Samstag, 22. Januar 2011

Mensch, Kathi!

Die Müller un ehre Pastior, de Schlesak un de Pastior, de Sienerth un de Pastior. Immer de Pastior, de Oskar Pastior. De Herrgott soll’m sei Ruh schenke. Der werd des aah mache. Norr die uf der Erd wolle des net nohmache, die Freinde und Feinde un Freindfeinde un rumäniendeitsche Schriftsteller. Des is jetz zwar e Steigerung, bleibt sich vum Inhalt awwer gleich, weil es sich immer um dieselwe Persone handelt. Allzuvill Leit werre sich wahrscheinlich jo net um des rumäniendeitsche Securitatezirkus kimmre, awwer es deitsche Feuilleton is forr die Gschichte dankbar. Immerhin kann merr dodriwer Artikle schreiwe, wann se aah manchesmol krotteschlecht sin, wie neilich in der FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (21.01.2011).

De Ernest Wichner taucht aah immer wedder in de Zeitschrifte- un Zeitungsartikle uff. De SPIEGEL hot die Wuch e lange un braade Bericht iwwer des Spektakel gebrung. Un es Müller Herta hot sich schun glei noh Neijohr in’re Sendung vum Schweizer Fernseh so herzzerreisend iwer des Unrecht, was merr jetz seim Romanfigurgewwer Pastior ontot, beklaat, dass oom’s Kreische hätt kumme känne. Es is halt vill Tragik in der verzwickt Gschicht drin, un wann die no aah noch vun Schriftstellre ufgetischt werd, no steigert des Ganze sich nateerlich ganz schnell ins Dramatische ... odder awwer aah ins Tragikomische. So wie in der erwähnt FAZ.

Mer muss sich des mol vorstelle. Jetz fahrt der Ex-Guttebrunner uf Bukarest un sitzt sich Täch lang in so e fensterloses Loch, forr beweise, dass de Pastior ka beeser Spitzel war, ehnder noch de Dieter Schlesak, der wu gsaat hot, dass de Pastior ne vertratscht hot. Was er, de Wichner, bis jetz funn hot, is schun mol was Positives. Endlich hun mer aah mol e ehrliche Spitzel, nämlich de „Ehrlich“ heechstperseenlich. Un noch etwas Gutes kann merr aus dem ganze Kudlmudl rauslese, un zwar dass die deitsche Feuilletoniste vu’me „balkanische Kapitel der deutschen Literaturgeschichte“ schreiwe, wie de Dirk Schümer jetz in der FAZ. Asso was mer dort unne geles hun, in der NBZ, im NW, der NL usw., des is heit e Stick deitschi Literaturgeschichte. Na wann des ka Anerkennung forr unser rumäniendeitschi Literatur is. Des is jo fast wie e Ritterschlach. Die vum Nobelpreiskomitee hun des schun immer gewisst: Mann, Böll, Grass, Müller

Am schennste awwer is es, wann die vereiferte Literaturredakteure selwer es Fabuleere onfange, so wie die Leit, iwer die wu se schreiwe. Uf mol hot die „Aktionsgruppe Banat“ schun in de sechzicher Johre im Banat ehre Unwese getrieb. Do muss merr sich mol vorstelle, wie literarisch friehreif die Bucher um de Wagner Richard hun sein misse. Dergee is em Mozart sei kindlichi Musikpotenz jo de reinste Pippifax. Un die Revolution, selmols im 89er an Weihnachte, die regt noch immer deitsche Journalistefantasiee on. De Artikelschreiwer vun der FAZ is noch immer gschockt vun dee „über zehntausend Ermordeten“ während der rumänisch Revolution. 

Der Zeitungsmann hätt doch sei Text norr vun der Banater Redakteurin, die wu bei der FAZ arwet, breiche dorchlese losse. Noh wäre’m so Patzre net passeert. Vleicht wärs iwerhaupt aah gar net zu dem ganze Pastior-Dorchnanner kumm, wann’s die betreffend Redakteurin net gewwe hätt. 

De Dieter Schlesak schreibt uf seim Blog unner annrem. „Trotz allem hätte ich am liebsten über Pastiors Berichte geschwiegen, das Belastende verschwiegen. Es bei der Verteidigung belassen. Doch das war nach Lage der Dinge fast unmöglich! Was wäre geschehen, wenn jemand anderes über den Aktenfund in meinem Dossier geschrieben hätte?! Und das war eigentlich sicher, denn ich hatte in Bukarest der Kollegin und Freundin Ana Blandiana von diesen verrückten Berichten Oskar Pastiors erzählt, der mich, völlig absurd, als Vertreter der Moderne und als Anhänger westlichen Gedankenguts sowie Westkontakte bei der Securitate denunziert. Ana musste über diese absurde Sache lachen, dass unser modernistischer und experimenteller Lyriker so was getan haben sollte. Leider war im Nebenzimmer eine FAZ-Mitarbeiterin, die aus Temesvar stammte, also Rumänisch konnte, zu Gast. Sie hatte alles mitgehört. Am nächsten Morgen sah sie dann auch prompt meine Akte ein. Als ich ihr sagte, dass ich am liebsten nicht schreiben wolle, sagte sie, dann schreibt sicher anders jemand, und dann eben so, wie er die Sache sieht, und nicht wie ich sie sehe! Und riet mir zu schreiben, und zwar sofort. So rief ich dann aus Bukarest Frau von Lovenberg von der FAZ an; sie nahm sofort an. Und am 16.11. erschien mein Artikel, der meine Verteidigung Oskars in der ZEIT korrigierte.“

