Montag, 17. September 2018

Lasst doch mal die Ingenieure machen!

Der Journalist Alexander Kain widmet sich in der letzten seiner im DONAUKURIER erscheinenden Bayern-Kolumnen Münchner Notizen (15./16. September 2018) den in Brüssel ausgetüftelten Reduzierungen der ohnehin schon kaum noch zu erreichenden Abgasgrenzwerte in der Automobilindustrie. Die Reduzierungszahl von 30 Prozent steht im Raum. Er weist darauf hin, dass diese für die Jahre 2012 bis 2030 zur Debatte stehenden Klima-Ziele nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches und natürlich auch globales Problem sind. Wörtlich heißt es bei ihm: „Entlang der Hauptverkehrsachsen ins mittel- und osteuropäische Ausland, etwa im Bayerwald, tummeln sich viele Gebrauchtwagenhändler, die teilweise tolle Autos zu Knallerpreisen im Hof stehen haben – Abgabe allerdings nur für den Export. […] Mancher Osteuropäer  kauft dort also gute Technik für kleines Geld, um dann unbehelligt von Fahrverbotsdiskussionen in seiner Heimat herumzukurven. Hat man schon mal etwas davon gehört, dass man in Bukarest oder Sofia über ökologisch motivierte Fahrverbote nachdenkt? […] Schließlich gelten in EU-Ländern wie beispielsweise Rumänien und Bulgarien doch die gleichen EU-Grenzwerte wie bei uns.“

Klar, das Thema ist hoch brisant und … politisch. Zumindest was die rumänische Regierung betrifft, muss man verstehen, dass die Damen und Herren im Victoria Palast keine Zeit für solche marginalen Geschichten wie den Klimaschutz im eigenen Land haben. Die müssen jetzt erst mal mit der Unterstützung ihrer Regierungspartei (PSD) schauen, dass sie die rumänische Justizbehörde vollkommen unter ihre Fittiche bekommen, bevor noch einige von ihnen im Kittchen landen.

Dass alles, was politisch ist, nicht unbedingt auch vertrauenswürdig und vor allem rational ist, geben manchmal auch Politiker selbst zu. Alexander Kain schreibt nämlich in seiner Kolumne, dass der deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei einem Treffen mit Wirtschaftsleuten dieses Thema angesprochen und dabei geäußert habe, dass „er sich lieber auf das verlasse, was die Ingenieure in der Realität für machbar halten“, und nicht auf „esoterische Grenzwerte“.

Und sie gibt es nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Rumänien, die nicht an Paragraphen sondern an Autos tüftelnden Ingenieure, die ihr technisches Wissen einsetzen, um ihren oft selbstgesteckten, ehrgeizigen Zielen näher zu kommen. In der rumänischen Stadt Baia Mare (deutsch: Frauenbach) haben eine Gruppe Unternehmer den Entschluss gefasst, einen elektrisch angetriebenen Kleinwagen auf die Straßen der rumänischen Städte zu bringen. Gheorghe Mureşan, ein Manager, der eigentlich aus der Textilindustrie kommt, hatte die Idee. Dabei liegt seinem Vorhaben eine der westlichen Automobilindustrie konträre Philosophie zugrunde: „Wir erwarten, dass dieses Fahrzeug die Kaufgewohnheit der Verbraucher ändert, denn bisher haben sich alle nur Autos für lange Fahrstrecken gekauft, benutzten sie aber in der Stadt. Unsere Autos sind für den Stadtgebrauch, sie sind klein, leicht zum Einparken, schlängeln sich leger durch den Verkehr und finden überall Platz.“

Die Serienproduktion soll im Februar 2018 mit einer Stückzahl von vorläufig 4000 Fahrzeugen pro Jahr starten. Der Einstiegspreis liegt bei 13.700 Euro. Die Produktionsstätte wird in Baia Mare gebaut. Das Projekt soll verglichen mit den Entwicklungskosten deutscher Autogiganten lächerliche 1,5 Millionen Euro kosten, wovon 74 Prozent aus einem EU-Fond stammen.

