Sonntag, 12. Juli 2026

Eine bekannte Landsmännin bei den Deutschen Literaturtagen in Reschitza

 
Wenn von Kultur- und besonders Literaturveranstaltungen die Rede ist, fällt oft der Name Katharina Kilzer, die nach Jahrmarkter Brauch den Spitznahmen Bernads Kathi trägt – was aber meistens nur Exjahrmarkter, also ausgewanderte Banater Schwaben aus Jahrmarkt wissen. Am vergangenen Mittwoch gab es wieder eine Gelegenheit, in der deutschen Sendung von Radio Timișoara / Temeswar der bekannten „Vorlesestimme“ von Katharina Kilzer zu lauschen.

Mittwochs ist diese einstündige deutsche Sendung von Temeswar in der Regel kulturellen Themen vorenthalten. Das heißt für mich oft, dem runden Assistanten an unserer Küchenwand um 19:00 Uhr MEZ den Befehl zu geben „Hey Google … Radio Timișoara”. So auch vorige Woche am 8. Juli. Zehn Minuten nach Sendebeginn hieß es Kulturspiegel. „Die 36. Auflage der Deutschen Literaturtage in Reschitza fand im Zeitraum 26. - 29. März in der deutschen Bibliothek „Alexander Dietz“ statt. […] In den nächsten Wochen empfangen Sie mittwochs Auszüge aus den Lesungen und Buchpräsentationen innerhalb dieser 36. Auflage. Zum Auftakt der Veranstaltung wurde das Zeitzeugenbuch Die Banater Deutschen und ihre Geschichten vorgestellt, mit Beiträgen von Katharina Kilzer und Smaranda Vultur. Hier die Aufzeichnung der Präsentation von Journalistin, Übersetzerin und Herausgeberin Katharina Kilzer.“ ... Soweit die Redakteurin Hannelore Neurohr.

Was folgte, war ein interessanter Vortrag inklusive Lesung von Katharina Kilzer, die zuerst ihre Freude über die Teilnahme bei diesen Literaturtagen bekundete, indem sie wörtlich sagte: „Ich freu’ mich, dass ich wie jedes Jahr immer nach Reschitza kommen darf, es ist sehr schön hier und ich genieße das. Wir kommen aus Temeswar.“ Die mittlerweile im rumänischen und deutschen Literaturbetrieb bekannte Literaturaktivistin schilderte zuerst die Entstehung dieses Buches und las anschließend einen Text daraus vor. In dem Buch kommt auch der schon verstorbene Banater Bischof Sebastian Kräuter vor. Katharina Kilzer erinnert sich noch an ihn mit den Worten: „Einer der wichtigsten Zeitzeugen ist Sebastian Kräuter aus Nitzkydorf. Er war der erste Bischof 1990 und er erzählt auf mehr als 40 Seiten aus seinem Leben. Auch sehr interessant. Sebatian Kräuter war 45 Jahre lang Pfarrer in meinem Heimatdorf, in Jahrmarkt, wo ich geboren bin, also ich kenne ihn von klein auf als Kind und habe ihn in den Religionsstunden erlebt. Er war ein sehr Gebildeter, er hatte die größte Bibliothek des Dorfes und wenn wir etwas lesen wollten, gingen wir als Schüler zu ihm und durften uns immer in einem großen Buch eintragen und die Bücher ausleihen. Also ich hab’ auch einige persönliche Erinnerungen an ihn.“

Ja wann ich des gewisst hätt … Ich moon des mit de Bicher … Awwer ob der gut Mann aah Karl-May-Bicher ghat hat? … Jetz hun se sei Pharrhaus sowieso abgeriss – mit odder oone de Karl May.

In dieser Sendung kam auch der bekannte Kolumnist der ALLGEMEINE DEUTSCHEN ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN, Werner Kremm, zu Wort. Er stammt aus Großsanktnikolaus und lebt noch heute dort – ja sogar in seinem Geburtshaus. Er hat zusammen mit Dietlinde Huhn und Anton Sterbling das Buch Großsanktnikolaus – Stadt- und Kirchengeschichte verfasst und voriges Jahr im Temeswarer Cosmopolitan Verlag veröffentlicht. Kremm ist nicht nur ein guter Schriftsteller und Zeitungsredakteur sondern auch ein guter Erzähler. Dem entsprechend wurde auch seine Vorstellung des Buches mit spürbarem Interesse von den Teilnehmern der deutschen Reschitzaer Literaturtage verfolgt.

