Montag, 18. Januar 2021

Seppi und Peppi unterhalten sich über die Söder-Maske

Seppi und Peppi stehen, vor Kälte zitternd, vor ihrem geschlossenen Bahnhofscafé.

- Hast du schon eine Söder-Maske?
- Nein, brauch ich auch keine.
- Das wird den Söder nicht interessieren. Verordnung ist Verordnung.
- Den interessiert auch meine Gesundheit nicht, sonst hätte er seine Maske nie ganz Bayern verordnet.
- Was redest du da für einen Schmarrn? Die sollen uns doch schützen, uns zwei, einer vor dem anderen, und den Söder vor uns und uns vor dem Söder.
- Das ist schon darum ungerecht, weil er uns verpflichten kann, seine Maske zu tragen und wir ihn nicht, seine Maske nicht zu tragen.
- Ist deine Argumentation nicht ein bisschen kompliziert.
- Mag sein. Es geht aber auch einfacher.
-Zum Beispiel?
- Die Söder-Maske ist gesundheitsschädlich.
- Wie kommst du da drauf?
- Ich gar nicht, aber andere, kompetente Leute. Sogar dem Söder sein Gesundheitsminister gibt das zu.
- Von wo weißt du das?
- Hier steht es in der Zeitung: „Diese Masken seien belastend und brächten haufenweise Risiken mit sich. Nicht umsonst sei im Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben, nach zweistündigem Tragen eine Pause einzulegen.“
- Wie heißt denn der Verschwörungstheoretiker, der das behauptet?
- Andreas Podbielski. Und er ist Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Universität Rostock.
- Hoch im Norden
- Stimmt. Und Söders neuer Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) gibt ihm recht. Tief im Süden.
- Das steht in der Zeitung? Ja, nur etwas verklausuliert.
- Zeig mal her … Aber da steht doch: „Nach Ansicht des Ministeriums sind die diskutierten Nachteile der FFP2-Masken nicht so relevant.“
- Und was heißt „nicht so relevant“?
- Dass sie schon relevant sind, nur halt „nicht so“.
- Gut gemacht. Schlauer Bursche. Aber les‘ nur weiter. Und laut, bitte.
- „Die aus der Arbeitswelt bekannte Begrenzung der Tragedauer und der erhöhte Atemwiderstand durch die Maske spielten daher nur eine untergeordnete Rolle.“
- Sehr gut. Und was heißt das?
- Ja, dass der Atemwiderstand schon eine Rolle spielt … nur halt „eine untergeordnete“.
- Bravo!
- Also meinst du …?
- Ja, das meine ich, diese Söder-Masken sind nur für den medizinischen Gebrauch gedacht und nicht für Seppis und Peppis.
- Und warum macht der Söder das dann mit uns?
- Weil auch der lupenreinste Demokrat mal zum Autokraten werden kann ... wenn er nur lange genug von je mehr Abnicktypen umgeben ist.
- Und von wo weißt du Schlaumeier das?
- Weil ich selber lange genug in einer Diktatur gelebt habe.
- Ah, ja. Hast du was zum Aufwärmen dabei?
- Ja, zwei Flachmänner.

Dieser Winter ist hart, sehr hart. Hoffentlich ersticken wir nicht unter den Lasten der Verordnungen.

Montag, 11. Januar 2021

Eine Online-Veranstaltung für lange Wintertage

Und wo sind eigentlich all diejenigen geblieben, frage ich mich, die nicht besessen sind von der Gegenwart und von der Zukunft, wie so viele momentan, sondern die sich auch für die Vergangenheit und für Biografien, also für die Frage danach, wer wir aufgrund von unserer Vergangenheit sind, interessieren?

(Zelda Biller, geb. 1997 )


Ich gestehe, obige Zeilen in DIE LITERARISCHE WELT (19. Dez. 2020) gefunden und hier als Motto eingesetzt zu haben, nachdem ich den folgenden Text schon zu schreiben begonnen hatte. Was eigentlich mein Anliegen war, passt gut als Antwort auf diesen Leitgedanken von Zelda Biller

Das vergangene Jahr hatte es in sich. Es war ein besonderes Jahr. Das haben wir nun wahrlich oft genug gehört. Und vor allem, es ist ja nicht vorbei. Das Jahr als Zeiteinheit schon, aber nicht das Ungemach, das uns in ihm beschert wurde, und zwar von einem winzig kleinen, unsichtbaren Mistvieh, das die Wissenschaftler SARS-CoV-2 getauft haben und das bei uns Menschen die Krankheit COVID-19 auslöst. In Ermangelung eines effizienten Abwehrmittels blieb unseren Politikern nichts anderes übrig, als das öffentliche Leben in den Keller zu fahren. Dort schmachtet es heute noch nach dem Tageslicht … und denkt sich allerlei Auswege aus seiner misslichen Lage aus. Und siehe da, der Mensch wurde in allen Bereichen seiner Existenz von einer neuen Kreativwelle erfasst.