FotoQuelle: GÂNDUL
Ob dieses aus hartem Polyvinylchlorid (PVC) gebaute Fahrzeug jemals eine Chance hätte durch den deutschen TÜV zu kommen, steht auf einem anderen Blatt. Wichtig ist, es passt zu den Rumänen und wird dort zugelassen. Und das scheint auch der Fall zu sein, denn Gheorghe Mureşan erzählte stolz einer Zeitung, dass er schon „8000 km mit einem Prototyp zurückgelegt hat, nur in der Stadt“ und „dabei 960 kg Giftstoffe, die nicht in die Umwelt gelangt sind, eingespart habe, mehr als das Auto wiegt“. Zwei Typen sind angedacht: GTG Oxygen mit zwei und GTG Ozone mit vier Sitzen. Man denkt aber auch schon an einen Kleintransporter für den Stadtgebrauch.

Also, werte Damen und Herren in Brüssel, man macht sich überall Gedanken über unsere Umwelt, nicht nur in EU-Bürotrakten. Und das anscheinend ganz ohne oder mit nicht mehr als nötiger Politik, ob aus der jeweiligen Heimat oder der den Volksseelen oft so fremden EU-Hauptstadt. Lasst die Ingenieure doch machen! Und schickt sie nicht gleich zur Hölle, wenn sie mal in die Kirche gepfiffen haben. Wer ihre Kreativität dauernd mit - manchmal sogar allen physikalischen Gesetzen Hohn sprechenden - Vorgaben traktiert, gefährdet (mehr oder weniger bewusst) ganze Industriezweige und langfristig sogar Hunderttausende von Arbeitsplätzen.
Anton Potche

Montag, 10. September 2018

Rumänien - Streit in der PSD

Schafft in Rumänien Gabriela Firea, was Klaus Johannis seit drei Jahren vergeblich versucht? Nämlich, die macht des PSD-Vorsitzenden Liviu Dragnea zu brechen oder wenigstens einzuschränken. Bisher hat der Staatspräsident auf Granit gebissen. Ja, er musste sogar so manche schmerzliche Niederlage hinnehmen. Dabei scheint er noch der einzige Garant für ein einigermaßen akzeptables – von gutem kann gar keine Rede sein – Ansehen Rumäniens in der Europäischen Union zu sein. Der immer wieder mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebrachte Chef der rumänischen Sozialdemokraten und Parlamentspräsident Dragnea führt seine Partei mit eiserner Hand und niemand im Land zweifelt mehr daran, dass dieser über Leichen gehende Politprofi auf das Amt des Präsidenten schielt. Nächstes Jahr wird das Staatsoberhaupt neu gewählt. 

Gabriela Firea
Fotoquelle: ADEVĂRUL
Jetzt wird er aber von einer Dame aus den eigenen Reihen scharf angegriffen: Gabriela Firea, Oberbürgermeisterin von Bukarest und Mitglied im Vorstand der PSD. Beim besonders von den Auslandsrumänen gesehenen Fernsehsender TVRinternational hat sie Liviu Dragnea vorgeworfen, sich von Schleimern und Nepoten umgeben zu haben, auf die falschen Berater – oft außerhalb der Partei – zu hören und einen klandestinen Krieg gegen sie, Firea, zu führen. Zwischen seinen Worten und Taten gebe es überhaupt keine Kohärenz. So schade er dem Führungsgremium der Partei, der Partei im Allgemeinen, dem Land und dem Volk.

Die Sozialdemokraten in Rumänien haben über 500.000 Mitglieder und so mancher im Land fragt sich, wie es möglich war, dass ein Strafverfolgter mit Hilfe einer Handvoll devoter Emporkömmlinge nicht nur eine so große Partei, sondern ein Parlament und die Regierung eines ganzen Landes in die Knie zwingen und die Justiz derart beeinflussen konnte, dass er eines Tages nicht im Gefängnis, sondern im Präsidentenpalast landen könnte. Beim letzten Parteitag der PSD schrie er im Stile eines „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ in den Saal: „Wollt Ihr, dass ich Euer Vorsitzender bleibe?“ Was folgte, erinnert doch sehr stark an die Ovationsorgien für den Nationalkommunisten Nicolae Ceaușescu.  