Heute und morgen ist die Sendung noch über den Podcast https://www.funkforum.net/audio/deutsch/?titel=3 empfangbar. Wer sich die Mühe zum Zuhören macht, wird wie ich kaum von der Sendung enttäuscht sein und auch in den folgenden Mittwochsausgaben der deutschen Sendung von Radio Temeswar zuhören. Das geht mit der obigen www-Adresse auch am PC und nicht unbedingt über so Hörspielzeuge wie ein Google-Asistant.

Deutsche Literaturtage in Reschitza
Screenshot: Anton Potche

Mittlerweile kann man die bisher letzten deutschen Literaturtage von Reschitza auch auf Facebook anschauen. Wer Interesse an dieser Veranstaltung hat, sollte genügend Zeit mitbringen, um je weniger von den Vorträgen zu verpassen. Hier sind sie: https://www.facebook.com/Demokratisches.Forum.der.Banater.Berglanddeutschen/?ref=aymt_homepage_panel .
Anton Potche

Dienstag, 30. Juni 2026

Juni 2026 – Giarmata in den Medien

 
Schöne Siege – außwärts und zuhause
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 03.06.2026
Fußball - Promoţie Timiș - Seria III Municipal 1 Timişoara - 18. Spieltag
Timișul Șag – Millenium 2 Giarmata  2:7
Unirea Cerneteaz - Timișul Urseni  6:0
Tabellenplatz: 1  Unirea Cerneteaz  38
                     5  Millenium 2 Giarmata  28
+ + + In der Grupp sin zehn Mannschafte unnerwegs un die Zorner scheine es Renne zu mache. + + +

Bewegung für einen guten Zweck
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 03.06.2026
Bei der Veranstaltung Giarmata in Bewegung (Giarmata în Mișcare) wurden über 15.000 Euro gespendet. 500 Teilnehmer haben bei den verschiedenen Läufen mitgemacht. Das Ereignis ging am Samstag, den 30. Mai zum sechsten Mal über die Bühne. In diesen sechs Jahren wurden 77.000 Euro von den Teilnehmern eingebracht. In sieben verschiedenen Sportarten (auch Fahrräder kamen zum Einsatz) konnten die Teilnehmer ihre Kräfte messen. Das Geld soll für vier karitativen Aktivitäten zum Einsatz kommen. Der Bewegungstag wurde ehrenamtlich von einem Team um Flavius Ilioni organisiert. Die Organisatoren haben über die Presse bekannt gegeben, dass das Spendenkonto noch eine Weile offen bleibt. Die Internetplattform ziuadevest.ro hat am 2. Juni die entsprechende Kontonummer veröffentlicht:
Asociația LOGS: RO44BTRLRONCRT0563441601.
+ + + Bravo! + + +

Neue Tarife
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 04.06.2026
Der Müllentsorger RETIM Ecologic Service S.A. hat in der urbanen Zone 1 Timiș seine Tarife zum 1. Mai angepasst. Auch Giarmata gehört zu den betroffenen stadtnahen (periurban) Ortschaften
+ + + Angepasst heißt erhöht. + + +

Geld für den Sport
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 10.06.2026
Der Kreisrat Temesch (Consiliul Județean Timiș) hat für Sportprojekte im Kreis Temesch 8,2 Millionen Lei genehmigt. 24 Vereine werden bedacht. Die größte Summe bekommt CS Știința Poli Timișoara mit 5.810.000 Lei. CSC Millenium Giarmata bekommt 100.000 Lei.
+ + + Vorsicht! Es geht nicht nur um Fußball. + + +

