Das Wohl oder Wehe einer Wirtschaft wird bekanntermaßen
auch von der Finanzsituation der Geldinstitute widerspiegelt. Die
erste Bank, die im Jahre 1926 ihre „geehrten Aktionäre“ zur
ordentlichen Generalversammlung „höflichst eingeladen“
hat, es war die zweiundzwanzigste, war die Erste
Jahrmarkter Sparkassa Aktiengesellschaft.
Die Einladung erschien in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG (BDZ) vom 17.
Januar 1926. Veröffentlicht wurde die Tagesordnung und das
Bilanzkonto sowie das Gewinn- und Verlustkonto, beide Konten in
deutscher und rumänischer Sprache. Der Abschluss konnte sich mit der
Gewinnsumme von 534.848 Lei und 54 Bani sehen lassen. Auch die Namen
der Direktionsmitglieder (12) sowie die der vier Aufsichtsräte
werden genannt. Die federführenden Köpfe in der Bank waren laut der
ausführlichen Einladung ein Triumvirat, bestehend aus Michael
Berger (Direktor), Andreas Wilwerth (Buchhalter) und
Andreas Wanyer (Kassier).
Zu
Jahresbeginn haben auch andere Bankaktivitäten mit Jahrmarkter
Tangens ihren Weg in die Zeitung gefunden. So konnte man am 20.
Januar die Einladung des Temesgyarmataer Spar- und
Kreditvereins als Aktiengesellschaft zur Generalversammlung in der BDZ lesen.
Am
6. Februar folgte die Einladung zur 31. ordentlichen
Generalversammlung der Schwäbische Zentralbank
A.=G. Sie soll am „28. Feber 1926,
Sonntag, vormittags halb 11 Uhr in den Institutslokalitäten
Timișoara, Innere Stadt, Piața Unirei, Domplatz
9“ über die Bühne gehen. Zu den 29 „Filialen und
Exposituren“, bei denen bis spätestens acht Tage vor der
Generalversammlung noch Aktien deponiert werden können, gehört auch
der Jahrmarkter Spar- und Kreditverein als A.=G Jahrmarkt.
Zehn
Tage später erschien in der BDZ ein „Akzienzeichnungsaufruf“ der
Erste Jahrmarkter Sparkasso A. G. Es wird in dem Aufruf
mitgeteilt, dass „die Erhöhung des Aktienkapitals diesmal von
105.000 Lei auf 315.000 Lei beschlossen“ wurde. Es werden auch
verschiedene „Zeichnungsmodalitäten“ genannt. Die erste sieht
vor, dass „nur rumänische Staatsbürger Akzien zeichnen können.“
Eine
stabile Gesellschaft kann sich nicht nur auf ein starkes Bankwesen
stützen, sondern auch auf aktive Vereine verschiedenster
Orientierungen. Am 10. Dezember 1891 wurde in Temeswar der
Schwäbische Landwirtschaftsverein gegründet. Die BANATER DEUTSCHE
ZEITUNG berichtete am 25. März 1926 vom 35. Jahrestag der Gründung
dieses „grundwichtigen Vereins für unsere Landwirte“.
Eine wichtige Rolle spielen im Wirtschaftsleben die
Ausstellungen. Das war schon vor 100 Jahren so. In der BDZ konnte man
am 10. März 1926 in einem Artikel unter der Überschrift Die
Weinausstellung im Deutschen Hause lesen:
„Noch im Winter äußerten die Bakowaer Weinproduzenten den Wunsch,
ihre Weine durch eine Weinausstellung im Deutschen Hause auch
weiteren Kreisen bekannt zu machen. […] Die Weinausstellung wurde
am 7. März, Sonntag, um 10 Uhr, von Herrn Vereinspräsidenten Prälat
Blaskovics eröffnet.“ Es gab bei der gut besuchten
Ausstellung viele Preisträger, auch aus Jahrmarkt. Einen zweiten
Preis bei der Kategorie Neuweine – Allgemeine Gruppe erhielten
Franz Wagner und je einen dritten Nikolaus
Lorisz und Mathias Kronenberger. Bei der
Gruppe Altweine – Weiß konnten sich Nik.
