Montag, 9. Juli 2018

Eine deutsche Sage

Deutschland, einig Vaterland,
Am westlichen Karpatenrand
Schmachtet im Geschichtebann
Ein winzig kleines Siedlerland.

Einfach, schlicht heißt es Banat,
Niemand hat je danach gefragt,
Bis der Herr die Toten im Massengrab
Zur ersten Weihnachtsfeier bat.

Ein gebrechlicher deutscher Mann
Steht traurig am Wegesrand
Mit einem Bündel in der Hand,
Den Blick nach Westen gewandt.

Einig Vaterland, stellst du ihm die Frag’,
Was er bei dir im Westen mag,
Dann lausche seiner deutschen Sag’:
Die Toten walten im Banat.


[Im Reisebus durch die neuen Bundesländer, 1990]
Anton Potche

Gelesen von Silke Kronenberger beim
 HOG-Treffen der Frateliaer 
in Reichertshofen am 4. Juni 1995


Video auf YouTube

Mittwoch, 4. Juli 2018

Eine literarische Bekanntschaft mit Spuren in die Heimat


Catalin Dorian Florescu: Zaira, Roman; Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München, 2009, 5. Auflage 2015; ISBN 978-3-423-13829-1; 479 Seiten; 9,90 EUR

Ich hätte viel versäumt, wenn ich diesen Roman nicht gelesen hätte. Vor allem wäre mir die Welt in Strehaia, das Städtchen im rumänischen Landkreis Mehedinți, mit ihrem Zweiklassendasein - fast hätte ich gesagt Charme – unbekannt geblieben. Und diese Menschen auf dem Gutshof sowie ihre Dienerschaft, Charaktere, als wären sie George Călinescus Enigma Otiliei entstiegen, hätten nie Einzug in mein ganz persönliches Literaturpersonal gehalten.

Natürlich würde die Welt nicht untergehen, wenn ich Zaira nicht zu meinen literarischen Bekanntschaften zählen könnte. Aber ich hätte ohne ihre Bekanntschaft auch nichts erfahren von ihren so unterschiedlichen Liebhabern, gescheiterten Ehen und Fast-Ehen, ihrem Leben in drei Gesellschaftsordnungen, Monarchie, Kommunismus und Amerika, ihrer Begabung, Puppen Leben einzuhauchen, und nicht zuletzt von ihrer im Geiste immer wiederkehrenden Heimkehr auf das Gut und die Dörfer ihrer Kindheit.

Man könnte beim Lesen oft innehalten, über den einen oder anderen Vorfall nachdenken, sich den einen oder anderen Abschnitt wieder zu Gemüte führen, aber man tut es kaum, will nur lesen, weiterlesen, will wissen, wie es weitergeht mit Zaira, ihren Angehörigen und Bekannten. Und man würde sich kaum Gedanken über die spannende Frage nach dem Verhältnis zwischen Realität und Fiktion machen, wenn man als Leser, besonders aus Rumänien kommender, sich nicht dauernd beim Vergleichen der Romaninhalte mit der eigenen Biografie ertappen würde. Man würde dieses Buch ohne seine jeweils ureigenen Erinnerungen ganz anders lesen, oberflächlicher, voyeuristischer, und man würde sich gar nicht fragen, warum das eine oder andere so ist. Es würde einem dabei auch gar nicht einfallen, Sätzen wie den folgenden eine Schlüsselstellung im Zugang zum Kern dieses hier literarisch so grandios bearbeiteten Stoffes zuzuschreiben: „[...] nichts erlischt, es verkriecht sich nur in die hinterste Ecke der Gedanken. Es verblasst, aber es vergeht nicht. Es ist immer da, bereit, sich im ungünstigsten Augenblick zu melden. Bereit, uns klarzumachen, wie wenig wir eben dieses Leben genutzt haben.“


Stünde es mir überhaupt zu, den Sinn eines Exkurses in die Meeresbiologie mit Plankton, Fluoreszensmikroskopie und Floraminiferen anzuzweifeln, verschluckte ich nicht regelrecht jedes Wort, jeden Satz, jede Zeile, jeden Abschnitt, jedes Kapitel, jedes dieser vier Teile von Zaira? Nein, eindeutig nein, denn ich käme meinem Recht zu kritisieren nicht nach und würde der Hoffnung des Autors, aufmerksam gelesen und nach Lesergeschmack kritisiert zu werden, keine Rechnung tragen, was einer Abwertung seiner Kunst gleich käme. Im selben Atemzug läge es aber auch nahe, alle Höhepunkte und alle sowohl geerdeten als auch verschrobenen Figuren dieses Romans hervorzuheben oder auch nur ihre gefühlte Überflüssigkeit, wie etwa bei dem amerikanischen Streuner Donovan, anzusprechen. Und das würde den Rahmen einer Buchbesprechung – ganz wichtig: eines Lesers und nicht professionellen Kritikers aus dem Feuilleton – eindeutig sprengen.