Ich hun in dem Zitat etwas ongfärbt. Un weil ich so e neigeerichi Johrmarker Tratschbas sin, hun ich heit Morjet mol im Impressum vun der FAZ nohgschaut. Do werre die Ressortleiter vun alle meegliche Redaktionsstuwwe ongewwe, norr bei der Abteilung „Briefe an die Herausgeber“ war ka Nome gschrieb. Ich waaß nateerlich net, wer die „FAZ-Mitarbeiterin, die aus Temesvar stammte“ is, awwer ich hun schun efter mol erlebt, dass Leit vum Dorf, vun annre Leit gere der Stadt, in der Näh vun ehrem Dorf, zugeordnet werre. Ich moon, merr merkt sich aah wirklich schneller, dass ooner odder ooni aus Temeswar stammt, statt, soon mer mol, aus Johrmark. 

Dass es jetz wirklich e Redakteurin bei der FAZ gebt, die wu aus Johrmark stammt, is nateerlich wedder e dummer Zufall. Ich hun des wirklich net gewisst. Ich schweer’s eich... mi’m Finger im Hossesack. Awwer ich hun’s i’me Buch geles. Die Fraa hot e Biografie wie unseroons in zehn Lewe. Dabei is se noch gar net alt. Do kann merr newer vill, vill annrem aah lese: „1990 – 2001 war sie Assistentin/Sekretärin des Außenpolitikleiters in der Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, seit 2001 im Ressort ‚Zeitgeschichte’, seit 2003 wirkt sie an der Gestaltung der ‚Briefe an die Herausgeber’ mit.“ Ich waaß, dehr seit jetz neigeerich, wer des is. Soon ich awwer net. De Nome vun dem Buch verrot ich eich awwer: Die Erinnerung bleibt – Donauschwäbische Literatur seit 1945, Band 4, K-L. Es kost norr 36,20 Euro mit Versandt. Bstelle kann merr’s beim Oswald Hartmann Verlag, Großsachsenheimer Str. 20, D-74372 Sersheim; Tel.. 07042/33604. Owacht gewwe! Net falle losse, des kennt schwarze Fußneel gewwe.

Na ja, do steht noh aah noch, dass die Fraa „Gedichte in der NEUEN LITERATUR und BANATER ZEITUNG“ veröffentlicht hot. Vill Johrmarker werre des net gewisst hun un vleicht bis heit net wisse. Dort hot merr zwar e jede Musikant gekennt – un des ware, waaß Gott, net wenich -, awwer doch net die zwaa drei Dichtre odder Dichterinne im Dorf. Un de Dieter Schlesak, der war jo Redakteur in Bukarest bei der NEUEN LITERATUR. Vun doher is es asso net unwahrscheinlich, dass merr sich kennt odder schneller mitnanner ins Gspräch kummt, wann mer sich zufällich bei der CNSAS in Bukarest trefft. Do machts noh aah nicks meh aus, dass de Schlesak schun in Deitschland war, wie unser Johrmarkerin noch im Sand gspillt hot.

Wann merr dee ganze Pastior-Dorchnanner so lest, no kann merr soon, do hat (vleicht) mol wedder e Johrmarker/in sei/ehre Hand im Gspill ghat. Un was is rauskumm? Wer will do vor so vill Beem noch e Wald siehn? Des hun ich mei Fraa gfroot. Un die hot gemoont, es wär heechsti Zeit, dass es Friehjohr kummt un ich mol was im Garte zu ton krien. No is endlich aus mit der Spinnerei un sellt ich dee oone Boom in unsrem Garte nemmi siehn, no wär sowieso Laab un Gras vlor. Na Servus Kaiser!