Übrigens hat die ganze Politik in Bukarest etwas Burleskes an sich. Es geht in allem, was beschlossen und nicht beschlossen wird, nur um den Machtkampf zwischen Regierung und Präsidialamt. Wenn zum Beispiel der Präsident, also Klaus Johannis, laut Verfassung noch immer der Träger des höchsten Amtes im Staat und mit vielen Vollmachten ausgestattet (nicht vergleichbar mit den meistens repräsentativen Aufgaben des deutschen Bundespräsidenten), die Regierungschefin Viorica Dăncilă ins Präsidentenpalais zu wichtigen Haushaltsgesprächen bittet, schwänzt die Chefin der Exekutive das Treffen und begibt sich zu einem geplanten Regierungsbesuch nach Spanien. Klaus Johannis reagiert, wo er doch wusste, dass es sich um eine lange geplante Reise handelt (mit Gesprächen auf Regierungsebene und einem Besuch beim spanischen König), wie eine beleidigte Leberwurst und kommt selber nicht zu seinem eigenen Treffen mit den zwei von Viorica Dăncilă delegierten Ministern, sondern lässt sich von zwei Präsidentialräten vertreten. Rumänische Journalisten sprechen offen von Buffas. Caragiale hätte mit Sicherheit seine helle Freude an den gegenwärtigen politischen Zuständen in der rumänischen Hauptstadt gehabt. Da muss einem beherzten Rumänen ja Angst und Bange vor der bevorstehenden EU-Ratspräsidentschaft Rumäniens werden. Mehr als lächerlich auf der europäischen Bühne kann man sich in der jetzigen politischen Konstellation ja wohl kaum machen.

In dem anderen Politspektakel geht Gabriela Firea in ihren Angriffen auf Dragnea sogar soweit, dass sie ihren Parteivorsitzenden der Spionage bezichtigt. Das Bukarester Rathaus wird auf Geheiß des PSD-Chefs von Mitarbeitern eines rumänischen Geheimdienstes beobachtet, sagt die streitbare Dame. Dragnea dementiert und behauptet in seiner demütigen Art, er habe überhaupt nichts gegen die Oberbürgermeisterin (in Rumänien trägt sie den Titel „Generalbürgermeister“ – für Berufe und Ämter gibt es in diesem Land kein weibliches Pendant), und verlangt Beweise für diese Anschuldigung. Da fehlt wirklich nicht viel, dass er ihr sogar eine Liebeserklärung macht. Warum auch nicht, hat seine Kontrahentin doch in einem offenen Brief an die PSD-Mitglieder beteuert, dass sie weder Parteichefin noch Staatspräsidentin werden will, sondern nur im Interesse der Partei und der Bukarester Bürger handle. Das klingt von beiden Seiten so, als würde es wirklich nur und nur um die Sache und in keiner Weise um Sympathien und Antipathien gehen. Also wäre da auch kein Machtkampf im Gange, sondern … Ja, was denn?

Liest man diesen offenen Brief Gabriela Fireas (ADEVĂRUL, 7. September 2018), dann fragt man sich, ob das jetzt ein Rückrudern oder ein Werben für die eigene Sache sein soll. Auf jeden Fall gibt es schon Stimmen, die vom politischen Selbstmord der Bukarester Oberbürgermeisterin reden. Der rumänische Kulturphilosoph Andrei Pleșu scheint ob der politischen Landschaft in seinem Land schlicht zu resignieren. In einem Beitrag der Zeitschrift DILEMA VECHE (Nr. 759, 6. – 12. September 2018) schreibt er: „Ich habe es auch in der vergangenen Woche gesagt: Ich kann die heutige politische Szene Rumäniens nicht mehr weiter kommentieren, traurig, verzweifelt oder ironisch. Ich will mich nicht mehr vereinnahmen lassen von verwirrenden Situationen und der unverantwortlich dilettantischen Choreografie einiger Personen zweiter und dritter Güte mit lärmenden Schlauberger-Strategien und napoleonischen Ambitionen. Ich ziehe es vor, mich in andere Epochen zurückzuziehen, zwischen andere Politiker, um so den Lesern und Potentaten von heute dienlicher zu sein. Ich glaube nicht, dass Letztere die Gewohnheit haben (falls sie sie überhaupt je hatten) zu lesen. Aber ich werde ihnen kurze Texte aus den Werken ihrer Vorgänger in Erinnerung rufen, hoffend, dass ihre eingeschlafenen Seelen sich zu ein bisschen Anstand, ein klein wenig Verantwortung aufraffen können. Ich habe drei Auszüge aus einer Rede Titu Maiorescus vor der Kammer vom 12. November 1882 ausgesucht. […]“