Nie hätte ich gedacht, dass dieses Buch so enden könnte, die ganzen 478 Seiten lang nicht. Viel lieber hätte ich ein klares Happyend akzeptiert. Aber wäre das angebracht gewesen? Nach all diesen immer wiederkehrenden Umkehrungen nach Timișoara, Bukarest, bis nach Strehaia wäre das alles anderes als logisch. Ich hätte entgegen meiner Lesegewohnheiten schon früher das Buch aus der Hand legen können. Ja, wäre da nicht dieser Anfang gewesen: „Ich hätte nicht hier gesessen und auf jene Haustür gegenüber gestarrt, an der ich nicht klingle.“

Und dann, fast ganz zum Schluss, wusste ich, wie Unrecht ich C.D. Florescu getan hätte, wenn ich den Sinn dieser Donovan-Romanexistenz nicht im letzten Moment nicht doch noch erkannt hätte. Auch wenn sein Abgang von der Romanbühne nur zu Zairas Heimreise überleitet: „Ich knipste das Licht aus und ließ ihn schlafen. Am nächsten Morgen war er schon weg, als ich aufstand, aber er hatte einen Brief auf den Küchentisch gelegt, der für mich abgegeben worden war. [...] Zwei Wochen später bestieg ich das Flugzeug, das mich nach Wien bringen sollte. Von dort aus flog ich weiter nach Timişoara. Das Rollfeld war von Kühen belagert, sie hoben faul die Köpfe und senkten sie wieder, sie waren an alle Arten von Rückkehrern gewöhnt.“

Wie würde es mir gehen nach 35 Jahren Abwesenheit? Wäre ich bereits Teil dieses Romans, wenn ich jetzt die Zügel streifen ließe und meine von Heimweh vernebelten Blicke zu dem vom Regen klitschnassen Walmendingerhorn aufrichten würde? Zum Träumen natürlich. Oder würde mir bei all diesen Enttäuschungen Zairas die Lust auf meine Vergangenheit vergehen?

Nun liegt das Buch geschlossen vor mir. Zaira. Und ich hätte es wahrscheinlich nie gelesen, wenn ich nicht auf ein Interview mit Cătălin Dorian Florescu in der Temeswarer Literaturzeitschrift ORIZONT vom 23. März 2007 gestoßen wäre. Das Gespräch drehte sich vorwiegend um den Roman Der blinde Masseur und erst zum Schluss fragte Robert Şerban nach Florescus damaliger Neuerscheinung Zaira. Er bekam auch dazu eine aufschlussreiche Antwort und erfuhr unter anderem, dass Zaira eine 70 Jahre alte Frau ist und „jetzt in Timişoara lebt, zusammen mit dem Mann, den sie seit ihrer Jugend liebte, ihn aber verlassen hatte.“ Ohne dieses Interview und besonders diesen Satz wäre der Roman Zaira auch für mich  wie wahrscheinlich für die meisten Leser mit einem großen Fragezeichen ausgegangen.

Weitere 19 Seiten später in der gleichen Zeitschrift unterhält Eugen Brumaru sich mit Traian Dorgoşan, dem Dichter und „König der Temeswarer Boheme“. Schon zu Beginn des Gesprächs stellte Brumaru die Frage: „Wie fühlst du dich in deiner neuen Rolle als literarische Figur?“ Darauf antwortete Dorgoşan: „Lass es gut sein, ich habe auch davon gehört ... Es handelt sich wirklich um den Roman eines jungen und talentierten rumänischen Schriftstellers, der in der Schweiz lebt, Cătălin Dorian Florescu. Aber ich bin dort in seinem Buch nur eine unwichtige, episodenhafte Gestalt. Seine Inspiration zu dem Roman kam – hier liegt die Verbindung – von meiner Frau Zaira. Von dem Mahlerischen und Reichtum ihrer Biografie.“