Schuld und Hieronymus Bittenbinder über zweite
Preise freuen. Dritte Preise für ihre weißen Altweine
bekamen Peter Klein und Johann Rosar. Für
ihre Rotweine wurden Franz Wagner mit einem
zweiten und Johann Potche mit einem
dritten Preis ausgezeichnet. Bei den Sortimentweinen
belegte Georg Staß einen dritten Platz mit seinem
Riesling. Besonders gut schnitten die Schnapsbrenner aus Jahrmarkt
mit ihren Schnäpsen ab: 1. Preis – Johann Frombach
und Franz Wagner sowie 2. Preis – Josef
Wendling. Zum Schluss dieser Banater Weinmesse äußerte
Prälat Blaskovics den Wunsch, „dass auch diese
Veranstaltung dazu beitragen möge, in der Zukunft eine Zentralstelle
zu schaffen zur weiteren Entwicklung unseres Weinbaues.“
Eine
vitale Landwirtschaft generiert wie schon vor 100 und mehr Jahren
auch stets Ver- und Zukäufe von Feld. Eine Anzeige dazu findet man
in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG vom 5. Februar 1926: „9 Joch prima
Feld mit Wirtschaftsgebäuden fünf Minuten von der Eisenbahnstation
Ueberland (Jahrmarkt) sind unter günstigen Zahlungsbedingungen
preiswert zu verkaufen.“ Das Geschäft sollte über einen
Kontaktmann im Temesvarer Hotel „Krone“ abgewickelt werden.
Auch
Landwirtschaftsgeräte wechselten schon damals ihre Besitzer. In
einer BDZ-Anzeige bot Franz
Lux aus Jahrmarkt,
Hausnummer
697, einen „Grasmäher in gutem Zustande“ zum Verkauf an.
Die
eine oder andere Maschine wurde aber auch zur Not als Verkaufsobjekt
angeboten. So konnte man am 16. September vor 100 Jahren in der BDZ
folgende Anzeige lesen: „Eine kaum 3 Monate in Betrieb gewesene
Wollschlumpe (Wollkrempelmaschine) [… ] „ist krankheitshalber
sofort preiswert zu verkaufen bei Anton
Schneider, Jahrmarkt
Nr. 538“.
Nicht
unbedingt weniger dramatisch hört sich eine Versteigerung in
Jahrmarkt an. Angekündigt wurde sie in der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG
in rumänischer Sprache: „Se fixează
termen spre efectuarea licitației pe ziua de 9 Octombrie 1926 ora 4
d. m. în Giarmata începând în casa sub No. 67 și în continuare
în casa sub No. 151 pe când și unde [se] vinde prin licitație
obiectele secvestrate și anume: diferite mobile prețuite la suma de
8.400 Lei.”
Versteigert wurden
die Objekte von Ana
Harnischfeger, geb
Bibinger, Gattin des
Ioan Harnischfeger.
Besser
hört sich schon erfolgreiches Wirtschaften an. Und darin scheint
Jahrmarkt vor 100 Jahren einen guten Namen erworben zu haben. Das
kann man aus einem Artikel schließen, der am 25. September in der
BDZ unter dem Titel Besuch
einer deutschen Weinbau=Studien=Kommission im Banat
erschienen ist. Die Gäste aus Deutschland wurden von Lehrer
Zimmerer aus
Jahrmarkt, Landwirt Andreas
Korparics,
Delegierter des Schwäbischen Landwirtschaftsvereins in Temeswar, und
Direktor Brandrup von
der Firma Romantl S. A.
Temesvar „zunächst
nach den Elisabethstädter Weingärten geführt“. Weiter hieß es:
„Das nächste Ziel war Jahrmarkt, wo die Kommission mit herzlichen
Worten von Herrn Johann
Frombach empfangen
und durch die 1080 Joch umfassenden Weingärten geleitet wurden.
Nachher wurde in der gastfreundlichen Familie des Herrn Frombach
ein Imbiß eingenommen, worauf Bruckenau besucht wurde.“
Am
6.
Oktober 1926 stand in der BDZ-Rubrik Volkswirtschaft
unter
dem
Titel
Gründung der Weinbausektion des Schwäbischen
Landwirtschaftsvereines ein
ausführlicher Bericht, der auch das Resultat der abgehaltenen Wahlen zum
Führungsgremium der Weinbausektion
beinhaltete. Als Vorsitzender wurde Dr. Andreas
Konrad
aus Temeswar gewählt und als sein Stellvertreter Johann
Frombach
aus Jahrmarkt. Zu den gewählten „Ausschussmitgliedern“ zählte
auch der Jahrmarkter Georg
Staß.
Schon
vor 100 Jahren haben die Banater Schwaben Kontakte zu ihrem
Mutterland Deutschland gesucht und waren dabei lernwillig. Das konnte
man einem Artikel aus der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG vom 8. Oktober
1926 entnehmen. Im jeweils „dicht besetzten“ Temeswarer
Schülerheim „Banatia“ hielt der aus Oldenburg angereiste
Ministerialrat Wegmann
drei Vorträge, zwei wissenschaftliche und einen wirtschaftlichen.
Die Zeitung schrieb zum dritten Vortrag unter dem Titel Die
deutsche Agrarreform und die Lage des deutschen Bauernstandes
einführend: „Nebst dem städtischen Publikum sahen wir Landwirte
in Gruppen von je 18 – 22 Personen aus Neubeschenowa, Guttenbrunn,
Jahrmarkt und kleinere Gruppen aus Billed, Grabatz, Lenauheim,
Hatzfeld u. n. a.“
Anton Potche

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