Montag, 22. Juni 2026

Jahrmarkt vor 100 Jahren - 1926 (1)

 
Das Wohl oder Wehe einer Wirtschaft wird bekanntermaßen auch von der Finanzsituation der Geldinstitute widerspiegelt. Die erste Bank, die im Jahre 1926 ihre „geehrten Aktionäre“ zur ordentlichen Generalversammlung „höflichst eingeladen“ hat, es war die zweiundzwanzigste, war die Erste Jahrmarkter Sparkassa Aktiengesellschaft. Die Einladung erschien in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG (BDZ) vom 17. Januar 1926. Veröffentlicht wurde die Tagesordnung und das Bilanzkonto sowie das Gewinn- und Verlustkonto, beide Konten in deutscher und rumänischer Sprache. Der Abschluss konnte sich mit der Gewinnsumme von 534.848 Lei und 54 Bani sehen lassen. Auch die Namen der Direktionsmitglieder (12) sowie die der vier Aufsichtsräte werden genannt. Die federführenden Köpfe in der Bank waren laut der ausführlichen Einladung ein Triumvirat, bestehend aus Michael Berger (Direktor), Andreas Wilwerth (Buchhalter) und Andreas Wanyer (Kassier).

Zu Jahresbeginn haben auch andere Bankaktivitäten mit Jahrmarkter Tangens ihren Weg in die Zeitung gefunden. So konnte man am 20. Januar die Einladung des Temesgyarmataer Spar- und Kreditvereins als Aktiengesellschaft zur Generalversammlung in der BDZ lesen.

Am 6. Februar folgte die Einladung zur 31. ordentlichen Generalversammlung der Schwäbische Zentralbank A.=G. Sie soll am „28. Feber 1926, Sonntag, vormittags halb 11 Uhr in den Institutslokalitäten Timișoara, Innere Stadt, Piața Unirei, Domplatz 9“ über die Bühne gehen. Zu den 29 „Filialen und Exposituren“, bei denen bis spätestens acht Tage vor der Generalversammlung noch Aktien deponiert werden können, gehört auch der Jahrmarkter Spar- und Kreditverein als A.=G Jahrmarkt.

Zehn Tage später erschien in der BDZ ein „Akzienzeichnungsaufruf“ der Erste Jahrmarkter Sparkasso A. G. Es wird in dem Aufruf mitgeteilt, dass „die Erhöhung des Aktienkapitals diesmal von 105.000 Lei auf 315.000 Lei beschlossen“ wurde. Es werden auch verschiedene „Zeichnungsmodalitäten“ genannt. Die erste sieht vor, dass „nur rumänische Staatsbürger Akzien zeichnen können.“

Eine stabile Gesellschaft kann sich nicht nur auf ein starkes Bankwesen stützen, sondern auch auf aktive Vereine verschiedenster Orientierungen. Am 10. Dezember 1891 wurde in Temeswar der Schwäbische Landwirtschaftsverein gegründet. Die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG berichtete am 25. März 1926 vom 35. Jahrestag der Gründung dieses „grundwichtigen Vereins für unsere Landwirte“.

Eine wichtige Rolle spielen im Wirtschaftsleben die Ausstellungen. Das war schon vor 100 Jahren so. In der BDZ konnte man am 10. März 1926 in einem Artikel unter der Überschrift Die Weinausstellung im Deutschen Hause lesen: „Noch im Winter äußerten die Bakowaer Weinproduzenten den Wunsch, ihre Weine durch eine Weinausstellung im Deutschen Hause auch weiteren Kreisen bekannt zu machen. […] Die Weinausstellung wurde am 7. März, Sonntag, um 10 Uhr, von Herrn Vereinspräsidenten Prälat Blaskovics eröffnet.“ Es gab bei der gut besuchten Ausstellung viele Preisträger, auch aus Jahrmarkt. Einen zweiten Preis bei der Kategorie Neuweine – Allgemeine Gruppe erhielten Franz Wagner und je einen dritten Nikolaus Lorisz und Mathias Kronenberger. Bei der Gruppe Altweine Weiß konnten sich Nik. Schuld und Hieronymus Bittenbinder über zweite Preise freuen. Dritte Preise für ihre weißen Altweine bekamen Peter Klein und Johann Rosar. Für ihre Rotweine wurden Franz Wagner mit einem zweiten und Johann Potche mit einem dritten Preis ausgezeichnet. Bei den  Sortimentweinen belegte Georg Staß einen dritten Platz mit seinem Riesling. Besonders gut schnitten die Schnapsbrenner aus Jahrmarkt mit ihren Schnäpsen ab: 1. Preis – Johann Frombach und Franz Wagner sowie 2. Preis – Josef Wendling. Zum Schluss dieser Banater Weinmesse äußerte Prälat Blaskovics den Wunsch, „dass auch diese Veranstaltung dazu beitragen möge, in der Zukunft eine Zentralstelle zu schaffen zur weiteren Entwicklung unseres Weinbaues.“