Interessant ist diese Aussage allemal, den Anstrich des Sensationellen bekam sie für mich - als gebürtigen Jahrmarkter - aber erst bei der weiteren Äußerung Traian Dorgoşans: „Mit dem Prosator Cătălin Dorian Florescu verbrachte ich in den vergangenen Jahren einen herrlichen Abend im Restaurant Boema, neben der Buchhandlung Emil Cioran. Damals rezitierte ich ihm ein Sonett, Beim Tode meines Schweines, das ich geschrieben hatte, als ich etwa 15 Jahre alt war, nachdem ich - es geschah zu Hause bei meiner Mutter in Giarmata - der traditionellen Schweineschlacht vor den Winterfeiertagen beiwohnte.“

Und so ist der Faden von Zaira zu mir gesponnen. Wie dünn er auch sein mag, kann er für mich persönlich nie reißen, heißt er doch Jahrmarkt – Giarmata. Mit der winterlichen Schweineschlacht inklusive.

Geschrieben in Mittelberg im Walsertal
Anton Potche

Samstag, 30. Juni 2018

Juni 2018 - Giarmata in den Medien


Staus ohne Ende
aus BanatulAzi.ro, Timişoara / Temeswar; 05.06.2018
Die nicht enden wollenden Staus auf der Landstraße Timișoara - Giarmata bilden sich besonders am Bahnübergang bei Giarmata. Dort ist der Straßenbelag schon so schlecht, dass viele Fahrer abbremsen, um ihre Autos nicht zu beschädigen. Die Unterschriften für den Ausbau des A1-Zubringers sind zwar alle getätigt, das 80-Millionen-Lei-Projekt wurde aber noch nicht in Angriff genommen. Spätestens in diesem Herbst soll es aber soweit sein.
+ + + Schau merr mol! + + +

Niederlagen
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 10.06.2018
Fußball - Liga V Timiș – Serie II – 27. Spieltag
Unirea Banloc - Millenium II Giarmata  3:2
Comești - Unirea Cerneteaz  4:3
Tabelle: 5 Unirea Cerneteaz  41
8 Millenium II Giarmata  38

Die siebente Auflage der „Trachtentruhe“
aus BanatulMeu.ro, Timişoara / Temeswar; 14.06.2018
Der Wettbewerb für „Gesang- und Tanzgruppen, Volksmusikorchester, Rezitatoren, Vocal- und Instrumentalsolisten“ hat heuer im Kreis Timiș „mehr als 1500 Laienkünstler auf die Bühnen von 63 Ortschaften“ gebracht. Die Schlussveranstaltung, „ein wahrer Folkloremarathon“, findet am 17. Juni um 17:00 Uhr im Temeswarer Capitol-Saal statt. Der Eintritt ist frei.
+ + + Und wie mich das an Cântarea României erinnert. Schließlich und endlich war man ja auch dabei. Und ich wäre unehrlich, wenn ich nicht zugeben würde, dass es manchmal sogar Spaß gemacht hat. + + +

Jugendfußball
aus SportTim.ro, Timişoara / Temeswar; 17.06.2018
Das für Junioren ausgetragene Turnier „Memorial Nicu Moraru“ wurde am Wochenende in Giarmata ausgetragen.
+ + + Es gibt nur eine Fotostrecke ohne weitere Informationen. + + +

Nebel im Sommer
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 18.06.2018
Die Meteorologen warnen vor einer für den Sommer ungewöhnlichen Wetterfront. Dichter Nebel soll sich über weite Teile des Banats ausbreiten. Auch Giarmata soll bis 10:00 Uhr (Montag) in einen Nebel, der die Sicht bis auf 50 Meter einschränkt, eingehüllt werden.
+ + + Der do owwe losst sich net in die Karte schaue. + + +

Bahnübergang wird repariert
aus DeBanat.ro; Timişoara / Temeswar; 19.06.2018
Zwischen dem 20. Juni, 7 Uhr, und dem 21. Juni, 20 Uhr, wird der Bahnübergang bei Giarmata auf der Kreisstraße 691 repariert. Die Umleitung geht auf der Kommunalstraße 58 über Cerneteaz.
+ + + Zwaa Täch vill verkehr forr die Zorner! + + +

