Freitag, 5. Oktober 2012

Rauris in den Hohen Tauern – III

Blasmusik gehört zum Gesellschaftsleben in Österreich

Wenn zwei Österreicher sich treffen, gründen sie erst mal eine Musikkapelle und dann sehen sie weiter, heißt es. Ein zugespitzter Charakterzug des Österreichers, könnte man sagen. Was er an Wahrheit beinhaltet, ist die allerorts anzutreffende Präsents der Musik im öffentlichen Leben. Das ist nun bei weitem kein österreichisches Spezifikum, wird aber besonders von Touristen gerne als solches empfunden.Das ist in den Hohen Tauern nicht anders als in Wien. 

Wenn es im Wochenprogramm der Tourismusinformation heißt, dass es auf dem Schmankerlmarkt „ganz viel Echtes und Gutes gibt“, dann sind damit „Bauern- und Almprodukte, Lammfelle, Wolle, Schmuck, Dekorationsmaterial vom Rauriser Naturstein, Filzwerk, Strohpuppen, Handwerksvorführungen und vieles mehr“ gemeint. Zu dem „vieles mehr“ gehört auch die Musik.

Drei Kinder nahmen da auf einem Podest Platz – und legten los. Wie die Feuerwehr. So sieht das aus in dem Land, das der Welt einen Wunderknaben Namens Mozart schenkte. Da spielen Kinder anspruchsvolle Stücke, als wäre es das Selbstverständlichste dieser Welt. Und es müssen nicht Klavier und Geige sein. Blasmusikinstrumente können da ganz gut mithalten. Jukilana nennt sich das Trio, also Julia an der Trompete, Kilian am Bariton und Anna am Tenorhorn. Sie sind zwischen 11 und 13 Jahre alt und legen eine Geläufigkeit und Musikalität an den Tag, die Zuhörer einfach nur staunen lassen. „Das ist halt eine andere Zeit“, hörte ich einen Mann am Nebentisch sagen, „wir spielten damals einfach nur drauflos.“ Das war seine Anerkennung für die Dynamik und Rhythmik des Trios. Wichtig für die jungen Leute sind auch die richtigen Förderer und Mutmacher. Der ebenfalls noch junge Geiger Thomas Albertus Irnberger (Salzburg) scheut sich nicht in einem Interview zu behaupten: „Es gibt sehr unzufriedene Musiklehrer, die es nicht ertragen, dass ein Kind begabter ist, als sie.“ Seine als Beleg zum Besten gegebene Geschichte klingt wahrlich haarsträubend, obwohl man sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen kann. Das läuft in Rauris anders. Hier scheinen Musik, Malerei und Literatur eine glückliche Symbiose zu bilden. Die drei Jukilana-Mitglieder erzählten mir stolz, dass die Anregung zu diesem Trio von ihren Lehrern gekommen sei.  

Rauris hat natürlich auch eine Trachtenmusikkapelle, wie das benachbarte Embach auch und alle größeren Ortschaften Österreichs. Diese Kapellen bilden einen ertragreichen Nährboden für talentierte Kinder, die schon früh an die Blasmusikliteratur herangeführt werden. Jukilana ist das beste Beispiel dafür. Julia und Kilian spielen in der Trachtenmusikkapelle Rauris , Anna kommt von der Trachtenkapelle Embach.

Wenn Kinder so Blasmusik spielen, wie klingt diese dann bei den Jugendlichen? Das konnte man live bei der Einweihung des neuen Domizils der Rauriser Tourismusinformation – im Rahmen des Bauernherbstfestes im Raurisertal - erleben. Die Rauriser Tanzlmusi gestaltete den musikalischen Rahmen. Das ist eine auftritterprobte Truppe. Ihre Livedarbietungen zeugen von musikalischer Qualität, sprechen aber auch von der überaus erfolgreichen Nachwuchsarbeit in den österreichischen Musikvereinen.

Wer als Urlauber in Österreich weilt, begegnet irgendwann auch der Musik. In Salzburg und Wien muss er vielleicht dafür tief in die Brieftasche greifen, aber in den Bergtälern kann er sie in seiner ganzen Urigkeit erleben. Und das auf einem erstaunlich hohen künstlerischen Niveau.

Ingolstadt, 18.09.2012
Anton Potche






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