Er geisterte seit Tagen durch
diverse Medien: Odysseus. Wie so oft, steigerte sich meine Neugierde.
War da nicht Helena von Troja
oder Die schöne Helena
oder gar Der Untergang von
Troja? Aber wer war
das Mädchen an meiner Seite? Für mich ging es nur um sie. Und nicht
um Helena, die schönste Frau der Antike. Händchenhalten. In einem
rumänisch untertitelten Film, von dem ich nicht besonders
viel verstand. Also musste es ausgangs der 1960er Jahre gewesen sein.
Und wo? Im Jahrmarkter Kulturheim oder in einem Temeswarer
Lichtspielhaus? Auf jeden Fall war jetzt, viele Jahrzehnte später,
meine Lust auf die Antike geweckt. Und ich wollte einer der ersten
Ingolstädter sein, der Die Odyssee sehen konnte,
frisch auf die Leinwand gebannt. Das war ich dann auch, denn es waren
gerade mal 10 Zuschauer in dem großen Saal des Ingolstädter
CineStar.
Man schrieb den 16. Juli 2026. Heiß.
Schwül. Als das Licht um 16:40 Uhr gedimmt wurde, ging es erst mal
los mit 20 Minuten Werbung. Dann kam der Film. Die
Odyssee startete mit einem donnerähnlichen Grollen.
Mir fielen die Ohrenstöpsel aus meiner Audi-Zeit ein. Ich musste
mich an den Lärm gewöhnen, um überhaupt der Erzählung folgen zu
können. Erst die Schlachten! Als wären es Drohnen unserer Zeit. Und
warum so lange? Es ist soviel Gewalt in diesem Film. Gewalt braucht
Lärm, furchtbaren Lärm. Und Ekel.
Die mythologische Antike lebt in
diesem Film von der Steigerung, auch im Ekel … wenn Krieger zu
Schweinen werden. Echte Schweine, domestizierte Haustiere zum
Schlachten. Und erst die Kreatur mit dem Stirnauge! Fürchterlich! Nur
im Vergleich zu der ekelhaften Schweinewerdung noch eher erträglich.
Aber märchentauglich auf keinen Fall. Und das unabhängig von dem,
was Homer so alles in die Welt gesetzt hat.
Odysseus war lange auf der Heimfahrt
nach Ithaka. Wenn ich mir das Feuilleton anschaue, dann war das für
so manchen Zuschauer keine besonders grandiose Fahrt. Da heißt es am
Tag des Odyssee-Film-Starts zum Beispiel, dieser Film sei „keine
ruhmreiche Heldenstory, sondern ein düsterer Horrortrip durch eine
Albtraumwelt“. Recht hat der Kritiker David Steinitz in der
SZ. Es war halt oft zu viel des Guten in den drei Stunden
Kampf um die Erinnerung.
Und wer war das Mädchen mit dem
Händchenhalten und meinen Schmetterlingen im Bauch, damals vor bald
60 Jahren. Ich weiß es - wie Odysseus - nicht mehr. Aber sie war
schön, schöner als die Schönste der Antike oder die tapfer
wartende Gemahlin Odysseus’.
Die
Odyssee –
Film, 1926;
Regie &
Drehbuch: Christopher
Noland; Musik:
Ludwig Göransson;
Kamera: Hoyte van
Hoytema; Darsteller:
Matt Damon (Odysseus),
Anne Hathaway (Penelope),
Tom Holland (Telemachos),
Robert Pattinson (Antinoos)
u. a.
Anton
Potche

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