Bahnübergang wird noch nicht repariert
aus BanatulAzi.ro, Timişoara / Temeswar; 20.06.2018
Wegen einer Schlechwetterprognose werden die Reparaturarbeiten am Bahnübergang bei Giarmata auf der Kreisstraße 691 vertagt.
+ + + Bis wann, weiß man noch nicht. + + +

Gemeinderat tagt
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 25.06.2018
Nur drei Themen stehen auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom 28. Juni 2018. Beim ersten Tagesorednungspunkt geht es um das „Regionalprojekt zur Infrastruktur der Wasser- und Abwasserversorgung im Kreis Timiș / Temesch im Zeitrahmen 2014 – 2010“. Da soll Giarmata sich finanziell beteiligen. Die zwei anderen Sitzungsthemen beinhalten wieder die Festlegung von Einbahnstraßen in Giarmata.
+ + + Das sieht schon nach Urlaubsstimmung im Gemeinderat aus. + + +

Ambrosia artemisiifolia
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt, 26.06.2018
Das ist der wissenschaftliche Name des Unkrauts Ambrosia, bekannt auch unter den Benennungen Beifußblättriges Traubenkraut, Beifuß-Traubenkraut, Aufrechtes Traubenkraut, Wilder Hanf oder Fetzenkraut. Die Pflanze ist giftig und kann bei Hautkontakt heftige Allergien auslösen. Auch die Pollen der Pflanze sind gesundheitsschädlich. Jetzt hat die Gemeinde einen Aufruf veröffentlicht, die Pflanze auf den eigenen Grundstücken oder Feldern zu vernichten. Wer dem seit dem 17. März 2018 gültigen Gesetz zur Vernichtung dieses Unkrauts nicht Folge leistet, kann als Privatperson mit einer Strafe von 750 bis 5000 Lei und als Unternehmer von 5000 bis 20.000 Lei belangt werden. Spätestens bis zum 30. Juni müssen die Pflanzen vernichtet sein.
+ + + Dieser Anschlag am Gemeindebrett wäre im März bestimmt sinnvoller gewesen als jetzt, denn die Pflanze keimt vom Frühjahr bis in den Sommer hinein. + + +

Neues Müllsammelsystem
aus TION.ro, Timișoara / Temeswar, 27.06.2018
Die Firma RETIM ECOLOGIC SERVICE erweitert ihren Müllsammelradius im Kreis Temesch. Das System funktioniert schon seit Jahresanfang in mehreren Kleinstädten des Kreises. Jetzt sollen auch Temeswar und in zwei weiteren Schritten die umliegenden Ortschaften mit einbezogen werden. Voraussetzung für ein gutes Funktionieren ist natürlich das Mitmachen der Bevölkerung. Zum Einsatz kommen je Haushalt vier Behältnisse: braun (Komposter), gelb (Papier, Metall, Plastic), grün (Glas – aufgestellt an mehreren öffentlich zugänglichen Plätzen in den Ortschaften) und schwarz (Restmüll). Auch Giarmata gehört zu den anvisierten Ortschaften.
+ + + In Deutschland funktionieren verschiedene Systeme.  + + +

Heiratsaufgebote im Rathaus von Giarmata im Juni 2018
aus PrimăriaGiarmata.ro, Giarmata / Jahrmarkt
1.) Teodorovici Nicolae, 32 Jahre alt, aus Giarmata, Kreis Timiș ∞ Onișa Florica, 33 Jahre alt, aus Timișoara, Kreis Timiș  (21.06.2018)

