Dienstag, 2. Juli 2024

Das vierte Spiel

Rumänien – Niederlande 0:3

Sport ist eine Kultursparte wie bildende Kunst, Literatur oder Musik. Es kommt immer darauf an, was man aus der entsprechenden Kunstform macht. Manchmal kann auch Sport Kunst sein, und ab und zu sogar Fußball. Die Ingolstädter Tageszeitung DONAUKURIER hat sich eine Rubrik einfallen lasse, die sie unter dem Titel EM-Serie „Länderspiel“ führt und damit 24 Steckbriefe der teilnehmenden Mannschaften, besser gesagt ihrer Heimatländer, veröffentlicht.

Die Folge 9 dieser Kulturschau stellt Rumänien vor. Der diesen Beitrag signierende Journalist Alexander Petri (andere Artikel der Serie wurden von anderen Zeitungsschreibern verfasst) hat den etwas rätselhaften Titel Dracula saugt Blut und manchmal Geld für seine kurze Präsentation gewählt, die er anhand von neun Stichworten anschaulich in Kurzform präsentiert – aber schon etwas ausführlicher als hier dargestellt.
1.) Schönes Klischee – lässt auch Nichtkenner Rumäniens schnell an Transsylvanien und Graf Dracula denken.
2.) Nationalgericht – kann für Kenner dieses Landes nur Mititei sein. Aber mit Senf bitte.
3.) Nationalgetränk – Țuica. Was sonst? Deutsch geschrieben ist es Zuika, ein „beliebter Pflaumenschnaps“.
4.) Erstes Wort der Nationalhymne – hat etwas mit Erwachen zu tun, ist aber nicht unbedingt als Glaubensbekenntnis (Auferstehung) gedacht.
5.) Diese Deutschen hinterließen Eindruck – gemeint sind die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben.
6.) Das muss man gesehen haben – kann es aber nur zwischen Juli und Oktober. Im Rest des Jahres ist die Hochbergstraße über das Făgăraș-Gebirge gesperrt.
7.) Marktwert der Nationalmannschaft – halb so groß wie der des Engländers Jude Bellingham.
8.) Berühmtester Nichtfußballer des LandesIon Țiriac.
9.) Flagge – Blau, Gelb, Rot.
Und wer ist mit dem „Blut und manchmal Geld“ saugenden „Dracula“ gemeint. Des Rätsels Lösung steht unter einem Foto: „Graf Dracula der Tenniswelt: Ion Țiriac ist bekannt als Unternehmer und Ex-Manager Boris Beckers. Der 85-Jährige ist laut FORBES zweitreichster Rumäne.“

So viel zur Kultur eines Landes, die im Groben von der Sportseite einer Zeitung vermittelt wird. Immerhin kann so zumindest Neugierde oder gar Interesse für ein Land, das man nicht kennt, erweckt werden. Je länger eine Mannschaft oder ein Sportler im Wettbewerb bleibt, je interessanter wird sie oder er für die Zuschauer im Stadion oder vor dem Fernseher. Und das ist schon mal eine positive Charakteristik einer internationalen Sportveranstaltung.

Die rumänischen Fußballer haben immerhin bis zu ihrem vierten Spiel bei der Fußball-Europameisterschaft die Blicke vieler Fußballfans auf Land und Leute ihrer Heimat angelockt. Im Achtelfinale dieser Veranstaltung trennte sich aber schon mit kleinen Ausnahmen die Spreu vom Weizen. Die Rumänen haben nach 2000 heuer zum zweiten Mal die Gruppenrunde überstanden. Gestern Abend war in der Münchner Allianz-Arena aber Schluss. Sie hatten in ihrem vierten Spiel gegen die Niederländer (oder Holländer, oder Oranje, oder Elftal) nicht den Hauch einer Chance und verloren mit 0:3.

Der Co Kommentator von ARD, Thomas Hitzlsperger, warnte schon vor dem Spiel: „Die Rumänen sollten sich nicht so sehr von der Euphorie leiten lassen.“ Genau das machten dann aber die temperamentvollen Kicker aus dem südosteuropäischen Land. Sie rannten wild gegen die zu Beginn gedoppelten Abwehrreihen der Niederländer an. Das lief so eine gute viertel Stunde. Dann lösten sich die Niederländer aus ihrem Verteidigungssystem und begannen das Tor der Rumänen zu bedrängen.

