Montag, 12. Oktober 2026

Jahrmarkt vor 100 Jahren - 1926 (3)

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Die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG hat am 19. Januar 1926 eine Liste mit Reserveoffizieren der rumänischen Armee veröffentlicht. Genannt wird auch „Johann Alexander Koch in Jahrmarkt: Leutnant beim Eisenbahner=Regiment“. Ob der Mann sich „in“ Jahrmarkt als Reserveoffizier bereithalten musste oder nur aus Jahrmarkt stammte und für Einsätze beim Eisenbahner=Regiment vorgesehen war, kann man der kurzen Mitteilung nicht entnehmen. 

Am 13. Februar vor hundert Jahren veröffentlichte die BDZ die Namen der „Wahlpräsides“ für die im Komitat Temesch=Torontal bevorstehenden Gemeindewahlen. Die „Wahlpräsidenten“ wurden „unter Leitung des Gerichtshofpräsidenten Dr. Timotheus Radi ausgelost. Die Wahlpräsidenten mussten aus einer jeweils anderen Ortschaft kommen. Für Jahrmarkt wurde Franz Matyas aus Neupetsch ausgelost.

Am 27. April 1926 veröffentlichte die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG aus Temeswar einen Artikel über eine Fahrt von „12 Banater Bauernsöhnen ins Deutsche Reich, um die eingeleitete Austauschaktion zu verwirklichen“. Die Gruppe stand unter der Aufsicht des Sekretärs des Schwäbischen Landwirtschaftsvereins Johann Wendel. Es gab auch einen Gegenbesuch von 12 deutschen Jünglingen im Banat. Auch in Jahrmarkt war ein Junge - aus Sachsen - untergebracht. Zum Schluss heißt es in dem Zeitungsartikel: „Daß die deutschen Bauernsöhne in allen Banater Gemeinden mit der größten Herzlichkeit empfangen wurden, braucht nicht gesagt zu werden. Die Dauer des Austausches währt 6 Monate.“ Wie lange die zwei Gruppen jeweils im Gastgeberland weilten, wird nicht im Detail festgehalten. 
In der gleichen Zeitung heißt es auf einer anderen Seite: „Soldatengrüße aus Bessarabien. Viele Grüße an alle ihre Verwandten und Bekannten im Banat senden aus dem Augenspital in Kischenew (Bessarabien) […]“. Genannt werden 37 Namen. Unter ihnen auch Jakob Tomansky aus Jahrmarkt. Den Leserbrief hat Johann Habschied „im Namen der deutschen Jugend“ geschrieben.

Artillerie-Schießübungen. So der Titel einer kurzen Information in der BANATER DEUTSCHEN ZEITUNG vom 31. Juli 1926 mit dem Inhalt: „Das Kommando der 1. Artillerie=Brigade macht die Einwohner von Jahrmarkt und den Nachbargemeinden aufmerksam, daß an den Tagen 13., 14., 15., 16., 17., 18., und 20. September in der Umgebung von Jahrmarkt Schießübungen mit scharfen Geschoßen abgehalten werde.“ Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die Schießstätte zu meiden.

Die BDZ berichtete am 24. August vor hundert Jahren von einer ziemlich umfassenden Polizeirazzia „am Josefstädter Bahnhof“ in Temeswar. „Einigen schwäbischen Maurern von Bruckenau, Jahrmarkt usw., die mit der Bahn nach Hause wollten, ging es ebenfalls so.“ 200 Personen wurden zur Präfektur gebracht und später nach Hause entlassen. Sie alle hatten keinen Ausweis bei sich. Den eigentlichen Grund der Razzia blieb Polizeidirektor Mihailescu der Presse schuldig.

