Donnerstag, 23. Februar 2012

Ein neues Museum für Konkrete Kunst und Design in Ingolstadt

   Wer die Ingolstädter Kommunalpolitik der letzten Jahre Revue passieren lässt, kann unschwer erkennen, dass ein Streben nach Größe sowohl den Rathausapparat als auch den Stadtrat stetig begleitete. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, geht viel im Schneckentempo voran. Da ist oftmals der sprichwörtlich müde Amtsschimmel ein hurtiges Pferdchen dagegen.
   Das beste Beispiel dafür ist das Gießereigelände. Ein sogenanntes Filetstück, in unmittelbarer Altstadtnähe mit freiem Blick auf die Donau. Seit 1995 liegt das Gelände brach und seit damals wird geplant, verworfen, Architekten für Wettbewerbsbeiträge honoriert und vor allem nichts unternommen. 

Geschützgießerei (rechter Bautrakt)
   Jetzt, aber jetzt soll es endlich soweit sein und riesige Bauquader die lang ersehnte Großstadtgröße aus dem Boden stampfen. Zwei Gebäude aus der Vergangenheit sollen auf dem Areal erhalten bleiben: das Kavalier Dallwigk und die ehemalige Geschützgießerei (beide 19. Jahrhundert). Letztere soll ein Museum für Konkrete Kunst und Design beherbergen. 
   Zwei Themen beherrschen zurzeit die Debatten in der Stadt: die Höhe der geplanten Bauten und die Architektur des neuen Museums. Dabei geht es vorwiegend darum, dass die Bauklötze, als mehr kann man sie nach den zahlreichen Zeitungskollagen der letzten Zeit wohl nicht bezeichnen, dem benachbarten Neuen Schloss (15. Jahrhundert) nicht die Präsentationsshow stehlen. Der gotische Profanbau ist erst kürzlich einem von den Kulturoberen der Stadt gewünschten Museum der bayrischen Geschichte knapp entgangen. Das sollte dem Schloss zur Donau hin vorgelagert werden.
   Aufgehoben ist aber auch in Ingolstadt nicht aufgeschoben. Andere Baumassen, von jetzt noch erdrückenderer Wucht, bedrohen die Stadtburg. Und so wie es aussieht, werden sie kommen. Die Mehrheit im schwarz dominierten Stadtrat ist dafür. Endlich Großstadt. Nicht nur nach der Einwohnerzahl. Auch von den Bauten her. Wie so etwas heutzutage aussieht, kann man sogar vor Ort auf dem Rathausplatz in Augenschein nehmen. Schrecklich!
   Bei dieser Baumassendiskussion sollte man das neue Museum nicht vergessen. Der Architektenwettbewerb dazu ist abgeschlossen und die Ergebnisse sind im Museum für Konkrete Kunst in der ehemaligen Donaukaserne zu besichtigen. Eine Jury hat bereits die Platzierungen bekanntgegeben. Jetzt spricht das Volk.
   Und es zeigt sich wahrlich interessiert. Als ich dort war, gab es ein stetes Kommen und Gehen. Einige waren schon dort, als ich kam und gaben sich noch keinen Anstand zum Gehen, als ich längst gesehen hatte, was ich wollte. Da wurde zum Teil im Referatston palavert und mit Kenntnissen im technischen Bauzeichnen aufgetrumpft, dass man nur staunen konnte – wenn man sich nicht gerade gestört fühlte.

ARGE Holzer Kobler Architekturen 
PBR AG, Zürich

   Die meisten Wettbewerber haben sich Mühe gegeben, die äußere Form der Halle zu erhalten. Mit Anbauten spielten alle, einige auch mit Überbauten und einer ging sogar in die Tiefe. Nur ein Architektenteam hatte den Mut, einen großen Teil der Geschützgießerei einfach in einem Neubau verschwinden zu lassen. Das sind die Schweizer von ARGE Holzer Kobler Architekturen / PBR AG, Zürich. Man muss sich in Anbetracht des baulichen Umfelds fragen, ob sie nicht die passendste Lösung gefunden haben. Denn eines ist klar: Das Schloss wird seine städtebauliche Dominanz nicht in alle Ewigkeit halten können. Die Zeiten sind nun mal auf Wachstum programmiert. Und diese Philosophie wird vorbildlich von einem der Zukünftigen Hausherren auf dem Gießereigelände gelebt, Tag für Tag. Neben einem Kongresszentrum und Hotel soll nämlich auch eine Audi-Akademie entstehen. Und das ist ohne Größe schwer vorstellbar.
   Die Jury hat die Realisierungsvorschläge von DFZ Architekten Hamburg und Stanton Williams London zu den Siegern gekürt: ein Überbau und ein Anbau. Gestern hat eine Frau im DONAUKURIER sehr emotional – verbunden mit einer bemerkenswerten Familiengeschichte – für den Vorschlag der Engländer plädiert. Müsste ich mich zwischen den beiden entscheiden, würde ich meine Stimme dem Hamburger Büro geben. Wer letztendlich zum Zug kommt, wird der Stadtrat entscheiden. ... Falls nicht doch noch alles ganz anders kommt, wie so oft in der Ingolstädter Kommunalpolitik.

(Fotos: Anton Potche)

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