Bleibt die Flucht aus der Realität der einzige Weg, um den Verhältnissen an der Dâmbovița zu entrinnen? Mag sein. Sicher ist, dass einer es nicht lange auf diesem Weg aushält: Andrei Pleșu. Und das ist gut so, würde Klaus Wowereit sagen.

Da es an Peinlichkeiten im rumänischen Politschauspiel anscheinend nie genug sein kann, bezichtigen Mitglieder der zwei Regierungsparteien, PSD und ihr Juniorpartner ALDE (Allianz der Liberalen und Demokraten), das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien des Nazismus. Man hat es in diesen Parteien nie verkraftet, dass der Siebenbürger Sachse Klaus Johannis Staatspräsident wurde (und jetzt sogar noch die Chuzpe hat, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren) und der Banater Schwabe Ovidiu Ganț im Parlament ab und zu auch gegen die Gesetzesvorlagen der zwei Fraktionen stimmt, und das sogar gegen das Abstimmungsverhalten seiner eigenen Fraktion der Minderheiten.

Auf jeden Fall scheint der Herbst im politischen Bukarest noch heißer als der eben zu Ende gehende Jahrhundertsommer zu werden.
Anton Potche

Montag, 3. September 2018

Zeuge und Mitgestalter einer aufregenden Zeit

Friedrich Christian Delius: Als die Bücher noch geholfen haben – Biografische Skizzen; Rowohlt Taschenbuch Verlag; Reinbek bei Hamburg, 2014; ISBN 978-3-499-26782-6; 336 Seiten; 9,99 €

Friedrich Christian Delius wurde „wenige Tage nach dem Ende der Schlacht von Stalingrad nicht weit vom Vatikan in das warme Frühlingslicht von Rom geboren“ und sagte als 10-Jähriger von sich, er wäre von Beruf Dichter. Korrekt. Denn es liegt ein literarisches Œvre von Delius vor, das jeden Zweifel an seinem Dichtersein zunichte macht. Und er ist noch mehr: Prosator und Autobiograf. Ja, er war noch mehr: Lektor, Verleger, politischer Aktivist und stets aktives Zahnrad – nicht Rädchen – im deutschen Literaturbetrieb, besonders als es derer noch zwei gab, in der BRD und in der DDR.

Das war eine aufregende Zeit, die 60er und 70er Jahre. Auch für einen wie F. Ch. Delius, der zwar aktiv am künstlerischen Leben teilnahm, aber seinem Naturell entsprechend die „Dialog-, Team- oder Kollektivkünste“ mied und dafür „die freiste, die extremindividuelle Disziplin“ vorzog, die Literatur. Das schützte aber auch ihn nicht vor Konflikten. Die Auseinandersetzungen, wahre linke Strömungskämpfe auf geistiger Ebene, im Klaus-Wagenbach-Verlag sind nicht wegzudenken aus der deutschen Literaturgeschichte. Ebenso die literarischen Kontakte über die Berliner Mauer hinweg mit all ihren Glücksmomenten und auch Enttäuschungen.