Interview mit Maria Petchescu
aus FOAIA de GIARMATA, Timişoara / Temeswar; Juni 2018
Fotoquelle: FOAIA de GIARMATA
Das Folkloredensemble Sânziene Bănățene aus Giarmata ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Laienformation des Banats. Die Tanz- und Volksmusikgruppe wird von drei erfahrenen Kulturschaffenden geleitet: Maria Petchescu, Volksmusiksängerin – zuständig für die SängerInnen, Rusalin Hoarcă, ehemaliger Tänzer beim Profiensemble Banatul – Initiator und Ensembleleiter, Veronica Kretten, ehemalige Tänzerin bei Banatul – verantwortet die Choreografie. In einem ausführlichen Interview erzählt Maria Petchescu (Foto) von der Kulturtätigkeit in Giarmata und findet lobende Worte für Bürgermeister Virgil Bunescu: „Wenn Herr Bunescu uns nicht unterstützen würde, wäre nichts entstanden. Herrn Bürgermeister gefällt, was wir machen. Er ist ein gebildeter Mensch. Herr Bunescu unterstützt uns auch weiterhin, damit wir mit unseren Folkloredarbietungen den Namen Giarmatas landesweit und sogar international bekannt machen.“ Es wird im kulturellen Bereich auch erfolgreiche Nachwuchsarbeit geleistet. Zu den Hoffnungsträgern zählen: Alexandru Felciuc, Anamaria Mătase, Ana Ardelean, Maria Florea und Cristian Spoeală.
+ + + Un des alles ohne Blechmusik! Unglaublich!  + + +


Mittwoch, 27. Juni 2018

Auch die Donau fließt immer weiter


Was der Fußball uns gibt, ist mehr als die Spannung, das Unvorhergesehene, das Mitfiebern, der Rausch und der Schmerz. Er ist auch ein Abbild unserer Gesellschaft. Und das meine ich in globalem Maßstab. Man muss nur hineinhorchen in die Aussagen der statistikfesten Kommentatoren von Radio- und Fernsehsendern und man bekommt ein Bild von der Aussagekraft einer Sportart, eines Spiels mit dem Namen Fußball.

Ich habe mich seit beginn der WM 2018 vor die Flimmerkiste gesetzt und mir die eine oder andere Aussage von Kommentatoren in Stichworten notiert. Auf meinem Zettel sieht das bisher etwa so aus:
01.) Tormann vom Iran = in einer Nomadenfamilie groß geworden, den Stamm verlassen & in die Hauptstadt gegangen, als Autowäscher gearbeitet, um bei einem Fußballverein Fuß zu fassen.
02.) Tormann von Ägypten – vom Dorf vier Stunden Busfahrt, um zum Training zu kommen.
03.) Stürmer vom Iran in Schweden geboren und dort aktiv  - zweimal in der schwedischen Nationalmannschaft gespielt.
04.) Der Jüngste bei den Australiern ist im Iran geboren.
05.) Der Vater eines isländischen Spielers ist als Fernsehkommentator vor Ort.
06.) In Belo Horizonte war ein ganzer Krankenhausflügel für die Operation Neymars reserviert.
07.)Der Torhüter von Panama = Torhüter von Dinamo Bukarest.
08.) Einer der belgischen Spieler ist in Italien verpflichtet und verteilte auf Heimaturlaub Essen & Getränke an Obdachlose = ganz unauffällig. Fans haben ihn gesehen + Nachricht verbreitet.
09.) Bei den Senegalesen spielt ein gebürtiger Brasilianer.
10.) Der Trainer von Argentinien = von Beruf Bankkassierer.
11.) In der Mannschaft Nigerias = ein gebürtiger Russe und ein gebürtiger Berliner.
12.) Bei der Schweiz spielen gebürtige Cosovo-Albaner, Mazedonier, Bosnier = ausgepfiffen von serbischen Fans.
13.) Alle Engländer spielen in England.
14.) Trainer von Senegal hat viele Familienangehörige in einem Feuer verloren.
15.) Senegal = nur ein Spieler spielt auf dem afrikanischen Kontinent – in Guinea.
16.) Maradona tanzt siegestrunken mit einer Dame in der VIP-Loge und der Fernsehkommentator meint lakonisch zu diesen im wahrsten sinne des Wortes bewegten Bildern: Hoffentlich geht es ihm gut!
... ... ... 

Public Viewing in Ingolstadt
Deutschland – Südkorea 0:2
Ja, man könnte ewig fortfahren, um den globalen Aspekt dieser faszinierenden Sportart zu begreifen. Ich hatte mir vorgenommen, solange mitzunotieren, wie unsere deutsche Mannschaft im Turnier bleibt. Jetzt ist sie ausgeschieden. Nicht weil sie schlecht gespielt haben, unsere Jungs. Nein, nein. Weil der Fußball längst ein Weltphänomen geworden ist, in dem unzählige Akteure auf hohem und sehr hohem Niveau agieren. Und weil es das Spektakulärste und Faszinierendste an jeder Sportart ist, dass auch Weltmeister verlieren können. Und vor allem, dass man nie weiß, wann und wie. Der Fußball wird auch nach dem heutigen Tag weiter leben, so wie auch die Donau immer weiter fließen wird.

