Montag, 13. April 2026

Eine Koryphäe ist gegangen, ein Nachfolger schickt sich an, eine zu werden

 Zum Tode von Cornel Ungureanu

Cornel Ungureanu
FotoQuelle: ORIZONT, Timișoara
Am 3. August 1943 hat Cornel Ungureanu das Licht der Welt erblickt, das für ihn am 19. November 2025 erloschen ist. Mit ihm hat einer der rumänischen Literaturkritiker des alten Formats, ich denke hier an Nicolae Manolescu (1937 – 2024), die literarische Bühne des Banats verlassen. Cornel Ungureanu hat diese Bühne mit großem Sprachtalent, Wissen, Fleiß und Einfühlungsvermögen bespielt. Die Anzahl seiner vorwiegend literaturwissenschaftlichen Veröffentlichungen ist beeindruckend. Seit 1975 hat er Bücher im Bereich der Literaturkritik und -geschichte sowie Essays geschrieben. Sein Œvre bildet ein Kaleidoskop der rumänischen und europäischen Literatur. Viele Dichter und Schriftsteller der rumänischen autochthonen Literaturszene haben von seinen ihren Werken vorangestellten Vorwörtern profitiert. So manches Buch fand seinen Weg in die Verlage und Buchhandlungen auch dank eines Einleitungstextes von Cornel Ungureanu.

Sein Leben für die Literatur bedeutete aber mehr als Analysieren, Forschen und Schreiben. Seit 1990 war Cornel Ungureanu Vorsitzender der Filiale Temeswar der Union der Schriftsteller Rumäniens, eine Organisation, in deren Reihen auch mehrere rumäniendeutsche oder deutsch schreibende Schriftsteller (gebliebene und ausgewanderte) zu finden sind: Johann Lippet, Annemarie Podlipny-Hehn, Petra Curescu, Julia Schiff, Eleonora Ringler Pascu, Adriana Cârcu, Loretta Persem Brădiceanu, William Totok, Simion Dănilă, Rodica Binder, Ilse Hehn, Horst Samson, Balthasar Waitz, Herta Müller, Josef Erwin Ţigla, Lucian Emanuel Vărşăndan, Anton Palfi, Traian Pop Traian und Kristiane Kondrat (bürg. Name: Aloisia Bohn). Für die Korrektheit dieser Aufzählung kann ich natürlich keine Gewähr übernehmen. Sie alle werden Cornel Ungureanu mehr oder weniger vermissen. 

Seit dem 12. Februar 2026 hat die Temeswarer Filiale der organisierten Schriftsteller einen neuen Vorsitzenden: Robert Șerban (*1970). Man kann also von einem Generationenwechsel an der Temeswarer Filiale sprechen. Das ist eigentlich nichts Besonderes. Und doch gibt es einen bemerkenswerten Unterschied. Und der liegt in den Genres, die der Vorgänger gepflegt hat und der Nachfolger jetzt pflegt. Die Nachfolge des Literaturwissenschaftlers übernimmt ein Dichter und Schriftsteller. Aber auch der hat literarische Aktivitäten aufzuweisen, die neben der kreativen Seite auch viel mit Organisation und Präsentation zu tun haben.

GAZETA DIN VEST zitiert Robert Șerban, den neuen Vorsitzenden der Temeswarer Filiale des rumänischen Schriftstellerverbandes mit einer Stellungnahme unmittelbar nach der Wahl: „Ich fühle mich geehrt, dass meine Kollegen mich für diese Funktion gewählt haben, die in erster Reihe eine größere Implikation meinerseits in das Leben der Filiale bedeutet. […] Es ist eine Stelle, die verpflichtet, ein Posten, auf dem man viele schöne Sachen machen kann.“ Geleitet wurde die Sitzung von Varujan Vosganian, dem Vorsitzenden der Union der Schriftsteller Rumäniens.

Viel Erfolg!
Anton Potche

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