Donnerstag, 23. Dezember 2010

Frohe Weihnachten in Ingolstadt

23. Dezember 2010 in der schneereichsten Vorweihnachtszeit seit vielen Jahren. Aber seit vier Tagen, Werktagen, ist Tauwetter. Endlich. Die unterste Schneeschicht dieses Winters lag schon am 2. Dezember. Sie schien schon damals ein weißes und frohes Weihnachtsfest anzukündigen.

Die Stimmung in Ingolstadt war damals und ist nach wie vor gut. Damals schrieb der DONAUKURIER von der frohen Botschaft, die Stadtkämmerer Albert Wittmann (CSU) tags zuvor im Stadtrat verkündet hatte. 364,7 Millionen Euro umfasst der Haushaltsetat 2011. Ingolstadt braucht nächstes Jahr keine Nettoneuverschuldung. Die Steuereinnahmen sind 2010 dank Audi und VW unerhofft reich geflossen. Laut Aussage des Kämmerers belegt Ingolstadt bayernweit einen Spitzenplatz in punkto Investitionen. Wo diese Investitionen auf jeden Fall nicht ankommen, durfte am heutigen Nachmittag ein Seniorenehepaar im Ingolstädter Stadtteil Ringsee erfahren - am eigenen Leib.

Die beiden waren auf dem Weg zu ihrer Enkelin, deren Geburtstag sie mitfeiern wollten. Sie hatten einen Weg von 500 m Luftlinie vor sich, auch für Rollstuhlfahrer eine leicht zu bewältigende Strecke, sogar im Winter - doch nicht in der Boomtown Ingolstadt, an diesem Nachmittag des 23. Dezember 2010, um 13.45 Uhr. Hier standen sie plötzlich vor unüberbrückbaren Barrieren: Zwei nicht geräumte Straßenkreuzungen hatten sie zu überwinden, zentimeterhoher, festgefahrener und danach festgefrohrener Schnee - wie bereits angedeutet, nach vier Tagen Tauwetter.

Und wie sie so dastanden, nicht auf Herbergs- aber auf Überquerungssuche, kamen sie, die rettenden Engel. Es gibt noch Wunder, Weihnachtswunder. Zwei Winterdienstfahrzeuge der Stadt näherten sich und siehe da... Der erste muss die Senioren wohl übersehen haben - einem Blinden wäre das bestimmt nicht passiert -, aber der zweite reagierte auf das verzweifelte Winken des Mannes. Der bat den Fahrer, ihm einen Weg für den Rollstuhl freizuschaufeln.

Missmutig fuhr der Baggerfahrer einmal über den hart gefrohrenen Schnee und... weg war er. Von einer rollstuhlgerechten Schneise über die Kreuzung konnte keine Rede sein. Dieser Winter scheint sogar Engel zu überfordern. Dem könnte man in Ingolstadt vielleicht durch eine Investition in eine Ausbildung der kommunalen Angestellten im Fach "Bürgernahes Verhalten" nachhelfen. 364,7 Millionen Euro. Einen kleinen Teil davon für ein bisschen Menschlichkeit zu investieren, wäre für so manchen gehbehinderten Menschen in Ingolstadt eine wahre Weihnachtsbescherung.

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