Montag, 6. April 2020

War Peter Pan ein Banater Schwabe?


Wer kennt ihn nicht, den kleinen Helden Peter Pan, aus dem Theaterstück und Roman von James Mathew Barrie (1860 – 1937)? Seit 1902 treibt er zur Freude von Millionen Kindern und auch so manchen Erwachsenen sein zauberhaftes Unwesen. Es geht auch in dieser Geschichte um Gut und Böse. Und, ach wie schön, das Gute siegt. Leider, leider ist es im wirklichen Leben oft umgekehrt.

So war es auch beim wirklichen Peter Pan. Der soll im Banater Berglanddorf Rusca Montană, das zusammen mit Rușchița eine administrative Einheit bildet, im Jahre 1897 geboren worden sein. Das schreibt die rumänische Journalistin Liana Păun in einem Artikel in PressAlert (28. Juli 2018), in dem sie über den weltberühmten Marmor aus Rușchița berichtet.

Liana Păun beschreibt in anteilnehmenden Formulierungen den Lebensweg des wirklichen Peter Pan: „Er arbeitete, noch Kind, im Marmorsteinbruch von Rușchița. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der junge Banater Schwabe in die österreich-ungarische Armee rekrutiert, ins 30. Infanterieregiment Honved. Beim Weggehen hat er angeblich eine Haselnussstrauchpfeife mitgenommen, im Quersack einen erblühten Ast, ein Geschenk von dem Mädchen, das ihn liebte, eine Muschel von einem Freund aus dem Dorf, der als Seemann in Venedig lebte, und ein Stück Rușchițaer Marmor, das seine Mutter ihm gab als Erinnerung an die Heimat. Peter Pan ist in den Kämpfen zwischen der österreich-ungarischen und der italienischen Armee kurz vor Kriegsende im September 1918 mit nur 21 Jahren gefallen.“

In anderen rumänischen Zeitungen, erfährt man mehr über das familiäre Umfeld von Peter Pan, dem wahrhaftigen. So berichtet die Zeitung ADEVĂRUL vom 27. Februar 2016, dass der junge Soldat aus dem Banater Bergland ein uneheliches Kind war. Seine Mutter, Maria Pan, war 18 Jahre alt, als sie den Jungen gebar. Sie hat ihn allein großgezogen. Schon mit 14 Jahren arbeitete der Junge im Rușchițaer Steinbruch. Liliana soll das Mädchen geheißen haben, das Peter im Dorf zurückließ, als er in den Krieg zog, und Ovidiu sein zum „vagabundierenden Seemann“ gewordener Freund aus Kindertagen.

FotoQuelle: https://adevarul.ro/
Heute gibt es in Rusca Montană, das damals in der österreich-ungarischen Zeit den Namen Ruszka-Bánya trug, eine Peter-Pan-Straße, einen Monte-Grappa-Platz mit einem kleinen Peter-Pan-Obelisk und eine Erinnerungstafel am Elternhaus von Peter Pan (Foto). Leider ist dieses Haus heute dem Verfall preisgegeben. Sogar die Erinnerungstafel wurde von Italienern und nicht von Rumänen dort angebracht, wie übrigens auch das Denkmal auf dem Dorfplatz, das vor allem Ferdinando Celi zu verdanken ist.

FotoQuelle:www.PressAlert.ro
Das Weiterleben seines Namens verdankt der wahre Peter Pan nämlich nicht dem Fabelwesen Peter Pan aus J. M. Barries Roman und den zahlreichen nachfolgenden Theaterstücken und Filmen, sondern dem italienischen Investigativjournalisten Ferdinando Celi († 2014), der Peter Pans Grab auf einem Heldenfriedhof und seinen Namen auf dem berühmten Monte-Grappa-Mausoleum im Raum Venetto fand (Foto). Er hat auch weitere Recherchen angestellt und ist auf die kurze Lebensspur des Peter Pan aus dem Banater Bergland gestoßen. Im Jahre 2008 hat er das Buch Soldato Péter Pan veröffentlicht. Leider ging dessen Geschichte nicht so gut aus wie die seines weltberühmten fiktiven Namensvetters aus dem „Nimmerland“. Dass er ein Banater Schwabe war, würde ich aber eher bezweifeln, stand seine Wiege doch weder in der Banater Heide noch in der Hecke sondern eben im Banater Bergland. Und dass es dort nach wie vor Deutsche mit einer eigenen Geschichte gibt, ist kein Geheimnis. 

In der in Hunedoara erscheinenden Halbjahreszeitschrift PERSPECTIVE ISTORICE, nr. 9/2014 kann man nämlich lesen, dass es „in der Region Venetto […] viele Träger des Namens Pan gibt. Im Jahre 1880 sind Menschen aus dieser Region nach Siebenbürgen und ins Banat gezogen, angelockt von den finanziellen Versprechungen und der in Aussicht gestellten Erlangung von Grund und Boden. Österreich-Ungarn wollte das Banat mit Fachleuten besiedeln, um so den Überhang der rumänischen Bevölkerung zu minimieren. So hat es den Anschein, dass Peter Pan durch seinen Einsatz an der Front in der Region Venetto nach Hause zurückgekehrt ist, wo vielleicht schon seine Vorfahren gestorben sind.“ Ein weiteres Beispiel, wie Peter Pan die Gemüter berührt, ganz unabhängig von der historischen Genauigkeit der ihn und sein Umfeld betreffenden Daten.

Anton Potche

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