Samstag, 14. Mai 2011

Jetzt hat es auch mich erwischt

Seit dem 1. Juli 2003 veröffentliche ich ab und zu Texte in rumänischer Sprache auf der Hobby-Autoren-Homepage poezie.ro ( auch agonia.net) - Poezie.ro - Anton Delagiarmata.
Was das für Texte sind? Auf jeden Fall anspruchslose. Über viele muss ich heute schmunzeln oder nachsichtig lächeln: „Lass ihn doch, so sind sie nun mal, die Gernedichter.“

Und ich war eigentlich immer stolz, dass man meine Texte überhaupt leben ließ. Gestrenge Literaturkritiker sind natürlich auch auf dieser Homepage unterwegs. Und wo es mit meinem Rumänisch gerade mal so ... na ja! Einem Literaten (den ich übrigens sehr schätze) hab ich vor Jahren versucht zu erklären, wie das so ist mit unseren rumäniendeutschen Rumänischkenntnissen. Diferenţa între limba învăţată şi cea congenitală


Jetzt aber hat es mich erwischt. Eine gestrenge Literaturrichterin hat eine meiner Übersetzungen – man will mit seinen bescheidenen Möglichkeiten doch auch zu einem innereuropäischen Kulturaustausch beitragen – von der Seite verbannt. Und das ist ihre Argumentation, im Original, inklusive Rechtschreibung und Absätze. 

te rog să nu te superi, dar ai tradus groaznic textul. dacă ar mai trăi, sigur s-ar îngrozi autorul.
ritmul, rimele - groaznice
nu ai respectat mai nimic din textul original.
ba ai mai şi folosit cuvinte care nu aveau ce să caute la acea vreme în vocabular (vezi "nasol" în loc de ticălos/pungaş/nenorocit)
apoi "medioacră", "şpalieră" - nici nu ştiu ce înseamnă.

serios, e sub orice critică textul aşa cum l-ai tradus.
eu nu pot aproba în pagina principală aşa ceva.
îmi pare rău

Nun weiß ich wahrlich nicht, was Karl Kraus (1874 - 1936) von einem „nasol” gehalten hätte. „Nasvalo“ sagen die Zigeuner zu einem schlechten Menschen, also zu einem „Schuft“. Dass es daran zu seiner Zeit in der Monarchie nicht mangelte, nehme ich ihm gerne ab. Man muss nur eine FACKEL aufschlagen. Wie es aber zurzeit in der von Ewigkeit geschlagenen rumänischen Transformationsgesellschaft aussieht, weiß meine strenge Richterin bestimmt besser. Schufte, also „nasoli“, scheint es darin keine zu geben, sonst hätte sie das Wort bestimmt nicht so anstößig gefunden. In meinen rumänischen Jahren wurde es auf jeden Fall fleißig benutzt. Das ist allerdings auch schon fast 30 Jahre her. Da spielte meine Literaturkritikerin noch im Sand und hatte kaum schon konkrete Vorstellungen, wie „nasol“ das Leben sein kann. Welch ein Wort! Es wird in der rumänischen Umgangssprache sowohl als Haupt- wie auch als Eigenschaftswort benutzt. Was natürlich nicht heißen soll, dass es nicht auch Gesellschaftskreise gibt, in denen solche Ausdrücke gemieden werden, aus welchen Gründen auch immer. Da Karl Kraus aber, weiß Gott, kein Kind von Traurigkeit war, kann ich mir, im Unterschied zu meiner Kritikerin, gut vorstellen, dass dieses Wort ihm gefallen hätte. So weit ich weiß, kannte er aber die rumänische Sprache nicht. Schade!

„Poate pentru unii aceste imagini vor părea absurde, dar sunt constatări ai unor ani grei de zbucium într-o lume medioacră, dar ce îşi dă aer de superioritate.“ Mit Consideraţii asupra lui ,,Carpe diem”, ist der Text, aus dem dieser Satz stammt, überschrieben. Liudmila Carta, eine aus der Republik Moldau, auch Moldawien genannt, stammende Studentin der Universität Jassy, hat ihn auf ihrem Blog niedergeschrieben. Was mag sie dazu verleitet haben, von einer „lume medioacră” statt einer „lume mediocră”, also einer „mittelmäßigen Welt” zu schreiben. Es muss wohl eine Eingabe gewesen sein, die das strahlende „a” als Betonung der Weiblichkeit einer wie immer gearteten Welt in ihre alles andere als schmeichelhafte Charakterisierung einfließen ließ. Das soll mich jetzt aber nicht an der weiblichen Intuitivkraft meiner unerbittlichen Kritikerin zweifeln lassen. Aber vielleicht muss man ja von den Rändern einer Sprache kommen, um selbst strenge (wissenschaftliche) Orthografieregeln spielend, aber immer klar verständlich, umgehen zu können. 