Unter den Augen von Gheorghe „Gică” Hagi (*1965) und Mircea Lucescu (*1945) in den Zuschauerrängen flog der Ball dann schon in der 20. Minute in Florin Nițăs Tor. Cody Gakpo, einer der besten Niederländer, hat mit einem satten Schuss aus der linken Strafraumseite getroffen. In der 36. Minute musste der Verteidiger Vasile Mogoș, bei CFR Cluj unter Vertrag, nach einem heftigen Zusammenprall mit einem Niederländer ausgewechselt werden. Für ihn kam Bogdan Racovițan - spielt in Polen bei Raków Czestochowa. Am Spiel änderte sich aber nichts. Immerhin ging es mit nur 1:0 in die Pause.

In der zweiten Hälfte hatte man Phasenweise das Gefühl, die Rumänen würden mit einer zweiten Luft agieren. Als die aber immer spärlicher wurde, wechselte der rumänische Trainer Edward Iordănescu in der Hoffnung, doch noch eine Verlängerung zu erzwingen. Diese Hoffnung machte aber Donyell Malen gleich zweimal in der 83. und 93. Minute zunichte.

Die Niederländer scheinen einen Formanstieg zu verzeichnen. Ob der sich fürs Viertelfinale konserviert oder intensiviert, werden wir bald erfahren.

Mannschaften


Rumänien: Florin Niţă - Andrei Raţiu, Radu Drăguşin, Andrei Burcă, Vasile Mogoş (Bogdan Racoviţan, 38) - Marius Marin (Alexandru Cicâldău, 72) - Dennis Man, Nicolae Stanciu (Darius Olaru, 88), Răzvan Marin, Ianis Hagi (Denis Alibec, 72) - Denis Drăguş (Valentin Mihăilă, 72).

Niederlande: Bart Verbruggen - Denzel Dumfries, Stefan de Vrij, Virgil van Dijk, Nathan Ake (Micky van de Ven, 69) - Jerdy Schouten (Joey Veerman, 69), Xavi Simons, Tijani Reijnders - Steven Bergwijn (Donyell Malen, 46), Memphis Depay (Daley Blind, 90+2), 11. Cody Gakpo (Wout Weghorst, 84).

Die deutschen Schiedsrichter Felix Zwayer sowie seine Assistenten Stefan Lupp und Marco Achmüller hatten mit dem durchwegs fairen Spiel keine Probleme.

Anton Potche

Sonntag, 30. Juni 2024

Juni 2024 – Giarmata in den Medien

 Immerhin
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 02.06.2024
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 28. Spieltag
CS Utvin -  CS Unirea Cerneteaz   0:0
Tabellenplatz:  6  CS Unirea Cerneteaz  48

Fertig
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 04.06.2024
Die Erweiterung der Kreisstraße DJ 691 zwischen Timișoara und der Auffahrt auf die A1 bei Giarmata ist beendet. Die Arbeit wurde von der Firma SC Strabag SRL ausgeführt und bekam bisher fast nur positive Beurteilungen. Kreisratsvorsitzender Alin Nica hat sich auch geäußert: „DJ 691 ist eine sehr wichtige Straße sowohl für Timișoara als auch die Ortschaften aus der metropolitanen Zone. Das war eine schwer zu verwaltende Investition, aber wir hatten Vertrauen, sogar nach dem Fiasko mit der ersten Firma, dass Strabag den Vertrag erfolgreich erfüllen wird, und so war es auch. Die Menschen sehen schon den Nutzen einer solchen Arbeit, in Rekordzeit realisiert, nachdem wir alle geerbten Blockaden eliminiert hatten. Das Projekt DJ 691 zeigt, dass man mit Determination und Interesse, die Probleme der Bürger zu lösen, sein Ziel erreichen kann.”
+ + +  Die vielen Fotos in dem Artikel sprechen eine ähnliche Sprache. + + +

Gut gemacht 
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 04.06.2024
Fußball – D-Liga  – Timiș / Temesch - 37. Spieltag
CS Comloșu Mare - CS Millenium Giarmata  1:2
Tabellenplatz:  8  CS Millenium Giarmata  52