Es gibt dabei sogar Gewinner. Unter anderem auch Erkenntnisgewinner. Die Beispiele dafür sind unzählig, und sie werden täglich mehr. Ich greife hier mal eins aus dem Vereinsleben auf, genauer aus der Kulturtätigkeit der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Ein Kreisverband dieses Vereins, nämlich der aus Baden-Württemberg, organisiert seit nunmehr 56 (sechsundfünfzig) Jahren Kulturtage. Dabei ging es immer um die weitere und nähere Vergangenheit dieser Volksgruppe aus dem Banat und deren Auswirkungen auf die Gegenwart, was ja aus kulturellen Gesichtspunkten durchaus auch möglich ist. Das grobe Gerüst dieser Veranstaltungen blieb über Jahre das gleiche: Vorträge von Referenten, Diskussionen und ein musikalischer Teil. Also etwas zum Zuhören, Lernen und Gespräche führen, aber auch Zusammenkunft mit Gleichgesinnten - bei  Volksgruppen ganz wichtig.

Im vorigen Jahr war dem nicht so. Aber „Vorträge von Referenten, Diskussionen und ein musikalischer Teil“ hieß noch lange nicht: keine Vorträge von Referenten, keine Diskussionen und kein musikalischer Teil. Alles war wie gehabt, Zuhören, Lernen und Gespräche führen, aber auch Zusammenkunft mit Gleichgesinnten war möglich, nur eben virtuell, also über PC und andere Kommunikationsgeräte. Und bei etwas gutem Willen kann man sogar Vorteile in dieser Art von Kulturtagen finden, sind sie doch manchmal noch Monate später (oder sogar Jahre) abrufbar. Der hier erwähnte Landsmannschaftsverband hat die Beiträge der Organisatoren, Referenten und Musiker in Wort & Ton auf seiner Homepage veröffentlicht. Dazu gibt es noch ein Angebot auf YouTube von Brunhilde Forro, die eigentlich für diese Video-Serie verantwortlich zeichnet.

Das erste Video zeigt uns Richard S. Jäger, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Der Inhaber dieser Funktion mit dem sperrigen Namen führt in einer etwas zu lange geratenen Begrüßung in die Veranstaltung ein.

Halrun Reinholz ist es vorbehalten, als Moderatorin die Thematik zu erläutern. Es soll in den folgenden Referaten um das Thema der Auswanderung der Deutschen aus dem Banat gehen. „Uf Deitschland gehn“, hieß das bei den Banater Schwaben. Der Ausdruck war wortwörtlich „in aller Munde“. Die Moderatorin stellt die Themenschwerpunkte der einzelnen Referate kurz vor, bevor es im dritten Video ans Eingemachte geht.

Der in Hatzfeld geborene, pensionierte Lehrer Hans Vastag stellt sein Impulsreferat unter das Motto Grenze und Über die Grenze. „In einem Impulsreferat legt der Referent in höchstens zwanzig Minuten kurz und prägnant die Kerndaten und absolut wichtigsten Fakten zu einem bestimmten Themenkomplex, einer Sachlage dar und stellt die sich daraus ergebenden Thesen vor, um relativ schnell zu einer fruchtbaren, möglichst kontroversen Diskussion zu gelangen“, habe ich bei Wikipedia gelesen. An diese Definition hat der Referent sich zumindest zeitnah gehalten – 24,43 Minuten. Zum Diskutieren gab es keine Gelegenheit und die doch sehr theorielastige „biographisch-essayistische Annäherung“ (Vastag) ist eigentlich so präzise verfasst, dass es auch jetzt im Nachhinein gar nicht so einfach ist, kontrovers zu diesem Thema zu diskutieren. Grenzen sind nun mal abscheuliche Gebilde.

