Montag, 18. September 2017

Ein Interview vor der Fernsehpremiere

Die ARD zeigte am vergangenen Mittwoch die Filmkomödie Falsche Siebziger. Das Thema ist nicht neu. Von vertuschten Todesfällen zum Zweck weiterlaufender Rentenzahlungen hat man schon öfter gehört. In der BR-Produktion erwischt es gleich drei Senioren. Und das noch im gleichen bayerischen Weiler, wo sowieso jeder jeden kennt.

Eine der Protagonisten dieser Irrungen und Wirrungen mit dem Ziel, an je mehr Geld zu kommen, ist auch Iris. Sie erfährt nach dem Tod ihrer Mutter von deren Testament zugunsten einer Stiftung. Der Kampf um das entschwindende Vermögen beginnt und mündet in so manche Situationskomik.

Kathrin von Steinburg und
Gerhard Wittmann in
Falsche Siebziger
Iris wird von Kathrin von Steinburg gespielt. Die 1977 in München geborene und auch dort lebende Schauspielerin hat dem DONAUKURIER aus Ingolstadt ein ausführliches Interview gegeben, das im SONNTAGSGESPRÄCH vom 9./10. September veröffentlicht wurde. Zu ihrer Rolle in Falsche Siebziger hat die Interviewerin Verena Doyé der Schauspielerin mit Studien an der Schauspielschule Neighborhood Playhouse in New York und an der Filmakademie Baden-Württemberg keine einzige Frage gestellt, wie man das situationsbedingt erwarten konnte.

Nein, es ging vorwiegend um die Person und Schauspielerin Kathrin von Steinburg, aber nicht um ihre letzte Rolle. Und zur Person gehört auch die Abstammung. Die ist Siebenbürgen. Kathrin von Steinburgs Eltern sind Ende der 1960er Jahre nach Deutschland ausgewandert. Sie gehörten also zu den ersten Deutschen, die nach dem Krieg Rumänien in Richtung Bundesrepublik verließen. Und „auf jeden Fall haben sie ihre Heimat vermisst“. Verlustgefühle beinhalten immer auch eine Dosis Schmerz, nicht nur schwärmerische Nostalgie. Von diesem tief sitzenden Gefühl ist auch etwas auf die Tochter übergegangen, doch nicht als Schmerz, sondern als Neugierde, einem gewissen Bedürfnis nach Spurensuche.

Kathrin von Steinburg hat also einen der in letzter Zeit bis zum Überdruss bemühten Migrationshintergründe. Und der sieht in ihren eigenen Worten so aus. „Bayern ist meine Heimat, hier bin ich zu Hause. Meine Wurzeln sind in Siebenbürgen. Ich war 2007 mit einer Freundin dort – davor nur als Kleinkind – und ich habe mich dort sofort sehr wohl gefühlt. Endlich habe ich mal die Orte gesehen, von denen meine Eltern erzählt haben, wo sie geheiratet haben, zur Schule gegangen sind, wo sie gelebt haben. Das war sehr schön.“ Gefragt nach einem Erlebnis, das sich ihr auf dieser Reise nach Siebenbürgen „besonders eingeprägt hat“, antwortete die erfolgreiche Schauspielerin: „Als ich an der Gedenktafel meines verschollenen Großvaters auf dem Friedhof war. Dort hinzugehen, und mich von denen zu verabschieden, von denen ich so viel gehört habe, das hat mich sehr berührt. Das andere war, als ich mit meiner Freundin durch die Straßen gegangen bin, und wir bayerischen Dreigesang gesungen haben.“

So sieht Erinnerungskultur in einem befriedeten und vereinten Europa aus. Auch wenn Iris ihre Mama aus ganz anderen Beweggründen noch ein Weilchen im Diesseits halten wollte.
Anton Potche

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