1973 gründeten „sieben Freunde der Kollektivverfassung“, die sich keine gemeinsame Zukunft mit Klaus Wagenbach mehr vorstellen konnten – der Verleger war ein Sympathisant der RAF -, einen neuen Verlag, den Rotbuch Verlag, von dem Mitbegründer F. Ch. Delius in seinen autobiografischen Skizzen sagt: „Trotz oder wegen der Lektoratsverfassung ist hier einer der wichtigen Verlage für osteuropäische Dissidenten (etwa Carmen Francesca Banciu, György Dalos, Miklós Haraszti, Adam Michnik, Christian Skrzyposzek, Richard Wagner) entstanden und der erste Verlag, der die Literatur der Migranten wie Aras Ören, Emine Özdamar und Feridun Zaimoglu ernst genommen hat.“

Das war mal wieder einer dieser Sätze, der mich bewog, in meinem Bücherregalnachzuschauen. Und wirklich, da stehen mehrere Rotbuch-Bücher. Stellvertretend seien nur zwei genannt: Herta Müller: Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt (1986) – da lebte die Autorin noch in Rumänien – und Rolf Bossert: Auf der Milchstraße wieder kein Licht (1986) – da war der Dichter schon ca. sechs Monate tot.

Wie es zu dieser Situation überhaupt kommen konnte, erläutert F. Ch. Delius in einem extra Kapitel: Der Temeswarer Fisch und ein gewisses Glück. An diesem Tisch saß der bundesdeutsche Autor und Verleger im Frühjahr 1983, als er „noch nicht mal den Unterschied zwischen Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen“ kannte. Wie fruchtbar die damals geknüpften Kontakte waren, ist heute bekannt. Aus der Erinnerung gefallen oder vielleicht auch nie öffentlich bekannt gewesen ist ein Aspekt, auf den Delius hier hinweist: „Welche Schwierigkeiten, Erpressungen und Drohungen mit der Vorbereitung dieser Publikation verbunden waren, hätte sich niemand im Westen vorstellen können.“ (Der Autor bezieht sich auf Herta Müllers Niederungen im Rotbuch Verlag, 1984).

Das ist nur eine sehr interessante und auch folgenträchtige Episode aus dem bewegten Leben des deutschen Literaturschaffenden Friedrich Christian Delius. Und bestimmt auch nicht die wichtigste – ich denke an seine Erfahrungen aus der Gruppe 47 und die Prozesse mit Siemens und Horten -, aber eine, die einem Leser mit Banater Wurzeln durchaus verdeutlichen kann, dass auch die deutsche Regionalliteratur seiner Jugendjahre längst Teil der gesamtdeutschen Literatur, also des literarischen Schaffens im deutschen Sprachraum, geworden ist. Dass für eine solche Entwicklung Namen standen, zeigt schon das von Frank Pöhlmann diesen Skizzen angehängte Namensregister. Diese Namen bewogen mich eines Tages beim Schmökern in einer Buchhandlung dazu, dieses Buch überhaupt zu kaufen. Darum sollen sie hier auch erwähnt werden: Aharon Appelfeld, Carmen Francesca Banciu, Nicolae Ceaușescu, Paul Celan, Edgar Hilsenrath, Oskar Pastior, Dieter Schlesak, Paul Schuster, Richard Wagner, Ernest Wichner sowie die bereits oben erwähnten Herta Müller und Rolf Bossert.
Anton Potche

Freitag, 31. August 2018

August 2018 - Giarmata in den Medien


Pokalniederlage in der ersten Runde
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 01.08.2018
CS Millenium Giarmata ist in der ersten Runde aus dem Rumänienpokal ausgeschieden. Die Fußballer aus Giarmata wurden von den in einer niedrigeren Klasse aktiven Mannen von Victoria Zăbrani mit 2:0 besiegt. Die Tore für die Zăbraner erzielten Florin Băd in der 6. und Iosif Gherghel in der 15. Minute.
CS Millenium Giarmata: NarițaSporin, Cochințu, Oltean, Buga (Min. 53, Ochea) – Rosenblum, FerțuM. Călin, Dorobanțu (Min. 54, Dincă), Popan (Min. 66, Gavrilă) – Beloescu.
+ + +  Das Spiel wurde wegen starkem Regen mit 35 Minuten Verspätung angepfiffen. + + +