Ernst Meinhardts Beitrag ist mit dem Titel überschrieben Schmiergeld für die Ausreise – Für viele noch immer ein Tabuthema. Der Journalist befasst sich seit Jahren mit diesem Thema und begründet sein Engagement zur Aufklärung eines dunklen Kapitels in der neueren Geschichte der Banater Schwaben gleich zu Beginn seines Referats, gab es doch durch diese illegalen Schmiergeldzahlungen Streitereien bis in dahin intakte Familien- und Verwandtschaftsstrukturen. Originalton Meinhardt: „Solange unsere Landsleute hartnäckig schweigen, solange werden wir noch nicht einmal ein ungefähres Bild vom Ausmaß der Schmiergeldzahlungen bekommen.“ Was er uns erzählt in seinem Referat (nur Ton untermalt mit Bildern), kommt einer Analyse des Verschweigens in diesem speziellen Fall, nämlich der Auswanderung der Banater Schwaben, gleich. Und das sind nach seiner Recherche die „Gründe für das Schweigen“: Dankbarkeit, schlechtes Gewissen, Angst vor dem langen Arm der Securitate und Angst vor Strafverfolgung. Es lohnt sich reinzuschauen, um zu hören, wie der Referent diese Gründe im Detail erläutert. Aber bitte nicht vor dem Selbsterkennen zurückschrecken. So waren und sind wir Banater Schwaben nun mal – also nicht besser oder schlechter als andere auch.

Der Historiker für neuere und neueste sowie osteuropäische Geschichte Georg Herbstritt hat unter anderem auch die zusammen mit Stejărel Olaru verfassten Bücher Stasi și securitatea, Bukarest 2005 und Vademekum Contemporary History Romania. A Guide through Archives, Research Institutions, Libraries, Societies, Museums and Memorial Places. Berlin, Bukarest 2004 veröffentlicht. Bei der virtuellen Kulturtagung der Banater Schwaben (28. November 2020) hat er das Referat Ein Tor in den Westen? Wie DDR-Bürger versuchten, über Rumänien in die Bundesrepublik zu gelangen gehalten. Er sagt gleich zu Beginn seiner Ausführung, dass es sich um das in Historikerkreisen bekannte Phänomen der „verlängerten Mauer“ handelt. Sein kurzer Beitrag, 11.01 Minuten, ist eigentlich der beste Beweis dafür, dass es selbst in den dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges keine absolute Abschottung gab – besonders nicht für mutige, freiheitsliebende Menschen.

Der aus Jahrmarkt stammende und in Augsburg lebende Journalist und Banater Heimatkundler Luzian Geier hat seinem Referat den Titel Die Entwurzelung, die Familienzusammenführung und der Druck „von unten“ gegeben. Er findet, „dass viele Aspekte, nicht nur Unwesentliches, nicht aufgezeichnet sind und auch nicht in den Archivakten stehen, manches, gerade subjektive oder emotionale Aspekte sind nicht gut fassbar bei der Gewichtung des Ursachenbündels für die Auswanderungen aus Nachkriegsrumänien.“ Das ist schon mal ein vielversprechender Einstieg für neugierige Zuhörer. Es könnte ja in diesem Themenkomplex doch noch etwas geben, das man nicht kennt. Das müssen gar nicht die Statistiken sein, die Geier vorlegt, sondern vielmehr die geschichtlichen Zusammenhänge, die letztendlich zur „Familienzusammenführung“ hinführten. Ich weiß natürlich nicht, mit welcher Intention der Referent hier ans Werk gegangen ist. Auf jeden Fall ist es ihm gelungen, überzeugend darzustellen, dass nicht allein materielle Gründe die Auswanderung der Deutschen aus Rumänien bewirkt haben, sondern dem Phänomen ein gewichtiger soziokultureller Aspekt zugrunde liegt.

Geschichtliche Ereignisse finden oft früher oder später den Weg in die Literatur. So auch das Verschwinden der deutschen Minderheit aus Rumänien. Dass dieses Ereignis die größtmögliche literarische Würdigung durch den Nobelpreis für Herta Müller erfahren hat, ist nur ein Aspekt dieser Literaturwerdung. Wer sich in der Szene ein wenig umschaut, wird unschwer erkennen, dass es mittlerweile unzählige literarische Arbeiten, viele abseits der ausgetretenen Verlagspfade, zu diesem Thema gibt. Natürlich hat man das längst auch bei den Initiatoren der banatschwäbischen Kulturtage aus dem Ländle erkannt und demzufolge einen Buchautor zu einer Lesung eingeladen. Herbert-Werner Mühlroth liest aus seinem Buch Eine Eisenbahn in meinem Traum. Meine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien. (Video Nr. 7). Natürlich ein autobiographischer Text; wie könnte es auch anders sein bei einem aus Hatzfeld / Jimbolia stammenden Germanisten, Romanisten und Philosophen mit literarischer Neigung und gesunder Fantasie. Wir sind doch schon ewig alle weg. Aber eine Portion Spannung und Gänsehaut schadet nie.