Eine schöne Summe
aus TimișPlus.ro, Timişoara / Temeswar, 04.06.2020
270 Läufer haben sich an der Aktion „Giarmata în mișcare“ beteiligt und dabei 15.000 Euro für karitative Zwecke eingesammelt. Sechs Projekte in Giarmata und Cerneteaz sollen von diesem Geld unterstützt werden. Diese Summe „zeigt, wie stark wir gemeinsam sind“, sagte Bürgermeister Claudiu Mihălceanu.
+ + + Und für die anstehende Kommunalwahl kann so ein Ereignis auch nicht schaden. + + +

Toreflut bei den zweiten Mannschaften
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 04.06.2024
Fußball - Liga 6 Promoţie Seria IV - Municipal 2 Timişoara - 18. Spieltag
Pindul Dudeștii Noi - Unirea II Cerneteaz   8:3
Millenium 2 Giarmata – Electrica 1929  4:3
Tabellenplatz: 4  Millenium 2 Giarmata  31
                     5  Unirea II Cerneteaz  30

Zwei Claudiu-Kandidaten
aus PressAlert.ro, Timişoara / Temeswar; 05.06.2024
Claudiu Coman aus Sânandrei und Claudiu Mihălceanu aus Giarmata wollen ihre  Kommunen auch in die nächste Legislaturperiode führen. Beide legen großen Wert auf die noch anstehenden Infrastrukturmaßnahmen. „Die liberalen Administrationen setzen die Entwicklungsprojekte fort”, so der Titel des Artikels. Und als Signatur steht: „Beantragt von der Nationalliberalen Partei – Filiale Timiș“.
+ + + Quizfrage: Welcher Partei gehören die zwei Herren an? + + +

Schweres Geschütz
aus Virgil Bunescu - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 07.06.2024
Noch zwei Tage bis zu den Kommunalwahlen in Rumänien. In Giarmata versucht Virgil Bunescu mit einem Spitzenpolitiker im Wahlkampf zu punkten: Sorin Grindeanu, Verkehrs- und Infrastrukturminister. Bei dieser Gelegenheit, ließ der Exbürgermeister die Anwesenden – auf der Straße vor dem Feuerwehrhaus – auch wissen, dass der Minister „ein nepot (Neffe oder Enkel) des ehemaligen Direktors der IAS Giarmata, die größe IAS, die es in Rumänien gab, ist”.
+ + + Also „nepot” hat nicht immer etwas mit Nepotismus zu tun. + + +
 
Oh weh!
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 08.06.2024
Fußball – D-Liga  – Timiș / Temesch - 38. Spieltag
CS Millenium Giarmata – CS Sânandrei-Caran  0:5
Tabellenplatz: 9  CS Millenium Giarmata  52
+ + + Ich moon, die Giarmataer ware mi ’m Kopp schun bei de Wahle. Awwer des war jo sowieso de letzt Spieltach forr die Meisterschaft 2023 – 2024. + + +

Des schaut schunn besser aus
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 08.06.2024
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 29. Spieltag
CS Unirea CerneteazCS Viitorul Bencec  4:0
Tabelle: 5  Unirea Cerneteaz   51

Für sauberes Trinkwasser
aus BanatulMeu.ro, Timişoara / Temeswar; 09.06.2024
Vom 10. Bis 14. Juni wird in Giarmata die Trinkwasserzufuhr von 9 bis 15 Uhr unterbrochen wegen Reinigungsarbeiten an den Leitungen.

Das zweite Mandat für Claudiu Mihălceanu
aus ClaudiuMihălceanu – FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 10.06.2024
Die Kommunalwahl in Giarmata vom 9. Juni 2024 hat folgendes Resultat ergeben: PNL – 9 Sitze im Gemeinderat, Bürgermeisterkandidat: Claudiu Mihălceanu - 57,08%; PSD – 3 Sitze, Bürgermeisterkandidat: Virgil Bunescu – 19,88%; AUR – 3 Sitze, Bürgermeisterkandidat: Gligor Lucian – 10,66%. Mihălceanu bedankt sich im Internet bei seinen Wählern: „Eure Stimme ehrt mich und verpflichtet mich zu gleicher Zeit, auf dem beschrittenen Weg weiterzumachen. Ich danke Euch! Ich verneige mich vor euch!”