Ausschreibung für einen neuen Polizeichef
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 01.08.2018
Die Gemeinde schreibt einen Wettbewerb für die Besetzung des vakanten Postens eines Leiters der örtlichen Polizeidienststelle aus. Die Einschreibungsfrist endet am 20. August 2018 um 16:00 Uhr. Einreichen kann man seine Bewerbungsunterlagen bei folgender Adresse: Primăria Comunei Giarmata, Compartimentul Stare civilă, resurse umane, str. Principală nr. 445; Tel.: 0256/369101, Fax: 0256/369102, E-mail: primaria.giarmata@yahoo.com. Nähere Informationen kann man auch bei Inspektor Elena Șuhan über die Telefonnummer 0752012788 erlangen. Die schriftliche Prüfung findet am 3. September 2018 um 10:00 im Rathaus statt und die Vorstellungsgespräche werden an einem späteren Zeitpunkt geführt.

Drei weitere vakante Stellen im Giarmataer Rathaus sind zu besetzen
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 02.08.2018
Gesucht werden für die Verwaltung im Rathaus ein Inspektor, Berufsgrad (grad profesional) II; ein Referent, Berufsstufe (treapta profesională) I und ein Referent, Berufsstufe II. Die schriftlichen Prüfungen des Wettbewerbs zur Besetzung dieser Stellen werden zwischen dem 28.und 31. August 2018 im Rathaus Giarmata abgehalten. Die Vorstellungsgespräche werden nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der schriftlichen Proben geführt. Die Bewerbungsunterlagen müssen bis zum 16. August um 16 Uhr eingereicht sein. Frau Inspektor Elena Șuhan kennt alle Einzelheiten. Sie ist über folgende Telefonnummer zu erreichen: 0735551320.
+ + + Vorsicht! Das ist eine andere Nummer als oben. + + +

Afrikanische Schweinepest
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 03.08.2018
Die Verwaltung hat eine umfangreiche Informationsschrift zur in Rumänien aufgetretenen afrikanischen Schweinepest veröffentlicht. Die erste der 29 Seiten des Dokuments enthält folgende Warnhinweise: „Achtung! – Die afrikanische Schweinepest ist die gefährlichste Krankheit bei Schweinen!!! – Der Virus gefährdet nicht die Gesundheit des Menschen! – Es gibt keinen Impfstoff für diesen Virus! – Der Virus ist sehr stark und das Verenden der Schweine liegt bei 100 Prozent! – Das befallene Schwein verendet sicher!“ Auf den folgenden Seiten wird über die Widerstandskraft des Virus berichtet, Ansteckungsgefahr, Verhaltensinformationen für Schweinehalter usw. Die privaten Züchter werden aufgerufen: „Widersetzen sie sich nicht der Tötung. Sie werden entschädigt.“
+ + + Mit diesen Seuchen ist nicht zu spielen. Hoffentlich nehmen die Menschen die Warnungen ernst. Das ist in einem Land wie Rumänien mit vielen Tieren in Hauswirtschaften gar nicht so selbstverständlich. + + +

Nur ein Tagesordnungspunkt
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 06.08.2018
Für den 9. August 2018 hat Bürgermeister Virgil Bunescu den Gemeinderat einberufen. Auf der „Disposition Nr. 209“ steht nur ein (1) Tagesordnungspunkt: „Beschlussvorlage zur Bugetkorrektur für den dritten Trimester.“
+ + + Ob’s dafür auch Sitzungsgeld gibt? + + +

Boomende Wirtschaft in Giarmata
aus RenaștereaBănățeană.ro, Timişoara / Temeswar, 06.08.2018
Die Gemeinde Giarmata arbeitet an einem Zonenentwicklungsplan (PUZ – plan urbanistic de zonă). Man will so erreichen, dass ansiedlungswillige Investoren leichter an die benötigten Bauflächen kommen. Giarmata ist ein sehr begehrter Standort. Das hat dazu geführt, dass der Personalbedarf längst das  Arbeitnehmerpotential der Gemeinde überschritten hat und viele Arbeitnehmer aus umliegenden Ortschaften und sogar aus der Kreishauptstadt Temeswar hierher zur Arbeit pendeln.