Eine große Investition in Giarmata
aus ZiarulTimişoara.ro, Timişoara / Temeswar; 11.06.2026
Der Baumaschinenlieferant KUHN România eröffnet in der Giarmataer Straße Hella Corporate Nr. 2 eine Niederlassung, die den Westen und Südwesten Rumäniens mit Baumaschinen aller Art bedienen soll. Auf einer Fläche von 5.000 m² steht ein Gebäude auf 720 m², das Büros, ein Lager und eine Werkstatt beinhaltet. In der Instandhaltungshalle mit einer Fläche von ca. 236 m² sind zwei Reparaturrampen installiert. Bis zu 12 „Spezialisten“ sollen dort die Baumaschinen auf Trab halten. Die KUHN-Gruppe hat ihren Sitz in Österreich und in die Giarmataer Niederlassung 2,5 Millionen Euro investiert. Wer mehr über diese Firma erfahren will, kann das über die Webadresse https://kuhn-romania.ro/ tun.
+ + + Ich moon, ich schau mol vorbei, vleicht breichte se aah e "Nähmaschinespezialist". Odder? Is e Nähmaschin vleicht gar ka Baumaschin? Awwer frooe kann merr jo mol. Maschin is doch Maschin. + + +

Letzter Spieltag der Saison 1925 - 1926
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 13.06.2026
Fußball – D-Liga – Timiș / Temesch - 30. Spieltag
Gloria Moșnița Nouă - CSC Millenium Giarmata 3:1
Torschützen: Raul Duţu (Min. 12 und Min. 45) und Roberto Artimon (Min. 70) für die Hausherren bzw. Sebastian Stoica (Min. 75) für die Gäste aus Giarmata.
Aufstellung CSC Millenium: PopPatlagică, Pefoura, Orban, Iordan, Domsa, Popovici, Gânju, Burkan, Stoica, Bogdan Moroșan.
Reservespieler: Popeci, Sofronea, Coroiu, Glujdea (alle vier mit Spielzeiten)
Trainer: Mihai Vida
Tabellenplatz:  7  CS Millenium Giarmata  40
+ + + Der Giarmataer Bogdan Moroșan ist mit 31 Treffern Torschützenkönig der D-Liga des Kreises Timiș / Temesch. Er hat dem Sport-Portal sporttim.ro zum Ende der Meisterschaft ein Interview gegeben: „Es freut mich, dass wir in der Tabelle hochsteigen konnten, wenn man bedenkt, dass wir lange Zeit im Tabellenkeller waren. In dieser Rückspielperiode haben wir bloß gegen die Mannschaften der ersten drei Plätze verloren! Es freut mich auch, dass ich das zweite Jahr in Folge Torschützenkönig der 4. Liga Timiș wurde. Dieser Erfolg ist das Ergebnis des Gemeinschaftssinnes der Mannschaft und auch dem Trainer Mihai Vida zu verdanken, der diese Mannschaft perfekt durch die Rückspielzeit gemanagt hat. Andererseits danke ich Ihnen (dem Sport-Portal) für Ihre Arbeit und die Mediatisierung des kleinen Fußballs. Ich weiß, was das bedeutet und wünsche allen Teilnehmern am kleinen Temescher Fußball viel Gesundheit und ein gutes Wiedersehen!“ + + +

Niederlage am letzten Spieltag der Saison 2025 - 2026
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 13.06.2026
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 30. Spieltag
CS Utvin - CS Unirea Cerneteaz 2:1
Tabelle: 7 CS Unirea Cerneteaz 50
+ + + Siebenter von 16 Mannschaften. Passt schon. + + +

Streben nach Größe
aus ADZ.ro; Timișoara / Temeswar; 18.06.2026
Die ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN (ADZ) hat einen Artikel mit dem Titel Großraum Temeswar nimmt Gestalt an veröffentlicht. Geschrieben hat ihn der Journalist Dan Cărămitariu. Wenn es vor Jahren um die Metropolitanzone Timișoara / Temeswar ging, dann wurde etwas nebulös von einer Großstadt mit Ausmaßen westlicher Metropolen und der Integration umliegender ruraler Ortschaften philosophiert. Viel wurde nicht aus der Geschichte. Darum will man jetzt einen „Interkommunalen Entwicklungsverband“ gründen, dem in zwei Zonen mehrere dem Munizipium nahegelegene Ortschaften, Dörfer und Gemeinden, angehören sollen. Es heißt in dem Artikel, dass der Temeswarer Bürgermeister Ruben Lațcău von einer „bislang dysfunktionalen Struktur” sprach, würden einige der betroffenen Ortschaften doch „rund 30 Kilometer von der Stadt entfernt“ liegen. Die Gemeinden Ghiroda und Dumbrăvița gehörten schon der vormaligen Struktur an. Dem neuen Verband wollen sich unter anderem auch die Ortschaften „Girok/Giroc, Sackelhausen/Săcălaz, Sanktandres/Sânandrei, Jahrmarkt/Giarmata und Remetea Mare“ anschließen. Es heißt weiter in dem Artikel, dass „der neue Verband die Rolle des bisherigen Wachstumspols Temeswar übernehmen soll“.
+ + + Schau merr mol, Giarmata un Dumbrăvița un Dumbrăvița un Timișoara sin schun fast zammgewachs. + + +