Unmenschliche Verprügelung eines schwäbischen Dienstmädchens durch die Sankt=Andreaser Gendarmerie titelte die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG am 7. Oktober 1926. Die Zeitung hat dem Artikel noch fettgedruckte Inserts vorangestellt: Empörte Passagiere und Eisenbahnbedienstete am Josefstädter Bahnhof entreißen das mißhandelte Dienstmädchen den Händen des Gendarmen – Der Stationschef verständigt die Rettungsgesellschaft, die das arme Mädchen ins Spital führt – Was Therese Steier, die Mißhandelte, erzählt – Anzeige der Spitalsleitung an die Staatsanwaltschaft. Das 23 Jahre alte Mädchen wurde schon in Sanktandreas aufs Gröbste mißhandelt, in diesem Zustand nach Temeswar gebracht, um voraussichtlich wieder mit dem Zug nach Sanktandreas zurückgebracht zu werden. Der Verlauf der ganzen Geschichte ist unerhört. Dabei hätte Jahrmarkt eine positive Rolle spielen können. Doch es kam ganz anders, als das Dienstmädchen Therese Steier es sich gewünscht hatte. In der Zeitung kann man dazu lesen: „Gewöhnlich im Sommer haben die Mägde keinen Posten, weil die Herrschaften in die Bäder oder aufs Land fahren. So war es auch mit der Therese Steier. Sie und ihre postenlose Freundin Marie Pfeifer aus Darowa beschlossen, aufs Dorf hinauszufahren und dort Kukuruz zu brechen.“ Sie fuhren nach Sanktandreas und arbeiteten dort beim Landwirt Peter Papernik, als sie erfuhren, dass „der Jahrmarkter Notär ein Dienstmädchen suche“. Therese Steier wollte sich beim Notär verdingen, kam aber nicht dazu, denn der Landwirt Papernik tauchte überraschend in Jahrmarkt auf, um dem Mädchen mitzuteilen, dass sein Nachbar Josef Reiß sie des Diebstahls von „zwei Paar Ohrgehängen“ beschuldigt. Therese Steier fuhr mit dem Bauer zurück nach Sanktandreas und was folgte, endet im ausführlichen Bericht der DBZ mit dem Fazit, „wie die Sanktandreser Gendarmerie zu verhören pflegt – mit dem Ochsenziemer und der Faust.“

Männer, die ihren Militärdienst absolviert oder schon Kriegseinsätze überlebt hatten, waren noch längst nicht aus den Augen der Militärbehörde verschwunden. Man konnte in der BDZ vom 28. Oktober 1926 unter dem Titel Wann finden die Kontrollversammlungen statt lesen: „Wir meldeten bereits, dass mit dem 1. Nov. die Vidierung des Militärbüchleins der in den Jahren 1878 bis 1900 geborenen Männer (Reservisten, gewesene Kriegsgefangene, Enthobene, frühere Invalide, die bei der letzten Ueberprüfung für Militär= oder Hilfsdienst tauglich befunden wurden), ferner die Ueberprüfung der Enthebungen beginnen werden.“ Es folgt eine lange Liste von Orten und Datums, wo und wann die Kontrollversammlungen stattfanden. Die im „Zentralstuhlbezirk wohnenden Männer“ mussten sich in „Temesvar, Elisabethstadt, im Michelsschen (früher Novotny) Gasthause“ melden – die Csernegyhaser am 11. und 12. November und die betroffenen Jahrmarkter vom 16. bis 19. November.

In der Silvesterausgabe (31.12.1926) der BANATER DEUTSCHE ZEITUNG von Temeswar konnte man folgenden Artikel, den ich hier in Gänze wiedergeben werde, lesen. „Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Jahrmarkt. Nacheinander werden jetzt in den Banater Gemeinden die freiwilligen Feuerwehren gegründet. Die allerjüngste freiwillige Feuerwehrinstitution ist jene in der Gemeinde Jahrmarkt. Wie man uns von dort berichtet, wurde dort vor kurzem die Gründung ausgesprochen und im Beisein des Bezirksinspektors der Banater freiwilligen Feuerwehr Nikolaus Heim aus Temesvar an die Wahl der Funktionäre und wirkenden Mitglieder geschritten. Es wurden gewählt: Notär Peter Eichert, Kommandant; Matthias Schuld, Kommandant=Stellvertreter; Paul Seel, Kassier; Josef Balics, Sekretär und Nikolaus Flock, Requisitenmeister. Gleichzeitig wurden auch 14 Unteroffiziere gewählt. Daß die Gründung zustande kam, ist in erster Linie dem gewählten Kommandanten Peter Eichert, der nun die notwendigen weiteren organisatorischen Arbeiten in die Hand nahm, zu verdanken.“
(Zu diesem Thema kann man im 1983 in Osthofen von der HOG Jahrmarkt veröffentlichten Buch Jahrmarkt im Banat – Das Dorf rings um den Großen Brunnen »Prinz-Eugen-Brunnen« - Erinnerungen an unsere Heimatgemeinde lesen: „Auch die Freiwillige Feuerwehr, die 1892 gegründet worden war, 1927 neugegründet wurde, durfte 1949 wieder ihre Tätigkeit aufnehmen.“ Also wurde die Jahrmarkter Feuerwehr wahrscheinlich im Dezember 1926 und nicht 1927 zum zweiten Mal gegründet.)

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Anton Potche

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