Archaische und moderne Kommunikationsmittel
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 07.08.2018
Ein Bürger aus der Banater Gemeinde Sânandrei / Sanktandreas hat sich mit einem Zettelanschlag an einem Strommast am Bahnhof seiner Gemeinde mit einer originell verfassten und ebenso veröffentlichten Bitte an den Kreisratsvorsitzenden des Kreises Temesch Călin Dobra gewandt. Die Internetsite banatulazi.ro hat ein Foto der Botschaft, die schnell in den sozialen Medien ihre Runde machte, veröffentlicht. Daraufhin hat der Kreisratsvorsitzende ausführlich auf Facebook geantwortet und unter anderem zu zivilisiertem Umgang miteinander aufgerufen: „Gestern zirkulierte im Internet eine der originellsten Bittgesuche an die Administration des Kreises Timiș / Temesch. Ich hätte es sehr geschätzt, wenn der Autor ein einziges Wort ausgetauscht hätte, denn ich bin absolut gegen den Gebrauch von Beleidigungen und besonders obszönen Formulierungen.“ 
Fotoquelle: TION.ro
Weiter geht Călin Dobra auf das Thema des Problems ein und verspricht die nötigen Reparaturarbeiten auch am Bahnübergang in Sânandrei anzuschieben. Die Arbeiten könnten schon im Oktober dieses Jahres fertig sein, schreibt der Politiker auf Facebook. Die Antwort des Antragstellers blieb nicht aus und war an gleicher Stelle zu sehen.
+ + + Ach ja. Das obszöne Wort? Das taucht gepunktet im ersten Anschlag auf: „F....-i“ und bedeutet soviel wie „Futu-i (mama mă-sii)“. Ein in der rumänischen Alltagssprache sehr häufig benutztes geflügeltes Wort. Es gibt auch noch andere sinngleiche Varianten und hat etwas mit Inzest zu tun. Im Fluchen waren die Rumänen schon immer Meister. + + +

Zwei freie Tage
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 10.08.2018
Die Angestellten des Rathauses in Giarmata haben am 16. und 17. August arbeitsfrei. Es handelt sich aber nicht um ein Geschenk, denn die freien Tage müssen an den Samstagen 25. August und 1. September wieder eingearbeitet werden.
+ + + Gründe für diese Maßnahme werden im Schreiben des Rathauses nicht angegeben. + + +

Vertagt
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 10.08.2018
Vertagt werden die für den 28. August vorgesehenen Einstellungsverfahren für die Positionen: Inspektor, Berufsgrad (grad profesional) II; Referent, Berufsstufe (treapta profesională) I und Referent, Berufsstufe II. Unterschrieben ist die Anulierung von Bürgermeister Virgil Bunescu und der Sekretärin Jr. Sorina-Ana Gherman.
+ + + Die mit „suspendarea procedurii de organizare” angekündigte Verordnung kann sowohl eine Vertagung als auch eine Anulierung sein. Was von beiden gemeint ist, kann man dem Text nicht entnehmen. Es könnte sich auch um eine festgestellte Regelwidrigkeit in der Organisation des Wettbewerbs handeln. In einem zweiten, am selben Tag veröffentlichten Dokument heißt es schon deutlicher: „Die Wiederaufnahme des Verfahrens (procedură) wird wie gesetzlich vorgesehen bekanntgegeben.“ + + +

Zweite Gemeinderatssitzung
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 22.08.2018
Für den 23. August ist eine Gemeinderatssitzung mit fünf Tagesordnungspunkten anberaumt. Es geht vorwiegend um Eigentumsprobleme.
+ + + Vor 1989 durften Gemeinderäte am 23. August noch feiern, heute müssen sie arbeiten. Wo ist nur die gute alte Zeit geblieben? + + +

