Am 15. Mai 1925 ist laut Wikipedia
in der Banater Metropole Temeswar neben der TEMESVARER ZEITUNG ein
zweites Tagesblatt erschienen: die BANATER DEUTSCHE ZEITUNG. Sie ging
aus der ab 1919 erscheinenden SCHWÄBISCHEN VOLKSPRESSE hervor.
Glaubt man der digitalen Bibliothek DiFMOE (Digitales Forum Mittel-
und Osteuropa), dann ist die erste Ausgabe schon am Sonntag, dem 12.
April 1925 erschienen. Und sogar dieses Datum hält einigen Daten
nicht stand. So wird die Ausgabe vom 12. April als Nummer 86 gezählt.
Berücksichtigt man aber das erste Erscheinungsdatum der SCHWÄBISCHEN
VOLKSPRESSE zusammen mit der von der rumänischen Wikipedia genannten
„täglichen Erscheinung (a apărut zilnic)“
und nimmt man darauf Rücksicht, dass auch die BANATER DEUTSCHE
ZEITUNG täglich (auch am Sonntag) erschienen ist, dann müsste die erste BANATER
DEUTSCHE ZEITUNG (BDZ) schon irgendwann im Januar 1925 im Vertrieb
und Verkauf gewesen sein.
Wie auch immer, in den noch
einsehbaren Zeitungen des Jahres 1925 wird das Dorf Jahrmarkt am 5.
Mai zum ersten Mal, und zwar mit einem Wirtschaftsthema, erwähnt. Es
handelt sich um eine Anzeige: Hyronimus Bittenbinder hatte
eine „Erntemaschine fast neu zu verkaufen“. Nur vier Tage später hat der
Jahrmarkter Michael Zeich
in der BDZ inseriert. Er bot ein „Gasthaus [...] samt Inventar“
zum Verkauf an.
In der BDZ vom
23. Mai kann man eine Ausschreibung in rumänischer Sprache lesen.
Die „Gemeinde Giarmata beabsichtigt, Asphaltierungsarbeiten mit
Zyklop-Granit“ durchzuführen. So in der Ausschreibung. Dass es
allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit keine Granit- sondern
Pflastersteine waren, die hier verlegt werden sollten, und schon
längst kein Asphalt in der damaligen Zeit, zeigt dann die folgende
Auflage: „Deoarece comună
eventual va da năsipul și va suporta cheltuielile de transport ale
pietrei, ofertele se vor face într’un
astfel de sens, dar se va îndica prețul
oferit și pentru acel caz, dacă comuna n’ar suporta cele
amintite anterior, prin urmare se va face două
prețuri pe m².“ Also, kurz gefasst, die Gemeinde würde
vielleicht sogar den Sand inklusive Transport der Steine zur Verfügung stellen.
Weil das aber noch nicht schlüssig ist, müssen die Interessenten
zwei Preisangebote vorlegen: mit und ohne Sand. Interessenten können ihre Angebote bis zum 20. Juni 1925, 4 Uhr im Gemeindehaus
einreichen. Es gibt in der Ausschreibung noch einige Konditionen, die
im Rathaus an den Öffnungszeiten einzusehen sind.
Und noch etwas: Ich finde dieses Rumänisch aus jener Zeit,
als es noch keine Kommunisten gab, ganz putzig. Einfach schön.
Am 5. Juni
1925 war eine Anzeige zu lesen, die „die geehrten Mitglieder der
Jahrmarkter Zentral-Spiritus-Brennerei-Genossenschaft“ in
die „Instituslokalitäten“ zu einer „ordentlichen
Generalversammlung höflichst“ einlud. Im Geschäftsjahr 1923/1924
konnte die Genossenschaft ein Gewinnsaldo von 4759,68 Lei
ausweisen. Zählt man noch
„Aktienkapital,
Reservefond, Produktenprämie und unbehobene Dividenten“ hinzu,
ergibt sich ein Geschäftsvolumen von immerhin 131.471,07 Lei. Die
gesamte Geschäftsbilanz wurde schon am 30. Juni 1924 aufgestellt,
und zwar von Johann Besch,
Buchhalter, Sebastian
Tasch, Direktor, Präses,
Nikolaus Mayer,
Kassier, sowie den Direktionsräten Nikolaus
Berger, Michael
Berger, Michael
Eckert, Josef
Barth, Adam
Loris, Peter
Gross, Leopold
Loris,
Stefan
Schmidt,
Josef
Seibert,
Nikolaus
Schneider,
Mathias
Wagner,
Johann
Schmalz
und Jakob
Kassnel.
„Vorliegende Bilanz Verlust- und Gewinnkonto mit den Haupt- und
Hilfsbüchern [wurde]
verglichen, geprüft und
richtig befunden“ vom
Aufsichtsrat, bestehend aus den Herren Sebastian
Schmidt, Sebastian
Freiheit,
Michael
Mathis,
Andreas
Wanyer,
Georg
Breinich
und Georg
Rosner.
Extra ausgewiesen wurde
in der Einladung noch der „Branntweinkontoertrag“ mit 55.575,68
Lei. Prosit!
„In
den schwäbischen Gemeinden“, schreibt die BDZ am
30. Juli, wurden „Probedrusche“ durchgeführt. Die Ernte war in
jenem Jahr 1925 „über den Durchschnitt ausgefallen“. Grabatz
führte die veröffentlichte Liste mit 14 – 15 Meterzentner pro
Joch an. Das Schlusslicht hielt Jahrmarkt mit bescheidenen 8
Meterzentner pro Joch. Es
gibt in dieser Nummer der BDZ aber eine noch viel schlechtere
Nachricht: Die Brüder
Florea und Todor
Bakan waren in einer
„Sandkaule“ beim Baden. Dabei ist der 18-jährige Florea
tödlich verunglückt, nachdem er seinen in Not geratenen Bruder (23
Jahre alt) aus dem Wasser gezogen hatte. Er war dabei
auf den Kopf gefallen und ins
Wasser gestürzt.
Was
die Schnapsbrenner können, bringen die Bänker schon längst fertig,
nämlich das Einberufen einer „Ausserordentlichen
Generalversammlung“. „Höflichst
eingeladen“ wurden „die
geehrten Aktionäre der Ersten Jahrmarkter Sparkassa
Akt.-Ges. für
den 13. September 1924,
vormittags 11 Uhr in die „Institutionslokalitäten.“ Fünf
Tagesordnungspunkte standen auf der Einladung. Die wichtigsten Themen
waren „Die Wahl eines Präses ad hoc.“ sowie der „Bericht der
Direktion über die erfolgte Aktienkapitalserhöhung
von Lei 35.000 auf Lei
105.000 (1. Emision)“. Dazu
wurden auch noch sieben Statuten abgeändert. (BDZ, 4. August 1925). Dass
mit dem „13. September 1924“ wahrscheinlich der „13. September
1925“ gemeint war, beweist, dass es schon vor hundert Jahren
Druckfehler gab.
Anton Potche
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