Heiratsaufgebote im Rathaus
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 10.06.2024
10. Juni 2024: Calotescu Cristian-Ioan-Nicolae und Topak Alina-Claudia
20. Juni 2024: Mihălceanu Claudiu und Muzicas Denisa-Monica
25. Juni 2024: Seitar Alexandru-Nicolae und Armanchi Florenta-Beatrice
+ + + Ich moon, de Bürgermaaster vun Giarmata is unner der Haub. + + +

Kein Strom und kein Wasser
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 17.06.2024
In der KW 25 wird wegen Instandhaltungsarbeiten in Temeswar und im Kreis Temesch an mehreren Stellen die Stromzufuhr unterbrochen. In Giarmata wird am 20. Juni die Firma Marton Container von 9:00 bis 17:00 betroffen sein. Auch die Trinkwasserleitungen werden stellenweise ausgewaschen. In Giarmata sind davon in der gleichen Woche die Straßen Traian Vuia, Morii, Gării, Trandafirilor, Ardealul, Pobeda sowie das Tinerilor-Viertel von 9:00 bis 15:00 betroffen, meldet die Firma Aquatim.
+ + + Nicht vergessen: Das Wasser wird nach dem Eingriff trübe sein. Also vor dem Benutzen reichlich Wasser laufen lassen. + + +

 

Donnerstag, 27. Juni 2024

Das dritte Spiel

 Slowakei – Rumänien 1:1

Statistiken sagen auch im Sport viel aus, aber beileibe nicht alles. Vor allem können sie aber Mut machen, besonders wenn man an sie glaubt. Schaut man sich einige Statistiken des bisherigen Turnierverlaufs an, so kann man erkennen, dass die Rumänen gar nicht so schlecht dastehen. Obwohl sie in der FIFA-Weltrangliste nur den 46. Platz belegen und einen Gesamtmarktwert von lediglich 92,13 Millionen EURO aufweisen, sind aktuelle Statistiken durchaus ermutigend und zeigen auf spielerische Qualitäten rumänischer Spieler hin.

Die Niederlage gegen Belgien scheint der öffentlichen Wahrnehmung der rumänischen Mannschaft und besonders einiger Kombattanten kaum abträglich zu sein. Zumindest bis jetzt. Die „Tricolorii“, wie die Fans ihre Mannschaft nennen, stehen bei totaler Punktegleichheit an der Spitze der Gruppe. Dennis Man führt zusammen mit dem Holländer Nathan Ake die Tabelle der Spieler mit den meisten Assists an. In einer anderen Klassifizierung wird Valentin Mihăilă als bisher schnellster Spieler der EM geführt. Mit 35,8 Stundenkilometer wurden seine Sprints gemessen. Torwart Florin Niță gehört mit 10 abgewehrten Schüssen zu den Besten seines Metiers. Nur der Georgier Giorgi Mamardashvili hat mit 15 parierten Schüssen eine bessere Bilanz vorzuweisen.

Das sind keine schlechten Attribute, mit denen die Rumänen gestern um 18:00 Uhr in ihr drittes Spiel bei der EM ‘24 in Frankfurt starteten. Schon im Vorfeld wurde von Fußballexperten befürchtet, die Rumänen könnten sich mit den Slowaken die Punkte friedlich teilen, was sie einerseits weiterbringen würde, andererseits aber ein langweiliges Ballgeschiebe zur Folge haben könnte. 

Dem war zum Glück nicht so. Es ging gleich temporeich los, mit Chancen auf beiden Seiten. Den Slowaken gelang dann in der 24. Minute ein schönes Kopfballtor durch Ondrej Duda. Auch im Gesamtüberblick hatte man den Eindruck, die slowakische Mannschaft spiele etwas strukturierter. Ihr gelangen immer wieder mal Ballstafetten, die sie gefährlich vor Florin Nițăs Tor brachten.


