Dienstag, 14. Mai 2013

Malerei aus Donauländern unweit der Ingolstädter Donaulände


Die Donauländer haben auch Donauländen. Das ist nur eine der vielen Gemeinsamkeiten der Donauanrainerstaaten. Daher fällt der Schreibfehler auf dem Plakat der Wanderausstellung im Ingolstädter Stadttheater auch nicht sonderlich ins Auge. Der Mensch. Der Fluss. Malerei aus den Donauländen steht da zu lesen. Gemeint ist natürlich Der Mensch. Der Fluss. Malerei aus den Donauländern. Wahrlich, diese Malerei ist jetzt unweit der Ingolstädter Donaulände, also des Schiffslandeplatzes, zu besichtigen – nämlich im Stadtmuseum. Wäre das geplante Donaumuseum direkt an der Donaulände schon verwirklicht, würde die Ausstellungsörtlichkeit jetzt bestimmt eine andere sein.

So aber scheint die Kunst wie so oft der Wirklichkeit wieder mal vorausgeeilt zu sein. Und sie, die Kunst, in diesem Fall die Malerei, begnügt sich nicht mit den Gemeinsamkeiten, sondern zeigt die Unterschiede auf. Die Blick- und Darstellungsweisen sind in dieser Ausstellung so verschieden wie faszinierend. Wen wundert’s, kommen die Maler/innen doch aus allen Donauländern. Und das wir hier nur einen Mikroausschnitt aus dem Facettenreichtum der Malerei rund um die Donau geboten bekommen (können), ist auch für jedermann leicht nachvollziehbar.

Wer mit der nicht ganz vorurteilsfreien Erwartung, eine Ausstellung mit Landschaftsbildern zu besuchen, die Schauräume betritt, wird sich schon beim ersten Bild sowohl bestätigt als auch widerlegt sehen. „Landschaft um Obermarchtal“, ein großes Bild von 110 x 189 cm, gemalt von Daniel Sigloch (Deutschland). Erwartung bestätigt. Aber, die Kunstform deutet in die Zukunft. Landschaftsmalerei ist nichts Antiquiertes, Altmodisches. Das Obermarchtal erscheint hier in seiner Märchenpracht, festgehalten mit einer Technik, die als c-print auf Alu-Dibond ausgewiesen ist. Auch die „Quelle in Donaueschingen“ – einmal zwischen 7 – 10 Uhr (grünlich) und dann zwischen 16 – 19 Uhr (rötlich) – zeigt, wie Natur künstlerische Kreativität regelrecht ins Wallen bringt. Auch am Computer.

Dieser Eintritt in die Ausstellung ist wirklich vielversprechend und man wird auch bis zum letzten Exponat nur selten enttäuscht – natürlich geschmacksbedingt. Viele der Bilder sind großformatig und weichen von der klassischen Maltechnik Öl auf Leinwand ab. Maja Vukoje (Österreich) arbeitet mit Acryl, Spray, Hasenstreu und Glitter auf Leinwand. Realismus kann nicht nur alles darstellen sondern auch viel aus dem realen Alltag verwerten. Umso glaubwürdiger werden dann die Bilder. Franziska Degendorfers (Deutschland) Collagen kommen mit Hilfe von Zeitungspapier, Acryl, Pigmente und Stoff zustande. Als Technik gesellt sich zum Malen auch das Nähen. Und schon haben wir einen Hauch von Surrealismus als Bereicherung der Ausstellung zu begrüßen.

„Der Flirt“ von Nilbar Güres (Österreich) hat mich an „Lauras Stern“, den Punkt-zu-Punkt-Malblock meiner Enkelin, erinnert. Ja, und an Ada Kaleh.

Bei Pavel Stručka (Slowakei) und Josef Srna (Slowakei) darf man wieder großflächige Öl-auf-Leinwand-Bilder bestaunen. Künstler können sogar dem Nebel Schönheit abgewinnen – im Gegensatz zu den oft nebelgeplagten Ingolstädtern. Zita Bajor (Ungarn) hat Fenster in allen Jahreszeiten mit Eiertempera auf Leinen gebannt. Fenster. Blicke. Draußen. Landschaften? Man kann sie erahnen.

Und trotz allem gibt es nicht nur die Donau. Auch andere Flüsse haben ihre künstlerische Daseinsberechtigung, ihr Leben und ihren Einfluss auf die Menschen. Der Nil zum Beispiel, wie ihn uns Silke Mathé (Deutschland) in einem verfremdeten Realismus in Erinnerung ruft. Schon fragte ich mich, wo denn die Menschen blieben. Bei Bodo Rott (Deutschland). Ein „Junge“ und ein „Musiker“ sind die ersten, denen der Besucher begegnet.

Bei Ferenc Gnándt (Ungarn) und Zoran Pavelić (Kroatien) stoßen wir auf die etwas anderen Sichtweisen, jene Kunst, die an der Fantasie, dem Vorstellungsvermögen und der Interpretationsbereitschaft des Betrachters rüttelt.

Aber auch dieser Ausstellungsbereich ist steigerungsfähig. Biljama Stamenić (Serbien) verzichtet auf alle bisher gesehenen Malstile und –techniken. Er greift zum Reisnagel. Und schon wird aus Malkunst Installationskunst. „Štit“ heißt der 2009 entstandene eindimensionale Schädel aus Reisnägeln. Ein paar Schritte zurück und du siehst nur einen „gemalten“, glänzenden Mannskopf, fast ein Porträt.

Ana Petrović (Kroatien) und Jelena Trajković (Serbien) zeigen eine politischen Interpretationen offene Malerei – insofern Zeitung immer etwas mit politischem Tagesgeschehen zu tun hat und danach zur Bildgestaltung benutzt wird.

Wenn man das Frauenporträt in vierfacher Ausfertigung von Cosmin Paulescu (Rumänien) betrachtet, kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass man dem Ertrinken einer schönen Frau beiwohnt. Das ist magischer Realismus in Farbe.

Delia Chausheva (Bulgarien) pflegt eine abstrakte Malkunst. Geometriegestörte Flächen fließen ineinander. Auch auf Svilena Kolevas (Bulgarien) Bildern begegnen wir Flächenverschiebungen.

Und dann sind da zum Schluss noch diese Kinder mit ihren eindringlichen Blicken und ihren Träumen (zwischen Bauch- und Brustbereich, nicht im Kopf), mit dieser dunklen Hautfarbe, am Fluss stehend. Wir sind eigentlich am Ende einer Reise. Die Donau breitet sich aus. Speist das Delta… und die Kinder auf den Bildern von Bogdan Mateiaşi (Rumänien).

Diese im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitende Ausstellung wird von Dr. Swantje Volkmann vom Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm betreut. Das Projekt läuft schon seit 2011. Erster Ausstellungsort war Villingen-Schwenningen und der letzte wird (nach Ingolstadt) Ulm sein. Die ausgestellten Werke wurden bisher schon in Rumänien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Slowakei, Österreich und Belgien gezeigt.

Anton Potche

Der Mensch. Der Fluss. Malerei der Donauländer; Wanderausstellung 2011 – 2013; 28. April – 26. Mai 2013, Stadtmuseum Ingolstadt, Auf der Schanz 45, 85049 Ingolstadt, Telefon: 08 41/3 05-18 81, -18 85, Fax: 08 41/3 05-18 88, E-Mail: stadtmuseum@ingolstadt.de; Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag bis Freitag: 9.00 – 17.00 Uhr, Samstag/Sonntag: 10.00 – 17.00 Uhr

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