Eine vitale Landwirtschaft generiert wie schon vor 100 und mehr Jahren auch stets Ver- und Zukäufe von Feld. Eine Anzeige dazu findet man in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG vom 5. Februar 1926: „9 Joch prima Feld mit Wirtschaftsgebäuden fünf Minuten von der Eisenbahnstation Ueberland (Jahrmarkt) sind unter günstigen Zahlungsbedingungen preiswert zu verkaufen.“ Das Geschäft sollte über einen Kontaktmann im Temesvarer Hotel „Krone“ abgewickelt werden.

Auch Landwirtschaftsgeräte wechselten schon damals ihre Besitzer. In einer BDZ-Anzeige bot Franz Lux aus Jahrmarkt, Hausnummer 697, einen „Grasmäher in gutem Zustande“ zum Verkauf an.

Die eine oder andere Maschine wurde aber auch zur Not als Verkaufsobjekt angeboten. So konnte man am 16. September vor 100 Jahren in der BDZ folgende Anzeige lesen: „Eine kaum 3 Monate in Betrieb gewesene Wollschlumpe (Wollkrempelmaschine) [… ] „ist krankheitshalber sofort preiswert zu verkaufen bei Anton Schneider, Jahrmarkt Nr. 538“.

Nicht unbedingt weniger dramatisch hört sich eine Versteigerung in Jahrmarkt an. Angekündigt wurde sie in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG in rumänischer Sprache: „Se fixează termen spre efectuarea licitației pe ziua de 9 Octombrie 1926 ora 4 d. m. în Giarmata începând în casa sub No. 67 și în continuare în casa sub No. 151 pe când și unde [se] vinde prin licitație obiectele secvestrate și anume: diferite mobile prețuite la suma de 8.400 Lei.” Versteigert wurden die Objekte von Ana Harnischfeger, geb Bibinger, Gattin des Ioan Harnischfeger.

Besser hört sich schon erfolgreiches Wirtschaften an. Und darin scheint Jahrmarkt vor 100 Jahren einen guten Namen erworben zu haben. Das kann man aus einem Artikel schließen, der am 25. September in der BDZ unter dem Titel Besuch einer deutschen Weinbau=Studien=Kommission im Banat erschienen ist. Die Gäste aus Deutschland wurden von Lehrer Zimmerer aus Jahrmarkt, Landwirt Andreas Korparics, Delegierter des Schwäbischen Landwirtschaftsvereins in Temeswar, und Direktor Brandrup von der Firma Romantl S. A. Temesvar „zunächst nach den Elisabethstädter Weingärten geführt“. Weiter hieß es: „Das nächste Ziel war Jahrmarkt, wo die Kommission mit herzlichen Worten von Herrn Johann Frombach empfangen und durch die 1080 Joch umfassenden Weingärten geleitet wurden. Nachher wurde in der gastfreundlichen Familie des Herrn Frombach ein Imbiß eingenommen, worauf Bruckenau besucht wurde.“

Am 6. Oktober 1926 stand in der BDZ-Rubrik Volkswirtschaft unter dem Titel Gründung der Weinbausektion des Schwäbischen Landwirtschaftsvereines ein ausführlicher Bericht, der auch das Resultat der abgehaltenen Wahlen zum Führungsgremium der Weinbausektion beinhaltete. Als Vorsitzender wurde Dr. Andreas Konrad aus Temeswar gewählt und als sein Stellvertreter Johann Frombach aus Jahrmarkt. Zu den gewählten „Ausschussmitgliedern“ zählte auch der Jahrmarkter Georg Staß.

Schon vor 100 Jahren haben die Banater Schwaben Kontakte zu ihrem Mutterland Deutschland gesucht und waren dabei lernwillig. Das konnte man einem Artikel aus der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG vom 8. Oktober 1926 entnehmen. Im jeweils „dicht besetzten“ Temeswarer Schülerheim „Banatia“ hielt der aus Oldenburg angereiste Ministerialrat Wegmann drei Vorträge, zwei wissenschaftliche und einen wirtschaftlichen. Die Zeitung schrieb zum dritten Vortrag unter dem Titel Die deutsche Agrarreform und die Lage des deutschen Bauernstandes einführend: „Nebst dem städtischen Publikum sahen wir Landwirte in Gruppen von je 18 – 22 Personen aus Neubeschenowa, Guttenbrunn, Jahrmarkt und kleinere Gruppen aus Billed, Grabatz, Lenauheim, Hatzfeld u. n. a.“
Anton Potche

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