Wir waren gestern auf einer
Geburtstagsfeier. Auch Erika war dort. Sie ist eine typisch rumänische Diaspora-Bürgerin. So dachte ich, wo ich doch bisher der
Meinung war, dass ein im Ausland lebender Rumäne mit großer
Wahrscheinlichkeit zu einer wieder mal historischen Wahl in der
rumänischen Heimat gehen wird – insofern ein erreichbares
Wahllokal in der Diaspora-Heimat erreichbar ist. Ich fragte sie eher
scherzhaft als seriös: Gehen wir morgen wählen? Was ich zu hören
bekam, ließ meine Annahme von einer typisch rumänischen
Diaspora-Wählerin bröckeln. „Mich interessiert diese Wahl in
Rumänien nicht. Ich kann das mit der Diaspora nicht mehr hören.
Wählen sollen die Daheimgebliebenen, die auch wissen, wen sie
wählen.“ Uf, da wollte ich nicht weiter nachbohren, denn so ein
überzeugter Ton kann schnell ins Unangenehme kippen, besonders für
eine im weiteren Sinn des Wortes verstandene Familienfeier.
Ein
Blick auf die Informationsplattform DIGI24.ro hat mich um 19:05 Uhr (rumänische Zeit) dann doch eine andere als
die von meiner Gesprächspartnerin vertretene Wahlphilosophie
nachlesen lassen. Dort wird ein FASEBOOK-Eintrag des Politologen
Remus Ioan
Ștefureac zitiert,
der von einer elfprozentigen Wahlbeteiligung der Diaspora spricht,
und diese Zahl als „enorm“ einstuft. Auf
jeden Fall
wird auch diese Wahl ohne meine, der schon lange keine rumänische
Staatsbürgerschaft mehr besitzt, und Erikas Stimme über die Bühne
gehen.
Um
21:00 Uhr (rumänische Zeit) liefen dann die ersten Prognosen über
die Bildschirme. Dabei wurde klar, dass es am 18. Mai eine Stichwahl
geben wird. Wer die Kontrahenten dann sein werden, wird die folgende
Auszählung zeigen. Sicher ist, dass der Rechtspopulist George
Simion
und einer der europaaffinen Kandidaten, Crin
Antonescu oder
Nicușor Dan,
ins Rennen gehen werden.
Der
Fernsehsender TVRi
meldet
heute
um 8:00
Uhr (MEZ),
dass
George Simion
die Wahl mit 40,44% gewonnen hat und in zwei Wochen in einer
Stichwahl von Nicușor
Dan,
der
mit 20,95% den zweiten Platz belegt, herausgefordert wird. Ich frage
mich, wen Erika
wohl gewählt hätte. Die hielt sich aber als rumänische
Haushälterin in einem bundesdeutschen Haushalt von der Wahl fern.
Und das wird sie auch bei der Stichwahl so halten. Obwohl bei einer
Wahlbeteiligung von 53,21% auch für ihre Stimme noch Platz gewesen
wäre.
Anton Potche
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