Unwetter zieht auch über Giarmata
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 21.06.2026
Eine Unwetterfront soll heute, den 21. Juni, über den Westen Rumäniens ziehen. In den Wetterprognosen ist die Rede von einer Hitzewelle bis zu 36 Grad, starker Regen, Sturm und Hagel.
+ + + Nicht nur Giarmata ist betroffen … anscheinend ganz Europa. + + +

Kleidersammlung in Temeswar und der umliegenden Zone 1
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 26.06.2026
Vom 1. Juli bis zum 28. September 2026 können die Leute „saubere und trockene“ Textilien an festgelegten Sammelstellen in den Ortschaften der Zone 1 um Temeswar und in der Stadt abgeben. Mehr als 60 kg pro Haushalt sollten es aber nicht sein. In Giarmata kann man seine Stoff- und gebrauchten Kleiderreste am 8. September von 11:00 bis 18:00 Uhr im Ortszentrum „kostenlos“ abgeben. Organisiert wird die Sammlung von der Firma RETIM und dem Verein ADID.

Stromunterbrechung

aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 28.06.2026
Wen wundert es? In der Woche vom 29. Juni bis zum 5. Juli wird in vielen Dörfern und Gemeinden des Kreises Timiș / Temesch der elektrische Strom unterbrochen, zu unterschiedlichen Zeiten. In Giarmata am 1. Juli von 9:00 bis 17.00 Uhr in der gewesenen Eisfabrik ("fosta Fabrica de Gheață”).
+ + + Schade, dass es diese Fabrik nicht mehr gibt. Gerade jetzt in diesem zukunftsweisenden Sommer. Übrigens, hat es überhaupt jemals eine „Eisfabrik“ in dieser Gemeinde gegeben? - Ich moon, außer em Pannert seim Keller kooni! + + +

Anton Potche

Montag, 22. Juni 2026

Jahrmarkt vor 100 Jahren - 1926 (1)

 
Das Wohl oder Wehe einer Wirtschaft wird bekanntermaßen auch von der Finanzsituation der Geldinstitute widerspiegelt. Die erste Bank, die im Jahre 1926 ihre „geehrten Aktionäre“ zur ordentlichen Generalversammlung „höflichst eingeladen“ hat, es war die zweiundzwanzigste, war die Erste Jahrmarkter Sparkassa Aktiengesellschaft. Die Einladung erschien in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG (BDZ) vom 17. Januar 1926. Veröffentlicht wurde die Tagesordnung und das Bilanzkonto sowie das Gewinn- und Verlustkonto, beide Konten in deutscher und rumänischer Sprache. Der Abschluss konnte sich mit der Gewinnsumme von 534.848 Lei und 54 Bani sehen lassen. Auch die Namen der Direktionsmitglieder (12) sowie die der vier Aufsichtsräte werden genannt. Die federführenden Köpfe in der Bank waren laut der ausführlichen Einladung ein Triumvirat, bestehend aus Michael Berger (Direktor), Andreas Wilwerth (Buchhalter) und Andreas Wanyer (Kassier).

Zu Jahresbeginn haben auch andere Bankaktivitäten mit Jahrmarkter Tangens ihren Weg in die Zeitung gefunden. So konnte man am 20. Januar die Einladung des Temesgyarmataer Spar- und Kreditvereins als Aktiengesellschaft zur Generalversammlung in der BDZ lesen.

