Sonntag, 28. Dezember 2025

Konzert am zweiten Weihnachtstag

 
Oft macht die Balance zwischen gesprochenem und gesungenem Wort die Qualität eines Weihnachtskonzertes aus. Von hervorragenden Musikern mit Solistenfähigkeiten begleitet, kann eine Schauspielerin, Sängerin und Musikerin ein zu Gemüte gehendes und trotzdem kitschlos bleibendes Konzert mit Weihnachtsmusik auf die Bühne zaubern. Das ist am zweiten Weihnachtstag Antje Rietz im Ingolstädter Stadttheater im ersten von zwei Auftritten, 15 und 19 Uhr, brillant gelungen. Sie beeindruckte sowohl stimmlich, instrumental auf der Trompete als auch mit einer makellosen Bühnenpräsenz. Wen wunderts, waren diese Konzerte, davon ausgehend, dass auch das zweite auf einem ebenfalls hohen Niveau stattfand, doch für Antje Rietz eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte. Sie spielte an diesem Haus und wurde 2016 mit dem Rotary Publikumspreis ausgezeichnet. Jetzt lebt sie in ihrer Heimatstadt Berlin und arbeitet als Gastdozentin an der Universität der Künste in Berlin, wo sie auch ihre Ausbildung in Schauspiel, Gesang und Tanz absolvierte.

Alle diese künstlerischen Anlagen waren in ein weihnachtliches Konzept gebettet, doch weit weg von jedem kirchlichen und musikalisch volkstümlichem Gewande. Dazu benötigte Antje Rietz nur drei musikalische Begleiter und einen Licht- und Tontechniker. Das hervorragend zusammenspielende, also aufeinander hörende Miniorchester füllte mit seinem swingenden Rhythmus den gut zur Hälfte besetzte Theatersaal und begeisterte das vorwiegend aus älteren Semestern bestehende Publikum. Man könnte in einer Rückschau auf diesen Konzertnachmittag jedes vorgetragene Weihnachtslied besprechen, bot doch jedes Arrangement Grund zum angenehmen Erkennen. So etwa wenn Stephan Genze am Schlagzeug den weltbekannten Schlager Little Drummer Boy fast unbemerkt in den Klassikhit Boléro schreiten lies. „Das ist doch jetzt … Natürlich! Der Boléro.“ So schön kann Weihnachtsmusik sein, wenn am Kontrabass Moe Jaksch zupft und streicht – er spielte auch Zither - und Wolfgang Köhler so manche Tonperlenkette über die Weihnachtsthemen ausbreitet.

Antje Rietz wieder in Ingolstadt
Foto: Anton Potche
Diese instrumentalen Kostbarkeiten ließen trotz aller Virtuosität noch Raum für die Solopartien der Trompeterin Antje Rietz. Sie fühlte sich in der Runde der drei Jazzmusiker erkennbar wohl und spielte mit sicherer Hand und festem Ansatz genial verjazzte Musikstücke. Und das wahrlich mit nur einer Hand an der Trompete und mit der zweiten das Mikrofon haltend. Klangartistik? Ja, könnte man vielleicht sagen. Aber die kam erst richtig zum Schluss, als Antje Rietz die Bassgeige ihres Kollegen bestieg. Wohl auch um die entsprechende Höhe auf ihrem Blasinstrument zu erreichen.

Das Publikum war aus dem Häuschen. Das war ein Weihnachtskonzert der etwas anderen Art. Nur der Schluss war auch diesmal der gleiche wie überall auf der Welt: Stille Nacht, heilige Nacht.
Anton Potche

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