Dienstag, 28. September 2010

Philosophieren über die Müllmänner

 Dieses Foto ist gerade mal 10 Minuten alt. In unserem Viertel ist immer dienstags Müllabfuhr. An jedem Dienstag wird eine andere Müllsorte abgenommen. Wir Ingolstädter sind beispielhafte Müllsortierer, das muss man mir schon mal abnehmen, auch wenn Eigenlob klingt, Pardon, stinkt. Heute war Bio- und Papiermüll an der Reihe. Das heißt, zwei Trupps Müllmänner mit ihren Müllwagen rücken an. Um es vorwegzunehmen: Die Herrschaften verrichten ihre Arbeit seit Jahren immer gewissenhaft. Und seit heute weiß ich, dass sie auch Humor haben.

Oder doch nicht? Die grünen Müllmänner waren vor den blauen da. Welche Botschaft wollten sie ihren Kollegen - oder vielleicht sogar Konkurrenten - hinterlassen? Wir leben immerhin in der Gründungsstadt der Illuminaten. Adam Weishaupt (1748 - 1830) wurde hier geboren und gründete 1776 den geheimen Aufklärerbund. Selbst Leute wie Johann Wolfgang Goethe (1749 - 1832) und Johann Gottfried Herder (1744 - 1803) waren Mitglieder in diesem Geheimbund.

Wenn ich jetzt dasitze und meinen philosophischen Puls toben spüre - oder sollte es nur die so menschlich simple Vorliebe für Verschwörungstheorien sein? -, so weiß ich, dass ich es unseren aufgeklärten Ingolstädter Müllmännern schuldig bin, über ihre geheime Zeichensprache nachzudenken. Denn dass es sich da um ein Zeichen, und dazu noch um ein geheimes, handelt, dürfte außer Zweifel stehen.

Sollten die Illuminaten vielleicht gar wieder...? Nein, ich will überhaupt nicht daran denken. Wenn wir nur bedenken, dass der Verschwörungstheoretiker Abbé Barruel (1741 - 1820) den Ingolstädter Geheimbund als geistigen Antreiber der Französischen Revolution bezeichnet, dann dürfte uns gleich ganz anders zumute werden. Schauen wir uns doch um, überall wird ein heißer Herbst verkündet, die Gewerkschaften drohen mit Massenkundgebungen und die Sozialverbände schimpfen auf den Harz IV-Reformfurz.

Was soll das nur werden, wenn das Volk sich plötzlich "seines eigenen Verstandes bedient"`? Ich öffne das Fenster und schaue auf die Straße. Die Grünen liegen noch immer über den Blauen, und das im weiß-blauen Bayern. Das kann doch kein gutes Zeichen sein.

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