Montag, 5. Mai 2025

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Rumänien ist gelaufen

 
Wir waren gestern auf einer Geburtstagsfeier. Auch Erika war dort. Sie ist eine typisch rumänische Diaspora-Bürgerin. So dachte ich, wo ich doch bisher der Meinung war, dass ein im Ausland lebender Rumäne mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer wieder mal historischen Wahl in der rumänischen Heimat gehen wird – insofern ein erreichbares Wahllokal in der Diaspora-Heimat erreichbar ist. Ich fragte sie eher scherzhaft als seriös: Gehen wir morgen wählen? Was ich zu hören bekam, ließ meine Annahme von einer typisch rumänischen Diaspora-Wählerin bröckeln. „Mich interessiert diese Wahl in Rumänien nicht. Ich kann das mit der Diaspora nicht mehr hören. Wählen sollen die Daheimgebliebenen, die auch wissen, wen sie wählen.“ Uf, da wollte ich nicht weiter nachbohren, denn so ein überzeugter Ton kann schnell ins Unangenehme kippen, besonders für eine im weiteren Sinn des Wortes verstandene Familienfeier.

Ein Blick auf die Informationsplattform DIGI24.ro hat mich um 19:05 Uhr (rumänische Zeit) dann doch eine andere als die von meiner Gesprächspartnerin vertretene Wahlphilosophie nachlesen lassen. Dort wird ein FASEBOOK-Eintrag des Politologen Remus Ioan Ștefureac zitiert, der von einer elfprozentigen Wahlbeteiligung der Diaspora spricht, und diese Zahl als „enorm“ einstuft. Auf jeden Fall wird auch diese Wahl ohne meine, der schon lange keine rumänische Staatsbürgerschaft mehr besitzt, und Erikas Stimme über die Bühne gehen.

Um 21:00 Uhr (rumänische Zeit) liefen dann die ersten Prognosen über die Bildschirme. Dabei wurde klar, dass es am 18. Mai eine Stichwahl geben wird. Wer die Kontrahenten dann sein werden, wird die folgende Auszählung zeigen. Sicher ist, dass der Rechtspopulist George Simion und einer der europaaffinen Kandidaten, Crin Antonescu oder Nicușor Dan, ins Rennen gehen werden.

Der Fernsehsender TVRi meldet heute um 8:00 Uhr (MEZ), dass George Simion die Wahl mit 40,44% gewonnen hat und in zwei Wochen in einer Stichwahl von Nicușor Dan, der mit 20,95% den zweiten Platz belegt, herausgefordert wird. Ich frage mich, wen Erika wohl gewählt hätte. Die hielt sich aber als rumänische Haushälterin in einem bundesdeutschen Haushalt von der Wahl fern. Und das wird sie auch bei der Stichwahl so halten. Obwohl bei einer Wahlbeteiligung von 53,21% auch für ihre Stimme noch Platz gewesen wäre.

Anton Potche

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