Und das Sahnehäubchen kommt zum Schluss wie bei jeder gelungenen Torte: Das traditionelle Samstagskonzert der KulturtagungWilfried Michl (Bariton), Eva Maria Wagner (Violine) und Franz Metz (Klavier & Orgel) präsentieren Werke der Klassik und von Banater Komponisten. Das einstündige Konzert ist ja noch nicht beendet, es beginnt bei jedem Klick von vorne. Wer musikalische Darbietungen (dazu gehört auch Information) in Reinkultur erleben will, sollte sich auch dieses letzte Video der 56. Landes-Kulturtagung der Banater Schwaben aus dem Ländle anschauen.

Liebe Zelda Biller, es gibt sie noch (wenn auch nur sporadisch in Erscheinung tretend), die Menschen, „die sich auch für die Vergangenheit und für Biografien, also für die Frage danach, wer wir aufgrund von unserer Vergangenheit sind, interessieren.“ Man könnte auch mit einem vom rumänischen Historiker Adrian Cioroianu gerne benutzten Satz auf die eingangs zitierte Frage antworten: „Istoria rămâne cea mai frumoasă poveste ... pentru oameni inteligenți.” („Die Geschichte bleibt die schönste Erzählung … für intelligente Menschen.“)

Anton Potche

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Dezember 2020 - Giarmata in den Medien

Neuer Termin für RETIM-Verträge 
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 04.12.2020
Ab 16. Dezember 2020 wird in der Gemeinde Giarmata die Firma RETIM die Müllabfuhr (auch in Cerneteaz) verantworten. Dazu muss jeder Haushalt mit RETIM einen Vertrag abschließen. Weil bisher nicht alle Bürger einen Vertrag abgeschlossen haben und riskieren, auf ihrem Müll sitzen zu bleiben, bietet RETIM einen neuen Termin an: 5. Dezember 2020, 9 bis 14 Uhr im Rathaus.
+ + + Oameni buni! Și noi în Germania trebuie să plătim pentru ridicarea deșeurilor. Vorbim aici despre un act de civilizație. + + +

Neue Öffnungszeiten
aus PrimăriaGiarmata - FACEBOOK, Giarmata / Jahrmarkt, 09.12.2020
Die Verwaltung im Giarmataer Rathaus hat ab sofort für den Publikumsverkehr folgende Öffnungszeiten:
Montag – Mittwoch 08:00 – 16:00 Uhr
Donnerstag 08:00 – 18:00 Uhr
Freitag 08:00 – 14:00 Uhr
In Sterbefällen kann man auch die Standesbeamtin (ofițer de stare civilă), Frau Șuhan Elena, übers Wochenende und an Feiertagen telefonisch erreichen.
 
Verkehrsunfall
aus ZIUAdeVEST.ro, Timişoara / Temeswar; 19.12.2020
Zwei Fahrzeuge waren in einen Unfall auf der Kreisstraße zwischen Giarmata und Pișchia verwickelt. Keine der fünf Insassen war verletzt. Nur eine Person hat einen Schock erlitten.

Ausschreibung I
aus PrimăriaGiarmata, Giarmata / Jahrmarkt, 21.12.2020
Die Gemeinde hat den Posten eines Inspektors, I. Klasse, hoher Grad (grad profesional superior) für das Büro Taxen & Steuer ausgeschrieben. Die Bewerbungsunterlagen müssen bis zum 28. Dezember 2020 eingereicht werden.
 
Letzte Gemeinderatssitzung des Jahres
aus PrimăriaGiarmata – (FACEBOOK), Giarmata / Jahrmarkt, 22.12.2020
Die letzte Gemeinderatssitzung des Jahres fand ohne jegliche Weihnachtsstimmung statt. Die Punkte auf der Tagesordnung wurden mehr oder weniger kontrovers diskutiert und zum Schluss alle mit absoluter oder überwiegender Mehrheit genehmigt. Zu Beginn der Sitzung wurden die Gemeinderäte Iulian Martin (PMP) und  Alexandru-Sorin Bront (PNL) vereidigt. Der PNL-Politiker ist für den PNL-Gemeinderat Florin Farkaș, der aus seiner Partei ausgetreten ist, ins Gremium nachgerückt. Warum Iulian Martin erst nachträglich vereidigt wurde, war dem Sitzungsverlauf nicht zu entnehmen. Auf jeden Fall hat er seinen Schwur von zu Hause abgelegt, weil er sich in Corona-Quarantäne befindet. Einige Themenschwerpunkte waren:
- Formalitäten zum Ablauf der Gemeinderatssitzungen
- Haushalt des dritten Trimesters
- Geld für eine Baumaßnahme der orthodoxen Kirche
- Neue Kriterien für die Festlegung der Gehälter der Gemeindeangestellten
- Grundstücks- und Grundbuchangelegenheiten
- Öffentlicher Nahverkehr
- Probleme bei der Müllentsorgung
+ + + Der Gemeinderat ist neu, die Probleme sind die alten geblieben. + + +
 