Start in die Saison mit einer Niederlage
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 25.08.2018
 Fußball - C4 (Liga III – Serie IV) – 1. Spieltag
FC Hubedoara - CS Millenium Giarmata  2:0 (1:0)
Torschützen: Adrian Marcu (Min. 15) und Iulian Sepsi (Min. 72)
Aufstellung CS Millenium: TrifonRosenblum, Cochinţu, Olteanu (Min. 46, Popan), Sporin (Min. 84, Damian), Stupu, Ferţu (Min. 84, Florin Călin), Ochea, Marius Călin, Gînju (Min. 46, Gavrilă), Beloescu.
Tabellenplatz: 15 CS Millenium Giarmata  0
Trainer Răzvan Leucă war unzufrieden wegen den vielen vergebenen Chancen. Gleich nach dem Führungstor der Hausherren drosch Bogdan Ferțu vom Millenium den Ball an die Latte.
+ + + Ein Saisonauftakt mit dem Linken ist für die Fußballer aus Giarmata aber nichts Neues. 16 Mannschaften sind in dieser Gruppe angemeldet. Wie viele wohl bis zum Schluss durchhalten werden? + + +

Mit der zweiten fährt man besser
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 25.08.2018
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 2. Spieltag
Millenium II Giarmata – Unirea Banloc  6:1
Cornești - Unirea Cerneteaz   ?:?
Tabelle: 1  Millenium II Giarmata  6
              6 Unirea Cerneteaz  3

Nur ein Kandidat will Polizeichef in Giarmata werden
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 27.08.2018
Die Meldefrist der Ausschreibung für den Posten des Polizeichefs in Giarmata ist abgelaufen. Nur ein Kandidat hat sich gemeldet oder gültige Bewerbungsunterlagen eingereicht. (Genau ist das in der Veröffentlichung des Rathauses nicht zu erkennen.) Die schriftliche Prüfung für den Kandidaten Păpaș Gheorghe Călin findet am 3. September statt.
+ + + Viel Erfolg!  + + +

Interview mit Pr. Dr. Sorin Vasiu
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; August 2018
Pr. Dr. Sorin Vasiu
Fotoquelle: FOAIAdeGIARMATA
Es ist schon gute Tradition, dass Journalisten in den Sommermonaten Interviews mit Personen des öffentlichen Lebens führen. Nicht nur in Deutschland, auch in Rumänien. Gheorghe Miron hat sich mit dem Priester der orthodoxen Kirche in Giarmata, Dr. Sorin Vasiu, unterhalten und das Gespräch in FOAIAdeGIARMATA veröffentlicht. Auch die Staatskirche Rumäniens hat so ihre Probleme, was den Aussagen des Geistlichen zu entnehmen ist: „Die jungen Menschen müssen begreifen, dass die Isolation in der virtuellen Welt nicht fördernd für ihren fragilen Geist ist, und wenn sie zur Kirche kommen, müssen wir ihnen die Augen öffnen, ihnen erklären, dass sie den realen Dialog mit anderen Menschen und inklusive mit Gott brauchen. [...] Die Jungend ist schwerer zu bewegen, zur Kirche zu kommen, aber es ist nicht unmöglich. [...] Was der zeitgenösische Mensch nicht versteht, ist die Tatsache, dass das Gebet seine Verbindung zu Gott bedeutet und seine Möglichkeit ist, mit Gott zu kommunizieren.“
+ + + Und so weiter und so fort. + + +

Montag, 20. August 2018

Mei Gasse

- Gedicht im Johrmarker Dialekt -

Dorchs Lothringe
is merr ins Dorf ningfahr.
Die Neigass,
is kerzegrad,
Die Altgass
e bißje krumm seit eh un je.
Im Grawe
war’s Lager vum Prinz-Eugen-Heer.
Uf’m Gashiwl
steht norr e Reih Heiser.
In der Happgass
schlaat’s Herz vun der Gemeinde.
Die Hinnereih
is lang un eng.
In der Karlsgass
war ’s Dorf am Enn.
In de Kleegärter
ware die eerschte Rumänre dehoom.
Die Zigeinergass
leijt glei an der Bohn.
In der Hannigass
hot mer die Grille gheert zirpe.
Die Siweschwowegass
is vun der Happgass de Zipfel.

Dorch all die Gasse
sin ich gelaaf,
sin ich mascheert,
sin ich mol gang.

In all dee Gasse
leijt dicker Staab.
Mei Fieß hun gspeert,
wie die Zeit vergeht.


[Uf der Schanz, 1987]
Berns Toni

Lesung uf YouTube