Donnerstag, 27. Mai 2010

Ein großartig scheußlicher Film

Darum habe ich gestern Abend schon 20 Minuten vor Feierabend hinter der Maschine hervorgelugt, um zu erkunden, ob der Meister hoffentlich nicht in der Nähe ist? War er auch nicht, und ich bin abgehauen, was ich eigentlich nie oder fast nie mache. Darum bin ich acht Kilometer auf meinem Drahtesel heimgerast, dass ich ganz verschwitzt und schwer atmend im Fernsehsessel landete? Für diese ernüchternde Geschichte über das Sterben -  Pardon!, das unwürdige Sterben des Herrn Lăzărescu?

Ich hätte ja auch ausschalten können. Habe ich aber nicht getan. Das ist doch der pure Voyeurismus: Ich wollte sehen, wie Herr Lăzărescu stirbt. Und habe es dann doch nicht mitbekommen, nicht weil ich eingeschlafen war, sondern weil der Regisseur Cristi Puiu das vom Filmtitel "Der Tod des Herrn Lăzărescu" angekündigte Ende nicht zeigt. Ob Mioara Avram (beeindruckend zurückhaltend gespielt von Luminiţa Gheorghiu) diesen Tod des Herrn Lăzărescu auch miterleben wollte, bleibt eine andere unbeantwortete Frage. Die engagierte und mitfühlende Rettungsschwester hat eine ganze Nacht lang versucht den Schwerkranken in einem Bukarester Krankenhaus unterzubringen. Als es ihr endlich gelang, war es wahrscheinlich zu spät. Der 63 Jahre alte Dante Remus Lăzărescu (Ioan Fiscuteanu) war das Opfer ärztlicher Ignorenz - oder eher menschlicher? -, aber auch eines nicht bestens funktionierenden Gesundheitssystems geworden.

Cristi Puiu und Răzvan Rădulescu haben diesen Film 2005 gedreht. Er hat seinen zeitlosen Charakter natürlich beibehalten, nicht nur für Rumänien. In Krankenhäusern arbeiten eben auch nur Menschen. Und sie sind sich nicht in jedem Augenblick ihres Tuns voll bewusst, dass sie es mit mehr als einem Produkt zu tun haben, sondern mit einem Patienten, sprich leidenden Menschen. Das ist eigentlich das Hauptanliegen dieses Films. Dank ARTE war meine fluchtartige Heimfahrt nicht sinnlos. Das war allerdings Der Tod des Herrn Lăzărescu.

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