Ausschreibung II
aus PrimăriaGiarmata, Giarmata / Jahrmarkt, 23.12.2020
Intern können sich Rathausmitarbeiter für den Posten eines Inspektors, I. Klasse, Hauptgrad (grad profesional principal) bewerben. Für welchen Ressort diese Beförderungsstelle (concurs promovare în grad profesional) ausgeschrieben ist, wird nicht spezifiziert. Interessenten haben 20 Tage ab Aushängedatum Zeit, ihre Bewerbungsuntelagen einzureichen. Am 25. Januar 2021 findet eine schriftliche Prüfung statt. Ein eventuelles Vorstellungsgespräch ist noch nicht datiert.
 
Moș crăciun (Weihnachtsmann)
aus PrimăriaGiarmata – (FACEBOOK), Giarmata / Jahrmarkt, 24.12.2020
Gleich mehrere Weihnachtsmänner waren an Heilig Abend in Giarmata mit einem Feuerwehrfahrzeug unterwegs und haben viele Kinder mit ihren Geschenken glücklich gemacht.
+ + + Schenken ist schöner als Löschen. Gut so! + + +
 
Eine sehr gute Zahl
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 26.12.2020
Aus dem Kreis Timiș / Temesch wurden für die letzten 24 Stunden nur vier neu mit Corona infizierte Personen registriert, davon kommt eine aus Giarmata. Getestet wurden … 17 Personen.
+ + + So geht’s auch?! + + +
 
Die Arbeiten haben begonnen
aus OpiniaTimișoarei, Timişoara / Temeswar, 29.12.2020
Die ersten Erdarbeiten zum Ausbau der Kreisstraße DJ 691 haben bei Giarmata begonnen. Der Vorsitzende des Kreisrates Timiș / Temesch Alin Nica hat die Baustelle besichtigt und wieder darauf hingewiesen, dass für den Straßenbereich bei Dumbrăvița kein Fahrradweg vorgesehen ist. Das sollte schleunigst nachgeholt werden, hat er den Fachleuten des Kreisrates ins Stammbuch geschrieben, „damit es zwischen Giarmata und Timișoara einen durchgehenden Fahrradweg gibt”.
+ + + Wer siehn will, wie unser aldi Landstroß jetz ausschaut, kann sich uf der Seit aah e YouTube-Video, gemach am Heilich Owed – asso ganz frisch, onschaue. Seideraupe kännt merr jetz kooni meh zichte. Die Akkazebeem sin weg ... all! + + +
 
Infektionsrate der letzten 14 Tage
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 31.12.2020
Die Corona-Infektionsrate kumuliert für die letzten 14 Tage beträgt in Giarmata 2,91 Infizierte pro 1000 Einwohner.

Claudiu Mihălceanu spricht über seine Arbeit im Rathaus
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Dezember 2020 
„Die moralischen Werte dürfen nicht nur Theorie sein, sie müssen den Charakter eines Menschen widerspiegeln.“ Mit diesem Motto ist ein seitenfüllendes Interview mit Bürgermeister Claudiu Mihălceanu überschrieben. Einige seiner Äußerungen (sie können auch aus dem Kontext gerissen sein):
„Ich betrete das Rathaus morgens um 7-8 Uhr und verlasse es abends um 20- 21 Uhr, um eine Umstrukturierung zuwege zu bringen.“
„Ich bin hier in dieser Ortschaft geboren, hier aufgewachsen und mit Leib und Seele dabei. Ich liebe alles, was Zuhause bedeutet.“
„Zwei Monate nach der Wahl vom 27. September haben wir noch keinen Vizebürgermeister.“
„Wir hoffen, dass diese Baufirma für Wasserleitung und Kanalisation seriös ist und dieses wichtige Projekt für Giarmata erfolgreich durchführt.“
„Ich bin froh, dass die von mir eingebrachte Beschlussvorlage zur Online-Übertragung der Gemeinderatssitzungen seit November in die Tat umgesetzt wurde.“
„Die alte Administration hat mit Pauken und Trompeten die Verbreiterung der Kreisstraße DJ 691, von der Autobahn nach Temeswar, auf vier Spuren angekündigt, aber Giarmata ist auf die absehbaren Verkehrsstaus nicht vorbereitet.“
„Wir müssen den Bau der neuen Schule zum Wohle der Schüler und Lehrer aus unserer Ortschaft fortsetzen.“
„Ein entschlossener Mensch nutzt die sich ihm bietenden Möglichkeiten.“
 
Ein gutes Jahr 2021 wünscht 
allen Lesern dieses Blogs

Anton Potche
alias Anton Delagiarmata
alias Berns Toni
alias Mark Jahr!

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Weihnachten 2020

Reproduktion aus DONAUKURIER, 23.12.2017


Ich wünsche allen Menschen, die hier vorbeisurfen, 

eine coronagnädige Weihnachtszeit

und ein coronabereinigtes Jahr 2021!


Anton Potche alias Berns Toni alias Anton Delagiarmata alias Mark Jahr


Video auf YouTube


Mittwoch, 16. Dezember 2020

Opfer und Täter in der Kriegszeit

Eine Suche nach Jahrmarkter Schwerpunkten

Die Schriften über die Gemeinde Jahrmarkt im Banat / Rumänien und seine einst deutsche Bevölkerung sind ziemlich spärlich. Hie und da eine Erwähnung und zwei dünne Büchlein von Pfarrer Franz Demele sowie aufschlussreiche Beiträge von Luzian Geier und Franz Junginger im Ortssippenbuch der katholischen Pfarrgemeinde Jahrmarkt (Ulm, 2008) – das war‘s dann auch schon bis zum ersten Weltkrieg. Man hätte eigentlich erwarten können, dass für die Zeit danach mehr Lesematerial zur Verfügung stehen würde. Dem ist aber bei weitem nicht so. Die Jahrmarkter haben keine detaillierte Ortsmonographie – vollmundige Ankündigungen gab es schon in den 1980er Jahren -, dafür aber einige Bücherveröffentlichungen ohne wissenschaftlichen Anspruch. Umso deutlicher hat man aufs Originelle gesetzt, was natürlich mehr dem Unterhaltungswert als der fundierten Information dient. Bei der sich stetig verkleinernden Zahl von ehemaligen Jahrmarktern ist das eigentlich eine verständliche Veröffentlichungsstrategie der Heimatortsgemeinschaft Jahrmarkt. Auf der Strecke bleiben dabei Informationen, die über das Innenleben einer Dorfgemeinschaft – deren Existenz man zeitlich genau eingrenzen kann - mit all seinen Konflikten Auskunft geben könnten.

Schließlich und endlich handelt es sich um eine Gemeinschaft deutscher Menschen. Als solche waren sie auch den politischen und ideologischen Einflüssen der Nazipropaganda ausgesetzt. Unsere – ich denke an die Generation der jetzt 50-, 60- und 70-Jährigen – Väter waren damals im Kinder- und Jugendalter, aber unsere Großväter, die in den Krieg mussten oder freiwillig gingen, hatten bestimmt eine Meinung zu den Geschehnissen in der Welt und in ihrem Dorf. Konfliktpotenzial gab es genug. Aber man sprach nach dem Krieg nur sehr verhalten, ja manchmal flüsternd, darüber. Und schriftliche Aufzeichnungen gibt es auch aus jener Zeit so gut wie keine. Das ist der Weg in ein geschichtliches Nichts, das der eine in seiner Familiengeschichte vergeblich sucht, während der andere es gar nicht finden will. Zudem muss man festhalten, dass es in Rumänien nach dem Krieg sehr schwierig war, an Archivbestände heranzukommen, um die Dorf-Aufarbeitung jener finsteren Zeit (von der viele – auch Verwandte von mir – bis in die heutige Zeit schwärmten) in Angriff zu nehmen. 

Das führte dazu, dass die mir bekannten Bücher – allesamt in Deutschland verfasst – ein eventuelles Kapitel „Kriegszeit in Jahrmarkt“ (Franz Demele hat dem Thema nach dem Ersten Weltkrieg noch sein zweites Buch gewidmet) nicht enthalten. Immerhin gibt es in dem 1983 von der HOG Jahrmarkt herausgebrachten Erinnerungsbuch (mehr Foto-als Textmaterial) Jahrmarkt im Banat das Kapitel Kriege und Deportation, in dem der Hinweis zu lesen ist, dass die „einige Hundert Jahrmarkter“, die sich im Mai 1943 für die deutschen Heeresverbände mustern ließen, dies „teils mit Begeisterung, teils mit gemischten Gefühlen, teils auch widerstrebend“ taten. Oder im Jahrmarkter Heimatblatt Deportation 1945 findet man zur gleichen Thematik den Satz: „Auf >Verweigerer< übte die Volksgruppenführung einen in den meisten Fällen wirksamen Druck aus.“ Diese Andeutungen lassen die Vermutung zu, dass es in jener Zeit auch in Jahrmarkt nicht immer harmonisch zuging. 