Anton Potche

Montag, 18. Juni 2018

Mensch, Ossi!


Ich hat mer forr dee Text do e Arwetstitel zurechtgeleet, und des war Zwaa Musiker aus'm Banat im Gespräch. Awwer noo hun ich’s doch net iwers Herz gebrung, de Titel zu ännre, weil er halt besser zu meim Vorhaben passt: Ich will iwer de Specks Ossi schreiwe, weil ich zufällich uf e YouTube-Interview gstoß sin, des wu mer wirklich ans Herz gang is. De Horst Keller is e Banader Schwob aus Glogowatz, der wu jetz in Rastatt lebt un vun dort aus e ziemlich erfolgreiche YouTube-Kanal zum Gittare spille lerne betreibt. Der Mann nennt sei Internet-Auftritt Horst Keller VIP-Guitar. Desjohr im Fewer is’m ingfall, sei Aktivität uf YouTube auszuweide. Er hot sich nämlich vorgholl, Interviews mit verschiedene Leit, ich gehn jetz mol davun aus, dass die meistens aus der Musikwelt kumme werre, zu feehre. Un sei eerscht (un bisher aah letzt) Interviewpartner war de Specks Ossi aus Johrmark.

Asso absolut souverän war de Ossi in dem Gspräch, des muss ich schun mol vorrewech holle. Dass es in der Stunn un 19 Minutte, so lang hun die zwaa geredd, un merr hat de Eindruck ghat, sie hädde noch lang so weidermache känne, meistens um die Musik gang is, kann merr sich leicht vorstelle. De Specks Ossi hot verzählt, wie des selmols war, wie er in die Musik regelrecht ningebor is wor in dem „kleinen Örtchen Jahrmarkt. […] Da gab’s mehr Blasmusik, als Brot zu essen. […] Es gab zwei riesen Blasorchester, die beide damals im Banat führend waren für ihre Qualität. […] Mir wurde die Musik in die Wiege gelegt.“ Des mit der Wieh is wirklich e herrlichi Anekdote. Awwer die verzähl ich do net noh. Die horcht Dehr eich besser selwer on, weil des Video kann merr jo noch uf YouTube siehn.

Es war sogar forr mich, der wu mi’m Specks Ossi so manchi Kerweihnaacht uf de Haader-Kulturheimbiehnes verbrung hot, e Iwerraschung, was der in seim Musikerlewe so alles erlebt hot. Mensch, Ossi, ich hun zum Beispiel net gewisst, dass du net norr e leidenschaflicher Blechmusikant warscht un noch bist – annerscht kännst du jo net schun seit Johre bei de Egerländer Musikante die Tuba blose -, sondern dass du schun in Rumänien e, ja, merr kanns annerscht net nenne, sehr origineller Rockmusiker warscht. „Ich glaub, ich war der einzige Tubist in Rumänien, der in der Rockband mit der Tuba gespielt hat“, verzählt de Ossi. Un wie de Dixie Krauser ne iwerzeujt hot, i’me Rockkonzert, Open Air vor 3000 Zuschauer, mit der selmols (1980er Johre) in Rumänien berühmt Band Pro Musica ufzutrede, des sellt merr sich in dem Interview net entgehn losse.

Merr erfahrt in dem Interview wirklich sehr, sehr vill iwer die Musik als Kunst – „Die Musik ist die größte Form der Kunst, weil sie wirklich Körper, Geist und Seele in Einklang bringt.“ (Originalton Ossi) -, als gesellschaftliche Leim, der wu alles zammhalle kann, als absoluter Glicksausleser, awwer aah als ganz perseenliches Ufputschmittel, als Stressfaktor un leider aah als Belastung forr die Familie.

Horst Keller (li.) un Oswald Windrich
im Interview uf YouTube
 1. Fewer 2018

Un sellt’s jetz noch e Johrmarker gewwe, der vleicht net waaß, wer de Specks Ossi is, dem will ich’s do verrode: Des is de Oswald Windrich, Musiker wie er leibt un lebt, grundehrlich  un bekannt wie e schecklicher Hund. Un do is des Interview: https://www.youtube.com/watch?v=xUXpSvGODeo.

Berns Toni