Am 6. Februar folgte die Einladung zur 31. ordentlichen Generalversammlung der Schwäbische Zentralbank A.=G. Sie soll am „28. Feber 1926, Sonntag, vormittags halb 11 Uhr in den Institutslokalitäten Timișoara, Innere Stadt, Piața Unirei, Domplatz 9“ über die Bühne gehen. Zu den 29 „Filialen und Exposituren“, bei denen bis spätestens acht Tage vor der Generalversammlung noch Aktien deponiert werden können, gehört auch der Jahrmarkter Spar- und Kreditverein als A.=G Jahrmarkt.

Zehn Tage später erschien in der BDZ ein „Akzienzeichnungsaufruf“ der Erste Jahrmarkter Sparkasso A. G. Es wird in dem Aufruf mitgeteilt, dass „die Erhöhung des Aktienkapitals diesmal von 105.000 Lei auf 315.000 Lei beschlossen“ wurde. Es werden auch verschiedene „Zeichnungsmodalitäten“ genannt. Die erste sieht vor, dass „nur rumänische Staatsbürger Akzien zeichnen können.“

Eine stabile Gesellschaft kann sich nicht nur auf ein starkes Bankwesen stützen, sondern auch auf aktive Vereine verschiedenster Orientierungen. Am 10. Dezember 1891 wurde in Temeswar der Schwäbische Landwirtschaftsverein gegründet. Die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG berichtete am 25. März 1926 vom 35. Jahrestag der Gründung dieses „grundwichtigen Vereins für unsere Landwirte“.

Eine wichtige Rolle spielen im Wirtschaftsleben die Ausstellungen. Das war schon vor 100 Jahren so. In der BDZ konnte man am 10. März 1926 in einem Artikel unter der Überschrift Die Weinausstellung im Deutschen Hause lesen: „Noch im Winter äußerten die Bakowaer Weinproduzenten den Wunsch, ihre Weine durch eine Weinausstellung im Deutschen Hause auch weiteren Kreisen bekannt zu machen. […] Die Weinausstellung wurde am 7. März, Sonntag, um 10 Uhr, von Herrn Vereinspräsidenten Prälat Blaskovics eröffnet.“ Es gab bei der gut besuchten Ausstellung viele Preisträger, auch aus Jahrmarkt. Einen zweiten Preis bei der Kategorie Neuweine – Allgemeine Gruppe erhielten Franz Wagner und je einen dritten Nikolaus Lorisz und Mathias Kronenberger. Bei der Gruppe Altweine Weiß konnten sich Nik. Schuld und Hieronymus Bittenbinder über zweite Preise freuen. Dritte Preise für ihre weißen Altweine bekamen Peter Klein und Johann Rosar. Für ihre Rotweine wurden Franz Wagner mit einem zweiten und Johann Potche mit einem dritten Preis ausgezeichnet. Bei den  Sortimentweinen belegte Georg Staß einen dritten Platz mit seinem Riesling. Besonders gut schnitten die Schnapsbrenner aus Jahrmarkt mit ihren Schnäpsen ab: 1. Preis – Johann Frombach und Franz Wagner sowie 2. Preis – Josef Wendling. Zum Schluss dieser Banater Weinmesse äußerte Prälat Blaskovics den Wunsch, „dass auch diese Veranstaltung dazu beitragen möge, in der Zukunft eine Zentralstelle zu schaffen zur weiteren Entwicklung unseres Weinbaues.“

Eine vitale Landwirtschaft generiert wie schon vor 100 und mehr Jahren auch stets Ver- und Zukäufe von Feld. Eine Anzeige dazu findet man in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG vom 5. Februar 1926: „9 Joch prima Feld mit Wirtschaftsgebäuden fünf Minuten von der Eisenbahnstation Ueberland (Jahrmarkt) sind unter günstigen Zahlungsbedingungen preiswert zu verkaufen.“ Das Geschäft sollte über einen Kontaktmann im Temesvarer Hotel „Krone“ abgewickelt werden.

Auch Landwirtschaftsgeräte wechselten schon damals ihre Besitzer. In einer BDZ-Anzeige bot Franz Lux aus Jahrmarkt, Hausnummer 697, einen „Grasmäher in gutem Zustande“ zum Verkauf an.

Die eine oder andere Maschine wurde aber auch zur Not als Verkaufsobjekt angeboten. So konnte man am 16. September vor 100 Jahren in der BDZ folgende Anzeige lesen: „Eine kaum 3 Monate in Betrieb gewesene Wollschlumpe (Wollkrempelmaschine) [… ] „ist krankheitshalber sofort preiswert zu verkaufen bei Anton Schneider, Jahrmarkt Nr. 538“.

Nicht unbedingt weniger dramatisch hört sich eine Versteigerung in Jahrmarkt an. Angekündigt wurde sie in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG in rumänischer Sprache: „Se fixează termen spre efectuarea licitației pe ziua de 9 Octombrie 1926 ora 4 d. m. în Giarmata începând în casa sub No. 67 și în continuare în casa sub No. 151 pe când și unde [se] vinde prin licitație obiectele secvestrate și anume: diferite mobile prețuite la suma de 8.400 Lei.” Versteigert wurden die Objekte von Ana Harnischfeger, geb Bibinger, Gattin des Ioan Harnischfeger.

Besser hört sich schon erfolgreiches Wirtschaften an. Und darin scheint Jahrmarkt vor 100 Jahren einen guten Namen erworben zu haben. Das kann man aus einem Artikel schließen, der am 25. September in der BDZ unter dem Titel Besuch einer deutschen Weinbau=Studien=Kommission im Banat erschienen ist. Die Gäste aus Deutschland wurden von Lehrer Zimmerer aus Jahrmarkt, Landwirt Andreas Korparics, Delegierter des Schwäbischen Landwirtschaftsvereins in Temeswar, und Direktor Brandrup von der Firma Romantl S. A. Temesvar „zunächst nach den Elisabethstädter Weingärten geführt“. Weiter hieß es: „Das nächste Ziel war Jahrmarkt, wo die Kommission mit herzlichen Worten von Herrn Johann Frombach empfangen und durch die 1080 Joch umfassenden Weingärten geleitet wurden. Nachher wurde in der gastfreundlichen Familie des Herrn Frombach ein Imbiß eingenommen, worauf Bruckenau besucht wurde.“

Am 6. Oktober 1926 stand in der BDZ-Rubrik Volkswirtschaft unter dem Titel Gründung der Weinbausektion des Schwäbischen Landwirtschaftsvereines ein ausführlicher Bericht, der auch das Resultat der abgehaltenen Wahlen zum Führungsgremium der Weinbausektion beinhaltete. Als Vorsitzender wurde Dr. Andreas Konrad aus Temeswar gewählt und als sein Stellvertreter Johann Frombach aus Jahrmarkt. Zu den gewählten „Ausschussmitgliedern“ zählte auch der Jahrmarkter Georg Staß.

Schon vor 100 Jahren haben die Banater Schwaben Kontakte zu ihrem Mutterland Deutschland gesucht und waren dabei lernwillig. Das konnte man einem Artikel aus der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG vom 8. Oktober 1926 entnehmen. Im jeweils „dicht besetzten“ Temeswarer Schülerheim „Banatia“ hielt der aus Oldenburg angereiste Ministerialrat Wegmann drei Vorträge, zwei wissenschaftliche und einen wirtschaftlichen. Die Zeitung schrieb zum dritten Vortrag unter dem Titel Die deutsche Agrarreform und die Lage des deutschen Bauernstandes einführend: „Nebst dem städtischen Publikum sahen wir Landwirte in Gruppen von je 18 – 22 Personen aus Neubeschenowa, Guttenbrunn, Jahrmarkt und kleinere Gruppen aus Billed, Grabatz, Lenauheim, Hatzfeld u. n. a.“
Anton Potche

Montag, 15. Juni 2026

nimand un die annre

 
- gedicht im johrmarker dialekt –


forrwas will nimand
forr die annre was mache
wer losst sich heit schun gere auslache


nateerlich sin’s die annre
die wettre un schenne
weil nimand nicks uf die fieß will stelle


so geht’s noo langsam
awwer sicher berchab
bis gar nimand meh forr die annre was macht



 [uf der schanz, 1993] 
berns toni