Die Rumänen antworteten mit sporadischen, aber nicht ungefährlichen Gegenangriffen. Der zum ersten Mal von Anfang an spielende offensive Mittelfeldspieler Ianis Hagi von Deportivo Alamés (Spanien) wurde in der 37. Minute auf der rechten Seitenmarkierung des slowakischen Strafraums gefoult und bekam einen Strafstoß zugesprochen, den Răzvan Marin sicher verwandelte. Mit diesem Ergebnis stand Rumänien wieder auf dem ersten Platz der Gruppe E. Und so sollte es auch bleiben bis zum Schluss, denn das parallel laufende Spiel Ukraine – Belgien endete ein wenig überraschend 0:0. Die Situation in dieser Gruppe ist auf jeden Fall einzigartig in der Geschichte des Turnierfußballs: Alle vier Mannschaften haben die Gruppenspiele mit einem gleichen Punktestand (4) abgeschlossen. Nur das jeweilige Torverhältnis trennt sie voneinander: 1. Rumänien (4:3), Belgien (2:1), Slowakei (3:3) und Ukraine (2:4). Weil die Slowakei 4 Punkte hat, rückte auch sie als eine der bestplatzierten Dritten ins Achtelfinale vor. 

Erst ab der 75, 80 Minute hatte man den Eindruck, die Rumänen und Slowaken wären mit dem Schicksal, das da Eins zu Eins hieß, einverstanden. So schlimm wie damals in Gijón zwischen Deutschland und Österreich (WM 1982) war es aber trotzdem nicht. Von einem Nichtangriffspakt konnte keine Rede sein. Vielleicht könnte man sagen, die zwei Kombattanten haben sich ehrenwert aus der Affäre gezogen. Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert dürfte es wohl auch so gesehen haben. Er jedenfalls hatte keine großen Probleme mit dem Spiel. Seine Entscheidungen waren stets korrekt und sein Agieren unauffällig.


Mannschaften

Slowakei: DubravkaPekarik (90. + 2 Ggyömber), Vavro, Skriniar, HanckoLobotkaKucka, Duda (90. + 2 Bero) – Schranz (78. Duris), Haraslin (70. Suslov) – Strelec (70. Bozenik).

RumänienNiță - Rațiu, Drăgușin, Burcă, Bancu - Marius MarinHagi (66. Man), Răzvan Marin (86. Rus), Stanciu, Coman (58. Sorescu)Drăguș (67. Pușcaș).


Die Rumänen treffen am 2. Juli 2024 um 18:00 Uhr auf die Niederlande.


Anton Potche

Sonntag, 23. Juni 2024

Das zweite Spiel

Rumänien – Belgien 0:2

Die rumänischen Medien haben sich nach dem Erfolg gegen die Ukraine in ihren Berichterstattungen schlicht überboten. Jeder wollte den interessantesten Artikel oder Radio- und TV-Beitrag produzieren. So sieht Euphorie in der Medienwelt nun mal aus. Die in Temeswar erscheinende GAZETA de VEST hat einen namhaften Fußballer der 1970er & 1980er Generation interviewt: Marcel Răducanu, eine Borussia-Dortmund-Legende, wie der Autor des Interviews Matei Alexandru schreibt. Der Dribbelkünstler von CSA Steaua Bukarest - 1972 bis 1981 (229 Spiele, 94 Tore), BVB 09 Borussia Dortmund – 1982 bis 1988 (163 Spiele, 31 Tore) und FC Zürich 1980 bis 1990 (47 Spiele, 12 Tore) spielte 21 mal für die rumänische Nationalmannschaft und erzielte drei Tore.

Das Interview wurde zwar vor dem Spiel Rumänien – Ukraine aufgenommen, einige Aussagen Răducanus haben aber allgemeine Gültigkeit. Der Fußball hat sich nach seiner Erkenntnis „entwickelt, ist viel athletischer, viel Taktik. […] Heute musst du auch als Sturmspitze in der Verteidigung mithelfen. Er hat sich komplett geändert, ja, ich will nicht sagen, dass er schöner ist, aber er ist viel schneller.“

Im Spiel gegen die Ukraine hat besonders der rumänische Kapitän Nicolae Stanciu (31) einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der rumänische Fernsehsender DIGIsport hat von der belgischen Internetplatform SPORZA eine Charakterisierung Stancius von Youri Tielemans (27) übernommen. Die zwei waren Mannschaftskollegen bei RSC Anderlecht (Belgien) in der Spielzeit 2016/2017. Der belgische Mittelfeldstratege spielt seit letztem Jahr bei Aston Villa in der Premier League und erinnert sich: „Er ist ein sehr guter Spieler, technisch mit einer starken Laufleistung. Stanciu hat eine große Zuneigung für sein Land, wie alle Rumänen. Als Kapitän muss er versuchen, die Mannschaft anzuführen, was ihm gegen die Ukraine sehr gut gelungen ist.“