Und das dem wirklich auch so war, kann man im 2017 von Dușan Baiski, ein im Banat lebender serbischer Schriftsteller und Publizist (schreibt rumänisch), herausgebrachten monographischen Werk nachlesen. Der Autor hat den oft mühseligen Weg in die Archive nicht gescheut und so manches Licht ins Dunkel der Banater Geschichte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gebracht. Er erläutert im Vorwort, dass er mit dieser Arbeit, Război în Banat - Studii monografice (Krieg im Banat – Monographische Studien), eine „Freske der Kriegszeit“ malen wollte, um „den Lesern ein Bruchstück (crâmpeie) der Atmosphäre aufzuzeigen, in der die Banater damals gelebt haben – also auch die Banater Schwaben“. Dass dann vorwiegend die Deutschen Eingang in das 348 Seiten umfassende Buch gefunden haben, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Ordner und Kladden im Archiv der Kreisdirektion Timiș der Nationalarchive (Diresția Județeană Timiș a Arhivelor Naționale), die der Autor durchforstet hat, relativ wenige Informationen zu anderen im Banat lebenden Nationalitäten enthalten.

Den Historikern und Heimatforschern der Banater Schwaben kann es nur Recht sein. Ich habe mich auf den Weg nach Hinweisen auf Jahrmarkt in diesem Buch gemacht und wurde auch fündig. Dușan Baiski zitiert reichlich aus den von ihm gesichteten Dokumenten und verschafft uns dadurch die Möglichkeit, zu erfahren, wie die rumänischen Behörden die Banater Schwaben damals gesehen haben – auch die in Jahrmarkt.

Seite 44: Der Chef der Gendarmarie in Ghiroda meldete am 22. April 1942 seinem Vorgesetzten, dass ein Bäcker aus Giarmata (Jahrmarkt) in Ghiroda große mengen Brot verkauft. Auch „verkauft er Weißmehl zu 30, 40 und 50 Lei/kg an verschiedene Vertrauenspersonen, die damit in Timișoara handeln und es nicht zum Eigenbedarf verwenden.” Informanten haben auch mitgeteilt, dass „dieser Bäcker das Mehl von der Mühle im Dorf klandestin besorgt.“ Feldwebel (plutonier) Petre Zaharia, der Leiter der Gendarmeriestation in Giarmata nimmt am 15. Mai 1942 Stellung zu diesen Anschuldigungen: „Der Bäcker Britt Viliam*, der nach unseren Informationen sein Mehl in kleinen Mengen von Mühlen aus der Umgebung von Giarmata bezieht, siebt es, und wir vermuten, dass er Brot von zweierlei Qualität backt. Wir konnten nicht feststellen, dass er Weißbrot oder hochwertiges Mehl verkauft.“ - Ein ehrbarer Kaufmann macht so etwas auch nicht, besonders in Kriegszeiten.

Seite 61: Am 21. Mai 1943 hielt der Unteroffizier N. Duma in einem Protokoll fest: „Am 19. und 20. Mai fand in Giarmata die Rekrutierung der Schwaben statt. Bei dieser Rekrutierung, die mit viel Propaganda und Drohungen seitens der schwäbischen Organisationen stattfand, haben die für diesen Zweck vorgesehenen Schwaben teilgenommen. Der Einwohner Richert Mihai, kürzlich zurückgekehrt nach einem 20 Monate langen Aufenthalt an der Front, wurde, nachdem er sich nicht am 19. bei der Rekrutierung gemeldet hatte, am 20. mit Gewalt vor die Rekrutierungskommission gebracht und von Professor Kindel aus Timișoara geschlagen, und abends hat eine Gruppe von Jugendlichen, angeführt von dem Individuum Pfeifel Mihai, ausgerüstet mit Stöcken vier Fenster an der Gassenfront seines Hauses eingeschlagen, einen Schaden von 25.000 Lei anrichtend. Am 20. Mai (wahrscheinlich 21. - A.d.V.) ging der Bewohner, nach den kassierten Prügeln, dem verursachten Sachschaden an seinem Haus und nach den Morddrohungen selber zur deutschen Volksgemeinschaft in Timișoara und beantragte seine freiwillige Rekrutierung in die deutsche Armee. Von uns und vom Gendarmeriechef von Giarmata befragt, verweigerte er aus Angst die Aussage zu diesen Vorfällen und verzichtete auf jeden Schadenersatz.“ - Es war schon immer ungemütlich, wo braune Horden unterwegs waren, sogar im altehrwürdigen Jahrmarkt.