Und wenn wir uns schon an den geographischen Rändern der rumänischen Sprache aufhalten, kann auch ein Blick in eine offizielle Normativkakte der Republik Moldau nicht schaden. Dort heißt es nämlich unter Kapitel 1 Punkt 1: „Demontarea stâlpilor de şpalieră din metal”. Na gut, es wird schon seinen Grund gehabt haben, warum man plötzlich kein Spalier, also aufgereihte Pfosten aus Beton, haben wollte. Spalier stehen ist eines, aber Spalier stehlen etwas ganz anderes. „Un bărbat din Fitioneşti a furat şpalierii de la via unui consătean”, schrieb der MONITORUL DE VRANCEA am Anfang dieses Monats. Macht man so etwas? Karl Kraus hätte da bestimmt über den oder die oder ein ganzes „Spalier von Beutelschneidern” geschimpft.

Über Reim und Rhythmus bei Übersetzungen lässt es sich nach wie vor vorzüglich streiten. Ich vertrete da knallhart die Linie der Inhaltstreue. Die muss gewahrt und vor allem respektiert werden. Wer eine Übersetzung liest und dabei erwartet, mehr als die Seele des Originals ergründen zu können, der sollte wirklich nur Texte in seiner Muttersprache lesen. Jede Übersetzung ist und bleibt ein neues literarisches Werk, dass nie und nimmer dem Original in allen Gesichtspunkten ganz gerecht werden kann. Sie (die Übersetzung) ermöglicht immer nur Annäherungen, mehr oder weniger gelungene, an einen Text in der Ursprache. 

Wie soll denn diese Sicht der Dinge, also meine eigene, auch meiner unerbittlichen Literaturkritikerin vom Dienst eigen sein, wo sie doch nicht einmal Wörter der eigenen Sprache intuitiv einem Textinhalt zuordnen kann, geschweige denn, wenn es sich um eine Übersetzung aus einer Sprache handelt, die sie nach meinem Kenntnisstand nur in sehr bescheidenem Umfang beherrscht. Da konnte meiner Übersetzung nur ein Schicksal blühen – die Verbannung aus dem virtuellen Poezie.ro–Raum.

Ach ja! Um welches Gedicht es sich handelt? Um das folgende:

Karl Kraus

In diesem Land

In diesem Land wird niemand lächerlich,
als der die Wahrheit sagte. Völlig wehrlos
zieht er den grinsend flachen Hohn auf sich.
Nichts macht in diesem Lande ehrlos.

In diesem Land münzt jede Schlechtigkeit,
die anderswo der Haft verfallen wäre,
das purste Gold und wirkt ein Würdenkleid
und scheffelt immer neue Ehre.

In diesem Land gehst du durch ein Spalier
von Beutelschneidern, die dich tief verachten
und mindestens nach deinem Beutel dir,
wenn nicht nach deinem Gruße trachten.

In diesem Land schließt du dich nicht aus,
fliehst du gleich ängstlich die verseuchten Räume.
Es kommt die Pest dir auch per Post ins Haus
und sie erwürgt dir deine Träume.

In diesem Land triffst du in leere Luft,
willst treffen du die ausgefeimte Bande,
und es begrinst gemütlich jeder Schuft
als Landsmann dich in diesem Lande.


În această ţară

Nimeni nu se face de râs în această ţară,
decât cel care spune adevărul. Fără apărare,
atrage batjocura rânjindă şi medioacră.
Nimic nu te dezonorează în această ţară.

În această ţară se plăteşte orice răutate,
care în altă parte ar fi fost sancţionată,
cu aur curat şi haine de demnitate,
fiind din nou şi nou onorată.

În această ţară mergi printr-o şpalieră
de pungaşi care te dispreţuiesc adânc,
având cel puţin punga ta în vizieră
dacă nu salutul tău blând.

În această ţară nu te excluzi,
eviţi imediat încăperile otrăvite.
Ciuma şi prin poştă ţi-o aduc
sugrumându-ţi orice vise.

În această ţară nimereşti în aer gol,
vrei să nimereşti banda vicleană,
şi te batjocoreşte oricare nasol
de consătean în această ţară.


[Traducere din germana: Anton Potche]


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen