Oft macht die Balance zwischen
gesprochenem und gesungenem Wort die Qualität eines
Weihnachtskonzertes aus. Von hervorragenden Musikern mit
Solistenfähigkeiten begleitet, kann eine Schauspielerin, Sängerin
und Musikerin ein zu Gemüte gehendes und trotzdem kitschlos
bleibendes Konzert mit Weihnachtsmusik auf die Bühne zaubern. Das
ist am zweiten Weihnachtstag Antje Rietz im Ingolstädter
Stadttheater im ersten von zwei Auftritten, 15 und 19 Uhr, brillant
gelungen. Sie beeindruckte sowohl stimmlich, instrumental auf der
Trompete als auch mit einer makellosen Bühnenpräsenz. Wen wunderts,
waren diese Konzerte, davon ausgehend, dass auch das zweite auf einem
ebenfalls hohen Niveau stattfand, doch für Antje Rietz eine
Rückkehr an alte Wirkungsstätte. Sie spielte an diesem Haus und
wurde 2016 mit dem Rotary Publikumspreis ausgezeichnet. Jetzt lebt
sie in ihrer Heimatstadt Berlin und arbeitet als Gastdozentin an der
Universität der Künste in Berlin, wo sie auch ihre Ausbildung in
Schauspiel, Gesang und Tanz absolvierte.
Alle diese künstlerischen Anlagen
waren in ein weihnachtliches Konzept gebettet, doch weit weg von
jedem kirchlichen und musikalisch volkstümlichem Gewande. Dazu
benötigte Antje Rietz nur drei musikalische Begleiter und
einen Licht- und Tontechniker. Das hervorragend zusammenspielende,
also aufeinander hörende Miniorchester füllte mit seinem swingenden
Rhythmus den gut zur Hälfte besetzte Theatersaal und begeisterte das
vorwiegend aus älteren Semestern bestehende Publikum. Man könnte in
einer Rückschau auf diesen Konzertnachmittag jedes vorgetragene
Weihnachtslied besprechen, bot doch jedes Arrangement Grund zum
angenehmen Erkennen. So etwa wenn Stephan Genze am Schlagzeug
den weltbekannten Schlager Little Drummer Boy fast
unbemerkt in den Klassikhit Boléro schreiten lies. „Das ist
doch jetzt … Natürlich! Der Boléro.“ So schön kann
Weihnachtsmusik sein, wenn am Kontrabass Moe Jaksch zupft und
streicht – er spielte auch Zither - und Wolfgang Köhler so
manche Tonperlenkette über die Weihnachtsthemen ausbreitet.
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| Antje Rietz wieder in Ingolstadt Foto: Anton Potche |
Das Publikum war aus dem Häuschen. Das war ein Weihnachtskonzert der etwas anderen Art. Nur der Schluss war auch diesmal der gleiche wie überall auf der Welt: Stille Nacht, heilige Nacht.
Anton Potche


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