Seite 85: In einer Tabelle der Gendarmerielegion Timiș-Torontal (Legiune de Jandarm Timiș-Torontal) ist die Anzahl der Banater Schwaben, die am 31. Juli 1943 Rumänien schon in Richtung „Reichsarmee“ (armata Reich-ului) „freiwillig“ verlassen hatten, festgehalten. Für Giarmata sind folgende Daten vermerkt: „Einwohnerzahl bei der Volkszählung vom 6. April 1941“ - 5.210 Einwohner (diese Rubrik wurde vom Autor des Buches der Statistik beigefügt) und „Bis zum 31. Juli 1943 rekrutierte und bereits abgereiste Personen“ - 530. Auch Überland taucht mit 47 rekrutierten Soldaten (ohne angegebene Einwohnerzahl) in der Liste auf.

Seite 116: Schon am 31. August 1942 hat der Chef des Gendarmeriepostens in Giarmata einen etwas unklaren Brief an das Militärtribunal in Timișoara geschrieben. Darin wird berichtet, dass der Deserteur Albingher Filip in seinem Haus in Giarmata gefasst wurde. Er befand sich in einem Versteck unter dem Fußboden, das mit einer gut getarnten Öffnung von 60 x 35 cm versehen war. Nur nachdem „jedes Brett im Fußboden mit einem harten Gegenstand“ abgeklopft wurde, konnte der Hohlraum unter dem Fußboden entdeckt werden. Weiter schreibt der Gendarmeriechef in seinem Bericht, dass „Albingher Filip (Albinger) 22 Monate Deserteur war, davon die ersten 10 Monate in Jugoslawien, wohin er illegal geflüchtet war und bei der Einheit >Todt< arbeitete. Den Beginn des Krieges erlebte er bei der Deutschen Mission aus Rumänien (Misiunea Germană din România) – in Constanța oder Arad. Am 18. Oktober 1940 hatte er von seiner Einheit 15 Tage Urlaub bekommen, aus dem er nicht zu seiner Einheit zurückgekehrt war, sondern es vorgezogen hatte, sich bei der Deutschen Mission zu melden.“ - Eine nebulöse Geschichte, die mir in etwa sagt, dass der Jahrmarkter Abenteurer zuerst aus der rumänischen Armee desertiert ist, um bei den Deutschen unterzukommen, bei denen er es aber auch nicht lange aushielt. In Jahrmarkt fühlte er sich anscheinend doch am sichersten.

Ähnliche Zustände wie in Jahrmarkt gab es in jenen Jahren natürlich auch in anderen Dörfern und Städten des Banats, und nicht nur mit überwiegend deutscher Bevölkerung. Es gäbe viel, sehr viel darüber zu berichten, weiß Dușan Baiski, aber die Möglichkeiten dazu sind begrenzt, und er scheut sich auch nicht, die Gründe dafür zu benennen: „Leider ist die Zeit die mir noch geblieben ist begrenzt, aber besonders das mangelnde Interesse des rumänischen Staates an der eigenen Vergangenheit – daher rührt auch die fehlende Unterstützung für die Historiker – nehmen uns die Freude an weiteren Forschungen. Die mehr als 120.000 Fotokopien von Dokumenten aus dem Bestand des Temescher Nationalarchivs, die ich in mehr als 10 Jahren machen konnte, würden, auch wenn nicht alle einen geschichtlichen Wert haben, Material für viele Bücher hergeben, bleiben so aber leider nur Teil einer Privatsammlung.“

Also, wer noch im Sinn hat, die Ortsmonographie (oder Ergänzung einer solchen) eines einstmals deutschen Dorfes im Banat zu schreiben, hätte hiermit eine Anlaufstelle. Und er würde feststellen, dass der „Zeitbruch“ von dem der Soziologe Anton Sterbling auf einer Kulturtagung der Landsmannschaft der Banater Schwaben (2015 in Sindelfingen) sprach, schon vor 1944/45 begann. Auch wenn die von Dușan Baiski - er nennt sich selbst ein Amateurhistoriker - ausgewerteten Dokumente, bezogen auf ihre Verfasser, nicht ganz absichtsfrei und neutral sind, werden sie als historische Quellen auch für die folgenden Generationen Bestand haben. Wir Jahrmarkter aber haben jetzt schwarz auf weiß, worüber vorher nur „getuschelt“ wurde.

Anton Potche


Ergänzung: Laut Ortssippenbuch der katholischen Pfarrgemeinde Jahrmarkt könnte es sich um folgende Personen handeln:
Britt Viliam = Britt Wilhelm (*1893 – †1946 in russischer Gefangenschaft) oder um seinen Sohn Britt Wilhelm Sebastian (*1920 – †1945 im Krieg)
Richert Mihai = Rückert Michael (1916 – 1989)
Pfeifel Mihai = Pfeifer Michael (1925 – 1982)
Albingher Filip (Albinger) = Albinger Filip (1911 - 1990)