Älteren trotzdem kam. Natürlich fällt in dem Gespräch auch irgendwann das Wort „Securitate”. Da gibt es bestimmt in der Aktionsgruppe und bei anderen rumäniendeutscher Schriftstellern dieser Generation verschiedene Empfindsamkeiten, die etwas mit der Auswanderungszeit der Betroffenen zu tun haben. Anton Sterbling und Ernest Wichner sind schon 1975, dem Jahr der Zerschlagung dieser Gruppe, in die Bundesrepublik Deutschland ausgewandert, während die anderen noch Einiges durchmachten, bis sie Rumänien freiwillig oder notgedrungen verlassen konnten. Darum heißt es in Sterblings Stellungnahme auch eher lapidar, dass der Aufmarsch der Securitate eine „gewisse Bedeutung“ der Akionsgruppe Banat unterstreicht.

Erwin Josef Țigla (l.) und
Albert Bohn
   Screenshot: Anton Potche
Das zweite Aktionsgruppemitglied in diesem anderthalbstündigen Gespräch gehört nicht zu den Gründungsmitgliedern, wie er gleich zu Beginn seiner Einlassung betont, sondern ist zwar auch 1972 zur Gruppe gestoßen, doch nachdem sie sich schon als solche formiert hatte. Er, Albert Bohn, hatte aber schon literarische Gruppenarbeit im Arader Literaturkreis Nikolaus Schmidt kennengelernt. Ausgereist ist er im Jahre 1981 und nicht 1975, wie man bei WIKIPEDIA nachlesen kann. Er ist eigentlich das Mitglied, von dem man in Deutschland am wenigsten gehört hat, weil er sich nach seiner Ausreise weitgehend aus dem literarischen Leben zurückgezogen hat. Eigentlich schade, kann man auch nach dieser Online-Veranstaltung mit Fug und Recht sagen, denn beide Mitglieder der Aktionsgruppe lesen Gedichte aus ihren Œuvres. Und die sind nicht die schlechtesten. Wie sich Gelesenes in Dichterköpfen einprägen kann, um sich dann in Kreation umzuwandeln, kann man sehr gut an Bohns Gedicht Lied der Fischer nachvollziehen. Als ich dieses Gedicht des damals 16-jährigen Dichters hörte, dachte ich sofort an Paul Celan. Und ich erinnerte mich auch gleichzeitig, dass ich in meinem damaligen Alter Karl May regelrecht verschlungen habe, ohne etwas von einem Paul Celan gehört zu haben.

Erwin Josef Țigla hat zu diesem Gespräch eingeladen. Und er hat es sich nicht nehmen lassen, diese Video-Veranstaltung mit einem Paukenschlag zu schließen: eine Lesung mit Rolf Bossert von einer Electrecord-Schallplatte aus dem Jahre 1982, die noch weitere Lesungen von Richard Wagner, William Totok, Horst Samson, Johann Lippet, Helmuth Frauendorfer und Werner Söllner enthält. Die Vinyl-Produktion trägt den Titel Junge deutsche Dichter aus dem Banat – Tineri poeți germani din Banat.

Das sehr interessante Video wurde am 1. April 2022 auf YouTube veröffentlicht. Bis heute haben es 66 User dort angeklickt. Wer meint, das wäre wenig, kann sich die Schilderung von Anton Sterbling zu Gemüte führen. Der sagt nämlich in diesem Gespräch (https://www.youtube.com/watch?v=9QX6CuKImt4 ) unter anderem auch: „Wir sind dann in der Zeit [Studentenzeit, A.d.V.] immer wieder mal in den einen oder anderen Ort, auf die Dörfer gefahren. Das war so bisschen die Naivität, die Literatur bekannt zu machen durch Lesungen. […] Die Resonanz war nicht allzu groß, wie man sich das vorstellen kann. Und auch das Verständnis für unsere Art von Literatur war wahrscheinlich auch begrenzt bei der banatschwäbischen Bevölkerung. Wie überhaupt, wer lässt sich schon von Literatur gewöhnlich ansprechen? Das sind immer nur kleinere Bevölkerungsteile, Bevölkerungsgruppen.“ (Selber Schuld, würde ich sagen. Warum haben die Jungs sich keine Blaskapelle zu ihren Lesungen eingeladen?)

Anton Potche