Kommentare:

  1. Lieber Potche Toni,
    Ich fühle mich geehrt, dass Sie nicht zum ersten Mal in meiner Person ein Objekt des Anstosses finden und es versuchen ins Lächerliche zu ziehen. Bestimmt haben Sie einen Grund dafür. Wie dem auch sei, diesmal irren Sie sich:
    Sie sollten aber mal die aktuelle Version von Schlesaks Blog lesen. Dort wurde nämlich von Dieter Schlesak alles korrigiert, wie die Diskussion in Bukarest im Büro von Ana Blandiana gelaufen ist. Denn keineswegs habe ich die Akte Schlesak gelesen. Die Empfehlung an Herrn Schlesak für die F.A.Z zu schreiben habe ich ausgesprachen, da er beteuerte, dass er gerne über seine Akte schreiben möchte. So kam es zu seinem Artikel, den er in größter Eile dann an "unser" Feuilleton geschickt hat. Siehe Schlesaks Originaltext. Dort steht nämlich nichts von der "Mitarbeiterin der F.A.Z.". Und außerdem stimmt es, dass ich die "Briefe an die Herausgeber" täglich mitgestalte. Was haben Sie daran auszusetzen? (Ich hätt ja gerne auch "Schwowisch" gschrieb, bin awer net so geübt):
    "Trotz allem hätte ich am liebsten über Pastiors Berichte geschwiegen, das Belastende verschwiegen. Es bei der Verteidigung belassen. Doch das war nach Lage der Dinge fast unmöglich! Was wäre geschehen, wenn jemand anderes über den Aktenfund in meinem Dossier geschrieben hätte?! Und das war eigentlich sicher, denn ich hatte in Bukarest der Kollegin und Freundin Ana Blandiana von diesen verrückten Berichten Oskar Pastiors erzählt, der mich, völlig absurd, als Vertreter der Moderne und als Anhänger westlichen Gedankenguts sowie Westkontakte bei der Securitate denunziert. Ana musste über diese absurde Sache lachen, dass unser modernistischer und experimenteller Lyriker so was getan haben sollte. So rief ich dann aus Bukarest Frau von Lovenberg von der FAZ an; sie nahm sofort an. Und am 16.11. erschien mein Artikel, der meine Verteidigung Oskars in der ZEIT korrigierte.

    Das sind die Tatsachen. Doch der Stress und Druck bleibt und bedrängt mich täglich und vor allem nachts.
    Es wird sich nun ergeben müssen, dass auch die Hoprichgeschichte..." (so im Blog von Dieter Schlesak http://schichtwerker.blogspot.com/2011/01/mensch-kathi_22.html#comment-form).



    Katharina Kilzer

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  2. Werte Frau Kilzer!

    Bisher war ich immer der Meinung, dass Menschen, die sich - unter welcher Form auch immer - in die Öffentlichkeit begeben, auch Gegenwind aushalten. Umso mehr wundert es mich jetzt, dass Sie anscheinend ein laues Rückenwindchen als störend empfinden.

    Sehen Sie, so unterschiedlich können Wahrnehmungen sein - übrigens ein Lieblingsthema Herta Müllers. Was ich Ihnen gerne als journalistische Professionalität zumute, empfinden Sie als "Lächerlichkeit".

    Dass Sie sich hier öffentlich als die vermutete Journalistin outen, spricht für Ihren beruflichen und moralischen Habitus. Natürlich freue ich mich, dass eine Landsmännin bei einer der größten deutschen Tageszeitungen als Journalistin arbeitet.

    Andererseits wundert es mich überhaupt nicht, dass Dieter Schlesak seine Blog-Eintragungen korrigiert hat. In Anbetracht der Übergereitztheit dieses Themas erlebt man auch andernorts seine wahren Wunder.

    Sollte ich mich eines Tages wirklich zu einer ernsten Diskussion über die rumäniendeutschen Securitateverstrickungen durchringen, würde ich allen Beteiligten zu mehr Gelassenheit und weniger Mediengeilheit - auch wenn das Ihrem Beruf nicht entgegenkäme - raten.

    In diesem Sinne versichere ich Sie meiner persönlichen Wertschätzung und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute

    Berns Toni

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  3. Danke lieber Berns Toni,
    es ist wohl auch ein bißchen Übereile Ihrerseits: es ging mir weder um "outen" noch um Übergereiztheit, sondern um eine Richtigstellung. Denn den Eintrag von Dieter Schlesak, so wie Sie ihn kopiert haben, unterstrichen haben, ist längst überholt und überarbeitet, da Herr Schlesak selbst sich entschuldigt hat, dass er einige Dinge erfunden habe, die nicht der Wahrheit entsprechen. Während ich darüber froh war, finde ich in Ihrem Blog eine Wiederholung der alten Variante. Das hat mich gewundert und geärgert.
    Da wir ja Johrmarker sind von der Abstammung her und vielleicht irgendwo auch weit verwandt, fand ich diesen Eintrag umso merkwürdiger. Aber ich weiß ja von meiner Streitmatter-Gothi, dass Sie ein verträglicher Mensch sind. Deswegen auch meine Wertschätzung und für zukünftige Verwunderungen können wir gerne auch mal darüber sprechen! Gruß
    KK

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