Blieb also abzuwarten, wie er seine Fähigkeiten gegen die Belgier in den Dienst der Mannschaft stellen kann. Youri Tielemans war das gestern Abend um 21 Uhr und 74 Sekunden egal. Er schoss im EM-Spiel Belgien – Rumänien (Gruppe E) eine Minute und 14 Sekunden nach Anpfiff seine Mannschaft im Rheinenergiestadion (bekannt als Müngersdorfer Stadion) in Führung. Die Zuschauer im Kölner Stadion erlebten ein „energiegeladenes“, von einem „mega Tempo“ (ZDF-Moderator) geprägtes Spiel.

Iordănescu schickte mit einer Ausnahme, Valentin Mihăilă anstelle von Florinel Coman, dieselbe Formation wie gegen die Ukrainer aufs Spielfeld. Was folgte war erst mal das erwähnte Tor und danach ein insistentes Anrennen der Belgier auf das gegnerische Gehäuse, immer wieder unterbrochen von rumänischen Gegenangriffen, die leider kein Tor einbrachten. Die Belgier sind von der Physis her viel robuster, als die geschmeidigen Jungs aus dem Lande der Karpaten. Von einer Dracula-Bösheit war daher bei ihren Zweikämpfen in den Eins-zu-Eins-Situationen nichts zu spüren. Sie blieben stets zweite Sieger. Trotzdem sprachen der Fernseh-Kommentator und Co-Kommentator, auch noch Spezialist genannt, von einem „rassigen Duell“ und einem „klasse Auftritt der Männer in Gelb“ … und meinten die Rumänen. Dieser Eindruck war bestimmt nicht falsch, denn das Spiel lebte von seiner Schnelligkeit und den daraus resultierenden Torszenen, die allerdings erst in der 79. Minute zum Erfolg führten, als Kevin De Bruyne einen Wimpernschlag vor dem heranfliegenden rumänischen Torwart Florin Niță, spielt bei Gaziantep FK in der Türkei, den Ball ins Tor beförderte. Damit war das 2:0 für Belgien besiegelt und die Punktegleichheit in der Gruppe vor dem letzten Spieltag am 26. Juni um 18 Uhr (Slowakei – Rumänien sowie Ukraine – Belgien) hergestellt.

Gestern Abend spielte die Pianistin Yuja Wang, begleitet von den Berliner Philharmonikern unter Kiril Petrenko, in der Berliner Waldbühne Sergej Prokofjew Klavierkonzert Nr. 1 Des-Dur op. 10. Wer diese chinesische Künstlerin schon mal in ihrem aufreizenden Outfit gesehen und ihr Klavierspiel gehört hat, wird ihren Auftritt nicht so schnell vergessen – besonders Männer. Die Moderatorin dieses Freilichtkonzertes erwähnte, dass Kritiker Prokofjews Klavierkonzert „einen gewissen Fußballcharakter bescheinigt“ hätten. Sie werden damit wohl das zauberhafte gleiten der Finger beider Hände über die Tastatur gemeint haben. Oder den Rhythmus, das Tempo … Auch wenn wir ein weitgehend faires Spiel gesehen haben, muss man doch zugeben, dass es auf dem Rasen in der Regel etwas rustikaler als auf einer Klaviertastatur (zumindest bei klassischer Musik) zugeht.

Mannschaften
Belgien: Casteels Faes, Vertonghen, Theate (77. Debast) – Tielemans (72. Mangala), Onana, Castagne, Doku (72. Carrasco) – De Bruyne Lukebakio (56. Trossard), Lukaku.

Rumänien: Niță - Rațiu (90. Sorescu), Drăgușin, Burcă, Bancu, Marius Marin (68. Olaru) – Man, Răzvan Marin, Stanciu, Mihăilă (68. Hagi) – Drăguș (81. Alibec).

Anton Potche