Montag, 11. August 2025

Jahrmarkt vor 100 Jahren – 2

 
Am 15. Mai 1925 ist laut Wikipedia in der Banater Metropole Temeswar neben der TEMESVARER ZEITUNG ein zweites Tagesblatt erschienen: die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG. Sie ging aus der ab 1919 erscheinenden SCHWÄBISCHEN VOLKSPRESSE hervor. Glaubt man der digitalen Bibliothek DiFMOE (Digitales Forum Mittel- und Osteuropa), dann ist die erste Ausgabe schon am Sonntag, dem 12. April 1925 erschienen. Und sogar dieses Datum hält einigen Daten nicht stand. So wird die Ausgabe vom 12. April als Nummer 86 gezählt. Berücksichtigt man aber das erste Erscheinungsdatum der SCHWÄBISCHEN VOLKSPRESSE zusammen mit der von der rumänischen Wikipedia genannten „täglichen Erscheinung (a apărut zilnic)“ und nimmt man darauf Rücksicht, dass auch die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG täglich (auch am Sonntag) erschienen ist, dann müsste die erste BANATER DEUTSCHE ZEITUNG (BDZ) schon irgendwann im Januar 1925 im Vertrieb und Verkauf gewesen sein.

Wie auch immer, in den noch einsehbaren Zeitungen des Jahres 1925 wird das Dorf Jahrmarkt am 5. Mai zum ersten Mal, und zwar mit einem Wirtschaftsthema, erwähnt. Es handelt sich um eine Anzeige: Hyronimus Bittenbinder hatte eine „Erntemaschine fast neu zu verkaufen“. Nur vier Tage später hat der Jahrmarkter Michael Zeich in der BDZ inseriert. Er bot ein „Gasthaus [...] samt Inventar“ zum Verkauf an.

In der BDZ vom 23. Mai kann man eine Ausschreibung in rumänischer Sprache lesen. Die „Gemeinde Giarmata beabsichtigt, Asphaltierungsarbeiten mit Zyklop-Granit“ durchzuführen. So in der Ausschreibung. Dass es allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit keine Granit- sondern Pflastersteine waren, die hier verlegt werden sollten, und schon längst kein Asphalt in der damaligen Zeit, zeigt dann die folgende Auflage: „Deoarece comună eventual va da năsipul și va suporta cheltuielile de transport ale pietrei, ofertele se vor face întrun astfel de sens, dar se va îndica prețul oferit și pentru acel caz, dacă comuna n’ar suporta cele amintite anterior, prin urmare se va face două prețuri pe m².“ Also, kurz gefasst, die Gemeinde würde vielleicht sogar den Sand inklusive Transport der Steine zur Verfügung stellen. Weil das aber noch nicht schlüssig ist, müssen die Interessenten zwei Preisangebote vorlegen: mit und ohne Sand. Interessenten können ihre Angebote bis zum 20. Juni 1925, 4 Uhr im Gemeindehaus einreichen. Es gibt in der Ausschreibung noch einige Konditionen, die im Rathaus an den Öffnungszeiten einzusehen sind. Und noch etwas: Ich finde dieses Rumänisch aus jener Zeit, als es noch keine Kommunisten gab, ganz putzig. Einfach schön.

Am 5. Juni 1925 war eine Anzeige zu lesen, die „die geehrten Mitglieder der Jahrmarkter Zentral-Spiritus-Brennerei-Genossenschaft“ in die „Instituslokalitäten“ zu einer „ordentlichen Generalversammlung höflichst“ einlud. Im Geschäftsjahr 1923/1924 konnte die Genossenschaft ein Gewinnsaldo von 4759,68 Lei ausweisen. Zählt man noch „Aktienkapital, Reservefond, Produktenprämie und unbehobene Dividenten“ hinzu, ergibt sich ein Geschäftsvolumen von immerhin 131.471,07 Lei. Die gesamte Geschäftsbilanz wurde schon am 30. Juni 1924 aufgestellt, und zwar von Johann Besch, Buchhalter, Sebastian Tasch, Direktor, Präses, Nikolaus Mayer, Kassier, sowie den Direktionsräten Nikolaus Berger, Michael Berger, Michael Eckert, Josef Barth, Adam Loris, Peter Gross, Leopold Loris, Stefan Schmidt, Josef Seibert, Nikolaus Schneider, Mathias Wagner, Johann Schmalz und Jakob Kassnel. „Vorliegende Bilanz Verlust- und Gewinnkonto mit den Haupt- und Hilfsbüchern [wurde] verglichen, geprüft und richtig befunden“ vom Aufsichtsrat, bestehend aus den Herren Sebastian Schmidt, Sebastian Freiheit, Michael Mathis, Andreas Wanyer, Georg Breinich und Georg Rosner. Extra ausgewiesen wurde in der Einladung noch der „Branntweinkontoertrag“ mit 55.575,68 Lei. Prosit!

„In den schwäbischen Gemeinden“, schreibt die BDZ am 30. Juli, wurden „Probedrusche“ durchgeführt. Die Ernte war in jenem Jahr 1925 „über den Durchschnitt ausgefallen“. Grabatz führte die veröffentlichte Liste mit 14 – 15 Meterzentner pro Joch an. Das Schlusslicht hielt Jahrmarkt mit bescheidenen 8 Meterzentner pro Joch. Es gibt in dieser Nummer der BDZ aber eine noch viel schlechtere Nachricht: Die Brüder Florea und Todor Bakan waren in einer „Sandkaule“ beim Baden. Dabei ist der 18-jährige Florea tödlich verunglückt, nachdem er seinen in Not geratenen Bruder (23 Jahre alt) aus dem Wasser gezogen hatte. Er war dabei auf den Kopf gefallen und ins Wasser gestürzt.

Was die Schnapsbrenner können, bringen die Bänker schon längst fertig, nämlich das Einberufen einer „Ausserordentlichen Generalversammlung“. „Höflichst eingeladen“ wurden „die geehrten Aktionäre der Ersten Jahrmarkter Sparkassa Akt.-Ges. für den 13. September 1924, vormittags 11 Uhr in die „Institutionslokalitäten.“ Fünf Tagesordnungspunkte standen auf der Einladung. Die wichtigsten Themen waren „Die Wahl eines Präses ad hoc.“ sowie der „Bericht der Direktion über die erfolgte Aktienkapitalserhöhung von Lei 35.000 auf Lei 105.000 (1. Emision)“. Dazu wurden auch noch sieben Statuten abgeändert. (BDZ, 4. August 1925). Dass mit dem „13. September 1924“ wahrscheinlich der „13. September 1925“ gemeint war, beweist, dass es schon vor hundert Jahren Druckfehler gab.
Anton Potche

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen